9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2022 - Ideen

Die deutsche Postkolonialismus-Debatte muss sich den "dunklen Seiten ihrer eigenen Tradition stellen - und dabei von einem provinzialistischen, ethnisierenden und homogenisierenden Blick auf den 'Globalen Süden' verabschieden", fordert der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn in der FR und erläutert: "Den Hintergrund des postkolonialen Antisemitismus der Gegenwart bildet die Nichtaufarbeitung des internationalen linken Antisemitismus der 1970er und 1980er Jahre, der ein zentrales Strukturmerkmal der antiimperialistischen Gruppen war und die heutige Globalisierung des Antisemitismus wesentlich vorbereitet hat. Diejenigen aus einem sich selbst als links verstehenden Milieu, die heute Antisemitismus und Israelhass verbreiten, verfolgen nach wie vor das völkische Weltbild des Antiimperialismus (das nun aber eher unter dem Label 'ethnisch' oder 'kulturell-divers' daherkommt), das von ethnisch-kollektiven Homogenitätsvorstellungen geprägt ist. Der Antiimperialismus, der sich primär gegen Amerika und Israel richtet, stellt die Rahmenideologie dar, deren integraler Bestandteil der Antisemitismus, vor allem in Form des Antizionismus, ist."

Ganz anders sieht das in der Lettre Benjamin Korn, der seine eigene Sozialisierung in der Linken in den Sechziger und Siebzigern beschreibt. Leider ist der Artikel nicht online, sondern nur ein sehr kleiner Auszug. Israel war für die 68er "kein großes Thema", schreibt er. "Im SDS wurde, insbesondere zu Israel und Palästina, viel Unsinn geredet, woran Unkenntnis und Denkfaulheit gleichermaßen beteiligt waren (man verwendete mit Vorliebe zu Worthülsen heruntergekommene Begriffe wie 'Internationalismus', 'Antiimperialismus', 'Antikolonialismus'), aber Antisemitismus - obschon ich in diesem Punkt hellhörig und empfindlich bin - habe ich nie erlebt und, soweit ich weiß, andere Juden und Jüdinnen, die dem SDS nahestanden, auch nicht. Das Gegenteil ist wahr: Viele meiner nichtjüdischen Freunde waren mit ihren Eltern, ihren Familien zerstritten, weil diese die rassistischen Ideen der Nazis propagiert hatten".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2022 - Ideen

Irritierend findet Claudia Mäder in der NZZ am Begriff der "Kulturellen Aneignung" vor allem, dass er das Kulturelle verdinglicht und ökonomisiert: "Vieles ist verstörend am Konzept der Aneignung, die unterstellte Omnipräsenz des wirtschaftlichen Denkens aber irritiert besonders. Gewiss wäre es naiv, Kultur ohne Ökonomie zu denken. Doch alles durch die Brille der Ökonomie zu betrachten, bedeutet, den Blick auf den Menschen zu verzerren. Als ob jede einzelne unserer Regungen das Resultat einer profitorientierten Überlegung wäre!"
Stichwörter: Kulturelle Aneignung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2022 - Ideen

Gegen Armut hilft nur eins: Umverteilung, meint im Interview mit der taz die Politikwissenschaftlerin Roswitha Pioch. "Das Bürgergeld ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil man den Zugang erleichtert. Aber man hält immer noch an den Erwartungen einer Gegenleistung fest, die Empfänger:innen sollen eine Erwerbsbereitschaft zeigen, es ist immer noch an den Arbeitsmarkt geknüpft. Die ursprüngliche Idee des Bürgergeldes bedeutete ja, dass es bedingungslos ist, dass man sagte, jeder soll unabhängig von seinen Leistungen eine Existenz finanziert bekommen. Am nun geplanten Bürgergeld ist aber gut, dass die Möglichkeiten für eine Weiterbildung im Leistungsbezug verbessert wurden."

Ist es kulturelle Aneignung, als weißer Europäer Reggae zu spielen und Rastalocken zu tragen? Unsinn, meint der Religionshistoriker Alfred Bodenheimer in der NZZ. Er findet das Denken dahinter herabwürdigend für jede nicht-weiße Kultur: "Heute würde niemand dagegen demonstrieren, dass aus Korea oder Senegal stammende Violinisten oder Dirigentinnen Beethoven interpretieren. Was ja noch ein Glück ist - was aber zugleich noch schärfer deutlich macht, auf welche Abwege das Kulturverständnis geraten ist. Denn heißt das nicht, dass 'weiße' Kultur, westliche Konzertsaalrituale und der Auftritt in rituell strikt festgelegten schwarzen Kleidern, Smokings oder Abendroben universal gültig sind, während Reggae samt den dazugehörigen Markern wie Kleidung und Haarpracht zur jamaicanischen Provinzkultur verzwergt wird?"

Im Interview mit der taz erinnert die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel daran, dass die Kulturwissenschaften mal entwickelt wurden, um in Grenzgebieten zu forschen und "Differenzen zu denken". Heute würden dagegen Eindeutigkeiten und Identitäten bevorzugt, man verschanzt sich "in separierte Denk-Ghettos", kritisiert sie. Auch "die postkoloniale Theorie ist ja mal aus der Perspektive des Anderen und im Blick auf kulturelle Differenzen entstanden; sie hat dann aber eine globale Wirkungsgeschichte entfaltet, mit denselben Begriffen, Denk- und Argumentationsmustern unabhängig von spezifischen lokalen Verhältnissen und kulturellen Differenzen. Dabei hat sie sich tendenziell in einen hegemonialen Exportartikel der akademischen Eliten der USA verwandelt und zudem noch den Trend zur Einsprachigkeit verstärkt. Politisch prekär ist aber vor allem, dass dadurch, dass die Machtverhältnisse primär auf der kulturellen Ebene abgebildet werden, die ökonomischen Verwicklungen der heimischen Eliten in die postkolonialen Macht- und Abhängigkeitsstrukturen im Schatten bleiben."

In der taz wirft der israelische Autor Hagai Dagan Deutschland "ein verzerrtes Holocaustverständnis" vor, das nur der israelischen Rechten diene: "Es scheint, als seien die Deutschen hier in eine Falle geraten, um nicht zu sagen in eine Art Benommenheit. Ihr Reflex, sobald das Thema Holocaust aufkommt, der Wunsch zur Wiedergutmachung, die Empfindlichkeit und Vorsicht sind zum Instrument in den Händen sowohl zynischer Israelis geworden, die ein sehr begrenztes und dummes Geschichtsverständnis haben, als auch einer Bande von Hofjuden. Engstirnige jüdische Macher, die im Zentralrat der Juden Deutschlands sitzen. ... Deutschland auf offizieller Ebene muss verstehen: Rechts ist rechts und Faschismus ist Faschismus, auch wenn es um die jüdische Rechte und jüdischen Faschismus geht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2022 - Ideen

Alle Kultur ist Aneignung, schreibt Jens Balzer, der demnächst ein Buch zum Thema herausbringt, in der Zeit nach jüngsten Vorwürfen gegen weiße Reggae-Musiker: "Wer über kulturelle Aneignungen nur noch im Modus des Verbots reden kann, der übersieht ihre schöpferische und auch emanzipatorische Kraft - und dass es in Wahrheit überhaupt keine Kultur ohne sie gibt."

In der NZZ platzt David Signer der Kragen angesichts der Debatte um "kulturelle Aneignung": Es gibt … nicht nur bei Rassisten, sondern auch bei Antirassisten die Tendenz, die Welt in Schwarz und Weiß einzuteilen. Das ist umso paradoxer, als sich Letztere als modern und progressiv verstehen, aber die zunehmende Vermischung und die Zwischentöne der Hautfarben ignorieren; es gibt nur 'privilegierte Weiße' und 'unterdrückte Schwarze'. In den USA ist diese Tendenz besonders frappant, da jeder, der nur einen Tropfen 'schwarzen' Blutes in sich hat, als Afroamerikaner identifiziert wird. Während man beim Geschlecht obsessiv darauf achtet, Regenbogen-Vielfalt zu respektieren und niemanden auf 'Mann' oder 'Frau' zu reduzieren, ist die binäre Logik bei der Hautfarbe absolut. Die rassistischen Kategorien, denen man den Garaus machen will, kommen durch die antirassistische Hintertüre wieder herein, Kultur wird deckungsgleich mit Hautfarbe."

Angelehnt an Thomas Manns 55 BBC-Beiträge aus den Kriegsjahren zwischen 1940 und 1945 hat der Trägerverein der Begegnungsstätte Thomas Mann House in Los Angeles vor einigen Jahren die Serie "55 Voices for Democracy" gestartet, die die SZ abdruckt und der Dlf sendet. Heute schreibt die Politologin Christine Landfried. Ihre These: Die repräsentative Demokratie im 21. Jahrhundert steckt in der Krise und braucht Bürgerkonferenzen: "Die Bevölkerung muss jenseits von Wahlen politische Entscheidungen wirksam beeinflussen können. Um dieses Ziel zu erreichen, sind im letzten Jahrzehnt in europäischen Ländern und in den USA Bürgerkonferenzen oder -versammlungen als neue Formate der Beteiligung entstanden. Dabei entwickeln nach dem Zufallsprinzip unter Beachtung der Repräsentativität ausgewählte Bürgerinnen und Bürger auf der Basis einer informierten Diskussion Vorschläge zur Lösung politischer Probleme oder Konflikte." Hier die Website der Serie.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2022 - Ideen

Der Historiker Jürgen Zimmerer, Protagonist jener postkolonialen Strömung, denen der Kladderatsch ihrer Ideen auf der documenta gerade auf die Füße gefallen ist, sucht in einem verzweifelt mäandernden Essay für die Berliner Zeitung nach einer Neupositionierung der Debatte, indem er nochmal auf die rechten Sponsoren der Berliner Stadtschlossattrappe zurückkommt. "Was unterscheidet potenzielle Antisemiten an der Schlossfassade von denen in Kassel? Dass sie nicht aus dem Globalen Süden kommen, die bestehenden Verhältnisse nicht herausfordern wollen, dass sie Geld haben oder dass sie aus der Mitte der deutschen Gesellschaft kommen?" Auffällig in Zimmerers Resümee der Documenta-Debatte ist, dass er zwar einerseits beteuert, Antisemitismus nicht als Meinung zu sehen, sondern als mörderische Ideologie, es andererseits doch tut: "In Form einer Art neuen künstlerischen Staatsräson wurde überraschend schnell und überraschend deutlich einer Einschränkung künstlerischer Freiheit das Wort geredet, die man an anderer Stelle, etwa bei dem Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen, vermisste. Im Gegenteil - damals galt: Auch Schmähungen des als heilig Angesehenen auszuhalten, sei Kennzeichen einer modernen, freien Gesellschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.07.2022 - Ideen

Elena Witzeck macht sich im Feuilletonaufmacher der FAZ Gedanken über unsere dank Klimakrise apokalyptische Zukunft. Mehr Demokratie  würde helfen: "Um die Beschleunigung der Erderwärmung aufzuhalten, müsste sich das politische System aber viel schneller und radikaler verändern. Mit Verfassungen, die entstanden, als man den Begriff 'Klimawandel' noch nicht kannte, kommt man jedenfalls nicht weit - und radikale politische Schritte gab es bislang nur nach mittleren Katastrophen. Eine Dürre in Hessen reicht nicht, es müssten schon die Innenstädte brennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.07.2022 - Ideen

Thomas Thiel berichtet in der FAZ über eine Jean-Améry-Konferenz des Einstein-Forums. Noch Améry, kritisiert er hier, wurde von einem der Redner zum Vordenker des heute modischen Antizionismus gemacht. Dabei, so Thiel, war Améry derjenige, der in seinem Zeit-Essay "Der ehrbare Antisemitismus" von 1969 als einer der ersten den israelbezogenen Antisemitismus thematisiert habe. Israel "war für ihn das hypothetische Asyl, die Schutzburg, an die er über die in seinen Unterarm tätowierte KZ-Nummer gekettet war. 'Wenn aus dem geschichtlichen Verhängnis der Juden- beziehungsweise Antisemitenfrage, zu dem durchaus die Stiftung des nun einmal bestehenden Staates Israel gehören mag, wiederum die Idee einer jüdischen Schuld konstruiert wird', schrieb er in seinem berühmten Essay, 'dann trägt hierfür die Verantwortung eine Linke, die sich selbst vergisst.'"

Das multikulturelle Paar Saba-Nur Cheema und Meron Mendel, das als solches eine Kolumne in der FAZ hat, verteidigt heute die Idee des Aktivismus, und auch die Idee, dass Aktivisten wie Ferda Ataman in die Funktion einer "Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung" gehoben werden. Aktivisten, die das kritisieren, kritisiert das nach Selbstauskunft ebenfalls aktivistische Paar: "Personen wie Hamed Abdel-Samad und Henryk M. Broder - beide gern gesehene Gäste bei Alice Weidel & Co.- haben in den rechten Blogs Tichy's Einblick und Die Achse des Guten gegen Ataman gewettert. Als sogenannte Islamkritiker können sie anscheinend über jede muslimische Frau urteilen. Stellt sich die Frage, wer hier eigentlich Aktivist ist? Dicht hinter ihnen folgt Ahmad Mansour, der nach der Nominierung Atamans kaum einen Tag vergehen ließ, ohne seine Sorge über ihre Personalie zu äußern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.07.2022 - Ideen

Algerien feiert sechzig Jahre Unabhängigkeit. Bei den Mittelmeerspielen in Oran werden die französische Nationalyhmne und französische Sportler gewohnheitsmäßg ausgepfiffen. Algerien, schreibt Kamel Daoud in einem großartigen Essay für den Genfer Temps, lebt in einer gefrorenen Zeit. Das Land führt einen "eingebildeten Krieg gegen einen Kolonisator, der nicht mehr existiert". Und wer heute "in Algerien geboren wird, ist dazu bestimmt in der Glorie der Entkolonisierung zu sterben". Alle - nicht nur die Generation der Veteranen - leben allein im Bann der Dekolonisierung, auch westliche Intellektuelle, die algerische Kollegen im Namen des Postkolonialismus immer nur auf diese eine Geschichte festlegen. "Die Spätergeborenen werden aufgefordert, dieses Epos endlos nachzuspielen, sich über die Erfolgsgeschichte der Kriegsveteranen und ihrer Toten zu definieren oder sich einem Loyalitätsprozess zu unterwerfen, der sie in das absurde Leben der eingefrorenen Zeit vor ihrer Geburt zurückführt und sie stellvertretend ein Frankreich hassen lässt, das sie gar nicht kennen. Was bleibt uns anderes übrig, als den Krieg für diejenigen zu wiederholen, die zu spät geboren wurden, um dem Leben einen Sinn zu geben?" Für das Institute du Monde Arabe in Paris hat Daoud eine Algerien-Ausstellung mit Fotografien von Raymond Depardon konzipiert.

In der NZZ sucht Ayaan Hirsi Ali nach Alternativen zu Harvard und Co - etwa an der neuen University of Austin. Die etablierten Universitäten sieht sie unter der Fuchtel einer kleinen Gruppe von Fanatikern wähnt, die Meinungsfreiheit nicht mehr zulassen: "Wenn die Universitäten einst versprachen, ihren Studenten das Denken überhaupt beizubringen, so zielen sie jetzt darauf ab, ihnen beizubringen, was sie denken sollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2022 - Ideen

Natan Sznaider sieht im Gespräch mit Tobias Rapp vom Spiegel ausgerechnet jene Fraktion der Linken, die die Idee universaler Werte als westliche Folklore betrachtet, als Universalisten, die im Namen einer radikalen Demokratie das partikulare Judentum opfern wollten - so zuletzt bei der Documenta. "Schon der Apostel Paulus hat gesagt, es gibt keine Juden und keine Griechen, wir sind alle gleich unter dem Banner des Messias. Nur haben Juden immer darauf beharrt, Juden bleiben zu wollen, und wenn sie es taten, hatten sie ein Problem. So ist es noch immer. Nehmen Sie einen Juden wie mich. Wir reden wie Nichtjuden, wir ziehen uns an wie Nichtjuden, wir sind nicht mehr orthodox, viele von uns halten sich nicht an irgendwelche jüdischen Regeln, aber wir verstehen uns weiterhin irgendwie als Juden. Der politische Universalismus will diesen Unterschied auflösen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.07.2022 - Ideen

In der SZ nimmt Maxim Biller seine Schriftstellerkollegin Eva Menasse ins Visier, die im Spiegel die Documenta gegen den "diskursiven Reinigungsfuror eines publizistischen Bataillons aus Anti-Antisemiten" verteidigt hatte (unser Resümee). Biller wirft Menasse eine neurechte Verdrehung von Gut und Böse vor, und fragt, ähnlich wie bei Max Czollek (unser Resümee), wie jüdisch sie eigentlich sei oder sich fühle: "Warum redet sie über Juden und Israelis und ihre deutschen Freunde plötzlich wie jemand, dem sie selbst nie die Hand geben würde? Und warum trug sie im 'Literarischen Quartett' ihren Davidstern nicht mehr, der viele Jahre zu ihr gehörte wie zu Kardinal Woelki die rote Robe, diesen großen, schiefen Stern, auf den sie früher so stolz war, dass sie ihn einmal sogar demonstrativ in die Kamera eines Standard-Fotografen hielt? Ja, und warum war der Stern auch schon im letzten Herbst nicht mehr da, als sie auf dem 'Blauen Sofa' des ZDF saß und über ihren seltsam konstruierten Vergangenheitsbewältigungsoman 'Dunkelblum' redete? Anders gefragt: Wann genau hatte sie sich für eine Abkehr von ihrem jüdischen Weg entschieden?"

Die britische Philosophin und Feministin Kathleen Stock, die nach einer Kampagne von Trans-Aktivisten ihre Universität verlassen musste, pariert im Welt-Interview die Vorwürfe der LGBTQ-Community ebenso entschieden wie manche Fragen der Interviewer. Vor allem betont sie, dass sie im Trans-Aktivismus eine reaktionäre Tendenz sieht, wenn er aus allen Mächen mit kurzen Haaren, die gern Fußball spielen, Jungen machen möchte: "Wenn ich von Aktivismus spreche, meine ich damit nicht Trans-Menschen. Aber hier ist wieder der Kapitalismus am Werk, denn wenn es all diese Identitäten gibt, dann kann man sie auch vermarkten. Das Ganze ist nicht gerade links oder progressiv, aber es wird so präsentiert. Es ist bezeichnend, dass diese progressiven Organisationen sich sehr wohl der Grenzen bewusst sind, die das alles hat. Es ist viel einfacher, hier eine Trans-Fahne aufzuhängen, als gegen Hinrichtungen von Schwulen im Iran vorzugehen."