
Im polnischen Magazin geht es diesmal sehr literarisch zu. Nachdem
Adam Krzeminski letzte Woche die
Grass-Debatte zusammen mit der Berliner Ausstellung über Vertreibung zum Anlass
nahm, die deutsch-polnischen Beziehungen zu analysieren,
wendet er sich nun dem Buch als literarischem Ereignis zu. "'Beim Häuten der Zwiebel' handelt genau davon: wie man seine Haut abwirft, indem man über das
Trauma spricht, wie man sich von der Schuld befreit, indem man sie benennt und sie gleichzeitig verschweigt, wie man sich mit Hilfe von Literatur eine Art 'Bypass' schafft, um die von Scham verstopften Arterien zu entlasten." Nicht unerwähnt lässt Krzeminski, dass Polen "Grass etwas schuldig ist. Wenn in den polnischen Westgebieten die
antideutschen Ängste am geringsten sind, so ist das zu großem Teil auch Grass' Verdienst. Dank ihm haben wir den Komplex, eine von deutschen Revanchisten belagerte Festung zu sein, verloren."
Der in Polen seit Jahren beliebte tschechische
Schriftsteller Bohumil Hrabal wird langsam in Rest-Europa (wieder)entdeckt
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freut sich Literaturkritiker und Hrabal-Übersetzer
Aleksander Kaczorowski. "Großen Anteil daran hatte der tschechische Regisseur
Jiri Menzel, dessen Verfilmung von
"Reise nach Sondervorschrift, Zuglauf überwacht" den Oscar bekommen hat, und der
jetzt an Hrabals "Ich habe den englischen König bedient" arbeitet (mit Julia Jentsch in der weiblichen Hauptrolle). Diese
Verfilmung kam unter sehr abenteuerlichen Umständen zustande - u.a. hat Menzel den Produzenten Jiri Serotek öffentlich verprügelt - und ein Erfolg kann den Regisseur wieder nach ganz oben bringen. Währenddessen ist eines sicher: der Erfolg von Hrabal als Autor, der in immer mehr Sprachen
übersetzt wird."
Außerdem: das polnische staatliche Fernsehen plant einen
Themenkanal "
Geschichte". Im Gespräch mit der
Polityka beteuern die Macher: "Das Programm wird ein Ort von
Debatten von Historikern sein. Eine unkritische Darstellung der von der Regierung lancierten Geschichtspolitik wollen wir nicht."