
Ewiges Leben, Verjüngung,
Erschaffung des Supermenschen - in den letzten hundert Jahren haben sich die Vorstellungen von der Zukunft nicht wesentlich geändert,
stellt John Gray nach der Lektüre von
Peter Bowles "History of the Future" fest, die untersucht, wie unterschiedliche Zukunftsvorstellungen in den ersten zwei Dritteln des 20. Jahrhunderts Literatur, Wissenschaft und öffentliche Wahrnehmung prägten. In dem an interessanten Anekdoten reichen Buch, erfährt Gray nicht nur, dass der Schweizer Arzt Paul Niehans in den sechziger Jahren
Fötengewebe von frisch geschlachteten Schafen in die Pobacken von Somerset Maugham, Charlie Chaplin, Marlene Dietrich,
Thomas Mann,
Konrad Adenauer oder
Papst Pius XII spritzte, sondern er liest hier auch, dass viele progressive Denker die neuen Technologien gern aufnahmen, um sie für regressive Zwecke zu nutzen, wie Bowler am Beispiel von
H.
G.
Wells Einstellung zur
Eugenik zeigt: "Wie Bowler bemerkt, freute sich Wells auf eine Zukunft, in der 'die Unfähigen schmerzlos beseitigt, die psychisch Kranken zum
Selbstmord aus Pflichtgefühl ermuntert und die unterlegenen Rassen der Welt aussterben würden'. Als er in seiner 1901 erstmals veröffentlichten, wissenschaftlichen Studie 'Anticipations' über die Zukunft der 'Schwärme von schwarzen und gelben und braunen Menschen', die aus Gründen der Effizienz in einem wissenschaftlich geordneten Weltstaat 'nicht gebraucht' würden, nachdachte, kam Wells zu dem Schluss, dass diese und andere 'ineffizienten' menschlichen Gruppen verschwinden müssten: 'Die Welt ist
keine gemeinnützige Einrichtung, und ich nehme an, sie werden gehen müssen.' Hier drückte Wells eine Sicht auf den menschlichen Fortschritt aus, die er nie revidierte."