Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 21

Magazinrundschau vom 23.08.2005 - Al Ahram Weekly

Der Politologe Abdel-Moneim Said weist alle zurecht, die islamistischen Terror mit kolonialer Demütigung begründen: "China ist ungefähr genauso groß wie die arabische Welt und hat etwa so viele Einwohner, wie es Muslime gibt. Auch die Chinesen hielten sich für das Zentrum der Welt und die zivilisierteste aller Nationen." Dann kamen die Briten, forderten Zugang zum Kaiser und der Verbotenen Stadt und begannen den Opiumkrieg. Am Ende brach das chinesische Reich zusammen, fährt Said fort. Die Chinesen mussten 1842 das Abkommen von Nanking unterzeichnen, das den Briten Immunität zusagte, selbst wenn sie Verbrechen auf chinesischem Gebiet begingen. Das Opium wurde in China legalisiert, gleichzeitig wurden Tausende Chinesen in die Sklaverei verschleppt. "Ähnliche Dinge geschahen in der arabischen und muslimischen Welt, wenn auch nichts so extremes wie Opium und Sklaverei. Doch es waren nicht Chinesen, die in London Menschen töteten. Stattdessen erwarben sie die Stärke, die in der Welt von heute von Nöten ist."

Magazinrundschau vom 16.08.2005 - Al Ahram Weekly

Ezzat Ibrahim bemüht sich, im Gespräch mit Francis Fukuyama den roten Faden im Denken des scheinbar so janusköpfigen Politologen zu finden, der vor anderthalb Jahrzehnten das Ende der Geschichte und den endgültigen Triumph des westlichen Liberalismus proklamierte. Fukuyama berät die Bush-Regierung, bezeichnet aber den Irak-Krieg vorsichtig als Fehler; er ist einer der respektiertesten neokonservativen politischen Kommentatoren, doch bei den letzten Wahlen gab er seine Stimme John Kerry. "Amerika", gibt er zu Protokoll, "hat nirgends auf der Welt eine Demokratie errichtet. In Staaten, wo Menschen nach Demokratie strebten, haben diese die Demokratie selbst errichtet. Die USA können nicht einfach beschließen, ein Land zu demokratisieren, sie müssen die internen Diskurse stärken, die in diese Richtung drängen."

Die in London lebende irakische Schriftstellerin Schriftstellerin Haifaa Zangana behauptet, nicht der Islam, sondern die amerikanische Besatzung Iraks zerstörten die Rechte der Frauen dort. Und Youssef Rakha berichtet über das 41. Internationale Festival von Karthago in Tunis.

Magazinrundschau vom 09.08.2005 - Al Ahram Weekly

Amr Hamzawy erklärt, dass wegen eines eingespielten Duos die notwendigen Reformen in Saudi-Arabien - wenn überhaupt - wohl sehr langsam vonstatten gehen werden. "Die herrschende Elite monopolisiert die Regierung und das nationale Einkommen, während die Wahabiten Schulen und Universitäten kontrollieren. Ausgeübt und erhalten wird ihre Macht im Rahmen einer Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren. Letztere verschafft der herrschenden Elite eine religiöse Berechtigung, während erstere die absolute Autorität der Wahabiten bei der Regulierung der Gesellschaft schützt. Die gegenseitige Übereinkunft lähmt jeden Reformimpuls und gibt beiden Seiten die Gelegenheit, die Art und die Geschwindigkeit politischen Wandels zu bestimmen. Im Vergleich zu dieser binären Machtstruktur schwindet der Einfluss anderer politischer Kräfte in der Gesellschaft, von den liberalen, säkularen, über die aufgeklärten bis hin zu den Hardline-Fundamentalisten."

Magazinrundschau vom 26.07.2005 - Al Ahram Weekly

Fayza Hassan nimmt das Phänomen Al Dschasira im Spiegel von zwei Veröffentlichungen in den Blick. Hugh Miles' schildert in "Al-Jazeera: How Arab TV News Challenged the World", wie der Sender aus Qatar von arabischen Regierungen anfangs als amerikanisches Propagandainstrument gesehen wurde. "Als Ägyptens Präsident Hosni Mubarak im Frühjahr 2000 die Redaktionsräume von Al-Dschasira in Doha mit seiner Entourage während eines offiziellen Besuchs besichtigte, war er erstaunt über die geringen Ausmaße des Unternehmens. 'All dieser Ärger aus so einer Streichholzschachtel!', soll er ausgerufen haben. Nichtsdestotrotz hat die arabische Presse die Büroräume des Senders vier Jahre später immer noch als luxuriös bezeichnet und sich gefragt, wie Scheich Hamad bin Thamer Al-Than, der Emir von Qatar, so ein vorzügliches Projekt ohne ausländische (anti-arabische) Unterstützung finanzieren konnte."

Faisal Darrai entwickelt anhand neuer Romane von Mahmoud El-Wardani und Youssef Abu Raya die These, dass die ägyptische Literatur den Realismus hinter sich gelassen und die Metapher neu entdeckt hat. Stuart Reigeluth hat mit dem palästinensischen Regisseur und Schauspieler Makram Khouri über das Theatermachen in Ramallah und seine Bühnenadaption von Mahmoud Darwishs Langgedicht "Jidariyya" (Mural) gesprochen. Lubna Abdel-Aziz wirft einen Blick nach Hollywood und fragt sich, warum neuerdings nur noch Superhelden für die eskapistische Kinokost zuständig sind: "Wo sind die prickelnden Komödien, die üppig ausgestatteten Musicals, die Historienschinken, die inspirierenden Biografien, die aufregenden Spionagethriller, die spannenden Krimis und die süßen, seichten Liebesfilme?"

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Al Ahram Weekly

Dass HipHop sich von einer lokal verankerten afroamerikanischen Subkultur zur globalen Jugendkultur und Wirtschaftskraft gewandelt hat, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Neu dagegen ist der Ansatz von Hesham Samy Abdel-Alim, der - politisch parteiisch, eher thesenstark als subtil, aber dennoch analytisch erfrischend - in einem ausführlichen Artikel die weltweite Verbreitung von HipHop parallel zu einer posttraditionellen islamischen Identitätspolitik liest: "Wir erleben gerade eine gewaltige Bewegung muslimischer Künstler, die überall auf der Welt die Wirkkraft der HipHop-Kultur nutzen, um sich zu vernetzen." Die entstehende Gemeinschaft bezeichnet der Autor als "transglobale HipHop-Umma", seine Vertreter - von der New Yorker Underground-Ikone Mos Def bis zu palästinensischen Rappern - als die "Avantgarde des modernen Islam". "Werden solche Erkenntnisse", fragt er abschließend ketzerisch, "unseren" - gemeint ist der islamische - "Blick auf Popkultur, insbesondere HipHop-Kultur, verändern? Wird man sie als Komponente zur Konstruktion eines zeitgenössischen Islam ernst nehmen?"

Weitere Artikel: David Tresilian würdigt die Aufnahme von Assia Djebar als erste frankophone Autorin aus dem Maghreb in die Academie francaise. Rania Khallaf setzt die Artikelserie zu E-Books und zum Internet-Verlagswesen in der arabischen Welt fort. Youssef Rakha hat das Nachtleben von Beirut getestet und sich manchmal sogar an das "Paris des Ostens" aus der Vorkriegszeit erinnert gefühlt.

Magazinrundschau vom 05.07.2005 - Al Ahram Weekly

Im ersten Text einer Artikelserie über Literatur im Internet stellt Rania Khallaf ägyptische E-Book-Webseiten vor und spekuliert, ob das elektronische Verlegen von Büchern in der arabischsprachigen Welt erfolgreicher sein könnte als im Westen, weil Bücher nicht nur in anderem Format, sondern überhaupt Leser erreichen können. "Elektronische Publikationen", zitiert sie den Internet-Verleger von Kotobarabia Rami Habeeb, "können Werke der unbekanntesten arabischen Autoren - als auch von Debütanten - sofort weltweit zugänglich machen." Dass elektronische Bücher auch finanziell erfolgreich sein können, so Habeeb, beweisen Indien und China: "Das Geheimnis des Erfolges in Asien liegt darin, dass Bücher für eine große Zahl von Lesern aus den ein oder anderen Gründen nicht erreichbar waren. Als man sie im Netz zugänglich machte, kam auch der Profit."

Weiteres: David Tresilian berichtet von der 8. Euro-Arabischen Buchmesse in Paris, deren Ehrengast dieses Mal Palästina war. Colette Kinsella hat DJ Haze aus Frankreich und Musiker aus dem Nildelta zusammen auftreten hören und ist verblüfft, wie gut sich Techno mit traditioneller arabischer Musik verträgt. (Hier kann man es hören.)
Stichwörter: Techno, Arabische Musik

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Al Ahram Weekly

Tutenchamun, im Bewusstsein der Neuzeit der emblematische Pharao, ist ja derzeit wieder in den Schlagzeilen: Es gibt Ausstellungen, CT-Analysen, Rekonstruktionen seiner Gesichtszüge. Jill Kamil nimmt das zum Anlass, die Ereignisse zu rekapitulieren, die dazu führten, dass die Entdeckung der Grabstätte des jugendlichen Pharaos durch Howard Carter 1922 zum Politikum werden konnte: "Als Carter nur vier Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges seine Entdeckung im Tal der Könige machte, erlebte Ägytpen eine Welle des Nationalismus. Eine konstitionelle Monarchie stand in den Startlöchern, und es war daher unvermeidbar, dass die Entdeckung einer intakten königlichen Grabstätte politische Bedeutung erlangen würde. Carter aber schien sich dessen nicht bewusst zu sein." Er dachte vielmehr, er könnte die Bestimmung des Fundes festlegen, exklusive Reportagerechte verteilen und - dümmster Fehler! - die Forderungen der damals noch französisch dominierten Behörden übergehen. Ein Fehler, der ihn teuer zu stehen kam.

Weitere Artikel: In einem bewegenden Text beschreibt Youssef Rakhaaus den Tod seines Vaters und wie die Trauer ihn erstmals verstehen ließ, was Sartre mit der Trennung von Selbst und Bewusstsein meinte. Maggie Morgan porträtiert Samir Morcos als Autorität moderner koptischer Identität, vor allem aber als Stimme einer antisektiererischen Vernunft und als jemanden, der sich nicht scheut, oppositionelle Identitätspolitik - die vermeintlich gerechte Frontbildung der Verfolgten - als Engstirnigkeit zu bezeichnen. Ali Guindi porträtiert Hoda Wasfi, die Chefredakteurin des vierteljährlich erscheinenden Literaturmagazins Fusoul, das sie mitbegründete, als der sozialistische Realismus das Gebot der Stunde war und das sie durch den philosophischen und politischen Zeitgeist hindurch gestaltend in die Gegenwart begleitete.

Magazinrundschau vom 21.06.2005 - Al Ahram Weekly

Kompetent und kompakt beschreibt der palästinensische Knesset-Abgeordnete Azmi Bishara (mehr hier und hier) den "gordischen Knoten", der die politische Entwicklung blockiert: das Rentier-Staats-Modell (mehr), die Legitimitätskrise des Nationalstaats, die Ölinteressen der Amerikaner und schließlich der Islam, der auf verschiedenen Ebenen wirkt. "Arabische Regime haben islamische Rhetorik als Mittel benutzt, um sich eine Daseinsberechtigung zu verschaffen, während sie gleichzeitig den Aufstieg undemokratischer radikalislamischer Bewegungen ausgenutzt haben, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Die staatliche Unterdrückung der undemokratischen islamischen Alternative bewirkt zudem, dass deren Agenda als die einzig vorhandene Alternative erscheint. Denn die anderen politischen Bewegungen ohne einen Märtyrerkult ziehen sich schnell aus dem Kampfgeschehen zurück, sobald sie sich mit Repressionen konfrontiert sehen."

Al-Ahram proudly presents: die erste Ausgabe der Cairo Review of Books, der neuen monatlichen Literaturbeilage. Darin widmet sich ein leider nicht namentlich genannter Autor der jüngsten Veröffentlichung von Nagib Machfus ("Ahlam Fatrat Al-Naqaha", etwa: Die Träume aus der Zeit der Genesung): ein Buch mit "konzisen und konzentrierten" Texten - fiktionalisierten Träumen, die zusammen genommen einen "Rückblick auf ein Jahrhundert der kulturellen und politischen Ambitionen, Projekte und Fehler" ergeben. Der Rezensent ist beeindruckt, das Machfus immer noch über eine frische erzählerische Stimme verfügt hat und so überhaupt nicht zur Predigt neigt: "Man gewinnt nicht den Eindruck, dass der Autor im Alter endlich alle Wahrheiten herausgefunden hat. Einige dieser Texte stiften ein innere Unruhe, die der nach dem Erwachen aus einem Traum, wenn man sich zwischen hier und dort, zwischen Schlafen und Wachen befindet, nicht unähnlich ist." Träume Nr. 90 und 97 sind gleich mit abgedruckt.

Zweimal Palästina: Zum einen wird eine Würdigung von Edward Saids Kampf für die palästinensische Sache nachgedruckt, verfasst von seinem Sohn Wadie Said und ursprünglich erschienen als Nachwort von von Saids letzter Essay-Sammlung "From Oslo to Iraq and the Roadmap". Außerdem rührt David Treselian die Trommel für Elias Sanbars "Figures du Palestinien: identite des origines, identite de devenir", in dem palästinensische Identität anhand von drei historischen Momenten beschrieben wird: die Palästinenser im osmanischen Reich, unter britischem Mandat, und als "unsichtbare" Nation nach 1948. Und schließlich noch Samir Farids Bericht vom Filmfestival in Rotterdam.

Magazinrundschau vom 14.06.2005 - Al Ahram Weekly

Wie soll sich die arabische Welt an Abu Ghraib erinnern? Welche Rolle kann die "perverse Pornografie des Krieges? in der kollektiven Imagination - falls es so etwas geben kann - spielen, während sich alle Welt mediale Bilder von den "Arabern" macht? Rania Gaafar plädiert für die Offensive und die Umwandlung der Folterstätte in ein Museum: "Die Traumata der irakischen Folteropfer von Abu Ghraib und in anderen okkupierten Gebieten scheinen eine mysteriöse negative Energie zu erzeugen: Erinnerung als Energiequelle. (...) Symbolismus tut not - Araber können nicht bei dekonstruktivistischen Theorien beginnen, wenn gar keine Konstruktionen vorhanden sind. Und dieser Symbolismus kann nur daraus erwachsen, dass man sich die Erlaubnis zur Erzählung erteilt, zur Bewahrung der Stätten von Krieg und Mord. So, wie es die Länder des Westens tun."

Außerdem porträtiert Rasha Kassir den libanesischen Politaktivisten, Historiker und Journalisten Samir Kassir, Mitbegründer der Bewegung der Demokratischen Linken, der am 2. Juni einem Attentat zum Opfer fiel. Und Lubna Abdel-Aziz kündigt einen neuen Boxerfilm-Klassiker an, "The Cinderella Man" von Ron Howard, und klärt darüber auf, dass der Sport selber - zwei Männer, die sich vor Publikum schlagen, bis einer umfällt - nicht weniger als 5000 Jahre älter ist als Hollywood.

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Al Ahram Weekly

"Sie haben sich einen Bart wachsen lassen, genau wie ich" sagte Nagib Machfus, Ägyptens renommiertester Schriftsteller, zu Paulo Coelho, Brasiliens erfolgreichstem Vertreter der Zunft. "Er ist so grau wie Ihrer", erwiderte Coelho, und "das Eis war gebrochen". Mohamed Salmawy war beim Gipfeltreffen dabei und berichtet vom Austausch allerlei Artigkeiten. Wir erfahren auch, was Großschriftsteller im mehr (Mahfouz, 93) oder weniger (Coelho, 58) fortgeschrittenem Alter sonst noch so beschäftigt: Ah, der Geschmack einer Zigarette! Ah, Literatur! Ah, das Leben!

Serene Assir porträtiert Siham Rifqi, die ihre Karriere als Sängerin 1942 begann - "Libanon musste war noch nicht unabhängig von französischer Kolonialherrschaft; Palästina war noch Palästina, wenn auch unter britischer Herrschaft" - und in ihrer großen Zeit "in der ganzen arabischen Welt bekannt war". "Die älteste islamische Universität ist im Cyberspace angekommen", meldet Sherine Bahaa: Al-Azhar will 42.000 rare und zum beträchtlichen Teil restaurationsbedürftige Bücher und Manuskripte im Netz zugänglich machen, um zur Verbreitung eines "aufgeklärten Bildes des moderaten Islam" beizutragen. Lubna Abdel-Aziz nimmt die neueste Dreamworks-Animations-Extravaganza "Madagascar" - vier New Yorker Zootiere landen im Dschungel von Madagaskar - zum Anlass, einen Blick auf die Geschichte von Afrika im amerikanischen Film zu werfen.