
Kein Interesse am Geld? Zumindest in diesem Punkt würde die Religionswissenschaftlerin
Karen Armstrong Michel Houellebecq wohl widersprchen. Sie
rekapitulierte einige Wochen vor dem Anschlag die Geschichte des
wahabitischen Islams, der seit 1973 genauso wie das Öl von Saudia-Arabien in alle Welt exportiert wird. Im
Islamischen Staat sieht sie allerdings eher eine Rebellion gegen den offiziellen Wahabismus als die reine Lehre: "Es wäre ein Fehler, den IS als altmodisch zu betrachten. Er ist, wie der britische Philosoph John Gray meint, eine durch und durch moderne Bewegung, ein
effizientes Geschäft, das sich mit einem Vermögen von zwei Milliarden Dollar bestens selbstfinanziert. Seine Plünderungen, der Raub der Goldbarren aus Banken, Entführungen, das Ölabschöpfen in den eroberten Gebieten und die Erpressungen haben sie zur
reichsten Dschihadisten-Gruppe der Welt gemacht. In der Gewalt des IS steckt nichts Willkürliches oder Irrationales. Die Videos mit den Exekutionen sind sorgfältig und strategisch geplant, um Terror zu schüren, Dissidenten abzuschrecken und in der Bevölkerung Chaos zu stiften."
Slavoj Zizek zeigt wenig Verständnis für die
Selbstzensur unter britischen Linken, die
Charlie Hebdos Karikaturen nicht publizieren, um keine religiösen Gefühle zu verletzen: "Die Folge einer solchen Haltung wird genau das sein, was man in solchen Fällen erwarten kann: je mehr die westlichen Linken sich schuldig fühlen, desto mehr werden sie von islamischen Fundamentalisten als
Heuchler beschuldigt werden, die ihren Hass auf den Islam nur verbergen. Die Konstellation reproduziert auf perfekte Weise das
Paradox des Über-Ichs: Je mehr man das tut, was ein anderer von einem verlangt, umso schuldiger wird man sich fühlen."