Man sollte die
Zahl der Geschlechter bei
zwei belassen, beharrt im
NZZ-Gespräch mit Birgit Schmid die Psychologin
Doris Bischof-
Köhler, die auch von der These, Geschlecht sei ein
soziales Konstrukt nichts wissen will: "Wer ein solches Postulat aufstellt, muss sich fragen, was er unter '
Forschung' versteht. Er hält es nicht für nötig, auch nur darüber nachzudenken, warum die wichtigsten Geschlechtsunterschiede, die angeblich die Gesellschaft erfunden hat,
auch im Tierreich so weit verbreitet sind. Vielleicht wären Gleichberechtigung und Gleichbewertung einfacher zu erreichen, wenn man alle Unterschiede aus der Welt schaffen könnte. Aber nicht einmal das ist sicher. Jedenfalls ist der guten Sache kein Dienst erwiesen, wenn man sich in die eigene Tasche
lügt."
Im Interview mit der
FAZ spricht der Leipziger Literaturwissenschaftler
Dirk Oschmann über sein Buch "Der Osten: eine westdeutsche Erfindung", das von älteren Lesern besser angenommen werde als von jüngeren, die sehr viel selbstbewusster mit ihrer Herkunft umgingen: "Ich bezweifle allerdings, dass der Trick funktioniert, eine
hochgradig negativ besetzte Zuschreibung so umzuformulieren, dass sie eine positive Wirkung entfaltet", meint Oschmann, der gar nichts besser werden sieht und deshalb für Quoten plädiert: "Vor der Publikation des Buches bin ich noch gegen eine
Ostquote gewesen, also die Besetzung von Führungspositionen im Verhältnis zur Herkunft. Die Gespräche, die ich seither geführt habe, haben mir gezeigt, dass es nicht ohne Quote gehen wird, wenn sich politisch etwas ändern soll. Das ist so ähnlich wie mit den Stipendien: Wenn ich nicht sehe, dass es Leute von hier schaffen können, dann denke ich selbst nicht, dass ich es schaffen kann."
Dänemarks Gewerkschaftsführerin
Lizette Risgaard hat jahrelang jüngere Männer
sexuell belästigt und musste deshalb jetzt zurücktreten,
berichtet Reinhard Wolff in der
taz. "Der Fall Risgaard könne Auslöser einer
MeToo-
Bewegung unter Männern sein, glaubt Kenneth Reinicke, Gender-Forscher an der Universität Roskilde. 'Es gibt vermutlich genug Männer, die mit Erfahrungen herumlaufen, von denen sie vorher nicht das Gefühl hatten, dass es
legitim ist, darüber zu sprechen.' Dass sie es jetzt tun, hätte sicherlich auch mit der MeToo-Protestbewegung von Frauen zu tun, die es auch in Dänemark gegeben habe: 'Ohne MeToo hätten diese Männer das Geschehene möglicherweise vollständig verdrängt.' Laut einer 2022 veröffentlichten Studie haben 26,4 Prozent aller weiblichen und 18,3 Prozent aller männlichen Angestellten in Dänemark in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal am Arbeitsplatz 'unerwünschte sexuelle Aufmerksamkeit und Belästigung' erlebt."
Bei der Debatte um das
Gendern in der Sprache geht es "viel zu oft um
politische und
persönliche Macht",
sagt der Linguist
Peter Eisenberg in der
Berliner Zeitung: "Der Genderstern bezeichnet nichts. Er ist ein
sprachfremdes Symbol ohne Inhalt. Das andere Konzept, sprachliche Diskriminierung zu vermeiden, besteht in der Verwendung von Ausdrücken, die kein grammatisches Geschlecht haben und deshalb auch nicht an ein bestimmtes natürliches Geschlecht gebunden sind. Das heißt, wenn wir uns über Gender oder über natürliches Geschlecht Gedanken machen, dann müssen wir schauen, was die Sprache wie realisiert. Und die einzige Möglichkeit, die das Deutsche hat, Substantive zu verwenden, die strukturell nicht geschlechtsgebunden sind, ist das
generische Maskulinum."