
Barry Schwabsky
denkt über
Künstler nach, die ihre Kunst nicht erklären können, die
ihr Geheimnis für sich behalten.
Albert York zum Beispiel, der kaum je mehr als "Ja", "Nein" und "Vielleicht" sagte. Oder
Judith Scott, die taubstumm war und mit dem Down-Syndrom geschlagen. Ihre Skulpturen lassen sich leicht in die moderne Kunst einordnen, und doch sind sie davon völlig unberührt. Scott, 2005 gestorben, galt jahrzehntelang als schwachsinnig und fing erst mit 43 Jahren an, als Künstlerin zu arbeiten. Wie soll man ihre Kunst verstehen? Vielleicht lag Wittgenstein doch falsch, als er verkündete, so etwas wie eine
private Sprache gebe es nicht, überlegt Schwabsky: "Wenn ich richtig liege und Scotts Kunst durch ihre Erfindung einer privaten Sprache möglich wurde, dann heißt das, dass sie eine Sprache hatte, in der es keine Geheimnisse gab: Alles, was es in dieser Sprache zu wissen gab, wurde von allen gewusst, die diese Sprache beherrschten. Darum wirkt Scotts Arbeit so offen, als habe sie nichts zu verbergen, als habe sie keinen dunklen Kern, obwohl sie mysteriös bleibt - denn
dieses Mysteriöse ist nicht Stück eines gefährlichen Wissens, das ausgedrückt oder zurückgehalten werden kann, sondern
eben die Sprache, in der dieses Wissen wohnt. Es liegt
eine Art Furchtlosigkeit in ihrer Arbeit - in der Bestimmtheit, mit der Entscheidungen getroffen wurden und in der Richtigkeit. Zumindest in ihrer Kunst kann Scott niemals missverstanden werden."
(Scotts Arbeiten sind derzeit im
Brooklyn Museum zu sehen.
Bild: Judith Scott, Untitled, 2003-4. Fiber and found objects. Collection of Orren Davis Jordan and Robert Parker. © Creative Growth Art Center. Foto: Addison Doty, Brooklyn Museum)
Besprochen werden
Joseph O"
Neills neuer Roman "The Dog", der Peter C. Barker ziemlich
enttäuscht hat, und
zwei Bücher über das
Militär in Pakistan.