Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 31 von 43

Magazinrundschau vom 13.09.2004 - Economist

Wenn Soldaten nicht kämpfen, müssen sie unterhalten werden. Das hat das Pentagon dazu veranlasst, mit der nationalen Kunststiftung National Endowment for the Arts (NEA) zusammenzuarbeiten, berichtet der Economist amüsiert. Frucht dieser Zusammenarbeit sei eine Theatertruppe, die durch die in den USA gelegenen Armee-Stützpunkte toure und den Soldaten jetzt statt langbeiniger, gesinnungs-stärkender Blondinen Shakespeares "Macbeth" biete - zur Aktivierung des "Braveheart-Effekts". Dass bei Shakespeare aus Machtgier gemordet wird und am Ende so ziemlich jeder über die Klinge gesprungen ist, will Dana Gioia, Leiter des NEA, jedoch nicht als politische Andeutung verstanden wissen: "Es ist bloß ein kurzes, bekanntes Stück ohne viel Bühnenbild und mit kleiner (und schnell abnehmender) Besetzung. Darüber hinaus, fügt er hinzu, ist es ein Stück über Soldaten. Nun ja, klar, in der Tat kommen gelegentlich welche vor, manchmal als Bäume."

Wären die Taten von Beslan im Krieg begangen worden, sie müssten als Kriegsverbrechen gelten. Doch Wladimir Putins Versuch, aus dem 3. September einen russischen 11. September zu machen, verschleiert nicht nur die Tatsache, dass die Tschetschenien-Krise eine inner-russische Angelegenheit ist, er könnte sich sogar als gefährlich herausstellen, lesen wir im Aufmacher.

Weitere Artikel: Fred Bergsten (Direktor des Institute for International Economics), erklärt die fünf Hauptrisiken, die die Weltwirtschaft bedrohen: Drei davon gehen auf die Rechnung der USA. Trotz des bisherigen Kopf-An-Kopf-Rennens der beiden amerikanische Präsidentschaftskandidaten, so der Economist, könnte der eindeutige Sieger neuen Umfragen zufolge George Bush sein. Begrüßt wird die Initiative einiger renommierter humanmedizinischer Fachzeitschriften, nur noch über offiziell bekanntgegebene klinische Versuche zu berichten (sehr zum Ärger der Pharmaindustrie).

"Als die Behörden endlich damit aufgehört hatten, sich darüber zu sorgen, ob Napoleon oder Bismarck oder der Kaiser oder Hitler seine Armee geradewegs hindurchschicken könnte, fingen sie an, sich über die Ausgaben aufzuregen." Wenn es einem zu verdanken ist, dass der Eurotunnel dennoch gebaut wurde, dann ihm, so der Economist in seinem Nachruf auf Alastair Morton. Als wahres Geschenk an den Dichter lobt der Economist Edwin Williamsons Biografie von Jose Luis Borges ("Borges: A Life", Leseprobe). Da Williamson ausschließlich auf Borges' Schriften und Werke zurückgreife, um den "inneren" Dichter zu beschreiben, will es scheinen, Borges selbst habe seine eigene Autobiografie geschrieben - sozusagen aus dem Jenseits.

Magazinrundschau vom 06.09.2004 - Economist

Wenn Diplomaten den Mund aufmachen, kann es schon mal neblig werden. Damit müssen selbst (Sprach-)Kummer gewohnte Euro-Diplomaten leben, hat der Economist bei einem Streifzug durch den Europäischen Gerichtshof entdeckt. Zu seiner großen Überraschung fand er in einem der Bürozimmer einen Leitfaden vor, der den im Englischen so bewanderten Niederländern erklärt, wie sie bestimmte Redewendungen der Briten zu verstehen haben: "... wenn ein Brite 'übrigens' sagt, verstehen Ausländer dies meistens als 'das ist nicht so wichtig', während der Brite eigentlich 'Der eigentliche Zweck unserer Diskussion ist?' gemeint hat. Der Satz 'Ich werde darüber nachdenken' hingegen bedeutet 'Ich werde mich nicht darum kümmern', während 'Berichtigen Sie mich, falls ich mich täuschen sollte' heißt 'Ich habe Recht, bitte widersprechen Sie mir nicht'." Und jetzt der Test: "Wieviele Nicht-Briten würden die Ironie (und die literarische Anspielung) verstehen, die sich hinter dem Ausdruck 'up to a point' ('bis zu einem gewissen Punkt') verbirgt, der als 'nein, nicht im geringsten' gebraucht wird?"

Dass kein Geiger der Welt eine Stradivari besitzen, sondern nur ein (hoffentlich würdiger) Meilenstein in ihrem langen Geigen-Leben sein kann, hat der Economist in Toby Fabers bemerkenswertem Buch über das Leben von sechs Stradivari-Instrumenten gelernt ("Stradivarius: Five Violins, One Cello and a Genius").

Weitere Artikel: Achtung, bitte loben Sie jetzt - Wie der Economist berichtet, bringt die Volksrepublik China anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Peking ein chinesisches Konversationsbuch heraus, in dem das Land der Mitte unablässig in den Himmel gehoben wird. Geradezu machiavellistisch - und dennoch nicht immer weise - erscheint Dick Cheney, "der andere US-Präsident" im Porträt. Der Economist möchte Elisabeth Kübler-Ross als die Frau in Erinnerung behalten, der es zu verdanken ist, dass das Sterben würdiger wurde. Jennifer McCoy, leitende Wahlbeobachterin in Venezuela, erklärt, warum der Volksentscheid, bei der Hugo Chavez in seinem Amt als Präsident bestätigt wurde, nicht manipuliert gewesen sein kann (das nämlich behauptet die Opposition). Deutschland braucht: Denkfabriken, lesen wir. Und schließlich langweilt Harvard durch seinen erneuten (und unangefochtenen) Platz 1 im weltweiten Universitäten-Ranking.

Der Titel behauptet: neue Arten von Autos produzieren eine neue Art von Autoindustrie. Dazu gibt es ein ganzes Dossier mit Artikeln, die Sie im Inhaltsverzeichnis finden und auch lesen dürfen.

Magazinrundschau vom 30.08.2004 - Economist

"Non, je ne regrette rien." Aufmacher ist ein Rückblick auf die Präsidentschaft von George Bush (das Lied von Edith Piaf gibt es als mp3 dazu).

Einen beschwingten Nachruf widmet der Economist der (bis vor kurzem) quicklebendigen TV-Köchin Julia Child, der es zu verdanken ist, dass Amerika Französisch kochen lernte. Wohl aufgrund ihrer unkomplizierten Art, die die Schwierigkeit der Rezepte vergessen ließ: "Bei Missgeschicken wurde nicht lange gefackelt. Ein störendes Stück Brot warf sie über die Schulter mitten in die Topfpflanzen; einen verunglückten Kartoffelpuffer kratzte sie kurzerhand vom Herd und tat ihn zurück in die Pfanne; ihre Dritten rückte sie vor laufender Kamera zurecht."

Es ist noch gar nicht erschienen und sorgt schon für Aufregung: Im Business-Ratgeber "Hardball" erklären die zwei Wirtschaftsgrößen George Stalk und Rob Lachenauer, wie man erfolgreich ist. Das Besondere daran? Es darf gerne auch unfair zugehen (einen Vorgeschmack gibt es als - allerdings gebührenpflichtigen - Artikel in der Harvard Business Review).

Außerdem lesen wir, wie der Dolmetscher der Zukunft aussieht, dass John Kerrys Heldentaten im Vietnam zunehmend unter Beschuss geraten (und was daran glaubhaft ist), warum John Readers Buch über Städte ("Cities") ein lohnender Schmöker ist, dass das britische Gesundheitsamt demnächst Richtlinien gegen Stress am Arbeitsplatz herausgibt, dass Microsoft an der Entwicklung von "Ask MSR" arbeitet, einer Suchmaschine, die Fragen anhand der im Internet vorhandenen Informationen beantworten kann.

Magazinrundschau vom 23.08.2004 - Economist

Business-Ratgeber gibt es viele und irgendwie taugen sie offenbar alle nur dazu, ihre Autoren zu bereichern, stöhnt der Economist. "Die Formel scheint folgende zu sein: Man halte die Sätze kurz, die Weisheit einfach und die Typografie aggressiv. Man liefere viele Anekdoten, ob relevant oder nicht; und man erwähne ein Tier im Titel - angesagt sind dieses Jahr Gorillas, Fische und lila Kühe. Oder aber man ahme Stephen Covey (den Autor des ungeheuer erfolgreichen 'Sieben Gewohnheiten hochleistungsfähiger Menschen') nach und nehme eine Zahl in den Titel auf." Wirklich empfehlen kann der Economist nur einen Business-Guru: Shakespeare.

In weiteren Artikeln beschäftigen den Economist: der Tod des polnischen Dichters und Nobelpreisträgers Czeslaw Milosz, ein Versuch über das, was zuerst da war: Sprache oder Denken, der Streit um die deutsche Rechtschreibreform, die schrittweise Vereinfachung des britischen Abiturs, die dazu führt, dass es schwieriger wird, unter den zahlreichen mit "sehr gut" bedachten Kandidaten die wahren Überflieger auszumachen.

Außerdem erfahren wir, dass der sogenannte Allais-Effekt (viel mehr hier) das Ende der allgemeinen Relativitätstheorie bedeuten (und damit zum Albtraum sämtlicher Physiker werden) könnte, warum Ariel Sharon bei seinem derzeitigen Alleingang Unterstützung verdient hat, und warum der Parteitag der Republikaner in der demokratischen Hochburg New York gar nicht scheitern kann (denn wenn auch nur ein New Yorker davon absieht, aus der Stadt zu fliehen, weil die Republikaner kommen, wäre das schon als Erfolg zu verbuchen).

Nur im Print: Das Titeldossier über die Kehrseite des Wirtschaftsbooms in China. Freigeschaltet ist nur ein Artikel, der über die enorme Umweltverschmutzung in China berichtet.

Magazinrundschau vom 16.08.2004 - Economist

Angesichts des jüngsten Terror-Alarms in den USA versucht der Economist sich ein Bild von Wirklichkeit und Dringlichkeit einer Bedrohung durch Al-Qaida zu machen. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass "während Amerika sich auf einen neuen 11. September vorbereitet, die Gefahr, die von militanten Moslems ausgeht, unspektakulärer, allgemeiner und unvorhersehbarer wird." Dies bedeute allerdings, dass die Amerikaner lernen müssen, mit einer ständigen Bedrohung umzugehen, wie Brian Jenkins von der Rand Corporation bemerkt: "Die Amerikaner müssen nicht nur lernen, die Bedrohung durch Al-Qaida zu mindern, sondern auch mit ihr zu leben. 'Amerikanern fällt es ungemein schwer, phlegmatisch zu sein', klagt er, 'und es besteht kein Zweifel, dass wir die Bedrohung dadurch eher vergrößert haben. Doch während die Briten in der Lage sind, auf lange Sicht zu denken und zu erkennen, dass es sich um ein langfristiges Problem handelt, tun die Amerikaner alles, um kurzfristig erfolgreich zu sein.' Seiner Meinung nach muss die amerikanische Öffentlichkeit risiko-erprobter werden ..."

Er bekam so ziemlich alles, was er wollte, außer die 4.000 Schweine, die er über die verminten Ölfelder schicken wollte, damit die Sprengköpfe detonieren. Der Economist lässt keinen Zweifel an seiner Bewunderung für den verstorbenen Teufelskerl Paul Adair, den Feuerwehrmann, der die großen und kniffligen Feuer der letzten Jahrzehnte löschte (zum Beispiel den Brand der von den Irakis angezündeten Ölfelder in Kuweit) und der den wohlverdienten Himmel wohl lieber gegen die Höllenfeuer eintauschen würde.

Außerdem ist zu lesen, welchen Reiz es hat, an gefährlichen Orten zu arbeiten, wem die Radiowellen gehören und wie sie besser genutzt werden könnten, warum die Entscheidung der Republikaner, im US-Bundesstaat Illinois einen schwarzen Kandidaten für den Senat aufzustellen, schlichtweg dumm ist, dass das Geschäft mit Luxushotels nichts für Heilige ist, sondern eher für Haie (wie schon die Tatsache beweist, dass das jüngste Enthüllungsbuch "Hotel Babylon" anonym veröffentlicht wurde), wer Ariel Sharon für eine feige Friedenstaube hält, wohin Großbritanniens Obdachlose verschwunden sind, und ob die ostdeutschen Montagsdemonstranten nicht einfach schlecht informiert sind.
Stichwörter: Schwein, Schweine, Kuweit, Babylon

Magazinrundschau vom 09.08.2004 - Economist

Alle kamen sie um dem goldenen Kalb des Konsums zu huldigen, doch dann standen sie vor einer Kulisse mitten im Niemandsland. Der Economist berichtet belustigt über den riesigen Scherz, den sich Filip Remunda und Vit Klusak, zwei tschechische Künstler, mit Hilfe von Werbefirmen, PR-Agenturen und Sozialpsychologen erlaubten: Sie bewarben aufs Bombastischste die Eröffnung eines Discountmarktes, den es nie geben sollte. Tausende kamen, ärgerten sich, lachten dann über sich selbst "und wanderten friedlich davon, um im stattdessen im nahegelegenen Tesco-Laden zu shoppen". Und weil's so schön war, haben Remunda und Kit daraus auch einen Film gemacht: "Cesky Sen" (Der tschechische Traum).

Harte Männer oder weiche Memmen - die USA erleben einen wahren Testosteron-Wahlkampf, wundert sich der Economist und sucht Erklärungen für das Macho-Gehabe der Kandidaten.

Außerdem zu lesen: Als Aufmacher ein Bericht über Olympia und die große (vielleicht irrige) Offensive gegen Doping. Weiter Berichte über den Herausgeberstar Bonnie Fuller, die schon so manches Blatt aus dem Dreck gezogen hat (mehr über die Dame hier), über die Reaktionen der Verlage auf die Berlin Declaration (auf Englisch und auf Deutsch als pdf), in der führende Forschungsgesellschaften den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur fordern, über einen Marktplatz für freie Journalisten im Internet (Mediabistro), über neue Erkenntnisse zu biologischen Merkmalen von Autismus. Und schließlich ein Nachruf auf den Fotografen Henri Cartier-Bresson.

Magazinrundschau vom 02.08.2004 - Economist

In einem bemerkenswerten Artikel erklärt Ex-Mossad-Chef Efraim Halevy, warum Untersuchungskommissionen wie die zum 11. September fatale Auswirkungen auf die zukünftige Arbeit der Geheimdienste haben können - man denke nur an die öffentliche Bloßstellung des CIA-Chefs George Tenet und dessen Rücktritt. "Viele Einzelpersonen in entlegenen Orten, die eine Rolle in einem von George Tenets wirklichen Erfolgen gespielt haben, werden in Zukunft vielleicht zweimal nachdenken, bevor sie einen Auftrag annehmen. Ich glaube, dass Lord Butler und seine Kollegen uns in dieser Hinsicht einen bemerkenswerten Dienst erwiesen haben, indem sie Einzelpersonen innnerhalb der britischen Geheimdienst-Gemeinschaft so behandelten wie sie es getan haben: Weder Richard Dearlove, der ehemalige Chef des britischen Geheimdienstes MI6, noch John Scarlett, der amtierende, wurden zur vollen Verantwortung gezogen. Das Komitee hat seine Verantwortung für die Zukunft begriffen und gab besagter Zukunft den Vorrang vor einer Klärung der Vergangenheit." Für Halevy, wenn wir ihn richtig verstehen, liegt das A und O eines erfolgreichen Geheimdienstes darin, dass der Chef die Verantwortung für alle Schlussfolgerungen übernimmt, die er aus seinen Informationen zieht - das setzt geradezu voraus, dass er sich auch irren können muss.

Sündhaft teuer und dazu noch gefährlich: So entpuppt sich laut Economist der Lady-Di-Brunnen im Londoner Hyde Park: "Das Wasser strömt auf aufregende und anziehende Art durch den Brunnen hindurch. Aber Kinder, Hunde und skrofulöse Tauben bedeuten tonnenweise Bazillen. Eine für die Zeitung Sun getestete Wasserprobe enthielt Spuren von E. coli und anderen Widerlingen. Dianaphile, die in der Hoffnung einer Lourdes-ähnlichen Wirkung Wasser in Flaschen abgefüllt haben, könnte demnach eine böse Überraschung erleben.

Außerdem erfahren wir, warum der Kampf gegen den Hunger in den Schulen begonnen werden sollte, dass ein neues Zeitalter der Philanthropie anbrechen könnte, wie John Edwards Schwächen aussehen, was aus dem verstorbenenen Journalisten Paul Foot das rettende Sandkorn im britischen Justizgetriebe machte, und zuletzt (als Ergänzung zum Sudan-Aufmacher, der allerdings nur in der Drucksausgabe zu lesen ist) warum es keine juristische Basis für ein internationales militärisches Eingreifen im Darfur-Konflikt gibt.

Magazinrundschau vom 26.07.2004 - Economist

John Kerry steht eindeutig im Rampenlicht dieser Ausgabe. Doch wer oder was genau ist dieser John Kerry? Und wofür steht er? Sein größtes politisches Talent scheint jedenfalls im Nicht-Sein zu bestehen (etwa darin, nicht George Bush zu sein). Doch diese Umschreibung will dem Economist nicht genügen und so schreitet er zum umfassenden Porträt dieses dem "entwendeten Brief" von Edgar Allan Poe so ähnlichen Mannes: "Vielleicht rührt die Schwierigkeit, den Kern seiner Überzeugungen auszumachen, weitgehend von seinen Denkgewohnheiten her. Entscheidungen fällt er mit Bedacht. Er sichtet alles vorhandene Material, vertieft sich in Details und bildet sich ein Urteil, indem er widersprüchliche Argumente gegeneinander abwägt. Bestenfalls können solche Denkprozesse das Anzeichen für einen weitreichenden, sorgfältigen und für Nuancen, Komplexität und feine Unterscheidungen sensiblen Geist sein. Schlimmstenfalls ist diese Haltung aber Erbsenzählerei, Unentschlossenheit und die Unfähigkeit, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen."

Außerdem lesen wir, warum der Economist im Nachhinein gut verstehen kann, dass George W. Bush keinen Untersuchungsausschuss zum 11. September einsetzen wollte, was die kürzlich verstorbene Tänzerin und Choreografin Bella Lewitzky bei ihrer Anhörung durch die McCarthy-Kommission antwortete ("Ich singe nicht, ich tanze"), und dass Großbritannien jetzt unziviles Verhalten kriminalisiert.

Magazinrundschau vom 19.07.2004 - Economist

Endlich mal ein frischer Wind, tönt es aus Frankreich. Gemeint ist nicht der Fahrtwind der Tour de France, sondern Finanzminister Nicolas Sarkozy, der für viele zu einer wirklichen Alternative zum amtierenden Präsidenten Jacques Chirac geworden ist, vielleicht weil er Chiracs genaues Gegenstück zu sein scheint. Dies veranlasst einen leise zweifelnden Economist sich zu erinnern: "In den 80er Jahren gab es einen aufstrebenden, jungen Politiker der Rechten, der sich nach der Präsidentschaft sehnte, und dessen Energie die Franzosen großartig fanden. Er sprach wortgewaltig von der Notwendigkeit, Frankreich zu modernisieren, die Wirtschaft zu liberalisieren und Veränderung zu bringen. Er war dynamisch, arbeitete ungeheuer viel und überzeugte die einfachen Leute, dass er auf ihrer Seite war. Kurzum, er war wie Nicolas Sarkozy. Sein Name? Jacques Chirac."

Prinz Charles hat sich in der vorletzten Sonntagsausgabe des Independent gegen die Nanotechnologie ausgesprochen. Unbeeindruckt vermutet der Economist, es gehe dem rückschrittlichen Prinzen wohl eher um die Technologie im Allgemeinen, und bedeutet ihm, den Mund zu halten.

Weiteres: In seiner Reihe über Swing states (das sind die US-Bundesstaaten, die bei den Präsidentschaftswahlen als strategisch und trendweisend gelten) beschäftigt sich der Economist diesmal mit Florida. Dass so viele verschiedene Gruppierungen hinter der Ermordung des amerikanischen Journalisten und Herausgebers der russischen Forbes-Augabe Paul Klebnikov (mehr hier und hier) stecken könnten, zeigt laut Economist, wie vielfältig Klebnikovs Interessen (und dadurch auch seine journalistischen Attacken) waren, aber auch wie brutal und korrupt es noch in Russland zugeht. Damit wir nicht unschlüssig vor dem Reisekoffer stehen, hat der Economist Lesetipps für den Sommer zusammengestellt, darunter Louis de Bernieres' "Birds without Wings", eine Geschiche um Freundschaft, Religion und Krieg. Nachdem der Internationale Gerichtshof die von Israel errichtete Mauer für illegal erklärt hat stellt der Economist Vermutungen darüber an, wie sich nun der Sicherheitsrat verhalten wird. Und schließlich stellt der Economist im Dossier verschiedene Gesundheitssysteme vor.

Nur im Print zu lesen ist der Aufmacher: George Bush und Tony Blair sind "aufrichtige Betrüger".

Magazinrundschau vom 12.07.2004 - Economist

Es gibt nur einen Grund, mit der neuen EU-Verfassung unzufrieden zu sein, meint der britische Außenminister Jack Straw: Sie passt nicht in die Hosentasche. Andere Kritikpunkte, die in der letzten Ausgabe des Economist laut geworden waren, weist Straw mit bestimmter Höflichkeit zurück und wirbt für Zustimmung. Der Economist hatte unter anderem einen Kontrollverlust von Seiten der Bevölkerung moniert. "Die Argumentation des Economist ist an dem Punkt hinfällig, an dem angedeutet wird, nur die Verfassung könne Europa zu wirklichem Fortschritt verhelfen. Doch das kann keine Verfassung von alleine. Diese bietet der EU jedoch eine bessere Plattform, sich auf die Bereiche zu konzentrieren, in denen ein EU-weites Engagement wichtig ist - und dadurch besser zu arbeiten."

Weitere Artikel: Im paradoxen Werdegang des kürzlich verstorbenen und umstrittenen russisch-orthodoxen Dissidenten-Priesters Dimitri Dudko erkennt der Economist das grundlegende Dilemma der Kirchen zwischen ihrem Kampf gegen den Atheismus und ihrer nostalgischen Befürwortung eines autoritären Regimes. Hat Großbritanniens Labour-Regierung das Geld der Steuerzahler gut angelegt? Ja, lautet gleich zweimal (hier und hier) die Antwort des Economist. Ein umfassender Artikel ist der Lage der Billig-Gesellschaften in den USA und Europa gewidmet.

Außerdem geht es um die neue Generation von Lügendetektoren, um Sicherheitsängste, die Filmbudgets in schwindelnde Höhen treiben, und um ein Dorf in Kanada, in dem Polygamie praktiziert wird.

Der Aufmacher ist nur in der Printausgabe zu lesen und dem Präsidentschaftskandidaten-Duo Kerry / Edwards gewidmet. Ebenfalls nur in der Printausgabe: Japans neue Außenpolitik, eine Attacke gegen Michael Moore und ein Buch über die Rolle der Königin im Schachspiel.