Magazinrundschau - Archiv

The Times Literary Supplement

327 Presseschau-Absätze - Seite 32 von 33

Magazinrundschau vom 21.10.2002 - Times Literary Supplement

Warum interessiert sich die Philosophie nur für die Guten?, fragt sich Jonathan Ree. Weil das viel einfacher ist. "Das Gute mag von einem praktischen Standpunkt aus schwer fassbar sein, aber konzeptuell ist es vergleichsweise leicht zu handhaben. Platon behauptete, dass es nur in einer Form erscheinen kann, und selbst wenn er sich darin irrte, ist es sicher einfacher als die zahllosen Spielarten der Schlechtigkeit. Wenn gute Dinge besser werden, sind sie am Ende sehr gut, doch wenn schlechte Dinge sich verschlechtern, sind sie am Ende schlimmer als schlecht. Sie drücken den Diskurs in eine Zone von nicht-verhandelbaren Wörtern mit altmodischer Ausstrahlung, wie Sünde, Bosheit und das Böse." All das habe die Philosophie eher vom Bösen ferngehalten, doch Susan Neimans Buch "Evil in Modern Thought. An alternative history of philosophy" springe in diese Bresche. Für sie stelle das Böse die Frage nach der Erfassbarkeit von Welt, an sich sei es jedoch letztlich ein Oberflächenphänomen, "keine gewaltige Eiche, sondern ein lumpiger und wurzelloser Pilz, der sich mit befremdlicher Geschwindigkeit ausbreitet und dann genauso schnell wieder verschwindet."

Weitere Artikel: James Hall findet, dass E. H. Gombrichs kunstwissenschaftlichen Thesen in ihrer Deutlichkeit auch immer etwas Magerheit anhaftet. Isobel Armstrong bespricht eine Biografie des ersten Erzviktorianers Philip Henry Gosse (mehr hier). Und schließlich misst Maria Margaronis die Londoner Aufführung von Tennessee Williams' "Streetcar Named Desire" an Elia Kazans legendärer Verfilmung und trauert Williams' sehnsuchtvollem Himmel nach.

Nur im Print zu lesen sind unter anderem "Dart" von Richard O'Brien, Hew Strachans "The Hunt for Zerzura - The lost oasis and the desert war" und M. John Harrisons "The Bat Tattoo".

Magazinrundschau vom 14.10.2002 - Times Literary Supplement

Das TLS lockt diesmal mit großen Namen: Thomas Mann, Theodor Adorno und nicht zuletzt Umberto Eco.

Dass Umberto Ecos lustvoll ausuferndes Schreiben ansteckend ist, beweist Tom Shippey in seiner (leider nur auszugsweise vorhandenen) Besprechung von Ecos "Baudolino". Doch genauso lustvoll wie das Schreiben ist auch das Lesen, denn Shippey möchte so gerne Ecos "perfekter Leser" sein, dass er jeder von dem "unverbesserlichen Lügner" Baudolino - und von dem noch "größeren Lügner" Eco - gelegten Spur nachgeht. Er spekuliert sogar amüsiert, dass verzweifelte Antiquare bald die von Eco zitierten, aber nicht existierenden Texte nachschreiben werden. Die unvermeidliche Befremdung des Lesers gehe allerdings nicht nur aus dem geschickten Spiel mit mittelalterlicher Wahrheit und Lüge hervor, sondern auch aus Ecos "Pulp Fiction"-artiger Erzählweise. Shippeys vorläufiges Fazit: "Ein Riesenspaß, könnte man sagen, doch wozu ist das alles gut? Was auch immer es ist, es scheint zu funktionieren."

George Steiner ist (leider nun in Auszügen) begeistert von der Lektüre des nun auf Englisch erschienenen Briefwechsels zwischen Thomas Mann und Theodor Adorno, der die "aktive Zusammenarbeit" bezeuge, die sich zwischen den beiden Großen um den Doktor Faustus entsponnen hat. In der Tat berge dieser Roman etwas Seltenes, nämlich die Anwesenheit "abstruser Denker" in der literarischen Fiktion: "Der Teufel im Doktor Faustus wurde sofort als die Inkarnation von Theodor Adorno erkannt. Sowohl der Schriftsteller als auch die dramatis persona schöpften aus dieser Identifikation diebische Freude." Diese Freude teilt auch Steiner und bescheinigt dem Gespann eine unerreicht fruchtbare "Symbiose zwischen einem Schriftsteller und seinem 'Haus-Experten'".

Weitere Artikel: Robert MacFarlane hat "Moy Sand and Gravel" gelesen, den jüngsten Lyrikband von "Prankster-Poet" Paul Muldoon, und findet darin Tod, sprachliche Reha-Übungen und programmatisches Misstrauen gegenüber poetischen Dogmen. E. S. Turner passiert teils belustigt, teils kopfschüttelnd, eine Reihe von Büchern Revue, die sich mit Tieren und den damit verbundenen ethischen Fragen beschäftigen.

Nur in der Printausgabe zu lesen sind Lindsey Hilsums "Brief aus Bagdad", Glyn Maxwells Prosatext "The Leonids", Gedichte von Patrick Crotty und weitere nicht im einzelnen genannte Artikel und Texte.

Magazinrundschau vom 07.10.2002 - Times Literary Supplement

Diesmal ist nicht viel los im TLS. Aufmacher ist ein Text von Howard Timberley, der mehrere Bücher über die Abschaffung der Sklaverei in Großbritannien bespricht. Dabei lobt er vor allem "The Mighty Experiment", in dem Seymour Drescher nachzeichnet, wie die Befreiung von der britischen Bevölkerung ausgenommen wurde. "It became customary for writers to celebrate the selfless way in which Britain had set an example by leading the attack on slavery", schreibt Timberley, tatsächlich aber sah es anders aus. Adam Smith' Diktum, dass Freiheit auch Wohlstand bringe, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil. "Having already paid £20 million in compensation to slave-owners - an almost unbelievably large sum, equivalent to 40 per cent of the national budget - the public now found itself paying millions more. To make matters worse, this coincided with a time of unemployment and economic hardship in Britain... People were incensed. Nach der Lektüre, meint Timberley, würde man sogar ein wenig Verständnis dafür haben, dass sich die Times und der Economist damals gegen die Abschaffung der Sklaverei wandten.

Weiteres: Im britischen Feuilleton scheint ein Streit über Orlando Figes' russiche Kulturgeschichte "Natasha's Dance" ausgebrochen zu sein. Rachel Polonsky hat das Buch in der vorigen Print-Ausgabe offenbar vernichtend verrissen - Plagiatsvorwürfe inbegriffen. Nun legt sie noch einmal nach, zeiht Figes der Auschneiderei und intellektuellen Unlauterkeit, während Figes im Print seine Arbeit verteidigt. (Im Guardian ist der Verlauf der Debatte nachzulesen).

Liam Hudson begeistert sich für das Buch "Wool-Gathering" des Literaturwissenschaftlers Dan Gunn, in dem dieser die Geschichte eines Hypochonders erzählt, der seinem Analytiker über die Jahre insgesamt 25.000 Pfund zahlt, um zum Schluss als lesbisch diagnostiziert zu werden. Besprochen werden außerdem Paul Austers neuester Wurf "Book of Illusions" und Caryl Churchills neues Stück "A Number" am Royal Court Theatre, mit dem sich die einst "feministische Außenseiterin" zur "klassischen Tragödin" gewandelt hat, wie Michael Caines befindet.

Magazinrundschau vom 30.09.2002 - Times Literary Supplement

Titelthema der neuen Ausgabe ist die neue Puschkin-Biografie von T.J. Binyon. Online lesen dürfen wir allerdings nur einen Auszug von Clive James' Lobgesang. Am besten gefällt ihm, dass Binyon nicht darum herumredet, dass Puschkin ein schrecklich "ordinärer" und "obszöner" Mensch gewesen ist: "Admirers of the poise, refinement and balance of 'Eugene Onegin' can?t help thinking of its author as poised, refined and balanced too, the raw facts say that the man was less than that. He was a suicidal hot-head, an indefatigable tail-chaser, a prolific spender of other people's money, a ranting imperialist, a gambler who could never rest until he lost, and altogether a prime candidate for perdition." Besprochen wird außerdem eine neue Kulturgeschichte Russlands von Rachel Polonsky (nur im Print).

Weiteres: Lavinia Greenlaw gibt sich alle Mühe, ihre Enttäuschung über Zadie Smith' zweiten Roman "The Autograph Man" zu verhehlen. Zu viel Selbst-Ironie und zu wenig gelungene Metaphern, bemerkt Greenlaw, behilft sich aber mit mit nahezu mütterlichem Wohlwollen: "Zadie Smith can be so lucid and graceful that it is hard to understand the crisis of confidence which makes her simultaneously overwrite and undermine."

Peter Stothard empfiehlt eine - wie er meint - sehr aufschlussreiche Biografie über den Tory-Politiker Willie Whitelaw, angeblich der Zement, der die Regierung Maggie Thatcher zusammen gehalten hat: "Without him, Margaret Thatcher's revolutionary British architecture would never have risen above its foundations." Und Stephen Burt schließlich stellt Carol Ann Duffys neuen Gedichtband "The Feminine Gospel" vor, in dem die Probleme moderner Frauen in den Himmel wachsen.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - Times Literary Supplement

Peter Ackroyd, gerühmter Autor mehrerer Biografien von Thomas More bis T.S. Eliot, hat offenbar für eine neue literarische Sensation gesorgt. In seinem neuen Buch "Albion" geht er seiner großen und wahren Leidenschaft nach, wie Rezensent Terry Eagleton schreibt, "the enduring love affair with a certain idea of Englishness, an idea that runs as deep in his writing as property in Jane Austen or memory in Proust". Und die stellt sich laut Eagleton folgendermaßen dar: "England is about muddle rather than metaphysics, amiable anecdotes rather than grand narratives. The culture is cross-grained, eclectic and mongrelized, and its enemies are purity and abstraction. Recondite knowledge, being quirky, charming and gloriously pointless, is characteristically English, whereas rational, purposive knowledge is unnervingly Continental." Zu dem Buch selbst bemerkt Eagleton: "The book, to be sure, is a symbolic rather than social history of England. Ackroyd's England is a Chestertonian realm of monks, mystics and morris dancers, not of slave traders, colonial adventurers and industrial manufacturers... 'Albion' is Othello without Iago."

Ganz in Ackroyds Banne hat sich das TLS auch in den weiteren Artikel Good Old England verschrieben: Linda Colley erklärt britische Kolonialgeschichte mit "Size does matter!". Grevel Lidop lobt Alathea Hayters Buch über den Kolonialisten, Opiumhändler und Dichterbruder John Wordsworth "The Wreck of the Abergavenny". Und Michael Caines schließlich bespricht neue Biografien zu Shakespeares Counterparts Christopher Marlowe und Richard Edwards.

Magazinrundschau vom 16.09.2002 - Times Literary Supplement

Anlässlich Anthony Barretts Biografie über Livia (mehr hier) bemüht sich Mary Beard um eine Rehabilitierung der meistgehassten First Lady derWeltgeschichte, Frau des römischen Kaisers Augustus und graue Eminenz seines Hofes, die alle aus dem Weg geräumt haben soll, die ihr in die Quere kamen - inklusive Ehemann. Wer könne, fragt Beard, schon sagen, ob die Feigen wirklich vergiftet waren. Vielleicht sei ja nur versehentlich ein Giftpilz in die Suppe gekommen. "Should we always assume that sudden deaths were brought about by those who ultimately benefited from them? Such assumptions produce tidy history, but they may not becorrect." Und welcher Historiker könne schon mit Sicherheit sagen, wieviel Einfluss eine Frau tatsächlich auf ihren Mann habe. (Gleiches gelte übrigens auch für Lukrezia Borgia oder Cherie Blair). Nur leider räume auch Barretts Livia-Biografie nicht alle Zweifel aus, wie die Rezensentin leider eingestehen muss: "It is a first-rate collection of material; but it will almost certainly disappoint anyone wanting to get to the bottom of the historical Livia, as noclue to her power and influence ever turns out to bear the weight of interpretation we might wish to rest upon it.

Irvine Welsh hat mit "Porno" die Fortsetzung zu seinem Erfolgsroman "Trainspotting" vorgelegt, und Michael Caines findet sie recht gelungen: "'Porno' has all the qualities of a Victorian bestseller, and then some sex and violence." Wer allerdings nicht mehr en detail mit der Geschichte von Sick Boy, Spud und Renton vertraut ist, dürfte Schwierigkeiten haben, dem Rezensenten in seiner Begeisterung zu folgen. Auf jeden Fall erfährt man, dass die neun Jahre die Protagonisten nicht milder, nicht weniger nutzlos, aber auch nicht unsympathischer gemacht haben. "They are moredesperate than ever to realize their dreams."

Außerdem befasst sich Richard Horton mit James Olsons Versuch, den Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Weltgeschichte zu ergründen (Hitlers Mutter hatte welchen!). Und Chloe Colchester stellt zwei Bücher vor, in denen die Erfolgsgeschichten des T-Shirts und des Hawaiihemds erzählt werden.

Magazinrundschau vom 09.09.2002 - Times Literary Supplement

Für "Dead Air", den neuen Roman von Iain Banks muss der Leser laut Rezensent Colin Greenland schon einige Voraussetzungen mitbringen. Zum Beispiel wissen, dass der titelgebende Begriff aus der Radiotechnik schlicht "Stille" bedeutet, beziehungsweise das "versehentliche Senden von nichts". Seine Geschichte, wie auch die Figur des Protagonisten, eines ziemlich yuppiehaften "Berufswidersprechers", scheinen die "jüngste Geschichte der Telekommunikation" zu spiegeln. Denn für Banks, erklärt Greenland, " haben moderner Jargon und moderne Technologie ganz ähnliche Reize" - sie bieten "beide ein Vergnügungspotenzial, das mit Gleichgesinnten geteilt werden kann". Ein bisschen auskennen muss man sich also schon, ("The ideal reader will be ready and able to distinguish Mark Thomas from Thom Yorke, Budvar from Bud"), aber dafür erhalte man "a sardonic, even caustic view of the default culture - socially deracinated, technologically privileged - of Britain in the infancy of the twenty-first century."

Walter Laqueur lobt eine Studie über Selbstmordattentäter des deutschen Journalisten Christoph Reuter. Neben einer Aufsatzsammlung sei "Mein Leben ist ein Waffe" seines Wissens der erste systematische Beitrag zum Thema. Laqueur umreißt in seiner Besprechung zunächst etwas langatmig die diversen historischen und politischen Hintergründe und Formen, bescheinigt dann aber Reuters "Psychogramm eines Phänomens" beschreibe "den zeitgenössischen Selbstmordterrorismus als eine nur zum Teil moderne Erscheinung, als eine Mischung aus der Schlacht von Kerbela und Kabelfernsehen, eine Synthese aus alten Mythen und neuen Medien". (Nur als Auszug)

Außerdem besprochen werden eine Studie über den freien arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera (dies könnte! die homepage sein) sowie ein Bericht über die Bemühungen englischer Tierfreunde, eine bedrohte Vogelart namens Spix?s macaw (Bilder) vor dem Aussterben zu bewahren. Hinweis des Rezensenten: "This book is not primarily about biology, but about human egos and greed, and it is difficult to read it without wanting to weep." (Mehr dazu auf dieser sehr langsamen Seite.)

Magazinrundschau vom 02.09.2002 - Times Literary Supplement

Maßlos enttäuscht ist Bernard O'Donoghue von William Trevors neuem Roman "The Story of Lucy Gault", der die Geschichte einer protestantischen Familie im Irland der unruhigen zwanziger Jahre erzählt. Denn im Grunde hält O'Donoghue den anglo-irischen Trevor für einen der bedeutendsten Autoren und besten Erzähler des 20. Jahrhunderts. "It may be felt in the end that this is not one of Trevor?s more incontestable successes", wagt O'Donogue zu sagen, "although it displays mastery over its material and admirable ethical strength, it lacks the edge of some of the earlier work. Sometimes, especially in the early sections, the language is uncharacteristically slack. The characters are too nice, drifting almost allegorically towards the stereotypical decency of the kindly Chekhovian landowner, the lawyer who does his best and the faithful retainer. There are no villains; all are alike victims of fate and of a series of unlikely linked misfortunes... The bleak morality is uppermost.

Des weiteren hält Ruth Scarr den Roman "A Whistling Woman" von A.S. Byatt für einen ihrer besten (wenn auch für den definitiv blutigsten): "She is someone intimately acquainted with grief. She knows its violence and its faltering retreat. This, ultimately, is the grandeur of her novels." Und Patrick O'Connor lobt Matthew Bournes Chororeografie "Play Without Words" über das London im Jahr 1965 als erotisch, abenteuerlich, unterhaltsam und machmal brutal.

Leider nur in einem wenig hilfreichen Auszug zu lesen ist Michael Bentley Artikel über den Zustand der britischen Geschichtswissenschaft. Er sieht immerhin Bedeutsames geschehen: Immer mehr Engländern beschäftigen sich lieber mit der Historie als mit ihrem Garten. "One can envisage a white-haired couple putting down the pruning shears and Daily Telegraph to pick up History Today or the BBC History Magazine. But no; what the market research suggests is that young professionals are bulking large in the explosion of history at the bookstalls and in the viewing figures. These latter now seem awesome. History can draw a television audience of three to four million people and they cannot all be OAPs or bored house-husbands."

Magazinrundschau vom 26.08.2002 - Times Literary Supplement

Schwerpunkt der neuen Ausgabe ist offenbar der Stalinismus, die beiden dazu ins Netz gestellten Texte sind allerdings nur in Auszügen zu lesen. Leider, denn über den Band "Stalin"s Secret Pogrom" von Joshua Rubenstein und Vladimir P. Naumov, der die Geheimprozesse gegen eine Reihe prominenter Juden in der Sowjetunion behandelt, meint Geoffrey Wheatcroft immerhin: "No more important book on Communism has been or will be published for years". Die beiden Autoren haben erstmals Zugang zu den Akten dieser Verfahren erhalten, in denen sämtliche Mitglieder des "Jüdischen Antifaschisten Kommitees" wegen angeblichen Landesverrats verurteilt wurden - dabei hatten sie im kapitalistischen Ausland für die Sache der Sowjetunion geworben. Wheatcroft notiert dazu: "Until now far less celebrated than the pre-war Moscow Trials, or the post-war show trials which echoed them in Eastern Europe, this case tells us almost more than any other about the true character of that dream which for so long beguiled so many."

Zinovy Zinik stellt Martin Amis" (mehr hier) Buch über Stalin "Koba The Dread" vor, in dem Amis zwar nichts Neues präsentiere, meint Zinik, dies aber umso nachhaltiger. Amis geht in dem Band nicht nur mit Stalin ins Gericht, sondern auch mit den britischen Linken, unter denen es - wie Amis zumindest meint - als geschmacklos galt, auf die eine oder andere Million Opfer des Stalinismus hinzuweisen. (Explizit genannt wird von Amis übrigens "sein Freund" Christopher Hitchens, der bereits für Atlantic Monthly niedergeschrieben hat, was er von dem Buch hält.)

In ganzer Länge ist Russell Davies zu lesen, der Robert Gordons Biografie des Blues-Musiker Muddy Waters (homepage) empfiehlt: "Muddy was an undoubted star, but he stayed close to the people, having nowhere else to go. He saw his reflection not in gilt mirrors but in the faces of his black contemporaries. His achievement is the triumph of the dirt farmer. His music brought respect to a culture dismissed as offal. His music spawned the triumphant voice of angry people demanding change. This dirt has meaning."

Schließlich bedankt sich Noel Malcolm für Michael Hunters "großartige" Edition der Briefe des Philosophen Robert Boyle aus den Jahren 1636 bis 1691 mit einer Lobeshymne ("magnificient", "monumental", "suberbly olf-fashioned"). Und H.R. Woudhuysen zollt dem Sonett- und Gedichtband des "Oxford Shakespeare" den gebührenden Respekt.

Magazinrundschau vom 19.08.2002 - Times Literary Supplement

Nur Gutes diesmal im TLS: Raymond Tallis empfiehlt allen, die vom Paradies träumen, Roger Sandalls "brillante, leidenschaftliche und sardonische" Abrechnung mit dem Kult um die Kultur, dem, wie Sandall es nennt, Designer-Tribalismus. Als Beispiel für diesen Gebrauch des Worts "Kultur" nennt Tallis ein Zitat des Präsidenten von Benin, der den Kinderhandel in seinem Land mit "unserer Kultur" rechtfertigte : "'The Culture Cult' explains among other things how the phrase 'in our culture' has come to be used to defend behaviour that would otherwise be seen as quite abhorrent?For adherents of what Sandall calls the culture cult, primitive culture is not inferior to modern civilization - it is different and quite likely better... Nothwithstanding their own doctrine of incommensurability, they take 'a sour view of modernity', forgetting, Sandall argues, that modern civilization not infrequently 'allows changes of government without bloodshed'... whereas most traditional cultures 'feature domestic repression, economic backwardness, endemic disease, religious fanaticism and severe artistic constraints'."

John Bailey hat mit ausgesprochener Genugtuung gelesen, wie Maeve Brennan in ihrer Philip-Larkin-Biografie den Dichter gegen seine politisch korrekten Kritiker verteidigt.

Noch mehr Lob gibt es nur in Auszügen: Jeremy MacClancy stellt Judith Heimanns Buch "The Most Offending Soul Alive" vor, in dem Heimann das bemerkenswerte Leben des begabten, revolutionären, chauvinistischen und frauenverachtenden Anthropologen Tom Harrison erzählt. Und Justin Willis bespricht ebenso freundlich C.S. Nicholls Biografie der Schriftsstellerin Elspeth Huxley.