
Kompetent und kompakt
beschreibt der palästinensische Knesset-Abgeordnete
Azmi Bishara (mehr
hier und
hier) den "gordischen Knoten", der die politische Entwicklung blockiert: das
Rentier-Staats-Modell (
mehr), die Legitimitätskrise des Nationalstaats, die Ölinteressen der Amerikaner und schließlich der Islam, der auf verschiedenen Ebenen wirkt. "Arabische Regime haben
islamische Rhetorik als Mittel benutzt, um sich eine Daseinsberechtigung zu verschaffen, während sie gleichzeitig den Aufstieg undemokratischer radikalislamischer Bewegungen ausgenutzt haben, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Die staatliche Unterdrückung der
undemokratischen islamischen Alternative bewirkt zudem, dass deren Agenda als die einzig vorhandene Alternative erscheint. Denn die anderen politischen Bewegungen ohne einen
Märtyrerkult ziehen sich schnell aus dem Kampfgeschehen zurück, sobald sie sich mit Repressionen konfrontiert sehen."
Al-Ahram proudly presents: die erste Ausgabe der
Cairo Review of Books, der neuen monatlichen Literaturbeilage. Darin
widmet sich ein leider nicht namentlich genannter Autor der jüngsten Veröffentlichung von
Nagib Machfus ("Ahlam Fatrat Al-Naqaha", etwa: Die Träume aus der Zeit der Genesung): ein Buch mit "konzisen und konzentrierten" Texten -
fiktionalisierten Träumen, die zusammen genommen einen "Rückblick auf ein Jahrhundert der kulturellen und politischen Ambitionen, Projekte und Fehler" ergeben. Der Rezensent ist beeindruckt, das Machfus immer noch über eine frische erzählerische Stimme verfügt hat und so überhaupt nicht zur Predigt neigt: "Man gewinnt nicht den Eindruck, dass der Autor im Alter endlich alle Wahrheiten herausgefunden hat. Einige dieser Texte stiften ein innere Unruhe, die der nach dem Erwachen aus einem Traum, wenn man sich zwischen hier und dort, zwischen Schlafen und Wachen befindet, nicht unähnlich ist."
Träume Nr. 90 und 97 sind gleich mit abgedruckt.
Zweimal Palästina: Zum einen wird eine Würdigung von Edward Saids Kampf für die palästinensische Sache
nachgedruckt, verfasst von seinem Sohn
Wadie Said und ursprünglich erschienen als Nachwort von von Saids letzter Essay-Sammlung "From Oslo to Iraq and the Roadmap". Außerdem
rührt David Treselian die Trommel für
Elias Sanbars "
Figures du Palestinien: identite des origines, identite de devenir", in dem
palästinensische Identität anhand von drei historischen Momenten beschrieben wird: die Palästinenser im osmanischen Reich, unter britischem Mandat, und als "unsichtbare" Nation nach 1948. Und schließlich noch
Samir Farids Bericht vom
Filmfestival in Rotterdam.