Vorgeblättert

Werner Vordtriede: Das verlassene Haus

Ausgewählte Leseproben.
02.09.2002. "Cincinnati, 27. Januar 1939. Barcelona ist gefallen, und ich behandle erste und zweite Lautverschiebung im Examen: welch ein Wahnsinn." Lesen Sie einen Auszug aus Werner Vordtriedes Tagebuch aus dem amerikanischen Exil 1938-47.
Werner Vordtriede: "Das verlassene Haus"
Tagebuch aus dem amerikanischen Exil 1938-1947. Erweiterte Fassung
Mit einem Nachwort von Dieter Borchmeyer
Libelle Verlag, Zürich 2002.
496 Seiten, gebunden, 29,80 Euro

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Klappentext:
März 1933: Der Schüler Werner Vordtriede weigert sich, sein Abiturzeugnis im Freiburger Gymnasium abzuholen, weil das neue Regime bei der Schulfeier den Hitler-Gruß verlangt. Der 18jährige verlässt umgehend Deutschland, kommt als Hauslehrer im Schweizer Jura unter, studiert dann in Zürich deutsche und englische Literatur, mit Jobs an Universität und Theater. 1938 emigriert er in die USA, wo er von den vierziger Jahren an ein renommierter Literaturwissenschaftler wird. Eine Rückkehr nach Deutschland bleibt ihm für Jahrzehnte versagt. Vordtriedes Tagebuch seiner ersten amerikanischen Jahre erweist sich als eine pointierte Zeitmitschrift: Während er die Emigration seiner Mutter Käthe Vordtriede betrieb, wollte er dennoch den Hitler-Staat nicht mit »Deutschland« gleichsetzen. Anders als viele Emigranten hielt Vordtriede an einer deutschen und europäischen Kultur fest, deren Zerstörung durch die Bestialität er nicht für endgültig ansah.

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Zum Autor:
Werner Vordtriede (1915-1980) wuchs in Freiburg i. br. auf, ein hochbegabter Schüler, der schon vor dem Abitur mit Andre Gide und Arthur Schnitzler korrespondierte. Seine Mutter Käthe Vordtriede, sozialistische Journalistin und Wahlkämpferin gegen die Nationalsozialisten, bestärkte ihn 1933 entscheidend zur Emigration in die Schweiz. Ab 1938 studierte er in den USA weiter und unterrichtete u. a. in Princeton spanische, französische und deutsche Literatur. Von 1947 bis 1961 lehrte er als Professor in Madison (Wisconsin). Vordtriede wäre am liebsten schon 1946 nach Deutschland zurückgekehrt. 1961 siedelte er nach München über und wirkte - faszinierend für einen illustren Schülerkreis - bis 1976 als Germanist an der dortigen Universität. Ein Homme de lettres eigener Prägung, den seine Übersetzungen der Werke von W. B. Yeats ebenso bekannt machten wie seine Forschungen über Novalis und die französischen Symbolisten.

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