
Sophie Pinkham
porträtiert anlässlich einiger neuer Bücher den russischen Revolutionär und
Schriftsteller Victor Serge, der zur Zeit von einer Linken wiederentdeckt wird, die
am Sozialismus festhalten will, aber nicht an Stalin oder Trotzki: "Aus einer sozialistischen Perspektive gesehen, repräsentierte Serge den Weg, der nicht gegangen wurde, die
demokratische Revolution, die es nicht gab. Nicht die Meinungsfreiheit und Widerspruch verteidigt zu haben, war seiner Ansicht nach der
zentrale Fehler der Bolschewiken und der Hauptgrund für ihr Absinken in den Totalitarismus. Er stand Stalin, den er als 'furchterregend und banal wie ein kaukasischer Dolch' beschrieb, kritisch gegenüber, aber auch
Trotzki, mit dem er nach der Veröffentlichung eines Artikels über die Fehler der Partei und Forderung nach Etablierung von Menschenrechten brach (Trotzki nannte den Essay eine 'Ausstellung kleinbürgerlicher Demoralisierung')."
Online ist jetzt Miriam Markowitz' kritischer Blick auf den amerikanischen Literaturbetrieb. Unter anderem
stellt sie fest, dass in den führenden Literaturzeitschriften kaum
Romane von Frauen besprochen werden. Deren Erfolg oder Sichtbarkeit beschränkt sich auf das kommerzielle Genre: "Eine Publikumsverlegerin erklärte mir, dass viele Autorinnen zunächst literarische Ambitionen pflegen, sich dann aber mit der Kategorie '
gehobene Preisklasse' zufrieden geben, zum Teil auch, weil das lukrativer ist. 'Wenn man in der Erfolgssparte Kasse machen will, wird man kein Prestige bekommen. Für viele Autorinnen ist das okay.' Nur wenige Autorinnen haben die Kontrolle über ihre Cover, ganz zu schweigen vom Marketing; aber wenn ihnen der Agent oder Verlag sagt, dieses Spitzenkleid oder jener zarte Schleier könnte Leser anlocken - wie können sie da
nein sagen? Leser anspruchsvoller Romane, vor allem Frauen, werden immer auch kommerzielle Titel kaufen. Doch der phänomenale Erfolg von 'Fifty Shades of Grey', der Twilight-Serie oder Nora Roberts bei Frauen, die nicht unbedingt als Leserinnen gelten, legt nahe, dass es umgekehrt nicht genauso funktioniert. Man kann Frauen kaum vorwerfen, dass sie es auf dem kommerziellen Markt versuchen, wenn der literarische
so ungastlich ist."
In der neuen Ausgabe von
The Nation stellt Vivian Gornick
Berel Langs neue
Primo-Levi-Biografie vor, die sie aber in ihrer theoretischen Abgehobenheit nicht wirklich überzeugt hat.