Wir leben in einer "
Polykrise", erklärt
Adam Tooze in der
Zeit. Eine Polykrise sei die die gleichzeitige Verschränkung mehrerer Krisen mit möglicher
gegenseitiger Verstärkung: "Diese Wechselwirkungen können durch Krisenbilder veranschaulicht werden. Ein Beispiel: Kommt es zu einer weltweiten
Rezession, dürften angesichts der zu erwartenden Einkommensverluste die Gefahren für die Stabilität der
amerikanischen Demokratie zunehmen. Die Spannungen im
europäischen Währungsraum würden wachsen. Die
Ernährungsproblematik in den Entwicklungsländern würde sich verschärfen. Und sehr wahrscheinlich würden in vielen Staaten die Investitionen in die Energiewende zurückgehen - mit Folgen für den Kampf gegen den
Klimawandel."
Ebenfalls in der
Zeit spricht
Udo Di Fabio im Interview mit Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing über
patriotische Pflicht der Bürger und die Frage, wie weit
der Staat gehen darf, um bei Knappheit den Zugang zu Gütern zu regulieren: "In echten Notlagen kann der Staat
priorisieren oder zuteilen. Doch wenn es Möglichkeiten gibt, vorübergehende Engpässe unter globalen Bedingungen zu überwinden, dann macht das der Markt regelmäßig besser als der Staat, da bin ich sicher. Die
Findigkeit von Unternehmen, Lieferketten neu zu gestalten, ist deutlich höher als die eines Regierungsdirektors im Wirtschaftsministerium. Deshalb bleibe ich dabei: Der Staat schafft einen Ordnungsrahmen, aber er sollte die Verteilungsentscheidungen nur im äußersten Notfall, also
im Triage-Fall, übernehmen und ansonsten auf Marktmechanismen verbunden mit sozialen Kompensationen setzen. "
Scharf attackiert
Omri Boehm in der
Zeit die Kritiker der "
Hijacking Memory"-Konferenz wie
Natan Sznaider und
Daniel Botmann vom Zentralrat der Juden und verteidigt de Mandarine des "Weltoffen"-Papiers, die ihre Institutionen für Anhänger des Israel-Boykotts öffnen wollen. BDS sei
nicht antisemitisch, obwohl es auch BDS-Anhänger gebe die "anti-universalistisch" agierten. Bei der "Hijacking"-Konferenz seien 80 Prozent der Teilnehmer jüdisch gewesen. "Mag er sich auch noch so sehr über einen stillschweigenden BDS-Boykott gegen Juden und Israelis beklagen: Der Zentralrat ist zu einer
viel mächtigeren Bedrohung für den öffentlichen Auftritt von Juden in diesem Land geworden. Die aktuellen Angriffe auf die Konferenz Hijacking Memory sind nur der Gipfel einer
Serie von Vorfällen, die im Sommer 2019 mit dem Vorwurf an das Jüdische Museum Berlin begonnen haben, es sei nicht hinlänglich jüdisch. Es ist bezeichnend, dass Botmann, der inzwischen versucht, die Autorität jüdischer Personen und Institutionen, die die Politik des Zentralrats nicht teilen,
systematisch zu untergraben, auch das angesehene Einstein Forum und das führende Zentrum für die Erforschung des Antisemitismus verleumdet." Boehms Artikel antwortet auf einen Sznaider-Artikel von Juni (unser
Resümee). Hanno Hauenstein
sieht es in der
Berliner Zeitung ähnlich wie Boehm.
Und nochmals in der
Zeit porträtiert Xifan Yang den Soziologen
Xiang Biao, der zu den Leitern des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung in Halle gehört und offenbar in China ein viel gelesener Intellektueller ist.