Gegen
Armut hilft nur eins:
Umverteilung,
meint im Interview mit der
taz die Politikwissenschaftlerin
Roswitha Pioch. "Das
Bürgergeld ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil man den Zugang erleichtert. Aber man hält immer noch an den Erwartungen einer
Gegenleistung fest, die Empfänger:innen sollen eine Erwerbsbereitschaft zeigen, es ist immer noch an den Arbeitsmarkt geknüpft. Die ursprüngliche Idee des Bürgergeldes bedeutete ja, dass es
bedingungslos ist, dass man sagte, jeder soll unabhängig von seinen Leistungen eine Existenz finanziert bekommen. Am nun geplanten Bürgergeld ist aber gut, dass die
Möglichkeiten für eine Weiterbildung im Leistungsbezug verbessert wurden."
Ist es
kulturelle Aneignung, als weißer Europäer Reggae zu spielen und Rastalocken zu tragen? Unsinn,
meint der Religionshistoriker
Alfred Bodenheimer in der
NZZ. Er findet das Denken dahinter herabwürdigend für jede nicht-weiße Kultur: "Heute würde niemand dagegen demonstrieren, dass aus Korea oder Senegal stammende Violinisten oder Dirigentinnen
Beethoven interpretieren. Was ja noch ein Glück ist - was aber zugleich noch schärfer deutlich macht, auf welche Abwege das Kulturverständnis geraten ist. Denn heißt das nicht, dass '
weiße'
Kultur, westliche Konzertsaalrituale und der Auftritt in rituell strikt festgelegten schwarzen Kleidern, Smokings oder Abendroben
universal gültig sind, während Reggae samt den dazugehörigen Markern wie Kleidung und Haarpracht zur
jamaicanischen Provinzkultur verzwergt wird?"
Im
Interview mit der
taz erinnert die Literaturwissenschaftlerin
Sigrid Weigel daran, dass die
Kulturwissenschaften mal entwickelt wurden, um in Grenzgebieten zu forschen und "
Differenzen zu denken". Heute würden dagegen Eindeutigkeiten und Identitäten bevorzugt, man verschanzt sich "in separierte Denk-Ghettos", kritisiert sie. Auch "die
postkoloniale Theorie ist ja mal aus der Perspektive des Anderen und im Blick auf kulturelle Differenzen entstanden; sie hat dann aber eine globale Wirkungsgeschichte entfaltet, mit denselben Begriffen, Denk- und Argumentationsmustern unabhängig von spezifischen lokalen Verhältnissen und kulturellen Differenzen. Dabei hat sie sich tendenziell in einen
hegemonialen Exportartikel der akademischen Eliten der USA verwandelt und zudem noch den
Trend zur Einsprachigkeit verstärkt. Politisch prekär ist aber vor allem, dass dadurch, dass die Machtverhältnisse primär auf der kulturellen Ebene abgebildet werden, die ökonomischen
Verwicklungen der heimischen Eliten in die postkolonialen Macht- und Abhängigkeitsstrukturen im Schatten bleiben."
In der
taz wirft der israelische
Autor Hagai Dagan Deutschland "ein verzerrtes Holocaustverständnis" vor, das nur der
israelischen Rechten diene: "Es scheint, als seien die Deutschen hier in eine Falle geraten, um nicht zu sagen in eine Art Benommenheit. Ihr Reflex, sobald das Thema Holocaust aufkommt, der Wunsch zur Wiedergutmachung, die Empfindlichkeit und Vorsicht sind zum Instrument in den Händen sowohl
zynischer Israelis geworden, die ein sehr begrenztes und dummes Geschichtsverständnis haben, als auch einer
Bande von Hofjuden. Engstirnige jüdische Macher, die im Zentralrat der Juden Deutschlands sitzen. ... Deutschland auf offizieller Ebene muss verstehen: Rechts ist rechts und Faschismus ist Faschismus, auch wenn es um die
jüdische Rechte und jüdischen Faschismus geht."