Welt-Autor Thomas Schmid
sieht Ralf Dahrendorf, über den gerade eine
Biografie erschienen ist, bei aller Sympathie auch als Gescheiterten: "Der liberale, auch der sozialliberale Aufbruch blieb ein
nicht eingelöstes Versprechen. Liberalen Denkern wie Dahrendorf ist es nicht gelungen, die liberale Idee vom dem Makel zu befreien, dass sie in ihrer zeitlosen Gültigkeit oft abweisend gegenüber den Fragen und Geboten der Gegenwart ist. Und dem politischen Liberalismus ist es mit und erst recht ohne Dahrendorf nicht gelungen, nicht nur prozentual ein Faktor in Deutschland zu werden. Ein Versagen, dem die - erneut in
Autosuggestion starke - Lindner-FDP noch nicht entkommen ist."
Bei den
Salonkolumnisten kritisiert Richard Volkmann den
multilateralen Ansatz von Außenpolitik, der noch in jedem Diktator einen Partner fürs Hinterzimmergespräch sieht: "In Wahrheit kann ein gedeihliches Miteinander eben
nur zwischen Demokratien entstehen, und wer nicht jedem Menschen, gleich welcher Herkunft und religiöser oder kultureller Prägung, einen freiheitlichen Lebensentwurf zubilligt, der braucht sich nicht mehr für vorgeblich werteorientierte '
Realpolitik' in Pose zu werfen. Egal ob in Syrien, in Nordkorea oder im Iran, in China, Saudi-Arabien, Russland, Kuba oder Venezuela: Die Lösung der politischen Krisen kann nicht in einem kurzfristigem, 'multilateral' unterfütterten
Appeasement von Regimen bestehen, deren unfreie Verfasstheit zu akzeptieren gleichbedeutend wäre mit der Geringschätzung unserer eigenen Freiheit."
In der
NZZ kommt René Scheu auf
Alain Finkielkrauts Buch "Die Niederlage des Denkens" von 1987 zurück - eine noch heute aktuelle Kritik am
Multikulturalismus, festgemacht in diesem Fall am großen
Claude Lévi-Strauss. Finkielkrauts Kritik paraphrasiert Scheu so: "Die von Lévi-Strauss postulierte
Gleichwertigkeit der Kulturen gerät .. notwendigerweise in Konflikt mit der
Gleichheit aller Menschen. Zugespitzt: Auch die Menschenrechte sind in dieser Optik bloß eine Erfindung des Westens und haben Gültigkeit nur für gewisse Gesellschaften (oder umgekehrt: Auch Praktiken wie Patriarchat oder Polygamie haben je nach kulturellem Kontext ihre Berechtigung). "
Außerdem: In der
SZ fragt Alex Rühle den Rechtsextremismus-Experten
David Begrich und den Soziologen
Thomas Wagner, ob man "mit Rechten reden" soll.