
Schon in den 1920er Jahre beschäftigte sich der deutsche Kunsthistoriker
Alexander Dorner mit der Frage nach dem
Sinn von Kunstmuseen, in einem 1938 veröffentlichten Essay mit dem Titel "Why Have Art Museums" warf er der Museumswelt vor, sich den Eliten anzudienen. Dorners Fragen bleiben aktuell,
schreibt Barry Schwabsky. Museen und ihre Kuratoren müssen sich mehr denn je ihrer
Verantwortung stellen: Peter-Klaus Schuster, ehemaliger Direktor der Staatlichen Museen zu Berlin, stellte in dem kürzlich erschienenen Buch "Living Museums: Conversations With Leading Museum Directors" des Kurators Donatien Grau vom Metropolitan Museum, fest, dass sich "Museen nicht mehr
hinter einer Autorität verstecken können, nicht einmal hinter ihrer eigenen...' Er kommt zu dem Schluss, dass Museen 'in der Lage sein müssen, im Detail zu rechtfertigen, was wir tun und warum wir es tun'. Die Schwierigkeit, das zu tun, spiegelt sich vielleicht in der Tatsache wider, dass,
wie Artnet kürzlich berichtete, 22 amerikanische Museen derzeit neue Direktoren suchen, aber laut der früheren Leiterin des Queens Museum, Laura Raicovich, stellten sie fest: 'Die Leute wollen im Moment
wahrlich keine Direktoren sein, weil die Jobs emotional
nicht aushaltbar sind.' Der Verlust an Autorität kann verschiedene Formen annehmen. Ich habe mich zwar hauptsächlich auf Museen für zeitgenössische und moderne Kunst konzentriert, aber die Krise geht weit darüber hinaus und betrifft auch Einrichtungen, die sich mit anderen Kunstepochen befassen, und vielleicht vor allem solche, die sich als 'enzyklopädische' Museen verstehen. Bei letzteren setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass ihre Sammlungen zu einem großen Teil mit Mitteln zusammengetragen wurden, die heute offensichtlich anrüchig, ja sogar kriminell sind - kurz gesagt, enstanden durch (manchmal legalisierte)
Plünderung und Eroberung. (…) Wie spät oder wenig bisher auch immer restituiert wurde, Rückgaben können nur begrüßt werden. Ich würde mir wünschen, dass die ehemaligen Bewahrer der zurückgegebenen Objekte erkennen, dass sie von einer
moralischen Last befreit wurden. Aber hier gibt es eine tiefere Konsequenz: Die europäischen und nordamerikanischen Institutionen sollten nicht länger nach ihrer lang gehegten Fantasie der Universalität streben."