9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.11.2017 - Ideen

Marx-Biograf Jürgen Neffe erklärt im Interview mit der FR, warum die Lektüre des "Kapitals" immer noch lohnt: "Bei Marx und Engels kommt man zusammengenommen auf 3000 Untergangsprognosen. Fast schon manisch. Zudem widerspricht es seiner eigenen Lehre. Er hat mehr als jeder andere stets davor gewarnt, dass die Zeit nicht reif sei für eine Revolution. Man kann bei ihm das Händereiben förmlich spüren, wenn er denkt, dass bald alles zusammenbrechen wird. Wir wissen, der Kapitalismus ist nicht zusammengebrochen ist, sondern hat sich immer wieder erholt. Aber seit der Finanzkrise 2007/8 sind auch die Fachleute nicht mehr so sicher, ob das System nicht ein Ende haben kann. Was mich am meisten beunruhigt: Wenn es kollabiert, sollten wir dann nicht einen Plan B besitzen? Davon ist weit und breit nichts zu sehen."

In der NZZ wendet sich Jakob Hayner gegen - wie er findet - pervertierten Forderungen nach Schutzräumen für Menschen, die sich selbst unanfechtbar als Opfer einstufen. "Sowohl das Subjekt der Rede als auch die Rede selbst sollen aller Ambivalenzen entledigt sein. Doch die 'Wurzel der Humanität' ist das Unreine, der Kompromiss. Ohne Berührung mit dem, was man zu verändern gedenkt, wird es keine Veränderung geben. Unberührtheit ist in geistigen Dingen keine Tugend. Der Wunsch nach der reinen Unschuld bringt auch die obsessive Suche nach der unreinen Schuld hervor."

Der Ökonom Paul Collier macht in der NZZ technokratische Eliten, die die Mitte-Links-Parteien in Europa übernahmen, für das Abdriften der der Bevölkerungen in den Provinz-Communities verantwortlich. Europa ist mit schuld: "Durch europäische Hilfsprogramme werden beispielsweise derzeit für jeden Euro, der in die Unterstützung von Menschen fließt, die in ihrer Region bleiben, 135 Euro für die winzige Minderheit der Menschen ausgegeben, die nach Europa kommen. Wir haben so viele Ärzte aus Afrika 'gerettet', dass es inzwischen mehr sudanesische Ärzte in London gibt als im ganzen Sudan." Den Artikel hat die NZZ übrigens dem Online-Journal der Friedrich-Ebert-Stiftung International Politics and Society entnommen. Hier das Original.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2017 - Ideen

"Für und gegen Abtreibung. Für und gegen Schminken, für und gegen High Heels." Dass es im heutigen Feminismus einen Streit unvereinbarer Positionen gibt, findet die Politologin Antje Schrupp in Zeit online eher zu begrüßen: "Es gibt keine richtigen feministischen Positionen in einer falschen symbolischen Ordnung, ließe sich Adorno paraphrasieren. Und deshalb kann die Frauenbewegung auch nicht, wie andere soziale Bewegungen, in Parteien und Vereinen organisiert werden. Deshalb ist jedes feministische Manifest in kürzester Zeit schon wieder überholt. Zum Glück. Denn das Schlimmste, was dem Feminismus passieren kann, ist, dass er Orthodoxien ausbildet, anstatt seine Paradoxien anzuerkennen."

In der NZZ warnt Slavoj Žižek die #metoo-Kampagne davor, es sich in der Opferrolle gemütlich zu machen. So ändert man keine Strukturen, meint er: "Der Opferkult steht in der Tat im Dienste des Status quo, weil er Verantwortung delegiert. Wie setzt sich das Subjekt auf der Höhe der Zeit in Szene? Der freie Mensch empfindet sich einerseits als völlig verantwortlich für sein Schicksal, andererseits gründet er die Legitimation des Sprechens auf den Opferstatus, der fernab seiner Kontrolle liegt. ... Die Selbstbehauptung des egozentrischen Subjekts verschwimmt paradoxerweise mit der Wahrnehmung seiner selbst als eines Objekts. Und dabei ist klar - mit solchen Egozentrikern, die stets die anderen anrufen, ist keine Revolution zu machen. Sie sind der Garant dafür, dass sich am Status quo nichts ändert, Empörung hin oder her."

Weiteres: Die FAZ druckt die Rede Navid Kermanis zu einem der Preise, die nicht von Carolin Emcke abgeräumt wurden. Zufällig hatte er gleichzeitig Geburtstag und damit das Thema für seine Rede: "Wer wie ich heute seinen fünfzigsten Geburtstag feiert, darf sich vielleicht die Freiheit nehmen, allgemein zu werden. Er darf die Frage stellen: Was ist wichtig im Leben?" In der NZZ empfiehlt der Stuttgarter Philosophieprofessor Philipp Hübl die Begriffe rechts und links in der politischen Debatte aufzugeben und statt dessen Parteien nach ihrer Einstellung zu Prinzipien Fürsorge, Fairness, Freiheit, Loyalität, Autorität und Reinheit zu charakterisieren.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2017 - Ideen

Seine Studenten in Stanford, die nach der Wahl Donald Trumps so eifrig demonstrierten, mussten schlucken, dass eine Mehrheit des Volkes ihre "unfehlbare Autorität" nicht anerkennt und auch kein Bündnis mit ihnen will, schreibt  Hans Ulrich Gumbrecht in der NZZ. Auch der Vorwurf des Populismus zieht nicht mehr. Eher sollten Gebildete wie Intellektuelle "lernen, dass Niederlagen von Parteien und Politikern unserer Sympathie, selbst Niederlagen gegen angeblich 'populistische' Konkurrenten, jedenfalls nicht das Ende der parlamentarischen Demokratien anzeigen. Zumal für Intellektuelle im Berufs- oder Beamtenstatus wie mich gibt es dringenden Anlass zu selbstkritischer Reflexion. Denn gerade unsere Vorgänger sind immer wieder den Versuchungen rechter oder linker Totalitarismen unterlegen - viel deutlicher als jene tatsächlich populären Wählerschichten, die wir durch die Brille des Populismusbegriffs nicht zu sehen vermögen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2017 - Ideen

Kenan Maliks Buch über die Idee des Multikulturalismus erscheint in diesen Tagen auf deutsch. Thierry Chervels Vorwort ist im Perlentaucher vorveröffentlicht: "Multikulturalismus ist laut Malik die Idee, dass Menschen "nicht trotz ihrer Unterschiede gleich, sondern wegen dieser Unterschiede verschieden" zu behandeln seien. Darum ist das Kopftuch ein so symbolisches Kleidungsstück: Die Idee der Freiheit, die westliche Frauen für sich reklamierten, steht unter den Vorzeichen des Kulturalismus unter Kolonialismusverdacht, wenn sie einfach so für muslimische Frauen gefordert wird. Die 'Dissidenten des Islams' - Ayaan Hirsi Ali nimmt diese Vokabel für sich in Anspruch - sind in diesem Koordinatensystem Renegaten im Fahrwasser der islamophoben Rechten."

Europa ist längst ein wirtschaftliches Konstrukt geworden, das alle nationalen Eigenheiten beseitigt, klagt Byung-Chul Han in der Welt. Die damit einhergehende Orientierungslosigkeit begünstige separatistische und rechtspopulistischen Bewegungen, so Han. Dabei liege die Schönheit im Fremden: "Deutsche sollten Deutsche bleiben. Sie sollten sogar so viel Eigenheiten wie möglich entwickeln, ohne schlechtes Gewissen zu haben. Franzosen sollten französischer werden und nicht europäischer, ohne sich jedoch zum Front National zu bekennen. Dass wir einander fremd sind, ist nicht unbedingt ein Zustand, den es zu vermeiden gilt. Heute wird die Fremdheit beseitigt, weil sie den globalen Austausch von Kapital und Information verhindert. Wir sind alle Konformisten geworden, die allerdings eine trügerische Authentizität für sich beanspruchen."

Kathrin Passig versucht im Merkur eine Archäologe der Metapher. Der Begriff "Blackbox" für nicht mehr verständliche Software - modisch "Algorithmen - ist mindestens fünfzig Jahre alt und findet sich bereits in Schriften von Joseph Weizenbaum über Programme mit 10.000 Zeilen Code. Sollte man sich also über Algorithmen weniger Sorgen machen? "Dass ein Sachverhalt schon länger besteht, ohne dass bisher die Welt untergegangen ist, muss nicht heißen, dass er harmlos ist. Vielleicht geht die Welt ein bisschen später trotzdem unter, oder vielleicht sind wir bereits die gründlich indoktrinierten Produkte dieser Fehlentwicklung, unfähig, das Problem überhaupt noch zu erkennen. Aber jedenfalls greift es zu kurz, die Machine-Learning-Verfahren der letzten Jahre zu beschuldigen und eine Rückkehr zu der einfach und vollständig durchschaubaren Software zu fordern, wie wir sie noch vor fünf Jahren, na gut: vor zehn … oder wenigstens zwanzig … aber doch ganz sicher vor fünfzig Jahren hatten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2017 - Ideen

Die FAZ setzt ihrer Reihe mit Bocksgesängen emeritierter Professoren fort. Jetzt beklagt Jurist Reinhard Merkel das moralische Desaster der deutschen Flüchtlings- und Einwanderungspolitik, die pharaminöse Kosten mit sich bringe, welche wiederum in der Entwicklungshilfe besser angelegt wären: "Aufrechnungen zur Sedierung des eigenen Gewissens schenke man sich: Wir bleiben zur Hilfe für die Armen der ganzen Welt verpflichtet, und zwar aus Gründen globaler Gerechtigkeit. Dass uns der größte Teil der dafür verfügbaren Mittel in Zukunft fehlen wird, weil wir ihn in grotesker Asymmetrie einer winzigen Minderheit zuwenden, um die Not der riesigen Mehrheit weiterhin mit den gängigen Almosen abzuspeisen, dispensiert uns nicht."

Philosoph Dieter Birnbacher benennt im Interview mit Michael Hesse von der FR das moralische Problem der Klimapolitik: "Was uns nicht auf den Nägeln brennt und als eigene Belastung spürbar wird, motiviert uns nur sehr schwer zum Handeln, vor allem dann, wenn es uns selber Einschränkungen in unserem persönlichen Lebensstil auferlegt. Das ist das Hauptproblem, dem wir uns moralisch und politisch gegenübersehen."

In der NZZ ergreift Bassam Tibi als "gelbhäutiger muslimischer Westasiate aus Damaskus" das Wort in der NZZ-Debatte über Kulturrelativismus und gibt Rene Scheu gegen Dieter Thomä Recht: die Vorstellung, jeder Kulturkreis habe seine eigene spezifische Vernunft, ist Tibi fremd. Er ist überzeugt, dass die "Kulturrelativisten", die "die Aufklärung bloß für eine europäische Marotte halten, in die Hände der Islamisten arbeiten, die wahrhafte Neo-Absolutisten sind. Wer das so klar ausspricht, agiert nicht undifferenziert - im Gegenteil. Vielmehr trifft er nötige Unterscheidungen und kann sich allein so für die Neubelebung des islamischen Rationalismus von Averroës und Avicenna als interkulturelle Brücke glaubhaft einsetzen. Das sind islamische Rationalisten und also durchaus Vorgänger Kants."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2017 - Ideen

Für die Literarische Welt besucht Mirthe Berentsen das linke Schlachtross Noam Chomsky, dessen Energie sie bei aller Differenz nur bewundern kann: "Chomskys Gegner weisen gern auf die Inkonsequenz und den Folklorismus seiner Argumente hin. Seine Fans schätzen ihn für seine Ausdauer. Wo das Gros der linken Elite längst in Tiefschlaf versunken ist oder Ideale gegen Komfort eingetauscht hat, setzt Chomsky seinen Kampf gegen Ungerechtigkeiten unermüdlich fort. Ich frage Chomsky, ob seine superlativischen Statements nicht sehr nah an Trump-Tweets sind, die effekthascherisch von 'der größten Hexenjagd auf einen Politiker in der amerikanischen Geschichte' sprechen. Die republikanische Partei, hat Chomsky einmal behauptet, sei 'die gefährlichste Organisation in der Geschichte der Menschheit'. Chomsky: 'Für sich genommen, ja. Aber wenn Sie sich den Sachverhalt evident machen, wirkt mein Satz gar nicht mehr so abscheulich."

Und wenn Francis Fukuyama doch recht hatte? Wenn wir doch ans Ende der Geschichte gekommen sind? In der taz erwägt der Historiker Ulrich Herbert, das uns mit dem Ende der Utopien vielleicht auch der Fortschritt abhanden gekommen ist: "Nach dem Konkurs der Erlösungsfantasien sind wir auf uns selbst zurückgeworfen, auf die Bedingungen, die wir vorfinden, auf die Prosaik der Gegenwart. Hat eine Gesellschaft aber gar kein Zutrauen mehr in den Gedanken, dass auch die ganz großen Probleme lösbar sind, so enthebt sie sich ihrer Zukunftsfähigkeit. So gesehen sind Visionen für eine Gesellschaft geradezu überlebensnotwendig, Visionen, die eine Zukunft beschreiben, die jenseits der Zwänge und systematischen Logiken der Gegenwart steht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2017 - Ideen

Amerika ist im Niedergang begriffen, und der hat nicht erst mit Donald Trump begonnen, meint Pascal Bruckner in der NZZ: "Wenn Amerika uns zur Verzweiflung bringt, wenn es aufgehört hat, ein Vorbild der Zivilisation zu sein, dann deshalb, weil es keine Alternative zu den Eskapaden ihres Präsidenten mehr bietet. Wir sind gefangen zwischen dem Amboss eines brüllenden Tribuns und dem Hammer der Political Correctness. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen Fox News und der New York Times ist ein Dünkel, der sich aus dem Bewusstsein nährt, Teil einer Weltmacht zu sein. Nur, der Dünkel hat keine Berechtigung mehr, weil die Welt keine Lust mehr hat, sich amerikanisch zu geben. An die Stelle des Klassenkampfs, der aus der Alten Welt kam, hat Amerika den Kampf der Rassen gesetzt, an die Stelle des universalistischen Feminismus Europas den unbegrenzten Krieg zwischen Männern und Frauen, die unendliche Zersplitterung der Gesellschaft in Minderheiten, die peinlich genau darauf achten, ihre Eigenheiten und Rechte zu verteidigen."

Das ist wohl so die Art Artikel, die das FAZ-Feuilleton für Debattenknüller hält: Der linke Soziologe, Kritiker der EU, des "Neoliberalismus", der Einwanderung, der Globalisierung und der Merkelschen "Ent­gren­zungs­po­li­tik" Wolfgang Streeck darf auf der ganzen Auffmacherseite des Feuilletons unter der Überschrift "Merkel - ein Rückblick" die Bundeskanzlerin und ihre Überlebenstechnik der Politikwechsel für obsolet erklären und bemerkenswert zwiespältig vor AfD-Politikern warnen, die "sich nicht zu Unrecht als die Einzigen zu präsentieren, die die Krisen moderner Staatlichkeit im Zeitalter neoliberaler Globalisierung zur politischen Sprache bringen".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2017 - Ideen

Die Afrikaner haben nie von westlichen Ideen wie Demokratie und Aufklärung profitiert, meint der nigerianische Schriftsteller Chigozie Obioma im Guardian. Die Chinesen und die Länder des Nahen Ostens machten es besser, indem sie alle westlichen Einflüsse ablehnten. Zeit also, sich auf die eigenen Traditionen zu besinnen: "Der gangbarste Weg für die afrikanische Elite wäre es, die großen politischen und ideologischen Resourcen zu nutzen, auf denen erfolgreiche Zivilisationen aufbauten (die Zulu, die Igbo, die malischen Dynastien von Timbuktu, das Oyo-Imperium). In den meisten Igbo-Staaten gab es zum Beispiel ein egalitäres System, in dem ein älteres Mitglied eines Clans seine Leute im Ältestenrat repräsentierte. Es gab keine Könige oder Präsidenten. Vielleicht könnte man diese einmalige politische Struktur aufgreifen, um die westliche ersetzen, die bislang fehlgeschlagen ist."

Humanismus ist universal, er ist allen Ideologien überlegen und allen Menschen erreichbar. In Europa hat er sich trotz großer Ausbrüche von Barbarei durchgesetzt, meint dagegen der Physiker Hans Widmer in der NZZ. "Er ist nichts a priori Europäisches, sondern hier haben sich die menschlichen Möglichkeiten zufällig Bahn gebrochen. Glaubwürdig wird der Westen erst, wenn er sich auffängt (was ein weites Feld ist); wenn er statt eigennütziger Anbiederung unter dem Segel der Toleranz Selbstachtung ausstrahlt. Mit Religion muss er niemandem kommen, denn alle haben schon eine - was sie nicht haben, ist Selbstbestimmung im Rechtsstaat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2017 - Ideen

In der NZZ plädiert der Psychologe Steven Pinker für mehr Fortschrittsglauben und aufklärerisches Selbstbewusstsein. "Die Segnungen des Fortschritts, die wir bis dato genießen durften, resultieren aus Institutionen und Normen, die in den letzten 200 Jahren Wurzeln geschlagen haben: Vernunft, Wissenschaft und Technik, Bildung, Fachkenntnisse, Demokratie, geregelte Märkte sowie eine moralische Verpflichtung für Menschenrechte und das Gedeihen der Menschheit. Wie gegenaufklärerisch eingestellte Kritiker seit langem betonen, können diese Entwicklungen uns kein besseres Leben garantieren. Dennoch wissen wir mittlerweile, dass es uns dank ihnen aber sehr wohl bessergeht... Wir sollten uns bemühen, diese Prinzipien zu verbessern, statt sie in der Überzeugung niederzureißen, nichts könne schlimmer sein als unsere augenblickliche Dekadenz, nur weil die vage Hoffnung besteht, dass aus den Ruinen Besseres erstehe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2017 - Ideen

In der NZZ will Jörg Scheller der Hysterie und "wachsenden Tribalisierung des Diskurses" eine "Ekstase der stillen Vernunft" entgegensetzen. Vorbild sind ihm dabei die Musiker Henry Rollins und Ian MacKaye, die "zu den klügsten Köpfen der amerikanischen alternativen Szene und der undogmatischen Kulturkritik (zählen). So ist Rollins ein harter Kritiker republikanischer Scharfmacher, unterstützt aber US-Soldaten für die United Service Organizations. ... Für seine Videoclip-Serie 'Henry Rollins' Capitalism' (2012) reiste er durch alle Staaten der USA und sprach mit allen Bevölkerungsgruppen. Erkenntnis, nicht Bekehrung ist sein Ziel: 'Knowledge without mileage equals bullshit.' Kurz: Rollins kombiniert unparteiische Nüchternheit mit Engagement und linksprogressive Tugenden mit unternehmerischen, liberalkonservativen auf glaubhafte Weise."

Im Blog 54books versucht Matthias Warkus mit Hilfe von Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn zu verstehen, warum er "mit Rechten reden" soll. Aber nach der Lektüre ist er nicht klüger: "Leo und Steinbeis haben in einem Interview in der SZ gesagt, dass sie den Kampf mit den Rechten gerne selbst öffentlich als 'Kampf zwischen Gegnern und nicht zwischen Feinden' austragen möchten. Die Rechten wären aber keine Rechten, wenn sie nicht ständig mit ihrem Wunsch nach der physischen Niederwerfung und am Ende Vernichtung Andersdenkender sowie als irgendwie minderwertig Behaupteter kokettierten ... Man kann mit ihnen nicht als Gegner reden, selbst wenn man vorher ein noch so schönes Buch dazu schreibt, sie sind und bleiben Feinde, gewissermaßen Feinde zweiter Ordnung: Sie sind deshalb (und nur deshalb!) Feinde, weil sie selbst mit voller Absicht unfähig sind, Gegner nicht als Feinde zu sehen."