
Wie kriegen wir unseren
übermäßigen CO2-
Ausstoß wieder aus der Atmosphäre? Oder wenigstens: Wie schaffen wir es, dass der CO2-Ausstoß in der für die Energiewende nötigen Übergangsphase gar nicht erst in die Atmosphäre gelangt? In Texas bemüht sich eine ganze Reihe von Projekten, dafür eine Lösung zu finden,
berichtet Jeffrey Ball - und natürlich geht dies im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nur unter der Bedingung, dass ein neuer Markt entsteht: "Die Idee dahinter ist, dass die größten Emissionsverursacher ihren Ausstoß einsaugen und dafür zahlen, dass dieser durch Druck
in flüssige Form gebracht und - sicher und dauerhaft - zurück in die selben Gesteinsschichten injiziert wird, aus denen er ursprünglich gekommen ist. Dabei soll Kohlenstoff in einem Maßstab eingefangen und eingelagert werden, der weltweit seinesgleichen nicht kennt, umfassend genug, um dem Klimawandel ordentlich etwas entgegen zu setzen."
Steueranreize sollen die Sache nun ins Laufen bringen, "mit dem Ergebnis, dass sich heute, mehr als ein Jahrhundert nachdem Glücksritter in den Golf von Mexiko ausschwärmten, um von seinem Kohlenwasserstoff zu profitieren, ein neuer Schwarm in die Gegend zieht - diesmal, um jene Schäden abzumildern, die Kohlenwasserstoff verursacht. Eine Suche, die noch vor wenigen Jahren ein rein wissenschaftliches Projekt war, ist nun ein Spiel mit hohem Einsatz, um geeignetes Gestein für sich zu beanspruchen. In einem Kreis von 75 Meilen rund um Port Arhur befinden sich mehr als eine halbes Dutzend von Projekten von industriellen Ausmaßen in verschiedenen Phasen der Vorbereitung. Ihre Finanziers sind
Ölgiganten wie ExxonMobil, ConocoPhillips, BP und TotalEnergies, die die Aussicht in den Raum gestellt haben,
mehr als 100 Milliarden Dollar zu investieren; große Pipeline-Anbieter, die menschengemachtes CO2 als riesigen neuen Markt betrachten; Entwickler aus dem Bereich erneuerbarer Energien, die fossilen Treibstoff einst verteufelten, ihn jetzt aber
entkohlen wollen, um daraus Gewinn zu schlagen; und Landbesitzer, die erahnen, dass sich mit ihrem Schmutz auf neue Weise Geld machen lässt. Ein
Massenansturm auf Kapital, Landrechte und offizielle Genehmigungen durch die Behörden ist in vollem Gang. ... Kohlenstoff in einer Menge einzulagern, um dem Klima materiell zu helfen, ist heute nach Ansicht vieler Wissenschaftler ein Must. Doch wäre es dafür nötig, sich mit
teuflisch schwierigen Dilemmas zu konfrontieren, die rein technische Fragen übersteigen und in den Bereich der Philosophie vordringen. Welchen Grad an Zuversicht sollten die Regulatoren ansetzen, bevor sie einem CO2-Einlagerungsprojekt ihren Segen geben, dass es wohl schon nicht lecken wird? Wer sollte juristisch haftbar sein, um die Sicherheit, injizierten Kohlenstoffs zu überwachen und für wie lange? Und welche
Strafen sollte es geben, wenn die Sache scheitert? Die
Auseinandersetzungen zwischen Umweltschützern und der Industrie über solche Fragen gewinnen immer mehr an Schärfe."
Außerdem: John Semley
wirft einen Blick darauf, wie (und warum) Wissenschaftler zur Entwicklung
psychedelischer Drogen der Zukunft forschen.