Es ist höchste Zeit, dass
Frankreich seine koloniale Vergangenheit und den
Algerienkrieg aufarbeitet, schreibt Martina Meister in der
Welt. Deshalb liegt Macron nun ein "mutiger
Leitfaden der Versöhnung" des Historikers
Benjamin Stora vor: "Er fordert eine '
Wahrheitskommission', die Öffnung der Militärarchive, gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte, eine Organisation nach dem Vorbild des deutsch-französischen Jugendwerks, ein
Totenbuch mit den Namen aller Verschwundenen, den Fakten ihrer Ermordung und vieles mehr. Auch wünscht er sich Symbole und Gesten. Nun ist es an Macron, sich auf dem verminten Feld in Richtung Versöhnung zu bewegen. Vom Erfolg hängen nicht nur das Wohlbefinden Frankreichs, sondern auch die Beziehungen zu Algerien ab. Den Anfang hat Macron bereits gemacht, indem er als erster Präsident eingestand, dass Frankreich während des Algerienkrieges
gefoltert hatte."
Mit der
deutschen Reichsgründung nahm auch der
Judenhass - vor allem durch das protestantische Bildungsbürgertum -
organisierte Form an,
schreibt Micha Brumlik in der
FR. Durch die ökonomische Krise der 1890er Jahre kam es zusätzlich zu "tiefgreifender Kulturkritik": "Die Kulturkritik, die alle gebildeten Schichten Deutschlands ergriff, schlug indes unter gebildeten Protestanten deshalb besonders durch, weil sie - wie keine andere gesellschaftliche Gruppe - das Scheitern der im Idealismus und dem auf ihn folgenden
Kulturprotestantismus entwickelten Synthese von moderner Kultur und Innerlichkeit erfahren hatten. Vor diesem Hintergrund entstanden in den 1880er Jahren verschiedenste Gruppierungen und Parteien, die ihr wichtigstes Ziel darin sahen, gegen die Juden als
Inbegriff des Liberalismus zu agitieren; die modernsten unter ihnen verabschiedeten sich dabei vom traditionell kirchlichen Antijudaismus und stellten sich - vermeintlich naturwissenschaftlich aufgeklärt - auf den Boden von Rassen- und Sprachwissenschaft: So prägte der Journalist Wilhelm Marr 1879 zum ersten Mal den Begriff 'Antisemitismus' mit dem ausdrücklichen Interesse, die Frage der Juden nicht mehr vom 'confessionellen Standpunkt' aus zu betrachten."