Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke
denkt Georg Seeßlen in einem Essay auf
ZeitOnline über den
politischen Mord nach, der stets ins Herz einer poltischen Kultur treffe: Beim politischen Mord, auch bei der neuen Form des faschistischen Terrorismus, gehe es es immer darum, die
Selbstzerstörungsmechanismen einer Gesellschaft in Gang zu setzen, glaubt Seeßlen. Und: Eine Frage allerdings bleibt unbeantwortbar: "Ist es ein Mörder, der sich eine politische Ideologie sucht - oder ist es eine politische Ideologie, die einen Mörder findet? Mit hoher Wahrscheinlichkeit jedenfalls wird niemand als ein politischer Mörder geboren. Zum politischen Mörder wird man gemacht. Der politische Mord trägt seine Begründung wie seine eigene Absolution in sich. Daher kann die Allgemeinheit, mit welchen Affekten sie auch reagieren mag auf die Tat, weder mit Einsicht noch Reue beim Täter oder den Tätern rechnen, wohl aber mit einer dramatischen Aussicht: Die Verhandlung des politischen Mordes später vor Gericht wird in aller Regel noch einmal zur Bühne für die Mörder und ihre Unterstützer."
In der
NZZ hat Florian Coulmas die Nase voll vom
Diversity-
Kult an Universitäten, der vor allem zur Diskriminierung von Studierenden beitrage. Der Begriff entstamme der Betriebswirtschaftslehre, erklärt er: "
Diversity Management bedeutet, dass Vielfalt gesteuert werden muss. Marktwirtschaftlich arbeitenden Unternehmen muss daran gelegen sein, dass die Vielfalt ihrer Belegschaft bezüglich Geschlecht, Rasse, Ethnizität, Sprache, Religion, körperlicher Konstitution usw. dem
Profitstreben nicht in die Quere kommt. Wenn sich Gruppen bilden, die sich ungerecht behandelt fühlen, nicht miteinander auskommen oder sonst ihre Energie vergeuden, dann muss das Management etwas dagegen tun."
Ebenfalls in der
NZZ hält Judith Sevinc Basad ein leidenschaftliches und ganz ironiefreies
Plädoyer für den seicht-reaktionären Psychologen
Jordan Peterson, der sich nie "frauenverachtend, nationalistisch oder gar rassistisch" geäußert habe, sondern nur von einer
aufgebrachten Linken diffamiert werde: "Viele Aktivisten glauben, im Westen herrsche eine patriarchale Dominanzkultur, die seit Jahrhunderten den Rest der Welt und Minderheiten in den eigenen Gesellschaften unterdrücke. Vor allem Schwarze, Homo-, Transsexuelle und Frauen würden aus der Norm ausgegrenzt. Die Lösung erblicken die Aktivisten in der Political Correctness, also in Sprach- und Verhaltensregeln, die darauf zielen, die ausgegrenzten Gruppen vor Diskriminierungen zu schützen oder ihnen durch
positive Diskriminierung Wiedergutmachung angedeihen zu lassen. Wer sich diesen Regeln widersetzt, ist in der Welt der PC-Befürworter wahlweise ein Reaktionär, ein Chauvinist oder ein Rassist. Glaubt man Peterson, steckt hinter diesen Regeln nicht der Wunsch nach Gleichstellung, sondern der
Wille zur Macht."