9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2019 - Medien

Boris Johnson will die eigentlich gar nicht so aufmüpfige BBC durch Drohungen gefügig machen, fürchtet Steffen Grimberg in der taz: "Wie in seinem höchst selektiven Umgang mit den Medien im Wahlkampf hält sich der gelernte Skandaljournalist Johnson hier alle Optionen offen. Zwar ist die BBC als 'Gesamtkunstwerk' bis 2027 durch ihre 'Royal Charter' gesichert. Doch auch die ließe sich ändern, und vorher gibt es genügend Mechanismen, um Druck auf den Sender auszuüben: 2022 entscheidet das Parlament, in dem Johnsons Tories eine haushohe Mehrheit haben, beispielsweise über die künftige Höhe der Rundfunkgebühr."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2019 - Medien

Ungefähr 25 Jahre nach dem Entstehen des Internets in seiner heutigen Form werden auch Hierarchen wie der scheidende Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, wach und beklagen (hier im Gespräch mit Laura Hertreiter und Claudia Tieschky von der SZ) die Schwäche Europas: "Alle Menschen, Institutionen, Behörden, die mit anderen in unserer digitalen Welt in Austausch treten wollen, tun das mittels der Infrastruktur von Amazon, Google, Facebook, Apple und neuerdings auch chinesischer Anbieter. Wir haben das Ganze lange so wahrgenommen, als seien es nur einzelne Angebote für Dienstleitungen. In Wahrheit ist mittlerweile der digitale öffentliche Raum selbst in privaten Besitz übergegangen. Er unterliegt damit Geschäftsmodellen, die nicht auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind, sondern auf unternehmerische Ziele."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2019 - Medien

Den Kölner Stadt-Anzeiger und den Express ist DuMont nicht losgeworden, offenbar gab es kein ansprechendes Gebot, meldet Christian Meier in der Welt. Die Zukunft der Hamburger Morgenpost ist noch ungewiss, über den Verkauf der Mitteldeutschen Zeitung wird immerhin mit der Mediengruppe Bauer verhandelt, das Angebot soll bei über 50 Millionen Euro liegen, so Meier weiter: "Die Mission Zeitungsverkauf ist damit stecken geblieben. Fragt sich, ob DuMont ein Zeitungshaus wider Willen wird - oder ob das Management nun die Kraft hat, für Köln eine gute Strategie zu entwerfen. Der Stadt-Anzeiger ist ansehnlich profitabel, große Probleme hat das Boulevardblatt Express. Der ursprüngliche Plan von Medienmanager Bauer war, mit dem Erlös des kompletten Zeitungsverkaufes in digitale Geschäftsfelder zu investieren. Eine Summe von rund 50 Millionen Euro, die möglicherweise durch den Verkauf in Halle reinkommt und von der ein Teil auch an die Gesellschafter gehen könnte, dürfte allerdings nur begrenzt weiterhelfen, die bisherigen Digitalgeschäfte zu beflügeln."

Springer-Chef Mathias Döpfner, nebenbei Präsident des Zeitungsverlegerverbandes BDZV, will zwar Subventionen für Zeitungen, aber sie sollen nicht Subventionen heißen. Für die defizitäre Zustellung von Zeitungen per Boten sollen die Zeitungen zwar 40 Millionen Euro jährlich bekommen. Das solle sich aber als "vollständig getrennte Zustellungs-Infrastrukturförderung" verstehen, so Döpfner in einem Brief an die Mitglieder seines Verbandes, der auch auf der Homepage des Verbandes zitiert (aber nicht veröffentlicht) ist. Döpfner äußert sich in dem Brief auch erfreut über die Erfolge seiner Lobby-Arbeit: "Die Europäische Union habe mit der europäischen Urheberrechtsrichtlinie nach jahrelangem zähen Ringen 'einen robusten Rechtsrahmen für unsere journalistischen Angebote in der digitalen Ära geschaffen'." 40 Millionen Euro sind den Zeitungen als Subvention aber übrigens viel zu gering - 400 Millionen wären ihnen lieber (unser Resümee).

Zwischen 3.681 und 10.405 Euro verdienen Redakteure monatlich in der ARD - zu viel findet die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) und plädiert dafür, die Gehälter von Mitarbeitern der Öffentlich-Rechtlichen zu kürzen, schreibt Elisa Britzelmeier in der SZ. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Gehältern der einzelnen Sender -ZDF, BR, HR, SR und vor allem der WDR liegen deutlich oberhalb des Durchschnitts, so Britzelmeier und hat nachgefragt: "ARD und ZDF haben vor allem eine - nicht ganz schlüssige - Begründung für die vergleichsweise hohen Gehälter: das Durchschnittsalter. Weil aus Spargründen in den vergangenen Jahren kaum jemand mehr angestellt wurde, seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihnen älter als im öffentlichen Dienst, entsprechend verdienten sie mehr. Also teuer, weil alt? Wenn man sich das Durchschnittsalter bei den Landesrundfunkanstalten anschaut, stellt man fest: Die Begründung greift nicht ganz. Denn nach dieser Logik müsste man ja meinen, dass der WDR, mit seinem besonders hohen Vergütungsniveau, der Sender mit den ältesten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. Das stimmt aber nicht. Beim WDR liegt das Durchschnittsalter bei 49,2 Jahren, beim SWR etwa sind die Mitarbeiter mit 50,47 Jahren noch ein wenig älter. Der SWR allerdings wird im Gutachten nicht genannt."

Boris Rosenkranz erkundet für die Übermedien die etwas peinlichen Grenzen der Berichterstattung der SZ über den Fall Jeffrey Epstein. Der Milliardär stand bekanntlich im Zentrum eines krassen und vieldutzendfachen Falls von sexuellem Missbrauch und hat sich (höchstwahrscheinich) im Gefängnis das Leben genommen. Zum engen Umkreis Epsteins gehörte John Brockman, einst ein Idol Frank Schirrmachers und Erfinder von edge.org und der "dritten Kultur", in der Geistes- und Naturwissenschaften fusionieren sollten. Auch SZ-Feuilletonchef Andrian Kreye war engstens mit Brockman bekannt, der Hunderttausende Dollar Unterstützung von Epstein bekam und ihn dafür in glamouröse Kreise einführte. Aber das erwähnt Kreye in der Epstein-Berichterstattung nicht. Dabei hat Evgeny Morozov, einst häufiger Autor bei der SZ, Brockmans Kungeln mit Epstein detailreich angeprangert (unser Resümee). Über den Rückritt von Joichi Ito beim Media Lab des MIT, das ebenfalls von Epstein unterstützt wurde (unsere Resümees), hatte er dagegen berichtet. "Er schreibt, Epsteins Gelder wirkten 'wie radioaktiver Müll in den Haushalten der Institute und Institutionen', und die Liste der Empfänger sei lang: 'Einige haben sich schon distanziert. Andere, wie die Harvard University, die 6,5 Millionen Epstein-Dollar bekommen haben soll, äußern sich nicht.' Dass auf der Empfänger-Liste auch die Edge Foundation stand, erwähnt SZ- und Edge-Autor Kreye nicht. Auch nicht, dass Brockman derjenige gewesen sein soll, der Epstein mit von ihm vertretenen Wissenschaftlern wie Ito zusammenbrachte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2019 - Medien

Die Weltwoche des SVP-Nationalrats Roger Köppel fällt durch prochinesische Berichterstattung auf. Und es gibt eine Menge Anzeigen chinesischer Firmen. Außerdem hat der chinesische Botschafter in der Schweiz dort eine Kolumne, über die sich Köppel auf Nachfrage der NZZ-Reporter Simon Hehli und Daniel Gerny besonders stolz äußert. Aber die Chinafreundlichkeit hat auch einen Hintergrund, so die beiden Autoren. "Die Kooperation zwischen der Weltwoche und der chinesischen Botschaft ist bemerkenswert: Der NZZ liegen Kopien von Mails vor, die darauf hindeuten, dass die Weltwoche für ihre chinafreundliche Berichterstattung mit Gegenleistungen belohnt wird. Laut den Schreiben, die vom März 2019 datieren, soll die chinesische Botschaft chinesischen Firmen, die in der Schweiz tätig sind, die Übernahme der Kosten für Werbung in der Weltwoche offeriert haben. Es geht um ganzseitige Anzeigen im Wert von jeweils über 10.000 Franken."

Mit dem neuen Mediengesetz in Russland kann jede Privatperson, die Geld von der Tante aus dem Ausland überwiesen bekommt, zum "ausländischen Agenten" gestempelt werden, schreibt Inna Hartwich bei libmod.de: " Bislang mussten sich vor allem NGOs und Medien, die aus dem Ausland finanziert werden, als 'ausländische Agenten' registrieren lassen. Zehn Medien und 74 NGOs haben diesen Stempel aufgedrückt bekommen, mehrere gemeinnützige Organisationen mussten schließen, weil sie ohne die finanziellen Mittel aus dem Ausland nicht mehr arbeiten konnten. Andere unterliegen ständigen Kontrollen und müssen regelmäßig vollständige Auskunft über ihre Geldgeber, die finanzielle Ausstattung und das Personal geben. Durch das veränderte Gesetz werden nun auch Privatpersonen eingeschüchtert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2019 - Medien

Die "Reporter ohne Grenzen" ziehen Bilanz: 389 Journalistinnen, Journalisten und andere Medienschaffende sitzen in diesem Jahr in Haft, mindestens 49 wurden getötet. Eines der repressivsten Länder ist China, resümiert sueddeutsche.de: "In China erreichte die Zahl der inhaftierter Medienschaffender laut Reporter ohne Grenzen 2019 ungekannte Höhen: Mehr als 40 Prozent von ihnen seien Bürgerjournalistinnen und -journalisten, die trotz verschärfter Zensur sozialer Netzwerke versucht hätten, über das Internet unabhängige Informationen zu verbreiten. Die meisten der 2019 neu hinzugekommenen Fälle inhaftierter Medienschaffender in China seien Uigurinnen und Uiguren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2019 - Medien

Karl-Heinz Ruch, genannt Kalle, hört auf, und die taz verabschiedet nach 41 Jahren ihren Geschäftsführer, dessen Finanzgenie stets die wildesten Fantasie freisetzte, obwohl sein wichtigster Bündnispartner der trockene Olaf Scholz war, mit dem er das Genossenschaftsmodell austüftelte! Jan Feddersen blickt auf Kalle Ruchs Wirken zurück, das so bescheiden und grandios zu gleich war: "Er hat früh erkannt, dass das mit der gedruckten Zeitung historisch ein Ende haben wird: Gegen die Digitalisierung ist kein Ankommen. Und er hat besonders die digitale Transformation gefördert, die Internetpräsenz der taz auf taz.de und später auch das taz-zahl-ich-Modell - teils gegen Widerstände im Haus. Er ist, so gesehen, ein Aufbauhelfer und Aufbauorganisator. Wo keine Chancen sind, findet er doch welche. In den achtziger bis neunziger Jahren gab es nationale taz-Plena, auf denen Kalle Ruch heftig angefeindet wurde. Der muss weg, der macht seinen Job nicht gut, der gibt die Mittel für Expansionen auf dem Markt nicht frei, später gar hieß es, er lasse es nicht zu, dass millionenschwere Investoren die taz füttern oder sie aufkaufen."

Und Steffen Grimberg positioniert Kalle Ruch auf einer Höhe mit den anderen bundesdeutschen Verlegerpersönlichkeiten wie Axel Springer oder Hubert Burda, wenn auch nicht auf derselben Wellenlänge: "Kalle muss man sich dabei nicht als Verleger, sondern eher als Antiverleger vorstellen. Was ihn mit seinen Kolleg*innen eint, ist die Fähigkeit, meistens das letzte Wort zu haben beziehungsweise sein Ding auch gegen Widerstände durchzudrücken. Ansonsten könnten die Unterschiede nicht größer sein." Und der Steuerberater Bernhard Brugger erinnert sich an Zeiten, als die Banken der taz nicht mal ein Konto einrichten wollten.

In der FR erinnert Arno Widmann an die große amerikanische Reporterin Nellie Bly, die sich einfach nicht ins Ressort Mode und Garten abschieben ließ, sondern - um 1900 - die Welt bereiste und sich Fabriken einschleuste: "1892 veröffentlichte die amerikanische Feministin Charlotte Perkins Gilman ihre kleine Erzählung 'Die gelbe Tapete', eine der großartigsten Schilderungen weiblicher Psychiatrisierung. Eine tränentreibende Opfergeschichte. Nellie Bly betrieb keine Introspektion. Sie ging hinaus aus sich, hinein in die Psychiatrie und beschrieb, wie Hysterikerinnen hergestellt werden. Man wünscht sich heute eine Tageszeitung, die Platz für beide und noch viel mehr Sichtweisen hätte."

Reto Stauffacher beobachtet in der NZZ ein wenig ratlos, wie sich die Tagesschau, Washington Post und andere Medien mit TikTok ins "Meer der Belanglosigkeiten" stürzen: "Jedes Medienhaus dieser Welt steht vor der Herausforderung, sein Publikum zu verjüngen. Allerdings besteht die Gefahr, dass man sich auf Plattformen wie Tiktok anbiedert oder schlicht blamiert. Ob dahinter mehr steckt als ein Hype, wird sich weisen müssen. Denn so schnell, wie die konsumierten Tiktok-Videos wieder verschwunden und vergessen sind, so schnell sind die 13- bis 16-jährigen Nutzer zu einer anderen Plattform weitergezogen. Niemand weiß, welchen Social-Media-Hit das Jahr 2020 bringt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2019 - Medien

Der Befund von Marianne Birthler und Ilko-Sascha Kowalczuk über die Stasi-Tätigkeit von Holger Friedrich mag entlastend oder "wohlwollend" ausgefallen sein, schreiben Christian Meier und Uwe Müller in der Welt, begründen aber ihre Zweifel: "Die Opferakte und die Täterakte beschreiben zwei Seiten einer Person, die aber in dem dort jeweils vermittelten Bild unterschiedlich ausfallen - beide Perspektiven gehören in eine umfassende Bewertung der Person Holger Friedrich und seiner Vergangenheit. Er könne nicht ausschließen, hat Holger Friedrich zuletzt der Zeit gesagt, dass er anderen Menschen Schaden zugefügt habe. Um das zu klären, bräuchte es weitere Akten oder Aussagen von Zeitzeugen, die Friedrich kannten. Auf einer zweiten Ebene ist zu berücksichtigen, dass der Unternehmer diesen Aspekt seiner Vergangenheit, wie auch immer dieser Anteil an seiner Biografie zu bewerten ist, nicht von sich aus öffentlich gemacht hat. Von einem Mann, der einen Zeitungsverlag kauft und danach mit dezidiert politischen Kommentaren und Bewertungen der deutschen Vergangenheit, auch mit Erzählungen aus seiner Zeit bei der NVA auffällt, wäre das zu erwarten gewesen."

Ähnlich sieht das auch Hubertus Knabe, der auf seinem Blog bereits Ende November die Akte "Bernstein" analysierte:

Einige Stunden vor der Veröffentlichung des Gutachtens winkte Ilko-Sascha Kowalzuk noch eine Anfrage des Spiegels ab mit dem Hinweis, er sei "im Wort" bei der Berliner Zeitung, kommentiert Stefan Berg auf SpOn: "Wenige Stunden später ist der Historiker voller Zorn. Denn über die Agenturen läuft eine Vorabmeldung der Zeit über die Opferakte von Holger Friedrich. In der Meldung ist von zehn IMs die Rede, mindestens zehn, die auf ihn, Friedrich, angesetzt worden seien. 'Blödsinn', zischt Ilko-Sascha Kowalczuk. Und schimpft über die Berliner Zeitung: Von 'Vertrauensbruch' ist die Rede, von stundenlanger Arbeit und übrigens sei das mit den zehn Spitzeln totaler Quatsch."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2019 - Medien

Die Berliner Zeitung hat Marianne Birthler, ehemalige Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen und den Historiker Sascha Kowalczuk mit der Aufarbeitung der IM-Vergangenheit ihres Verlegers Holger Friedrich beauftragt. Seit gestern steht das 25seitige Gutachten online, in dem Birthler und Kowalczuk nach Sichtung der Täterakte sowie der von Friedrich zur Verfügung gestellten Opferakte zu dem Schluss kommen, der Verleger habe bei früheren Stasi-Kontakten "überwiegend Offenkundiges" berichtet, seine Informationen trugen keinen "politisch-ideologischen Charakter": "Die Informationen von Friedrich haben in einem Fall zu einer strafrechtlichen Belehrung eines Anderen geführt. Damit war u.U. ein erhebliches Einschüchterungspotential für den Betroffenen verbunden. Weitere Folgen, die durch Friedrichs Informationen zu konstatieren wären, ließen sich nur mit Akten, die über Dritte eventuell existieren, ersehen. Sehr wahrscheinlich erscheint das nicht."

Die ostdeutsche Autorin Jana Hensel arbeitete seit drei Monaten an einem Zeit-Porträt über die Friedrichs, führte Interviews, kurz vor Redaktionsschluss zog Holger Friedrich allerdings das Interview zurück. Hensel bringt durchaus Verständnis für Friedrich auf - denn noch immer hänge die "moralische Integrität eines Ostdeutschen" ja vor allem davon ab, wie er sich zu DDR-Zeiten verhalten habe, berichtet aber auch von befremdenden Erlebnissen: "Warum ich dieses Porträt nicht für die Berliner Zeitung schriebe, fragt er mich. Ich bin verblüfft und weiß nicht, was ich antworten soll. Mal abgesehen davon, dass man ein Porträt über sich selbst nicht in der eigenen Zeitung abdruckt, bin ich doch im Auftrag der Zeit hier. Friedrich, der meine Überraschung bemerkt, winkt schließlich ab und tut so, als wäre das nur ein Scherz gewesen."

Auf den Medienseiten der SZ schildern Verena Mayer und Jens Scheider indes, wie sich die Redaktion der Berliner Zeitung um redaktionelle Unabhängigkeit bemüht. Unter anderem habe sich ein Redaktionausschuss gebildet, der ein Redaktionsstatut erarbeiten wird. Die Friedrichs haben noch viel zu lernen, halten sie fest: "Vor Kurzem erschien ein Artikel über die Firma Centogene, ein Biotech-Unternehmen aus Rostock, das gerade an die US-Technologiebörse Nasdaq ging. Die Anregung, über den laut Artikel 'Weltmarktführer in der gentechnischen Analyse seltener Krankheiten' zu schreiben, kam vom Eigentümer Friedrich. Der ist allerdings auch an dem Unternehmen beteiligt. Ein klassischer Interessenkonflikt. Das sei der Redaktion nicht bekannt gewesen, erklärte diese auf der Webseite. Man werde künftig genau prüfen, ob 'geschäftliche Interessen des Unternehmerehepaares Friedrich oder unseres Hauses davon berührt sind - und dies öffentlich machen.' Es sind Selbstverständlichkeiten, die diese Neuverleger nun vor aller Augen lernen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.12.2019 - Medien

Die Schweizer Republik ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte im deutschsprachigen Journalismus. Das Magazin wird von seinen Lesern getragen. Allerdings klingt die aktuellste Werbeaktion für "neue Verlegerinnen" auch ein bisschen dramatisch: "Die Republik hat aktuell rund 18.600 Verlegerinnen. Das deckt 70 Prozent der Kosten. Die restlichen 30 Prozent reißen ein tiefes Loch in die Bilanz. Wir sind 2019 langsamer gewachsen als budgetiert. Das hat heftige Folgen: Bis Ende März müssen wir den Rückstand aufholen, sonst hat die Republik keine Zukunft. Dann werden wir die Republik am 31. März 2020 schließen."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2019 - Medien

Im italienischen Mediengefüge geraten die gewohnten Konstellationen durcheinander. Die Agnelli-Familie hat große Anteile an der Zeitung La Repubblica gekauft, die einst als Anti-Establishment galt, aber in den Händen der Unternehmerfamilie De Benedetti ebenfalls Interessen diente. Sie ist ohne hin nur noch ein Schatten ihrer selbst, schreibt Tobias Piller in der FAZ: "Zuletzt gingen die Geschäfte aber nicht mehr so blendend. Die fetten Jahre mit einer verkauften Auflage der Repubblica von mehr als 600.000 Exemplaren, zwischen 1999 und 2007, liegen weit zurück. Zuletzt wurden in gedruckter und digitaler Form 221.000 Exemplare der Repubblica verkauft. In den ersten neun Monaten 2019 schrumpfte der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 441 Millionen Euro."
Stichwörter: La Repubblica