
Einer der internationalsten Orte Warschaus, wenn nicht Polens, steht vor dem Aus: Der
"Jarmark Europa", ein Riesenbasar im Inneren des 10-Jahres-Stadion (hier der
Film und die
Serie dazu), soll schon bald einem Stadionneubau für die
Fußball-EM 2012 weichen. "Noch drei Monate lang wird hier Musik aus der ganzen Welt erklingen und auf dem Feld Cricket gespielt.
Ja, Cricket! - Das Spiel kam aus dem Britischen Imperium über Indien hierher, und wurde zu einer inoffiziellen Visitenkarte der Händler; ein interkultureller Sport, eine Schau, die all den Emotionen und Widersprüchen Raum lässt",
schreibt Weronika Milczewska. "Der Jarmark steht für die
Geburt Polens als Einwandererland".
Der polnische
Maler Wilhelm Sasnal gilt als einer der aufregendsten der jungen polnischen Kunst. Der Durchbruch des
"Provinzlers" steht für Adam Mazur auch für "das Verlassen des lokalen Kontextes durch mitteleuropäische Künstler, hin zu Produktionen, die weder durch Inhalt noch durch Form von der kosmopolitischen Kunst des Westens abweichen. Dabei geht es nicht um - für periphere Kulturen typische -
zeitversetzte Nachahmungen, sondern um die Zugehörigkeit der Begabtesten zur Avantgarde, die die Sprache der zeitgenössichen Kunst
mitbestimmen". Aber auch im Inland stehen die Zeichen günstig - durch das
Förderprogramm für regionale Zentren zeitgenössischer Kunst und das ehrgeizige Projekt des zentralen
Museums für Moderne Kunst.
Positives gibt es auch aus der
Theaterszene zu berichten: Anna R. Burzynska
freut sich, dass die Provinztheater in Legnica, Walbrzych oder Olsztyn nicht bloß den Weg des geringsten Widerstands gegangen sind - Aufführungen von Schullektüren vormittags, Farcen für die Reicheren abends -, sondern die
Vielfalt der kleinen Formen entdeckt haben. "Dadurch beweisen die Direktoren, dass sie Theater für das lokale Publikum, und nicht angereiste Kritiker machen. Durch Einbeziehung von Amateuren, Lesungen, Werkstättenschauen und anderes fördern sie die natürlichsten Formen derBegegnung im Theater, wo es nicht um Effekt geht, sondern die schiere Möglichkeit der Arbeit und des Dialogs."