Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 16.09.2002 - Outlook India

Nach dem großen 9/11-Schwerpunkt in der letzten Ausgabe, geht es im aktuellen Heft um den möglichen Schlag der USA gegen den Irak. Outlook India dokumentiert die ersten drei Fragen eines Interviews mit Noam Chomsky (mehr hier) zum Thema, das im Oktober vollständig im Z Magazine erscheinen wird. Zur Frage nach Saddams Gefährlichkeit meint Chomsky: "The rational conclusion is that Saddam is probably less of a danger now than before 9-11, and far less of a threat than when he was enjoying substantial support from the US-UK (and many others). That raises a few questions. If Saddam is such a threat to the survival of civilization today that the global enforcer has to resort to war, why wasn't that true a year ago? And much more dramatically, in early 1990?"

Gary Leupp analysiert das fehlende Bedrohungspotenzial Saddams für die Türkei, Ägypten, den Jordan, Saudi Araben und Kuwait, und stellt fest, dass lediglich Israels Premier Sharon Washington "anstachelt". Der israelische Schriftsteller, Journalist und Friedensaktivist Uri Avnery (mehr hier) beurteilt die amerikanischen Kriegspläne als reichlich "vernebelt" und zählt einige der "immensen Vorteile" auf, die sich die USA dennoch von einem Einsatz versprechen dürfen. So sei u.a. das "Öl im Kaspischen Meer das eigentliche Ziel der amerikanischen Wirtschaft (und damit der amerikanischen Politik)".

Sanjay Suri berichtet über die geschickte Vermarktungsstrategie einer Biografie von Patrick French über den Literaturnobelpreisträger V.S Naipaul: "It's possibly the biggest publishing story of the year. Patrick French's biography of V.S. Naipaul - 'the' Naipaul biography to be written, that is - will be sold to publishers later this year. French - author of a landmark biography of the British explorer, spy and mystic, Francis Younghusband, and the controversial book on the Partition, Liberty or Death - is figuring out just what it will take to do this biography of Naipaul (Sir Vidia, if you must). His agent James Godin will do his sums there on to negotiate a deal that should be worth more than a small fortune. The buzz has begun in London's publishing world, the bidding can't be far off. Where in relation to a million do you place your money?"

Weitere Artikel: Der Aufmacher widmet sich dem Frust der indischen Mittelklasse: "Read their lips, Mr Singh, your government's great gameplan to woo the middle class back in an election year isn't working! That was the job you came in for four months ago, wasn't it, when your party, after the Gujarat bloodbath and the Delhi civic poll debacle, frantically put together a new face with new songs to sing?" Besprochen wird unter anderem "Step across this line: Collected Non-Fiction 1992 -2002", ein Band mit Essays, Zeitungskolumnen und Briefen eines "umgekrempelten" Salman Rushdie (mehr hier), laut Rezensent "a miscellaneous grab-bag of bits and pieces by the great man".

Magazinrundschau vom 09.09.2002 - Outlook India

In nicht weniger als zwölf Artikeln und Interviews begeht das Magazin den Jahrestag des 11. September. Es ergibt sich, alles in allem, eine kritische Perspektive auf die Politik der USA vor dem 11. September - und danach.

Schon der Aufmacher stammt von keinem anderen als Noam Chomsky (mehr hier), Galionsfigur der amerikanischen Linken und einem der schärfsten Kritiker der US-Politik seit Jahrzehnten. Er zieht vor allem eine Bilanz der Folgen des Attentats für die Weltpolitik und sie fällt, wie nicht anders zu erwarten, alles andere als erfreulich aus. Die Rechte, die die USA mit ihrem Kampf gegen den Terror für sich in Anspruch nehmen, haben sie den von ihnen mit Terror überzogenen Staaten nie eingeräumt (Chomsky beruft sich auf Kuba und Nicaragua) - und natürlich, so Chomsky, haben die USA nichts anderes als Machtpolitik und die Interessen der amerikanischen Konzerne im Sinn: "One major outcome is that the US, for the first time, has major military bases in Central Asia. These are important to position US multinationals favourably in the current 'great game' to control the considerable resources of the region, but also to complete the encirclement of the world?s major energy resources, in the Gulf region."

Der zweite US-Amerikaner, der zu Wort kommt, ist - vom anderen Ende des politischen Spektrums - Samuel Huntington (hier mehr), der im Interview zu seiner These vom "Clash of Civilizations" befragt wird. Auf die Außenpolitik der US-Regierung lässt er nichts kommen: "I am sure that Sweden has a pure foreign policy but what does Sweden do? Whereas we are involved all over the world. I think we do pretty well as compared with the record of other countries." Außerdem: Neun in den USA lebende Inder erinnern sich an im World Trade Center ums Leben gekommene Verwandte. Indische Filmemacher, Dichter, Künstler, Schauspieler kommentieren kurz - und in der Mehrzahl recht US-kritisch - den 11. September, seine Ursachen und Folgen.

Unter die Lupe genommen werden aber auch die Auswirkungen auf die Region. Die Situation Pakistans wird - unter dem Titel "Faust's New Deal" - analysiert; Präsident Musharraf hat seine Kehrtwendungen, meint Ayaz Amir, geschickt verkauft. Er hat sich von den religiösen Extremisten losgesagt - und damit auch von den Terroristen in Kaschmir -, ohne auf gefährlichen Widerstand im eigenen Land zu stoßen und findet für seine scheindemokratische Diktatur die weitgehende Unterstützung des Westens. Ein weiterer Artikel geht noch genauer auf den Stand der Dinge im Kaschmir-Konflikt ein. Spekuliert wird außerdem über den Verbleib von Mullah Omar und Osama Bin Laden.

Magazinrundschau vom 02.09.2002 - Outlook India

Die Titelstory - "The Big Bees" (eine Anspielung übrigens auf den größten indischen Filmstar, Amitabh "The Big B" Bachchan) - scheint diesmal von begrenztem Interesse für das westliche Ausland: ein Ranking der besten indischen Business-Schools, mit Top Ten und allem, was wir von Focus kennen.

Wohin der Reichtum der Reichen führt, zeigt unterdessen ein weiterer Artikel: In Hyderabad bauen sich neureiche Inder wilde Märchenschlösser nach europäischen Vorbildern: "Reddy doesn't disclose the details of the fortune he spent. But he does tell you that he hired a clutch of European architects and a thousand workers who sweated over 8,000 tonnes of specially quarried quartzite stone and other construction material over three years to build his five-floor, 20-room piece of France in Hyderabad. The businessman simply christened it 'Le Chateau'." Nicht alle dieser Häuser in Hyderabad, das räumt der Autor ein, sind so wahnsinnig, aber wenn schon, denn schon: "The gentleman claims his family loves beer so much he decided to build his roof with empty beer bottles. Hence he's had some 10,000 empty beer bottles plastered on to the roof and appropriately named his home Cheers."

Ein wenig nostalgisch ist ein Bericht über die aussterbende Kunst der gemalten Filmplakate: "The paints and brushes have given way to the computer and camera, the painted image to pictorial representation. Painting hoardings, in fact, is becoming rare and Balkrishna Arts Studio remains one of the last surviving painting studios in Mumbai. 'Digitisation is determinant,' says film scholar Ranjini Mazumdar.On the positive side, the printing is getting better, and the huge, hitherto imported, vinyl printouts are becoming commonplace." Nebenbei erfahren wir, dass, ganz wie in Hollywood, auch in Bollywood die Ausgaben für die Film-Werbung enorm gestiegen sind: "More is being spent in terms of money, time as well as effort on advertising films. If the publicity cost for a big film was two per cent of its budget before, it has now risen to 10 per cent."

Weitere Artikel: In Delhi ist es den Autofahrern ab sofort untersagt, an den Ampeln und Straßenkreuzungen Geld an Bettler zu verteilen, aber auch den meist obdachlosen Kindern Zeitungen abzukaufen; die Polizei will, dass der Verkehr schneller fließt. Nichts als ein Versuch, die Realität der enormen Kluft zwischen Arm und Reich zu verdrängen, meint der Autor des Artikels, Saba Naqvi Baumi. Und für die Cricket-Fans unter uns liefert der englische Ex-Cricket-Spieler Mike Gatting eine detaillierte Analyse des heftig umjubelten letzten Test-Spiels zwischen England und Indien - das Indien sensationellerweise deutlich gewonnen hat.

Magazinrundschau vom 26.08.2002 - Outlook India

Nach zwei Jahren an der Macht ist die BJP endgültig zur Selbstzerfleischung übergegangen, spottet die Titelstory. "As scam after scam comes tumbling out of its closet, as a senior minister gets linked to a sleazy murder case, as the party locks itself into an unseemly stand off with the Election Commission, partymen concede that the so-called claim to being a party with a difference is ringing hollow today." Vorbei die Zeiten, als gemeinsame Überzeugungen die Partei zusammenhielten. Heute zählen Stimmen, sonst nichts. "Hence, the so-called BJP ideology no longer involves even a vague commitment to a notional Hindu rashtra. In practical terms, it simply means raising issues if and when there are electoral gains in it." Klingt irgendwie vertraut. Gut dazu passt ein Artikel, der zeigt, dass die von der Partei regierte einstige Vorzeige- und derzeitige Pogrom-Provinz Gujarat wirtschaftlich schon lange ruiniert war. Nicht zuletzt wohl deswegen, weil die BJP sich durch "no idea of governance and zero vision" ausgezeichnet habe.

Ein Bericht aus Pakistan beschäftigt sich mit der prekären Lage der dortigen Christen, die immer mehr zur Zielscheibe des Terrors werden. Brutale Gegengewalt sei aber keine Lösung, warnt Tariq Rahman von der Qaid-e-Azam Universität: "While all western and Christian interests should be guarded more competently, the state should not merely arrest thousands of people and subject them to awful treatment. Repression will not work in Pakistan. What will is the creation of jobs for the unemployed and justice for the people." Pakistan soll nämlich kein zweites Algerien werden.

Die Vergewaltigung eines Mädchens in einem Zugabteil vor den Augen sieben untätiger Mitreisender ist der Anlass zu einem Beitrag über die Sicherheit der Frauen in Indien. Der Staat hat schon reagiert. "In Mumbai, a little after midnight, the Churchgate railway station almost looks like a police chowki. Cops march up and down the platforms, outnumbering the handful tired commuters waiting for their ride back home?But as commissioner of railway police, Rakesh Maria, observes: 'There are limits to what the police can do to prevent something like this. More policing is not the solution. If seven people did nothing to stop a child's rape in their compartment, it is then a societal problem we need to address'."

Zum Abschluss noch eine beruhigende Nachricht für die nationale Küche: Berichte, dass die indischen Restaurants in England an Boden verlieren, sind nach einem Gegenbericht der britischen Restaurant Association so nicht richtig. Vielmehr schließen nur die falschen Inder, die richtigen sind auf dem Vormarsch. "Of the previously estimated 8,000-odd Indian restaurants, about 85 per cent were Bangladeshi-owned. They call the food Indian, but Indians don't, and now more and more Brits don't either." Vielleicht hilft ja ein Original-Indisch-Gütesiegel.

Magazinrundschau vom 19.08.2002 - Outlook India

Outlook bringt ein Interview mit dem pakistanischen Innenminister Moinuddin Haider, der die UN auffordert, Terrorismus zu definieren (keine schlechte Idee!) und Resolutionen in Sachen Kaschmir zu erlassen, weil Indien kein säkulärer, verhandlungsfähiger Staat sei. "It has demonstrated that it is very militant. They have this Shiv Sena. They are poisoning the people's ears with the caste system. They are intolerant towards the Muslims and Christians. And their actions in Gujarat, and their atrocities in Kashmir-and now I am told that they are bringing in people from these militant parties into Kashmir-I think these are not good signs ... I think India is headed towards a disaster. I sincerely advise that they should also control their extremists. They should get rid of the caste system that has suppressed their own people." Ein Vorbild für die erfolgreiche Bekämpfung des Extremismus fällt dem Minister natürlich auch ein: Pakistan.

Auf die kürzlich im Outlook dargelegten Verbindungen zwischen der indischen Filmindustrie und der Mafia bezieht sich ein Beitrag, in dem Anita Pratap ihre Solidarität mit den gebeutelten Filmstars bezeugt. Deren Leben sei nämlich alles andere als ein Zuckerschlecken: "Evidently, to get into showbiz, to remain there, and to revive sagging fortunes, some have had to sup with the mafia devil. If the star puppets don't do the bidding of the shadowy, underworld puppeteers, they are strangled or dropped. For filmstars addicted to money, fame and glamour, oblivion is as scary as death. Fear of losing is as gut-wrenching as the loss itself. To have tasted fame and wealth and then lose it, is much worse than never having it at all ... So if the only way to achieve or retain success is to have a pact with the devil, so be it."

Besprochen werden eine sehr subjektive Darstellung über Aufkommen und Ende des Terrorismus im Punjab, verfasst vom ehemaligen "deputy commissioner" von Amritsar, der wenig Gutes über die Verantwortlichen in Delhi, dafür um so mehr davon über seine eigenen Taten zu berichten hat. Und ein Band, der die nationalistischen Implikationen des von den Briten nach Indien importierten Cricket-Spiels untersucht, die Schlüsselfiguren und Clubs vorstellt und einen historischen Abriss bietet. Ein Buch nicht nur für Sportfans, sondern für alle Süd-Asien-Interessierten.

Magazinrundschau vom 12.08.2002 - Outlook India

55 Jahre indische Unabhängigkeit. Outlook bringt ein Sonderheft über die "Greatest Indians". Mutter Teresa (obgleich keine gebürtige Inderin) erreicht Platz eins der aus einer Umfrage hervorgegangenen Rangliste (hier und hier mehr dazu), und obwohl die Politik von Nehru bis Vajpayee vertreten ist, ist Mahatma Gandhi nicht dabei! "Outlook decided to keep the father of our nation above a voting process. A poll of the greatest Christians of all time would look rather ridiculous if it included Jesus Christ as one of the nominees, wouldn't it?"

Wie auch immer. Khushwant Singh hat anderes zu monieren. Warum, fragt er, sind keine Künstler und Wissenschaftler unter den Nominierten, nicht mal ein Bollywood-Star wie Amitabh Bachchan, der wahrscheinlich einzige lebende Inder, den Madam Tussaud in Wachs gießen ließ? "The people who make a country prosperous are not politicians who make all the noise and take the credit for all achievements but farmers, entrepreneurs and scientists, who produce wealth and open up new vistas for employment. They shun publicity and work quietly." Weswegen Singh auch zufrieden ist mit der stillen Nummer 1. "Among my most valued possessions is a letter from her which says, 'I am told you do not believe in God. I send you God's blessings.' I have it framed by my desk."

Zum Ausgleich druckt Outlook eine Reihe persönlicher Ehrbezeugungen u.a. für den aus Goa gebürtigen Maler Francis Newton Souza (hier), den Atomphysiker Homi Bhabha (hier) und den Schriftsteller Buddhadev Bose (Schöpfer des frühen post-independence-Romans "Tithidore"), über den Amit Chaudhuri schreibt: "Looking at Bose and his writings, we realise that both modern Indian literature and the modern Indian writer are discontinuous, complex entities that have multiple, often competing, registers: they both lack repose and fixity."

Eine Ahnung davon, warum indischen Autoren diese Gelassenheit fehlt, und nicht erst seit dem 11. September, gibt der Schriftsteller Amitav Ghosh ("Der Glaspalast") in einem Interview. "I've lived in the Middle East, I've been in Burma, I've been in places where the changes are occurring. So that awareness has been a part of my fiction for a very long time. My fiction has always been about places that are in the process of states coming unmade, or communities coming unmade or remaking themselves in many ways." Entgegen dem Trend zur Ironisierung aber scheue sich vor allem die indische Literatur nicht, die emotionalen und spirituellen Bedürfnisse der Menschen zu bedienen, "the ambition is there, of some sort of moralistic truth".

Magazinrundschau vom 05.08.2002 - Outlook India

In der Cover Story erkundet Manu Joseph das dichte Netz, das Indiens Filmindustrie, die Politik und die Exekutive mit der Unterwelt verbindet. Die Zusammenhänge sind verflixt kompliziert. Und vielfältig sind die Wege der indischen Mafia in die Glitzerwelt von Bollywood: Mal sichern sich die Dons (mit sanfter Gewalt) die Überseerechte erfolgreicher Produktionen, ein anderes Mal wird ein Erfolg erst richtig angeschoben: "The don 'backs' a project. Some calls are made and top stars sign for the film. Some are forced to sign. But some are only happy with the intervention because it really doesn't matter if their market value is down in the dumps, when the don makes the calls, they get the films. Once the stars sign up, it's never a problem finding a financier."

Pratap Bhanu Mehta stellt mit "The Maverick Republic" des Journalisten Jawid Laiqs eine Essaysammlung vor, in der die indische Politik ("our economic policy to our nuclear shenanigans, our information technology revolution to our urban policy") als eine einzige "Demonstration von Torheit" erscheint. Geprägt von der tiefgreifenden Skepsis gegenüber der indischen Demokratie und der Amoralität der Macht sowie von einem ebenso tiefen Glauben an die moralische Festigkeit der Belogenen und Betrogenen, schreibt der Rezensent, habe das Buch allerdings zwei gewichtige Mängel: "Laiq does not comment on whether this amoralism is a cause or a consequence of the failures of Indian democracy. And like any good reporter, he ought to have reminded himself that moral vacuums are never filled by moral exhortation alone. They require a more complex response that eludes this book and all of us as well."

Weitere Buchbesprechungen widmen sich einem "practical guide" für den Kampf gegen den Krebs sowie einer Biografie über den indischen Filmemacher Yash Chopra (mehr hier). Madhu Trehan schließlich vergleicht das Frauenbild in Sanjay Leela Bhansalis aktueller Leinwandadaption von Saratchandras Roman "Devdas" mit Bimal Roys Version von 1955 und stellt fest: die Emanzipation geht voran.

Magazinrundschau vom 29.07.2002 - Outlook India

Der Titel widmet sich einem für Mitteleuropäer nicht soo spannenden Thema: der Verleihung des "Electrolux Kelvinator Wisden's greatest Indian cricketer of the century award" an Kapil Dev (mehr hier).

Einem für Inder nicht soo interessanten Thema hingegen ist Anita Pratap auf der Spur. Die Komik der politischen Karikatur, meint sie, ist vor allem eine Sache des Westens: "We in the Third World constantly do deal with issues too tragic to be funny. Political cartooning is a refined art, especially in the UK, France and the US. But let's face it, those societies don't have to worry about the basics, which we still grapple with. Hunger, disease, inequality, exploitation, poverty-these are life-threatening issues in the Third World. Political cartooning in the West is brilliant and funny, but the issues, judged by our standards, often seem superficial ? There's something obscene about poking fun at political reactions to economic disparity or violence against women, issues we continually contend with."

Besprochen werden E. M. Forsters knapp 40 Jahre altes Indien-Buch "A Tribute", das der Rezensent ausgerechnet für seinen Scharf- und Weitblick betreffend das mangelhafte Englisch der Inder lobt, sowie eine luzid geschriebene Studie des Fachmanns für außenpolitische Fragen in Südasien schlechthin, J.N. Dixit (mehr hier), über die Geschichte der indisch-pakistanischen Beziehungen, die nicht nur durch ihren starken Dokumentenanhang (Chronologie und Texte aller wichtigen bilateralen Treffen 1994-2000; statistisches Material zur militärischen Balance 2000-01 usw.) glänzt: "One must admire Dixit's precision and sympathise with his predicament of indicating where the complex relationship between these two countries could lead, especially now that the US has got itself involved in the Afghani and Pakistani territories for combating international terrorism."

Magazinrundschau vom 22.07.2002 - Outlook India

Im Outlook-Interview spricht die exilierte pakistanische Ex-Premierministerin Benazir Bhutto (homepage) über eine mögliche Vorbildfunktion Pakistans in der islamischen Welt, ihre Chancen auf eine Wiederwahl und Musharrafs Vorkehrungen dagegen: "The regime knows that a fair election will return me to power ... Musharraf is reneging on his pledge to hold fair elections. Pakistan's future well-being depends on a democratic order. Dictatorship leads to domestic instability as well as threatens peace in the region ? We can ill-afford a fourth war that could turn nuclear and annihilate large portions of the South Asian population. I believe the order banning a person from becoming prime minister for the third time, and many other similar orders of the military regime, are Benazir-specific. It is illegal and unconstitutional."

Alok Rai stellt ein Buch vor, das sich den "gentlemen-poets", jungen bürgerlichen Dichtern im kolonialistischen Bengalen widmet. Ein kaum beachtetes Forschungsfeld literarischer Aktivität, wie Rai erläutert, und eines faszinierenden Interaktionsprozesses zwischen der britischen Kultur und der sich ausbildenden kulturellen Identität der bengalischen Bourgeoisie. Die Studie zeige deren Protagonisten als aktive Mitschöpfer und Rezipienten des orientalistischen Mythos von der "goldenen Hindu-Vergangenheit", einem konstitutiven Element der ethnischen Spaltung Indiens.

Der Titel befasst sich mit dem indischen Nationalsport und prüft das Team und die Chancen für den Cricket-Weltcup 2003 in Südafrika, ein anderer Beitrag warnt vor Liebeskummer durch Chatroom-Romanzen, und Vinod Mehta bespricht die leicht wehleidigen Memoiren des politischen Cartoonisten O.V. Vijayan (mehr hier) - "essential reading for journalists and fellow travellers".

Magazinrundschau vom 15.07.2002 - Outlook India

Die Cover Story befasst sich mit den geplanten indischen Wahlreformen. In einem Interview erläutert der Wahlkommissar J.M. Lyngdoh die künftige Verpflichtung politischer Kandidaten zur eidesstattlichen Erklärung über Einkommensquellen und Bildungsweg.

Khushwant Singh bespricht "Ignited Minds: Unleashing The Power Within India" des Selfmademannes und künftigen indischen Staatspräsidenten A.P.J. Abdul Kalam. Ein Mensch der, wie Singh schreibt, zwar keine optische Attraktion ist ("with his tousled, untidy hair and buck teeth he looks more like a character from a comic strip cartoon than the head of a state"), dessen hier dargelegte Botschaften und Visionen von einem besseren Indien aber, wie diejenigen Gandhis, die Herzen der Menschen treffen. "'Ignited Minds' will fire minds of the young to whom it is primarily addressed. It is written in very simple prose: like a school textbook the contents of each chapter are summarised in a few sentences. His editor, Krishan Chopra, has done a good job on the text. However, one hopes that like Atal Behari Vajpayee who mercifully stopped writing poetry after he became prime minister, Kalam too will stop his little attempts at versification after he takes over as President of India."

Zwei Bücher über die pogromartigen Ereignisse in Godhra und Gujarat ("Lest We Forget" und "Harvest Of Hate") stellt Harsh Mander vor. Weniger um soziologische Analysen, für die es wohl noch zu früh ist, handelt es sich, als um "Protokolle des Schreckens". "Neither volume enables us to fathom what led to so bitter and uncompromising a social divide, nor why such a large number of Dalits and tribals participated, nor indeed the active plunder and abetment to violence by middle-class urban residents. Many questions remain unanswered, such as what transforms ordinary people into savage mobs, why institutions both of the state and civil society collapse with such abject terminal complicity, what inspires legions of young men to seek anchor in ideologies of hatred?"

Weitere Artikel widmen sich der "Goan diaspora" und ihren Kindern (hier), die jetzt aus allen Erdteilen in die erste europäische Kolonie zurückkehren, um ihre Genealogie zu rekonstruieren, und Anita Pratap illustriert das hinduistische Konzept der "Loslösung" am Beispiel der selbstlosen Liebe eines Vaters zu seiner verstorbenen Tochter.