Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 30 von 43

Magazinrundschau vom 23.11.2004 - Economist

Es ist nichts Außergewöhnliches, dass sich nach einer Wahl die unterlegene Partei die Wunden leckt und sich Erklärungen für ihr Scheitern zurechtlegt, meint der Economist. Doch warnt er die amerikanischen Demokraten davor, sich mit dem Mythos zu trösten, George Bush habe die Wähler zu Tode geängstigt und sie so zu seiner Wiederwahl getrieben: "Diese Erklärung ist gefährlich, weil sie ein gewisses Maß an Wahrheit enthält. Sicherlich wurden die Wahlen vor dem Hintergrund der Angst ausgetragen (schließlich sind islamische Fanatiker darauf versessen, so viele Amerikaner wie möglich zu töten). Und die Republikaner haben die Angst-Karte sicherlich mit Genuss ausgespielt (so wie übrigens auch die Demokraten - erinnern wir uns an die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht). Doch um eine nützliche Lehre aus ihrer Demütigung zu ziehen, müssen die Demokraten erkennen, dass die Republikaner sie nicht nur auf dem Terrain der Angst geschlagen haben. Sie haben sie in puncto Hoffnung abgehängt." Wenn sie dies nicht begreifen, prophezeit der Economist, werden die Demokraten nicht ins 21. Jahrhundert finden, sondern sich in eine Partei des 19. Jahrhunderts zurückverwandeln.

Ein ausführlicher Artikel ist den Reformbemühungen der Vereinten Nationen und dem "Forum der Weisen" gewidmet, das von Generalsekretär Kofi Annan einberufen und mit einem Reformpapier in Sachen Angriff und Verteidigung beauftragt wurde. Obwohl die Veröffentlichung des Berichts noch bevorsteht, hat der Economist schon einen Blick darauf werfen können und findet das Ergebnis zwar nicht revolutionär, aber fruchtbar, zumal sich die Weisen auf eine Definition von Terrorismus einigen konnten.

In weiteren Artikeln ist zu lesen: wie sehr das wiedereröffnete MoMA überzeugen kann, wie Chinas Medien sich der westlichen Welt öffnen, wie virtuelle Anstandsdamen sexuelle Belästigung in Arztpraxen verhindern sollen und wie sich der amerikanische Angriff auf Falludschah auf die Austragung von Wahlen im Irak auswirken kann. Schließlich noch der hübsche Nachruf auf Scheich Zayed bin Sultan al-Nahayan, Gründer der Vereinigten arabischen Emirate und durch und durch arabischer Patriarch mit Hollywood-Flair .

Magazinrundschau vom 16.11.2004 - Economist

Tom Wolfes neuer Roman "I am Charlotte Simmons" schildert die Veränderungen auf dem Campus amerikanischer Universitäten, stellt der Economist kühl bis ins Mark fest. Wie immer beweise Mr. Wolfe eine beeindruckende - manchmal auch ermüdende - Hellhörigkeit für Statuszeichen. Ein Zitat beweist uns jedoch, dass dies durchaus auch für den Sex gilt, dem dort alle nachjagen: "Sex! Sex! It was in the air along with the nitrogen and the oxygen! The whole campus was humid with it! tumid with it! lubricated with it! gorged with it! tingling with it! in a state of around-the-clock arousal with it! Rutrutrutrutrutrutrutrut --"

"In seinem Tod wie in seinem Leben schien Jassir Arafat gleichermaßen verbissen und unentschlossen", heißt es in einem Nachruf auf den verstorbenen Palästinenserführer. Die Frage sei, wie Arafats Popularität seine offenkundige diplomatische Unfähigkeit - zuletzt bei Camp David - überdauern konnte. "Den Palästinensern, dem Volk, das er so lange angeführt hat, waren Arafats Charakter- und Führungsschwächen schon lange klar. Und doch waren sie irrelevant. Wichtig war, dass er ihren Freiheitskampf verkörperte, ihre Hoffnungen am Leben erhielt und ihren Feinden trotzte."

Weitere Artikel: Es klingt nach einer Beruhigungsspritze für das postkoloniale Großbritannien, was der Economist da verkündet: Trotz des Multikulturalismus ist und bleibt Amerika britisch geprägt. Auch wenn "dem melting-pot immer neue Zutaten beigegeben wurden, der Pott selbst ist von erkennbar anglo-protestantischer Machart". In Anbetracht des Mordes am niederländischen Regisseur Theo Van Gogh beglückwünscht der Economist die europäischen Regierungen für ihren zunehmend härteren Umgang mit islamistischen Fundamentalisten.

Außerdem gibt es ein Dossier über Outsourcing.

Magazinrundschau vom 08.11.2004 - Economist

Richard Haass, Präsident des außenpolitischen Rates und ehemaliger Berater George W. Bushs, zählt auf, welche Aufgaben den wiedergewählten Präsidenten erwarten. Nach einer beeindruckend und beunruhigend langen Liste lautet sein Fazit: "All diese Herausforderungen werden auf ein gezügelteres Amerika hinauslaufen. Neue erwählte Kriege sind weniger wahrscheinlich, allein schon weil George Bush bereits alle Hände voll zu tun hat. Viele auf der Welt werden dies ohne Zweifel begrüßen. Doch sie sollten vorsichtig sein mit dem, was sie sich wünschen. Die Welt ist ein sehr gefährlicher Ort, und im Gegensatz zum wirtschaftlichen Handel gibt es dort keine unsichtbare Hand, die dafür sorgt, dass sich alles zum Guten fügt. Wie George Bush sehr wohl weiß, sind nur die Vereinigten Staaten in der Lage, diese Rolle zu spielen."

"Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, aus dem George Bush nach einem technischem Streit in einem hart umkämpften Staat als Sieger hervorgeht" - Zwar mag dieses Szenario einem bekannt vorkommen, meint der Economist, doch man sollte die Bedeutung des US-Wahlausgangs nicht unterschätzen. Denn immerhin "verfügt der 'zufällige Präsident', der das Weiße Haus vor vier Jahren nur dank des Obersten Gerichtshofs und schrumpeliger Stanzabfälle erreichte, jetzt über ein wirkliches Wählermandat." Daraufhin wendet sich der Economist dem demokratischen Lager zu und sieht Hillary Clinton als die nächste demokratische Präsidentschafts-Kandidatin kommen.

Weitere Artikel: Simon Singhs Buch über den Urknall ("Big Bang: The Most Important Scientific Discovery of All Time and Why You Need to Know About It") erntet Lob für seine subtile, anmutige und witzige Art. Wie ist es nun um die Idylle des niederländischen Multikulturalismus bestellt, fragt der Economist nach dem Mord am Regisseur Theo Van Gogh, der ironischerweise gerade dann geschah, als Van Gogh auf dem Weg ins Studio war, um seinem Film über den Mord am Rechtspopulisten Pim Fortuyn den letzten Schliff zu geben.

Außerdem: der Economist würdigt den verstorbenen Musikkritiker John Peel als kompromisslosen Pionier, begrüßt die Initiative der Zeitschrift "The Lancet", statistische Schätzungen über die Anzahl der irakischen Kriegsopfer zu liefern - die Zahlen allerdings stellt er in Frage, und überlegt schließlich, wie der Nahost-Friedensprozess nach Arafat aussehen könnte.

Magazinrundschau vom 01.11.2004 - Economist

Nicht direkt zwischen Pest und Cholera, aber immerhin nur zwischen Inkompetenz und Inkoherenz haben die Amerikaner am Dienstag die Wahl, meint der Economist und empfiehlt seinen 450.000 amerikanischen Lesern schweren Herzens, das kleinere Übel zu wählen: John Kerry. Denn um innen- wie außenpolitisch zu bestehen "braucht Amerika einen Präsidenten, der in der Lage ist, Fehler einzugestehen und aus ihnen zu lernen. George W. Bush hat sich durchweg geweigert, auch nur das Geringste zuzugeben, sogar nach Abu Ghraib, als er die perfekte Gelegenheit dazu hatte, Verteidgungssekretär Donald Rumsfeld zu entlassen und einen Neuanfang auszurufen, hat er es vorgezogen, nichts zu tun." Seiner Empfehlung entsprechend fragt sich der Economist in einem weiteren Artikel, wie es nach einer Wahlniederlage um die politische Zukunft George W. Bushs bestellt sein könnte.

Weitere Artikel: Endlich! Das demokratische Leben ist in das technokratische Grau der EU eingebrochen, freut sich der Economist angesichts der massiven - und erfolgreichen - Proteste gegen die Ernennung Rocco Buttigliones zum EU-Justiz-Kommissar. Daran werde deutlich, dass sich auch die europäische Öffentlichkeit für die Brüsseler Entscheidungen interessiere, sobald es um Werte, und nicht mehr um dröge Handelsrichtlinien gehe. Wie der Economist einigermaßen befriedigt feststellt, hat sich das Diktum "Sex sells" überlebt. Begeistert stellt der Economist zwei Exemplare eines neuen Genres vor: die grafischen Romane von Art Spiegelman ("In the Shadow of No Towers") und Marjane Satrapi ("Persepolis 2"). Nostalgisch verabschiedet sich der Economist vom lange gejagten und nun erlegten indischen Robin Hood, dem Banditen Veerappan.

Ein ganzes Dossier widmet der Economist der hoffentlich bevorstehenden Revolution im IT-Bereich - weg von kostspieliger und benutzerfeindlicher Komplexität, hin zu mehr Menschenfreundlichkeit. Und schließlich lesen wir, wie die Musikindustrie sich das Internet nutzbar machen könnte, welche Art Verwandter der jüngst entdeckte homo floresiensis ist, und dass auch die Sahara ihre Westbank hat.

Magazinrundschau vom 25.10.2004 - Economist

Der Economist hat sich mit dem Nachruf auf Jacques Derrida ein bisschen Zeit gelassen. Seine Begeisterung für den französischen Philosophen hält sich schwer in Grenzen: "Es hat schon immer einen Markt für Obskurantismus gegeben. Schon Sokrates schimpfte auf die Anhänger des Heraklit von Ephesus aus mehr oder weniger denselben Gründen, aus denen Derridas Kritiker seine unglückseligen Jünger schelten: 'Wenn du einen von ihnen etwas fragst, ziehen sie kleine, rätselhafte Ausdrücke aus ihrem Köcher und schießen einen ab. Und wenn du versuchst, den Gehalt des Gesagten mit Händen zu greifen, wirst du von einer neuen Metapherngarnitur durchbohrt. Mit denen wirst du niemals auch nur irgendwohin gelangen.' So könnte es durchaus sein, dass ein aufgeschlossener Leser, der Derridas schlechten Wortspielen, seiner bombastischen Rhetorik und seinem unlogischen Umherschweifen ausgesetzt wäre, ihn des Scharlatanismus verdächtigen würde. Das würde jedoch zu weit gehen. Er war ein aufrichtiger und gelehrter - wenn auch verwirrter - Mann, der einigen Akademikern und Studenten genau das bot, wonach sie suchten."

Weitere Artikel: "'Ich rufe Sie an um zu fragen, ob Sie vielleicht daran interessiert wären, die Möglichkeit zu erwägen, der Jury des diesjährigen Booker Prize anzugehören.' Dreimal darfst du raten!" Rückblickend vergleicht Fiammetta Rocco, der literarische Herausgeber des Economist, seine Erfahrung als Booker-Juror mit einem Kurs in Kick-Boxen: die Entdeckung einer neuen Konzentration. Der Economist befindet Rocco Buttiglione, den Anwärter auf den Posten des EU-Justizkommissars, nicht für ideologisch, sondern für juristisch untauglich (mehr über den Streit um Buttiglione in unserer Post aus Neapel). Zwar kann der Economist die Ungeduld verstehen, mit der man im Irak den Prozess Saddam Husseins erwartet, doch betont er auch, wie wichtig es ist, dass der Prozess nicht nur fair geführt wird (und daher einer gründlichen Vorbereitung bedarf), sondern auch in der irakischen Öffentlichkeit als fair wahrgenommen wird. Mit Blick auf die nahende Präsidentschaftswahl widmet sich der Economist den politischen Neigungen des hart umkämpften amerikanischen Heartlands. Und schließlich meldet der Economist erstaunliche Entwicklungen aus der Evolutionsbiologie: Alleinstehende Mütter gebären zunehmend Mädchen.

Leider nur im Print zu lesen ist der Aufmacher, zu dem ein herrliches Cover gehört: Ariel Sharon als "Israels ungewöhnliche Friedenstaube".

Magazinrundschau vom 18.10.2004 - Economist

Lob schwappt über den Ärmelkanal. Der Economist findet es bemerkenswert, mit welcher Anmut und Schärfe zwei Franzosen (Olivier Roy in "L'Islam mondialise" und Gilles Kepel in "The War for Muslim Minds: Islam and the West") die vermeintliche Rückwärtsgewandtheit des islamischen Fundamentalismus als Modernität deuten - gerade in den westlichen Gesellschaften: "Für zornige, rastlose junge Moslems kann eine Back-to-basics-Version des Glaubens eine Art des Protests sowohl gegen ihre Eltern als auch gegen ihre Gastgesellschaft darstellen. Sie nimmt denselben Platz ein wie der Linksradikalismus in der vorherigen Generation in Frankreich oder wie der konterkulturelle Rap in den amerikanischen Ghettos. Sogar Selbstmordattentate, deren Gleichgültigkeit gegenüber dem einzelnen Leben von Grund auf unmodern erscheinen mag, werden von Roy in ein zeitgenössischeres Licht gerückt. Ihm zufolge birgt die Kultur der Selbstmordattentate - wie sie von Al Qaida und ihren Nachahmern gepflegt und auf deren Webseiten vorangetrieben wird, einen nicht unbeträchtlichen Touch von Ich-Generation. Die narzisstischen Persönlichkeiten, die die Anschläge des 11. Septembers verübt haben, waren da keine Ausnahme."

Bei genauerem Hinsehen, so der Economist, entpuppt sich das Duell zwischen George Bush und John Kerry als ein erbitterter Kampf der Parteien, bei dem es um die langfristige Vorherrschaft im politischen Meinungspanorama Amerikas geht: "Das Ziel der Republikaner besteht darin, mit den Demokraten das zu tun, was Tony Blair erfolgreich mit den britischen Tories gemacht hat: sie so vollständig zu marginalisieren, dass sie zur Parodie einer politischen Partei verkommen. Kein Wunder, dass die Demokraten dieses Mal so hart kämpfen. Und kein Wunder, dass sie den Partei-Schmied im Weißen Haus mit solch wütender Leidenschaft hassen."

Magazinrundschau vom 11.10.2004 - Economist

Wer wird US-Präsident? Der Economist, der sich ein wenig wundert, wie polarisiert sich der Wahlkampf trotz der grundsätzlichen Ähnlichkeit der Wahlprogramme gibt, widmet den verschiedenen Aspekten dieser Frage ein ganzes (leider nur teilweise online zugängliches) Dossier. Das Fazit: George Bush hat sowieso schon halb gewonnen - denn "eins fällt auf. Diese Wahl wird auf dem Terrain ausgefochten, das die Maßnahmen der Bush-Präsidentschaft vorgeben. Es geht um George Bushs Krieg gegen den Terror, seine Steuersenkungen und - in der Tat - seinen polarisierenden Stil. Was nicht heißen soll, dass der Präsident den anstehenden Wettstreit für sich entscheiden wird - aber über die zur Diskussion stehenden Themen kann er sich wohl kaum beschweren."

Passend dazu hat der Economist eine Umfrage unter führenden amerikanischen Ökonomen durchgeführt und diese um eine Beurteilung der Wirtschaftspolitik, für die George Bush und sein Herausforderer John Kerry stehen, gebeten - eindeutig zu Bushs Ungunsten (die ausführlichen Ergebnisse gibt es hier als pdf-Datei).

Schön zu lesen ist auch der Nachruf auf den Fotografen Richard Avedon, der sich zeitlebens gegen die Vorstellung wehrte, Fotografie habe etwas mit Wahrheit zu tun. Oder vielleicht doch - aber auf ganz andere Art. "Es war auch, wie er zugab, ein Weg, sich selbst zu entdecken. Ein Porträt war keine Einbahnstraße, bei der der Fotograf mit seiner Linse in den Geist des Modells eindringt und sich darin eingräbt. Jedes neue Sujet - ein bei der Nationalflagge stehender Kongressabgeordneter, die Gestik eines Tänzers, ein Bienenzüchter mit seinen auf der nackten Haut kriechenden Mündeln - brachte in Avedon neue Facetten seines eigenen Charakters zum Vorschein. Die Porträts, waren sie erst einmal angefertigt - stellen weniger das Modell dar als seine eigenen Ansichten: Das 'menschliche Dilemma', an dem ihm lag und das er zeigen wollte, war eigentlich sein eigenes. Und tatsächlich setzte sich seine 1993 veröffentlichte Autobiografie aus 300 Porträts anderer Menschen zusammen."

Außerdem geht's um: Bücher über Erdöl und - was sonst - Geopolitik, und - leider nur im Print zu lesen - das christliche Erbe der Türkei.

Magazinrundschau vom 04.10.2004 - Economist

Mehr oder weniger belustigt beobachtet der Economist, wie die EU-Diplomatie in Sachen EU-Beitritt der Türkei ihre bewährte Methode anwendet: Sie treibt den Prozess in vielen kleinen Schritten voran, "die es einem fast unmöglich machen zu erkennen, wann die Linie tatsächlich überschritten ist." Und in der Tat sei niemand wirklich in der Lage zu sagen, ob der türkische Beitritt schon beschlossene Sache sei oder nicht. Insgesamt, beobachtet der Economist, beunruhigt diese Frage jedoch immer weniger Menschen, da vielerseits ein grundlegendes Umdenken stattgefunden habe. Auch wenn einige, wie das niederländische Kommissionsmitglied Frits Bolkestein, der Meinung seien, "eine unkontrollierte muslimische Einwanderung nach Europa würde bedeuten, das Zurückschlagen der Türken vor den Toren Wiens im Jahre 1683 sei umsonst gewesen."

Wachsendes Unbehagen hingegen bereitet dem Economist, dass die religiösen Wähler bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl zum Zünglein an der Waage werden könnten - zugunsten der Republikaner, deren Anziehungskraft jetzt auch auf die Katholiken überschwappt. "Die Republikaner werden zur Partei der engagierten Christen, die Demokraten zur Partei der engagierten Sekularisten. Es könnte gut sein, dass diese Wahl zu einer Entscheidung zwischen Michael Moores 'Fahrenheit 9/11' und Mel Gibsons 'The Passion of the Christ' wird. Nicht gerade eine appetitliche Entwicklung für diejenigen, die sich für keinen der beiden Filme erwärmen konnten."

Im Aufmacher: Böse Aussichten für die Weltwirtschaft.

Magazinrundschau vom 27.09.2004 - Economist

Schon immer war die EU ein Gebilde, bei dem viel auf dem Spiel stand. Jetzt, nach der ersten Stufe der Osterweiterung und der Diskussion um die EU-Verfassung, so Gideon Rachmann in der Einleitung eines umfassenden Dossiers zur EU, müsse man auch auf das Schlimmste gefasst sein: eine Spaltung. Dabei nimmt er schon das Ergebnis der Bestandsaufnahme vorweg: "Die EU könnte sich in der Tat spalten. Aber eine Spaltung muss keine Katastrophe sein. Sie könnte zu einer vielschichtigen EU führen, in der verschiedene Länder sich für verschiedene Ebenen der politischen Integration entscheiden und verschiedene Wirtschaftsmodelle praktizieren. Würde die EU als übergreifende Struktur beibehalten, könnte sie sogar von einer solchen Verschiedenheit profitieren. Doch es gibt da auch noch eine dunklere, wenn auch weniger wahrscheinliche Möglichkeit. Eine Spaltung in der EU könnte ein wiederholtes Auseinanderbrechen Europas in rivalisierende Machtblöcke zur Folge haben. Und dann wäre genau das bedroht, was allgemein als Kern-Errungenschaft der Union betrachtet wird: Frieden in Europa."

Sehr erheiternd ist der Nachruf auf den Punkrocker Johnny Ramone von den Ramones. Goldrichtig findet der Economist die Einstellung dieser Band, die - trotz Punk - so professionell war, dass sie es sogar überlebte, als Johnny seinem Bandkollegen Joey die Freundin ausspannte. Und behauptet, dass sie spielen können, hätten sie nie: "Als Joe Strummer, der Leadsänger von The Clash, auf die Ramones zukam, nachdem er sie 1976 spielen sah, machte er sich darüber Sorgen, ob seine eigene Band musikalisch nicht noch zu grobschlächtig sei, um aufzutreten. "Machst du Witze?, antwortete Johnny. Wir sind lausig, und wir können nicht spielen. Wenn du wartest, bis du spielen kannst, bist du zu alt, um da oben zu stehen. Wir sind scheiße, echt. Aber es ist geil."

Weitere Artikel: Ziemlich enttäuscht ist der Economist von Kitty Kelleys Biografie des Bush-Clans "The Family: The Real Story of the Bush Dynasty", wahrscheinlich weil ihr Talent eher darin liegt, Ikonen ans Bein zu pinkeln. Wo es aber keine Ikonen gibt? Und schließlich ein strategischer Wahlkampagnen-Tipp: Um doch noch US-Präsident zu werden, so der Economist, sollte John Kerry gnadenlos auf George Bushs offensichtlicher Inkompetenz herumreiten.

Leider nur in der Printausgabe zu lesen: der Streit um das türkische Strafrecht und warum es schlecht steht für "das akzeptable Gesicht der Pornografie", die britische Erotic Review.

Magazinrundschau vom 20.09.2004 - Economist

Der "Kampf um das Herz des Islams" hat begonnen, bemerkt der Economist vor allem angesichts der Reaktionen auf das Massaker von Beslan. Denn obwohl auch die Medien fleißig am "Märchen des islamischen Opferdaseins" mitweben, regt sich in der islamischen Welt zunehmend Widerstand gegen die extremistische Vereinnahmung des Islam: "Warum, fragt ein ehemaliger Kuwaitischer Minister in der saudiarabischen Tageszeitung Al Sharq al Awsat, haben wir von keiner einzigen Fatwa gegen Osama bin Laden gehört, wo sich doch die Muslimen überschlagen haben, als es galt Salman Rushdie wegen seines 'flachen' Romans zu verurteilen? Wer hat denn dem Islam mehr geschadet?"

Weitere Artikel: Der Economist beobachtet, dass immer mehr Dienstleistungen auf den Kunden abgewälzt werden, und warnt davor, dass Selbstbedienung nicht immer gute Bedienung sein muss. "Wie hälst du's mit der Wissenschaft?" Die Zeitschriften Science (hier) und Nature (hier) haben George Bush und John Kerry die Gretchenfrage gestellt, der Economist resümiert das Ergebnis. Bei der Lektüre von Bee Wilsons "The Hive: The Story of the Honeybee and Us" hat der Economist die Biene als Quelle der kulturellen und moralischen Inspiration entdeckt.

Außerdem: Was nach der deutschen Wiedervereinigung falsch gelaufen ist, was das Besondere an der wiedererstarkten Versicherungsgesellschaft Lloyd's ist, wie technische Probleme mit den elektronischen Wahlgeräten die Wähler und Wahlbeobachter in den USA in Angst und Schrecken versetzen, was Christiaan Frederick Beyers Naude zu einem untypischen Apartheids-Gegner machte, und: "Hier ein Bäumchen, da ein Kühchen" - wie der virtuelle Tourismus in der Schweiz aussieht.

Leider nur in der Printausgabe zu lesen: ein Plädoyer für den türkischen EU-Beitritt.