
Das
TLS lockt diesmal mit großen Namen: Thomas Mann, Theodor Adorno und nicht zuletzt Umberto Eco.
Dass
Umberto Ecos lustvoll ausuferndes Schreiben ansteckend ist, beweist
Tom Shippey in seiner (leider nur
auszugsweise vorhandenen) Besprechung von Ecos
"Baudolino". Doch genauso lustvoll wie das Schreiben ist auch das Lesen, denn Shippey möchte so gerne Ecos
"perfekter Leser" sein, dass er jeder von dem "unverbesserlichen Lügner" Baudolino - und von dem noch "größeren Lügner" Eco - gelegten Spur nachgeht. Er spekuliert sogar amüsiert, dass
verzweifelte Antiquare bald die von Eco zitierten, aber nicht existierenden Texte nachschreiben werden. Die
unvermeidliche Befremdung des Lesers gehe allerdings nicht nur aus dem geschickten Spiel mit mittelalterlicher Wahrheit und Lüge hervor, sondern auch aus Ecos
"Pulp Fiction"-artiger Erzählweise. Shippeys vorläufiges Fazit: "Ein
Riesenspaß, könnte man sagen, doch wozu ist das alles gut? Was auch immer es ist, es scheint zu funktionieren."
George Steiner ist (leider nun in
Auszügen) begeistert von der Lektüre des nun auf Englisch erschienenen
Briefwechsels zwischen
Thomas Mann und
Theodor Adorno, der die "aktive Zusammenarbeit" bezeuge, die sich zwischen den beiden Großen um den
Doktor Faustus entsponnen hat. In der Tat berge dieser Roman etwas Seltenes, nämlich die Anwesenheit
"abstruser Denker" in der literarischen Fiktion: "Der
Teufel im Doktor Faustus wurde sofort als die
Inkarnation von Theodor Adorno erkannt. Sowohl der Schriftsteller als auch die dramatis persona schöpften aus dieser Identifikation
diebische Freude." Diese Freude teilt auch Steiner und bescheinigt dem Gespann eine unerreicht fruchtbare "
Symbiose zwischen einem Schriftsteller und seinem 'Haus-Experten'".
Weitere Artikel:
Robert MacFarlane hat "Moy Sand and Gravel" gelesen, den jüngsten Lyrikband von "Prankster-Poet"
Paul Muldoon, und findet darin
Tod, sprachliche
Reha-Übungen und programmatisches
Misstrauen gegenüber poetischen Dogmen.
E. S. Turner passiert teils belustigt, teils kopfschüttelnd, eine Reihe von Büchern Revue, die sich mit
Tieren und den damit verbundenen
ethischen Fragen beschäftigen.
Nur in der Printausgabe zu lesen sind
Lindsey Hilsums "Brief aus Bagdad",
Glyn Maxwells Prosatext "The Leonids", Gedichte von
Patrick Crotty und weitere nicht im einzelnen genannte Artikel und Texte.