Der Journalistinnenbund will der
Emma-Karikaturistin
Franziska Becker die
Hedwig-Dohm-Urkunde verleihen, das passt einigen Aktivistinnen nicht, die bei Beckers Zeichnungen Rassismus am Werk sehen. In der
Emma ärgert sich Alice Schwarzer über die Diffamierung: "28 Jahre nach ihrem ersten
Anti-Islamismus(nicht Islam!)-Cartoon wird Becker nun plötzlich wegen ihrer über Jahrzehnte veröffentlichten Karikaturen über die
reaktionären Islam-Auslegungen der 'Islamfeindlichkeit' und des 'Rassismus' bezichtigt. Eine deutsche Bloggerin türkischer Herkunft hat den Protest initiiert - und so mancher folgt ihr. Darunter auch bekannte Namen. So twittert der Journalist
Jakob Augstein: 'Für mich sieht das so aus, als könne es auch in der Jungen Freiheit stehen' (für Nichteingeweihte: ein rechtsextremes Blatt). Und Augstein jr. setzt nochmal nach: 'Karikaturen sind dann gut, wenn sie die Großen klein machen - nicht, wenn sie auf die treten, die ohnehin unten sind', schreibt er. 'Darum waren auch
die antimuslimischen Charlie-Hebdo-Karikaturen schlecht. Es geht um die Machtfrage.' Es stimmt. Satire sollte immer nach oben zielen, nie nach unten treten. Für Augstein scheinen MuslimInnen immer unten zu sein. Was bedenklich ist, um nicht zu sagen 'rassistisch'. Mal ganz davon abgesehen, dass er mit der Qualifizierung der
Charlie-Hebdo-Karikaturen als 'schlecht'
das Massaker entschuldigt, wenn nicht sogar rechtfertigt."
Gestern hatte sich etwa
Hilal Sezgin in der
taz über Becker
echauffiert: "Immer wieder hat Becker die plattesten Figuren gezeichnet:
muslimische Polizistinnen, die mit einer Axt herumlaufen; Richterinnen, die fürs Gebet ständig den Prozess unterbrechen;
verhüllte Frauen, die sklavisch ihren Männern folgen.
Durch ständige Wiederholung auf Covern von Nachrichtenmagazinen und in Karikaturen wie solchen von Becker hat sich die Chiffre 'Kopftuch' festgebrannt. Jeder x-beliebige Hinz und Kunz, der daheim nicht mal weiß, wie der Herd angeht, fühlt sich heutzutage bemüßigt, von oben herab muslimische Frauen in Sachen Patriarchat zu bemitleiden."
ZeitOnline meldet die Reporter, die mit dem
Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet wurden. Prämiert wurde auch Daniel Schulz für seine
taz-Geschichte über eine rechtsradikale Jugend im Osten "Wir waren wie Brüder geehrt".