
Florian Louis und Mathéo Malik führen ein
langes Gespräch mit dem
Politologen Bruno Tertrais vom Institut Montaigne über Donald Trumps Äußerungen zu
Grönland, dem
Panama-Kanal und
Kanada. Trumps nationalistisches Denken ist ein Denken "in Grenzen", erläutert er. "Im Grunde verkörpert Trump das, was man die
nationalistische Dialektik der Grenze nennen könnte, in der sowohl der Wunsch nach
Schutz als auch der Wunsch nach
Eroberung zu finden sind. Auf der einen Seite die Mauer, auf der anderen die Expansion. Im Süden eine Festung bauen und gleichzeitig versuchen, den Norden zu erobern." Immer, so Tertrais, steht dabei für Trump die
Konkurrenz zu China und im geringeren Maße zu Russland im Zentrum. Beim Thema des Panama-Kanals sei die chinesische Präsenz schon seit langem eine Obsession der amerikanischen Rechten. Nicht anders sei es beim Beispiel
Grönland: "Grönland wird von Trump als eine Angelegenheit der wirtschaftlichen Sicherheit dargestellt, des 'vitalen' Interesses - das heißt: am Zugang zu seltenen Erden und zukünftigen polaren Handelswegen. Es ist bekannt, dass China, das selbst mit dieser Problematik konfrontiert ist, ebenfalls Interesse an Grönland hat. Aber es ist
nicht anders als anderswo. Trumps Diskurs über Grönland und China erinnert an das, was manche in Frankreich in Bezug auf
Neukaledonien befürchten, ein Gebiet, das unabhängig werden könnte und dann eine umso leichtere Beute für Peking wäre. Die USA haben ein großes Interesse daran, eine solche Situation nicht entstehen zu lassen."
Tertrais weist in dem Gespräch auf ein anderes
"faszinierendes" Interview hin, dass
Le Grand Continent aus der
Prawda übernommen hat, um zu zeigen, dass Putins revanchistischen Gelüste keineswegs gestillt sind. Mit brutaler Offenheit redet hier
Nikolai Patruschew, ein kremlnaher Chefideologe über die
Ukraine, über
Moldawien und über die
baltischen Staaten. Zur Ukraine sagt Patruschew: "Besonders besorgt sind wir darüber, dass die gewaltsame Durchsetzung der Neonazi-Ideologie und einer ungezügelten Russophobie zur
Vernichtung ehemals wohlhabender ukrainischer Städte wie Charkiw, Odessa, Nikolajew oder Dnepropetrowsk führt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Ukraine im Laufe des kommenden Jahres schlicht und einfach
aufhört zu existieren." Moldawien bedroht Patruschew ganz direkt: "Ich schließe nicht aus, dass die aggressiv antirussische Politik in Chisinau dazu führen könnte, dass Moldawien von einem anderen Staat übernommen wird oder
ganz verschwindet." Und bei den baltischen Staten wiederholt er die Rhetorik der bedrohten russischen Minderheiten: "Für uns stehen nach wie vor der Schutz und das Wohlergehen unserer Bürger und Landsleute auf der ganzen Welt auf dem Spiel. Auf internationaler Ebene muss die
Diskriminierung der russischen Bevölkerung in einer Reihe von Gebieten, angefangen bei den baltischen Staaten und Moldawien, unbedingt beendet werden."