Magazinrundschau - Archiv

Bloomberg Businessweek

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Magazinrundschau vom 27.09.2022 - Bloomberg Businessweek

Liest man die jüngsten Artikel über chinesische Lockdowns und überhaupt über Überwachung in China, kommt man zu dem Schluss, dass China selbst unter Quarantäne gestellt werden sollte. John Liu schildert, wie in Ruili, einer Grenzstadt zu Myanmar mit 250.000 Einwohnern, wo ein lebhafter legaler und illegaler Grenzverkehr herrschte, alles komplett abgeriegelt wurde, um den Preis einer funktionierenden Wirtschaft. Als dann innerhalb von sechs Monaten doch ein Mensch an Corona erkrankte, wurde der Bürgermeister gefeuert. "Gong Yuzuns Nachfolger, Zhai Yulong, hat die Ausgaben für die Virusbekämpfung versechsfacht, so dass sie sich für das gesamte Jahr 2021 auf 2,12 Milliarden Yuan (303 Millionen Dollar) belaufen. In den 12 Monaten bis April 2022 verhängte die Stadt sechs weitere Lockdowns, von denen mindestens vier mit Fällen unter burmesischen Staatsangehörigen zusammenhängen. Geschäfte wie Elektronikläden und Autowerkstätten sowie Schulen blieben ein Jahr lang geschlossen, während alle Lieferungen aus Myanmar gestoppt wurden und der Bau der Grenzmauer angeordnet wurde. Innerhalb von Ruili hat die Stadt ein System eingerichtet, das die Bewegungen aller Einwohner und Besucher verfolgt, zum Teil durch den Einsatz von Kameras zur Gesichtserkennung an den Eingängen von Orten, an denen sich Menschenmengen versammeln könnten. Dieses System ist weiterhin im Einsatz." Die strikte No-Covid-Strategie hat übrigens eine unheimliche Kehrseite: Die Menschen sind viel zu wenig geimpft. "Forscher der Fudan-Universität in Shanghai schätzten, dass die Omikron-Variante, wenn sie sich in China ohne Massentests und Abriegelungen ausbreiten würde, bei nahezu fehlender natürlicher Immunität in der Bevölkerung bis zu 1,6 Millionen Todesfälle zur Folge haben könnte."

Magazinrundschau vom 06.09.2022 - Bloomberg Businessweek

Clara Ferreira Marques erzählt in ihrer Reportage, wie der russische Propagandasender RT (ehemals Russia Today), in Europa inzwischen verboten, in Afrika, Asien und Lateinamerika Fuß fasst - "Orte, an denen Nachrichten hauptsächlich über soziale Medien konsumiert werden und die meisten Regierungen keine besonderen Animositäten gegenüber Putin hegen. Gleichzeitig hilft RT bei der Verbreitung von Nachrichten über ein breites Ökosystem von Organisationen, die von Russland unterstützt werden, wie die Nachrichtenagentur Sputnik und der Videoanbieter Ruptly. Und es inspiriert weiterhin andere Bemühungen, die Vorherrschaft traditioneller Nachrichtenorganisationen zu brechen, seien es Chinas Versuche, seine Auslandspropaganda zu verfeinern, oder Projekte wie TalkTV, ein neuer, von Rupert Murdoch finanzierter britischer Sender, der 'klare Worte' zu brisanten Themen verspricht. ... RT sendet seit 2007 auf Arabisch und hat seine französischsprachige Berichterstattung in Afrika ausgebaut. Außerdem plant der Sender ein neues englischsprachiges Zentrum in Johannesburg. Der Kontinent ist zunehmend eine außenpolitische Priorität für Russland; Ende Juli besuchte Außenminister Sergej Lawrow Ägypten, Äthiopien, Uganda und die Republik Kongo und führte in jedem Land freundschaftliche Gespräche mit führenden Politikern. RT war wohl am erfolgreichsten in Lateinamerika, wo viele Länder seit langem eine skeptische Haltung gegenüber den USA haben. Die spanische Facebook-Seite von RT hat etwa 17 Millionen Follower - mehr als doppelt so viele wie das englische Pendant - und besonders viele in Argentinien, Mexiko und Venezuela. Eine Studie des Atlantic Council, die die Online-Debatte über die Ukraine in den ersten Wochen des Krieges analysierte, ergab, dass RT en Español eine der am häufigsten geteilten Domains in den spanischsprachigen Twitter-Diskussionen über den Konflikt war. ... Es gibt nur wenige Berichte über Russland selbst, dafür aber positive Berichterstattung über Verbündete wie den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro. 'Das Ziel ist es, deutlich zu machen, dass die Demokratie nicht funktioniert', sagt der kolumbianische Politologe Wladimir Rouvinski."

Magazinrundschau vom 28.06.2022 - Bloomberg Businessweek

Der Aktienkurs von Spotify ist seit letztem Jahr von über 300 Dollar auf 100 Dollar gefallen, schreibt Lucas Shaw. Seit Jahren hofft das Streaming-Unternehmen, Geld mit Podcasts zu machen. Dem Corona-Skeptiker Joe Rogan, der auf Spotify enorm populär ist, bezahlte das Unternehmen kurzerhand hundert Millionen Dollar. Aber Rogan brachte nur Ärger: "Spotify ist ins Podcasting eingestiegen, um sich aus dem unrentablen und wettbewerbsintensiven Geschäft des Musik-Streamings zu befreien. Die Verträge mit Plattenlabels verpflichten das Unternehmen, mehr als 70 Prozent jedes eingehenden Dollars abzuführen. Aus diesem Grund hat die Wall Street das Geschäftsmodell lange Zeit in Frage gestellt. Podcasting bietet Spotify exklusives Material, das andere Tech-Giganten dazu zwingt, den Dienst anzubieten - und schafft eine Einnahmequelle, an die die Musiklabels nicht herankommen. Dennoch: Trotz all der Investitionen entfielen nur 7 Prozent der gesamten Hörstunden im ersten Quartal 2022 und 2 Prozent des Umsatzes im letzten Jahr auf Podcasting, gab das Unternehmen im Juni bekannt." Shaw schreibt Spotify dennoch nicht ab. So massiv sind die Investitionen des Unternehmens, dass es mit der der Schwachsinnifizierung seiner Inhalte schon irgendwann Erfolg haben wird.
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Stichwörter: Spotify

Magazinrundschau vom 11.01.2022 - Bloomberg Businessweek

In Afrika treffen die Covid-Maßnahmen Mädchen besonders hart, berichtet Jill Filipovic in einer mit Zahlen und Interviews gespickten Reportage. Wenn die Schulen schließen müssen, verlieren viele die einzige Zuflucht in der sie Kinder oder Jugendliche sein können: "Ntaiya, die Massai-Pädagogin, sagt, dass ihre Organisation in der Gemeinde Haus für Haus aufgesucht hat, um die Mädchen zu schützen, und dass ihre Schülerinnen im Großen und Ganzen zurückkommen. Aber sie kommen oft verwundet und traumatisiert zurück. 'Wir wissen, dass [weibliche Genitalverstümmelung] zugenommen hat', sagt sie. 'Wir wissen, dass Teenagerschwangerschaften zugenommen haben. Und Kinderheiraten - sie nehmen einfach zu. Wir hoffen, dass wir dieses Narrativ ändern und einen Weg finden können, um Mädchen zu schützen, Gemeinschaften zu schützen und ihnen zu helfen, sich zu entwickeln. Aber die ganze Arbeit, die wir geleistet haben, geht nach hinten los.' Sie hält inne und holt tief Luft. 'Es ist ein schwieriges Thema.'"

Magazinrundschau vom 04.01.2022 - Bloomberg Businessweek

Die bis dato größte Konkurrenz zu Amazon heißt Shopify. Aufgebaut hat sie der 1981 in Koblenz geborene Tobias Lütke - allerdings nicht in Deutschland, sondern in Kanada, wohin er 2002 auswanderte. Shopify ist eine Handelsplattform, die vor allem kleinen Händlern ein Refugium bietet, die sich nicht Amazon ausliefern wollen. Das klappte - auch wegen der Fehler von Amazon - exzellent, Shopify wurde das wertvollste kanadische Unternehmen. Bis jetzt. Denn jetzt ist Shopify an dem Punkt angelangt, an dem es eigene Logistik- und Verteilungszentren aufbauen und mit den selben harten Bandagen spielen müsste wie Amazon: "Shopify versprach, über einen Zeitraum von fünf Jahren eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau des Dienstes zu investieren, und zahlte 450 Millionen US-Dollar für die Übernahme des Robotik-Start-ups 6 River Systems in Massachusetts, das die gleiche Art von Robotern herstellt, die in den Lagerhallen von Amazon eingesetzt werden. Beobachtern schien es, als sei Lütke bereit, Lagerhäuser zu kaufen, Arbeiter einzustellen und damit zu beginnen, Paletten und Pakete in der realen Welt zu bewegen. Doch dazu kam es nicht. Shopify überlässt die letzte Meile immer noch weitgehend seinen Händlern. Im Januar 2021 stellte Shopify einen Betriebsleiter von Amazon namens Nitin Kapoor ein, der das Unternehmen nach neun Monaten wieder verließ. (Kapoor lehnte eine Stellungnahme ab.) Lütke sagt, dass  Logistik 'eine harte Nuss für Byte-Firmen ist' - das heißt für Firmen, die es sich damit bequem gemacht haben, Software zu schreiben, ohne Klagen über die Verletzung von Mitarbeiterrechten oder  öffentlichkeitswirksame Gewerkschaftskampagnen fürchten zu müssen. Wenn für die Endauslieferung eine rücksichtslose Effizienz im Stil von Amazon erforderlich ist, so Lütke, 'dann glaube ich nicht, dass wir Erfolg haben werden. Wir werden es anders machen, weil wir nicht so auftreten wollen'."
Stichwörter: Shopify, Lütke, Tobias, Kanada

Magazinrundschau vom 21.12.2021 - Bloomberg Businessweek

In einem Artikel des Magazins stellt Mark Ellwood fest, dass sich das Metaverse für Luxusmarken wie Gucci und Hermes schon rechnet - mit Accessoires, die nur virtuell existieren: "Die Wartezeit für eine Birkin-Bag kann sich über Jahre hinziehen, aber manche wollen nur eine Handtasche, die sie nie tragen werden können. The Dematerialised, ein britisches Startup, das Mitbegründerin Karinna Nobbs 'das digitale Kaufhaus deiner Träume' nennt, verkauft nichts als virtuellen Luxus. Es ist ein Marktplatz für Kleidung und Accessoires, der nur online existiert. Das erste Stück kam am 12. Dezember 2020 heraus, ein silberner Pullover, der für 121 Euro wegging. Wie alle Produkte seither verkaufte sich die gesamte Auflage von 1.212 digitalen Exemplaren innerhalb von drei Stunden. Nobbs hat mit Fabricant zusammengearbeitet, einem niederländischen virtuellen Couture-Haus, in dem Benutzer exklusive Kleidung für ihre digitalen Avatare auf sozialen Plattformen wie VRChat zusammenstellen können, eine digitale 3D-Welt, die in der Pandemie immer beliebter wurde. Die Fabricant-Kollaboration erzielte den teuersten Preis bisher: 9.000 Euro für ein einzelnes Kleidungsstück, genauer gesagt, ein Nicht-Kleidungsstück. The Dematerialized arbeitet nach dem populären Standardmodell von Streetwear und veröffentlicht einen Schuh, eine Tasche oder einen anderen Artikel in einer limitierten Auflage von normalerweise nicht mehr als 150 Einheiten. Es ist immer nur eine einzige Marke oder ein am Computer entworfenes Produkt verfügbar. Erfolgreiche Käufer erhalten einen non fungible token (NFT), ein virtuelles Eigentumszertifikat, das auf einer Blockchain ausgeführt wird. Mit diesem Echtheitsnachweis kann ein Besitzer eine Handtasche oder ein Kleid auf VRChat präsentieren, wo Zehntausende User täglich über Avatare interagieren - und ihre Outfits zur Schau stellen. Es mag albern erscheinen, so viel Geld für Luxus auszugeben, den man nie anfassen oder tragen kann, aber Spieler verwenden seit langem Kleidung, um ihre Online-Identität zu etablieren, genau wie Menschen in der realen Welt. Diese als skins bezeichneten Outfits werden von Spielern gekauft, um ihr Aussehen in einem Online-Spiel anzupassen. Die Modebranche nimmt den Trend ernst, insbesondere nachdem Facebook in Meta Platforms Inc. umbenannt wurde, um eine simulierte digitale Welt zu schaffen, in der Benutzer wie in einem realen physischen Raum interagieren können. Plötzlich hat diese Nischenpraxis das Potenzial, sehr groß zu werden. In einem Video im Oktober war Mark Zuckerberg zu sehen, wie er seine und die Avatare seiner Kollegen dazu verwendete, um Kleidung anzuprobieren, Karten zu spielen und sogar zu surfen."

Magazinrundschau vom 09.11.2021 - Bloomberg Businessweek

Bewundernd blickt Ted Alcorn auf Togo, ein Land mit etwa 8 Millionen Einwohnern und einem Durchschnittseinkommen von weniger als 2 Dollar pro Tag, das in nur zwei Wochen ein digitales System für seine staatlichen Covid-Hilfen aufbaute, das die USA (von Deutschland gar nicht zu reden) alt aussehen lässt. Novissi, was in der lokalen Ewe-Sprache 'Solidarität' bedeutet, so Alcorn, ist eine Idee von Cina Lawson, der Leiterin des Ministeriums für digitale Wirtschaft und digitale Transformation. Lawson wurde in Togo geboren, musste als Kind mit ihrer Familie ins Exil nach Paris, wo sie aufwuchs, studierte am Institut d'Études Politiques und in Harvard und arbeitete in New York in der Telekommunikation. Togos neuer Staatschef Faure Gnassingbé holte sie nach Togo zurück. "Auch weil Novissi sich als so erfolgreich erwiesen hat, hat sich das Ministerium mit GiveDirectly und Forschern der Universität von Kalifornien in Berkeley zusammengetan, um eine weitere Runde von Zahlungen für die 200 ärmsten Bezirke zu finanzieren. Um sie zu finden, trainierten die Forscher einen Algorithmus, der anhand von Satellitenbildern verarmte Gemeinden anhand ihres Stadtgrundrisses und ihrer Baumaterialien identifizierte. Die Forscher konnten die einzelnen Begünstigten nicht nach ihrem Beruf auswählen, da viele Landbewohner keine differenzierten Berufe ausübten. Stattdessen entwickelten sie einen zweiten Algorithmus, der Daten von Mobiltelefonen - einschließlich der Häufigkeit und des Zeitpunkts von Anrufen, SMS und Datennutzung - zur Identifizierung der ärmsten Nutzer verwendete. In den nächsten Monaten wurden im Rahmen dieser Runde Mittel an 138 000 weitere Begünstigte ausgezahlt. 'Ich brauche Ihren Namen nicht zu kennen, um zu wissen, dass Sie Unterstützung brauchen', sagt Lawson. 'Das ist revolutionär.'"
Stichwörter: Togo, China

Magazinrundschau vom 07.09.2021 - Bloomberg Businessweek

Fola Akinnibi untersucht, was aus den modellhaften Polizeireformen in Cincinnati geworden ist, die nach den Morden an schwarzen US-Bürgern durch Polizeibeamte im Fokus der Aufmerksamkeit standen: "Im April 2001 erschoss ein Beamter den 19-jährigen Timothy Thomas, der sechste Fall dieser Art in einem halben Jahr. Das brachte das Fass für die schwarzen 40 Prozent der Einwohner zum Überlaufen, sie gingen auf die Straße, Hunderte wurden festgenommen … Die Folge war die Implementierung des 'Collaborative Agreement', einer Reihe von Reformen der Polizeibehörde. Die wichtigste war die Order an Beamte, keine kleinen Dealer und Kleinkriminelle mehr zu verhaften und stattdessen die Ursachen für solche Kriminalität zu ergründen. Die Reformen waren nicht umunstritten, und die Umsetzung dauerte Jahre, aber für eine Weile funktionierte  es. Zwischen 2008 und 2014 gingen die Festnahmen wegen kleiner Delikte um 41,9 Prozent zurück, die Gewaltanwendung um 70 Prozent. Noch gewichtiger war die Verbesserung des Verhältnisses zwischen den Bürgern und der Polizei. Doch in den letzten Jahren scheinen die alten Verhältnisse zurückzukehren. Ein Bericht von 2017 stellt fest, dass das CPD sich vom 'Collaborative Agreement' verabschiedet hat. Viel Aktivisten sind jetzt für eine Kürzung der Mittel für die Behörde … Der Aufstieg und Fall der gemeinschaftlichen Polizeiarbeit in Cincinnatti zeigt, wie leicht Lokalpolitik und Polizeibehörden Reformen blockieren können, selbst wenn sie funktionieren."

Magazinrundschau vom 03.08.2021 - Bloomberg Businessweek

Jessica Brice und Michael Smith dokumentieren den Ausverkauf des brasilianischen Regenwaldes unter Oberaufsicht des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der deutlich sagt, was er von Protesten gegen die Umwandlung des Dschungels in Rinderweiden hält: "'Der Wert des bestehenden Waldes muss honoriert werden. Es muss eine faire Kompensation geben für die Umweltdienstleistungen, mit denen unsere Biome den ganzen Planeten versorgen.' Die Nachricht an die Welt ist klar: Bezahlt uns für die Erhaltung des Regenwaldes, oder Brasilien wird seinen eigenen Weg gehen, um den Wert des Waldes in bare Münze umzuwandeln. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass die Regierung schon dabei ist, genau das zu tun. Tausende öffentliche Dokumente, Dutzende Interviews mit Staatsanwälten, Waldrangern und Mitgliedern von Bolsonaros engerem Zirkel zeigen, dass die Regierung eine aktive Kampagne betreibt, um den Amazonas zu privatisieren und zu bewirtschaften, erstens, indem sie untätig zusieht, wie öffentliches und geschütztes Land geplündert wird, und zweitens, indem sie die Täter ungeschoren davonkommen lässt und ihnen das Land auch noch gesetzlich überschreibt … Seit seiner Amtseinführung Januar 2019 hat der ehemalige Militär Bolsonaro die 50 Jahre alte Sichtweise wiederbelebt, derzufolge Brasiliens Wohlstand vom Amazonas abhängt. Und er hat die entscheidenden Posten in den Institutionenen für Landentwicklung und Umwelt mit Leuten besetzt, die genauso denken … Brasiliens Waldzerstörungsmaschine ist komplex, und es ist unmöglich zu wissen, wer genau im einzelnen dahintersteckt. Ein großer Teil der Zerstörung hat mit dem Wunsch vieler Brasilianer nach Landbesitz zu tun, aber das Ausmaß der Zerstörung ist neuerdings viel größer. Vor ein paar Jahrzehnten, als es noch reichlich öffentliches Land gab, war es leicht für einen Bauern, einen Zaun zu ziehen und sich sein Stück Land zu sichern. Heute gibt es zum Beispiel im Bundesstaat Rondonia nur noch geschütztes Land, und der arme Durchschnittsbrasilianer wird qua Gesetz zum Handlanger für kriminelle Gruppierungen, Holzfirmen und die Farmingindustrie … Sicher ist, dass die Zerstörung zunimmt. Bolsonaro hat den Umweltschutz dem Landwirtschaftsministerium zugeordnet, Budgets zusammengestrichen und der Feuerwehr den Geldhahn abgedreht, er hat Pläne zur Sicherung von indigenem Land zunichte gemacht und es stattdessen dem Bergbau geöffnet. Allein 2021 sind so bereits 10 500 Quadratkilometer Regenwald zerstört worden."

Magazinrundschau vom 15.06.2021 - Bloomberg Businessweek

Von Donald Trump hört man zwar nichts mehr, aber seine Macht über die Republikaner scheint kein Jota weniger geworden zu sein, liest man die Reportage von Joshua Green. Man merkte es ja schon an der Behandlung der konservativen Trump-Kritikerin Liz Cheney. Zugleich sind immer mehr Republikaner nach Palm Beach gezogen, in den Dunstkreis von Trump, denn ohne Trump bleiben die Wähler zu Hause, wie Joe Budd, ein Komitee-Mitglied in Palm Beach County, erklärt: "Budds Vermutung, warum seine Partei kränkelt und wie man sie wieder auf Erfolgsspur bringen kann, gewann kurz nach den enttäuschenden Kommunalwahlen an Glaubwürdigkeit, als der Club 45 - der sich jetzt der Wiederwahl des trumpergebenen Gouverneurs von Florida, Ron DeSantis, im nächsten Jahr verschrieben hat - wieder an Fahrt aufnahm. Er buchte eine Trump-freundliche Liste von Rednern, einschließlich den konservativen Provokateur James O'Keefe und General Michael Flynn, Trumps nationalem Sicherheitsberater, der kürzlich Schlagzeilen machte, weil er vorschlug, das US-Militär solle einen Putsch inszenieren. Die Menschenmassen strömten zurück. 'Die Flynn-Tickets waren innerhalb von 15 Minuten ausverkauft', sagt er. Für Budd ist die Lektion klar: Die Partei braucht Trump, da gibt es keine zwei Möglichkeiten. Seine Erfahrung in Palm Beach bestätigt die Behauptung des GOP-Senators Lindsey Graham aus South Carolina: 'Wenn man versuchen würde, ihn aus der Partei zu vertreiben, würde er die halbe Partei mitnehmen.'"
Stichwörter: Republikaner, Trump, Donald, Liz