In der
Berliner Zeitung antwortet die Autorin
Kathrin Schmidt auf einen Artikel ihres Kollegen
Ingo Schulze, der den Erfolg der AfD in unserer "neoliberalen Quasi-Verfassung, in der alles dem Markt untergeordnet wird", verortet hatte (
unser Resümee). Schmidt geht noch einen Schritt weiter: Dass die Unterprivilegierten die AfD gewählt haben, ist für sie gewisser Weise sogar "eine Leistung", weil sie sich damit schmerzhaft
zur Wehr gesetzt hätten gegen eine linke Politik, die seit Jahren den Sozialabbau unterstützt und damit die Wähler verrät, deren soziale Deklassierung sich immer mehr zementiere: "In den Berliner Großsiedlungen von Marzahn-Hellersdorf lebt
ein Drittel der Menschen von Hartz IV, in den zum Bezirk gehörenden sogenannten Siedlungsgebieten nur jeder Zwanzigste. Im Bezirk wachsen 39 Prozent aller unter 15-Jährigen in Hartz-IV-Familien auf, bei den Untersechsjährigen sind es gar
41 Prozent. Nicht mehr weit bis zur Hälfte. Sie leben in den Großsiedlungen, während zum Beispiel in Mahlsdorf, meiner netten Einfamilienhausgegend,
nur drei Prozent aller Haushalte SGB II, wie Hartz IV haushaltsrechtlich heißt, beziehen."
Im Interview mit der
SZ erklären Per Leo,
Max Steinbeis und
Daniel-Pascal Zorn - die auch ein
Buch zum Thema geschrieben haben - wie man
mit Rechten streitet. Wichtig: sich nicht provozieren lassen und auf moralische Empörung beschränken. Steinbeis analysiert die Diskussionstaktiken der Rechten so: "Erst einmal behaupten sie, mit irgend etwas Recht zu haben und verabsolutieren dabei die eigene Position. So isses, ich hab Recht. Dann warten sie auf den empörten Aufschrei, das sei menschenverachtend! Daran weiden sie sich richtiggehend und können weiterprovozieren. Man muss
mit einem inhaltlichen Argument kontern, etwa der Gegenfrage, wie sie so eine Behauptung mit dem historischen Islam zusammenbekommen. Dann gehen sie auf die skeptizistische Position: Wahrheit lässt sich ja nicht erkennen."
In der
taz plädiert Arno Frank mehr für eine
Umarmungsstrategie, die die Luft aus der Neuen Rechten um den Verleger Götz Kubitschek lässt. Die Buchmesse stelle ja neben rechten Verlagen auch - editorisch aufbereitete - Ausgaben
rechter Klassiker aus: "Inhaltlich und ästhetisch ist Kubitschek nicht einmal ein Epigone von Ernst Jünger, sondern von dessen verstoßenem Privatsekretär
Armin Mohler - also der zweite Aufguss eines zweiten Aufgusses, in der Tat 'dünnes Zeug'. Und das ist eben auch das Schöne an der Buchmesse, dass 'die Altlasten' auch alle vertreten sind. Darüber muss nicht gemunkelt werden, man kann die Bücher alle hernehmen und, ja, lesen. Es ist lehrreicher und unterhaltsamer, sich mit
Gabriele d'
Annunzio zu beschäftigen statt mit Martin Lichtmesz. Warum Manifeste fürchterlicher Juristen lesen, wenn man mit
Carl Schmitt das Original studieren kann?"