Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Er redigiert nicht

24.07.2013. Collectors Weekly erzählt die Geschichte der lesbischen Bluessängerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts. In der Welt singt der Rapper Mohammed al-Deeb ein Loblied auf die dritte Phase der ägyptischen Revolution. Die taz lernt von Steve McQueen, was radikale Blickführung ist. In der SZ findet Jan-Werner Müller Populismusvorwürfe elitär. In der FAZ erinnert Evgeny Morozov: Niemand ist gezwungen, Google zu benutzen.

Eine Maus aus Fleisch und Blut

23.07.2013. Die taz staunt über die kulturelle Blüte im Ural. Auch Heise Online will ein Bezahlmodell entwickeln, meldet Meedia. Fünf große alte Männer der Zeit gehen ab sofort unter die Onlinejournalisten und erklären morgens ab 8 Uhr die Welt. Der New Yorker guckt Ramadan-Soap Operas mit Muslimbrüdern, die Geigen zerschmettern. Die SZ kritisiert in scharfen Worten die maximalste Intransparenz der amerikanischen Geheimgerichte. Wir verlinken auf die zehn teuersten Fotos der Welt. Das Royal Baby ist nicht dabei.

Die Farbenseligkeit, die Pianissimokultur, das Feuer

22.07.2013. Die Welt bringt Karl-Heinz Bohrers Rede zum Gedenken an die Widerständler des 20. Juli: Er fragt, warum die Deutschen sie so wenig mögen. Viel Stoff gibt's zum heutigen Götz und Henrich George-Tag, den das Altpapier sorgsam aufgelistet hat. Nun reiten auch die Kuratoren auf dem "Schaumkamm der Retro-Welle" und veranstalten Austellungen über Ausstellungen , seufzt die NZZ. In der taz schildert Geert Mak die traurige Lage im Fly-over-Country der USA. In der FAZ bringt Georg Mascolo Rezepte gegen den Abhörwahn.

Wanderprediger des Grauens

20.07.2013. In der taz und in der FAZ lotet Ulrich Beck nach Prism das Freiheitsrisko aus. In der NZZ fragt Peter Glaser, ob sich die Revolution in 3D ausdrucken lässt. Zugleich stellt sich in der noch 2D gedruckten "Mega" heraus, dass Karl Marx an den Bewegungsgesetzen der Geschichte keine rechte Freude hatte. Die Welt analysiert die Symptome der Festivalitis. Die SZ zieht zu Prism und zu Cormac McCarthy rhetorisch die Magnum.

Im Weichzeichner der Erinnerung

19.07.2013. In der taz ruft der syrische Autor Yassin al-Haj den Westen auf, endlich in Syrien einzuschreiten: "Es gibt keine gleichgewichtigen Bösen in Syrien." Die NZZ findet es ganz okay, dass die große Le Corbusier-Ausstellung im Moma seine Zeit als Berater des Vichy-Regimes nicht thematisiert. In der Welt kritisiert Gidon Kremer die Putinisten unter seinen Klassikkollegen. Die FAZ findet Götz Georges Filmporträt seines Vaters beschönigend. Und nach der Zeit wird jetzt auch die Zeit Online hinter eine Paywall gesteckt, meldet Horizont.

Das ganz Ferne steht glasklar da

18.07.2013. Die taz stellt fest, dass es Hollywood-Filme sind, die uns längst an die Idee der Totalüberwachung gewöhnt haben. Der Guardian erklärt in diesem Zusammenhang, was der Begriff  "Three-Hop-Queries" bedeutet. Thomas Stadler empfiehlt in Internet-Law ein Nachdenken über den Sinn von Geheimdiensten in Demokratien. In der NZZ erklärt Urs Widmer, warum er sich in seinen Memoiren auf die ersten dreißig Jahre beschränkt. Und in der Zeit verabschiedet sich Boris Groys vom Internet als einem Raum der Freiheit: Willkommen in der erweiterten Kampfzone.

Unabhängige Narrative, Journalismus und Aktion

17.07.2013. In der FAZ bemerkt Gerd Antes, dass die Politiker immer nur von vereitelten Anschlägen sprechen, aber nicht von all den Fällen, in denen die Geheimdienste Schäden anrichten, die sich bei mehr Daten ebenfalls vermehren werden. Roberto Saviano beschreibt in La Repubblica die mexikanische Drogenmafia als eine der effizientesten Militär- und Wirtschaftsmaschinerien der Welt. Die Welt durchleuchtet die brasilianische Protestbewegung, die sich gegen die etablierten Kräfte von links und rechts stellt. Wir bringen den Trailer zu einem Film über Julian Assange mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle.

Extrem unwichtige populäre Trottel

16.07.2013. Es gab auch schon Whistleblower, denen Amerika dankbar war, erinnert Gawker. Zeit Online wundert sich über die Untätigkeit der Politiker angesichts der britischen Spionage. In den Blogs und bei Spiegel Online wird gefragt, inwieweit in Deutschland noch von einem Rechtsstaat die Rede sein kann. New Republic und NZZ beleuchten die Lage in Ägypten und Tunesien. In der SZ erteilt der Internetforscher David Weinberger der Brockhaus-Nostalgie eine Absage. Die FAZ besucht das ehemalige Lager Maly Trostinez bei Minsk.

Als Bauernopfer nach Washington

15.07.2013. Die FAZ stellt eine Handvoll amerikanischer Politiker vor, die sich gegen das Wuchern der Geheimdienste wenden - aber auch sie interessieren sich nur für die Rechte der Amerikaner. Warum ist Innenminister Friedrich nach Washington gereist, fragen Netzpolitik und Bild: um sich zu beschweren oder um sich zu bedanken?  Die SZ analysiert den Feminismus der Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Die taz entlockt Jacques Derrida ein posthumes Interview. Die NZZ ist begeistert von der Kulturmetropole Kinshasa.

Grenze, Welle, Wolke

13.07.2013. Die Financial Times fordert Straffreiheit für den lauteren Edward Snowden und meint: Naiv sind die Verteidiger der NSA. Die SZ informiert über den umfassenden Reizwörter-Katalog, nach denen die sozialen Netze abgefischt werden: Beklagen Sie sich bloß nicht über "Grippe" oder andere "Symptome", bei "Schnee" oder in "Tucson"! Die FAZ verfolgt eine Sitzung des Gremiums, das die FISA-Gerichte kontrollieren soll. Die Welt lässt sich dagegen vom CDU-Politiker Peter Tauber erklären, warum Snowden doch irgendwie ein Verräter ist. Weitere Themen: Die SZ lernt la deutsche Vita kennen. Der NZZ offenbart sich die Substanz des Lichts.