Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.08.2013. In der NZZ macht sich Leopold Federmair Sorgen: In Japan verschwindet der Sex. Die Welt hat nach Wacken einen kerzenlichtflackernden Melodic-Metal-Choral auf den Lippen. Spiegel, Spon und Spiegel-TV planen die Tageszeitung der Zukunft. In der taz fordert Bahman Nirumand von Iran neuem Präsidenten Hassan Rohani eine liberalere Kulturpolitik. In der Nachtkritik entlarvt Dirk Pilz Botho Strauß als den Mehrheitsführer im Kulturbetrieb. Anna Battista führt in ihrem Blog in die Kunst des Neurostricken ein. In der FAZ stellt Sadik J. Al-Azm klar: Nicht die Minderheiten sind in Syrien in Gefahr, sondern die Mehrheit.
03.08.2013. Die taz fragt: Dürfen Kinder an mein Ipad? Das Smithsonian sieht sich durch wissenschaftliche Studien in seiner guten Meinung über Champagner bestätigt. The Millions und andere Blogs freuen sich den posthumen Erfolg des Autors John Williams. Die SZ-Kritiker untersuchen die Bilderflut in Schauspiel und Oper: Ist sie auch ein Zeichen der Krise? In der Literarischen Welt kann Hannes Stein nicht fassen: Peter Beinart glaubt an Demokratie. Wenn es Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geben soll, dann müssen die Israelis die besetzten Gebiete zurückgeben, erklärt Joshua Sobol in der NZZ.
02.08.2013. Der Guardian enthüllt, dass der britische Geheimdienst GCHQ für seine Arbeit von der amerikanischen Regierung bezahlt wird. In der taz erklärt Hans de With, Vorsitzender der G-10-Kommission zur Geheimdienstkontrolle, was er alles nicht erfährt. Auch die Chinesen spionieren - vor allem an amerikanischen Universitäten, meldet die NZZ. In FR und Welt erklärt Günter Wallraff, warum er in Istanbul den Prozess gegen den türkischen Schriftsteller Doğan Akhanlı beobachtet. In Bayreuth handelte sich Frank Castorf für seinen "Ring" standing buhvations ein, die Kritiker waren größtenteils zufrieden.
01.08.2013. Neues aus der Unentrinnbarkeit: Der Guardian hat NSA-Dokumente veröffentlicht, demnach kann die NSA alles überall, und zwar gleich jetzt abhören, erläutert Spiegel Online, Frontal 21 bringt Neues über deutsche Aktivitäten. Die Zeit gibt Entwarnung: Auch als Totalüberwachter kann man schließlich weiter surfen. Felix Schwenzel staunt auf wirres.net: Stell dir vor, es ist LSR und keiner nimmt es wahr. Sind die Buhs nach der Bayreuther "Götterdämmerung" inzwischen verebbt? Nachtkritik berichtet quasi live. In der FAZ mahnt Rainer Merkel: Ein Westen, der nicht untätig zuschaut, während die syrische Opposition massakriert wird, macht sich schuldig.
31.07.2013. Das Urteil gegen Bradley Manning ist nicht gerade ein Sieg für die Transparenz, meint das New York Magazine. Jezebel besäuft sich am Sprachwitz der Franzosen. Die NZZ begeht die Passerelle des trois pays. Nicht der NSA ist es gewesen, die Hippies sind schuld am Überwachungsskandal, meint der Ökonom Max Höfer in der Welt. In der FAZ erklärt Handelsblatt-Chef Gabor Steingart einem ungläubigen Frank Schirrmacher, wie die Finanzkrise gemacht wurde. Außerdem verzichtet auch die FAZ wie Springer gegenüber Google News auf die Wahrnehmung der so heroisch erkämpften Leistungsschutzrechte.
30.07.2013. Die FAZ ist sich nicht ganz sicher: Ist Botho Strauß' neuer Essay über die Angst des Verschwindens Diagnose oder Symptom? Auch die Welt macht sich Sorgen um den Epiker das Gewesenen im Zeitalter seiner Retweetbarkeit. Die taz meldet: Springer will auch trotz glücklich errungenen Leistungsschutzrechts für Google schön bleiben. Die NZZ eruiert angesichts gefährdeter Geschäftsmodelle verschiedene Fördermöglichkeiten für die Presse. In der Berliner Zeitung staunt Götz Aly über das bayerische Gerechtigkeitsempfinden.
29.07.2013. "Rheingold" und "Walküre" in Frank Castorfs Benzinuniversum geben der an sich gutwilligen Kritik manche Rätsel auf. Immerhin: Teufelskerlchen Kirill Petrenko erweist sich als abgefeimter Geschichtenerzähler. Und dann ist da noch Anja Kampe. In wirres.net setzt sich Felix Schwenzel nach einigem Zögern nun einen Alu-Hut auf. Der Tagesspiegel liest Orwells "1984" tatsächlich nochmal und findet ihn aktuell. Von Untertreibungen abgesehen. Und alle verabschieden sich von J.J. Cale.
27.07.2013. Julian Nida-Rümelin lässt Thomas de Maizière in der taz Nachlässigkeit nicht als Ausrede für Nachlässigkeit durchgehen. Die FR beschwört angesichts von Big Data und NSA finsterste Science-Fiction-Szenarien. Die nachtkritik gibt erste Entwarnung bezüglich Frank Castorfs "Ring". Greta Gerwig beklagt sich in der SZ über den jugendlichen Wildheitszwang. Der moderne Literaturbetrieb macht Autoren zu Autorendarstellern, bedauert Jochen Jung in der NZZ. Und Buzzfeed präsentiert die schwulsten Putin-Fotos.
26.07.2013. In der New York Review of Books plädiert Martin Scorsese für die Archivierung aller Filme. Laut Cnet fordert die NSA jetzt die Schlüssel für verschlüsselte Kommunikation, Präsident Gauck ist laut Spon beunruhigt. In der NZZ erklärt der nigerianische Autor Helon Habila, warum Künstler sich nicht an die Tradition halten sollten. Die SZ möchte von Hans-Peter Uhl und Evgeny Morozov wissen, warum ihr Fernmeldegeheimnis nichts wert ist. In der FAZ warnt George Dyson: Wer sich vor gefährlichen Gedanken schützt, schützt sich auch vor orginellen Gedanken. Außerdem erklären 32 Autoren der Bundeskanzlerin: Wir wollen nicht warten.
25.07.2013. Aktualisierung: Springer verkauft Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, die Hörzu an die Essener Funke Mediengruppe, meldet Meedia. Die Welt bewundert Brünnhildes Anfangs-Hojotohos auf den geölten Stimmbändern der Catherine Foster. Die Exilkubaner werden auch immer liberaler, notiert die NZZ. Die taz lässt sich anwaltlich versichern, dass die Veröffentlichung von Geheimpapieren nicht das Urheberrecht verletzt. In der Zeit verzweifelt Ingo Schulze angesichts der achselzuckenden Reaktionen deutscher Politiker auf amerikanische Überwachungsprogramme. Die FAZ lernt in einer Paderborner Ausstellung, wie der Loser am Kreuz doch noch im Volk ankam.