Vor fünfzig Jahren putschten in
Brasilien die Militärs gegen die linke Regierung von Präsident João Goulart und lösten damit eine
Blüte der Protestkultur aus, wie Kersten Knipp in der
NZZ erzählt: "Die Menschen verschwanden in den Gefängnissen. Doch die Ideen blieben weiter präsent. Um auch sie zu besiegen, setzten die Militärs auf Zensur im großen Stil. Zeitungsredaktionen mussten ihre Texte vorab prüfen lassen. Durch kam nur, was genehm war - oder so subtil formuliert, dass es übersehen wurde. Das
Jornal do Brasil etwa kleidet seine Kritik im Dezember 1968 in die Form einer Wettervorhersage: '
Tempo negro', stand da zu lesen, 'schwarzes Wetter' (oder auch: 'schwarze Zeit'). 'Die Luft lässt sich kaum atmen.'"
Andreas Behn
beschreibt in der
taz den politischen Unwillen zur Aufarbeitung des Putsches: "Ein
Amnestiegesetz von 1979, also noch aus der Zeit während der Diktatur, schützt die damaligen Täter in Uniform, aber auch die Guerilleros im Widerstand vor Strafverfolgung. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts bleibt es unantastbar, obwohl internationale Instanzen wie der Interamerikanische Gerichtshof fordern, es zu annullieren. 'Noch bis vor Kurzem wurde der Jahrestag in den Kasernen als
glorreiche Revolution gefeiert', klagt Ana Bursztyn Miranda. Die ehemalige Widerstandskämpferin sieht die Aufarbeitung der Diktatur noch ganz am Anfang. Nachbarländer wie Argentinien oder Chile seien viel weiter."