"Für und gegen
Abtreibung. Für und gegen
Schminken, für und gegen
High Heels." Dass es im heutigen
Feminismus einen Streit unvereinbarer Positionen gibt,
findet die Politologin
Antje Schrupp in
Zeit online eher zu begrüßen: "Es gibt keine richtigen feministischen Positionen in einer
falschen symbolischen Ordnung, ließe sich Adorno paraphrasieren. Und deshalb kann die Frauenbewegung auch nicht, wie andere soziale Bewegungen, in Parteien und Vereinen organisiert werden. Deshalb ist jedes feministische Manifest in kürzester Zeit schon wieder überholt. Zum Glück. Denn das Schlimmste, was dem Feminismus passieren kann, ist, dass er
Orthodoxien ausbildet, anstatt seine Paradoxien anzuerkennen."
In der
NZZ warnt Slavoj Žižek die #metoo-Kampagne davor, es sich in der
Opferrolle gemütlich zu machen. So ändert man keine Strukturen, meint er: "Der Opferkult steht in der Tat
im Dienste des Status quo, weil er Verantwortung delegiert. Wie setzt sich das Subjekt auf der Höhe der Zeit in Szene? Der freie Mensch empfindet sich einerseits als völlig verantwortlich für sein Schicksal, andererseits gründet er die Legitimation des Sprechens auf den Opferstatus, der fernab seiner Kontrolle liegt. ... Die
Selbstbehauptung des egozentrischen Subjekts verschwimmt paradoxerweise mit der Wahrnehmung seiner selbst als eines Objekts. Und dabei ist klar - mit solchen Egozentrikern, die
stets die anderen anrufen, ist keine Revolution zu machen. Sie sind der Garant dafür, dass sich am Status quo nichts ändert, Empörung hin oder her."
Weiteres: Die
FAZ druckt die Rede
Navid Kermanis zu einem der Preise, die nicht von Carolin Emcke abgeräumt wurden. Zufällig hatte er gleichzeitig Geburtstag und damit das Thema für seine Rede: "Wer wie ich heute seinen
fünfzigsten Geburtstag feiert, darf sich vielleicht die Freiheit nehmen, allgemein zu werden. Er darf die Frage stellen: Was ist wichtig im Leben?" In der
NZZ empfiehlt der Stuttgarter Philosophieprofessor
Philipp Hübl die Begriffe
rechts und
links in der politischen Debatte aufzugeben und statt dessen Parteien nach ihrer Einstellung zu Prinzipien Fürsorge, Fairness, Freiheit, Loyalität, Autorität und Reinheit zu charakterisieren.