Roland Tichy hat einen Artikel von seiner Seite
Tichys Einblick genommen, weil der Madsack-Konzern Unterlassung von ihm verlangte. Der Artikel handelte von dem kleinen
Medienimperium der SPD - sie ist unter anderem über ihre Holding DDVG neben Madsack am
Redaktionsnetzwerk Deutschland (
RND) beteiligt, das zahlreiche Lokalmedien mit Stoff aus Berlin versorgt. Tichy tut melodramatisch so, als müsse er einer Übermacht weichen,
schreibt Stefan Niggemeier dazu in
Uebermedien: "Er nimmt die
eigene Kapitulation als Beleg dafür, dass man Wahrheiten nicht mehr aussprechen darf, die den Mächtigen missfallen." Zu Tichys Artikel, den Niggemeier dankenswerter Weise resümiert, sagt er: "Tichy verband zutreffende, bekannte Fakten, die er als geheim oder wenigstens unbekannt darstellte, mit
wüsten Unterstellungen... Indirekt empfahl er CDU-Politikern, dem
RND keine Interviews mehr zu geben, und Lesern von Zeitungen, die irgendwie mit dem
RND kooperieren, ihre Abos zu kündigen." Dass die Medienbeteiligungen der SPD problematisch sind, sieht allerdings auch Niggemeier.
Tichys Taktik verfängt allerdings,
ergänzt Stefan Winterbauer bei
Meedia: "In einschlägigen
rechten Blogs und so genannten Alternativmedien, unter anderem beim berüchtigten
PI-News, sowie in zahlreichen Tweets und YouTube-Videos wird nun das Narrativ von der '
bösen SPD' gesponnen, die versucht ihren angeblichen Medieneinfluss mit juristischen Tricks zu verschleiern, Links auf die archivierte Originalstory oft inklusive."
In einem epischen
Interview mit Benedict Neff und René Scheu in der
NZZ spricht Springer-Chef
Mathias Döpfner über den
Fall Relotius, Leistungsschutzrecht, Islamismus, Israelfeindlichkeit, den grassierenden Antiamerikanismus und die politisch recht homogene
linksliberale Medienlandschaft in Deutschland: "Mehrere Studien zeichnen ein ähnliches Bild: Deutsche Journalisten fühlen sich weit überwiegend
linken Parteien nah, während die Verteilung unter den Bürgern - also Lesern - anders aussieht. Wenn Medien politische Positionen der Bevölkerung so verzerrt repräsentieren, führt das auf die Dauer zu einer Entkoppelung."
Buzzfeed,
Vice und
Huffington Post, alles Online-Medien, die fast ausschließlich auf
Verbreitung über Facebook setzten, bauen massiv Stellen ab (auch die deutschen Redaktionen sind zum Teil betroffen). Ihr Problem ist, dass sie
der Willkür von Facebook zu stark ausgesetzt waren,
schreiben Anne Fromm und Peter Weissenburger in der
taz: "Ab 2015 zum Beispiel entstand in der Branche ein
Video-Hype. Facebook hatte behauptet, Anzeigen ließen sich neben Videos besser verkaufen als neben Text. Also zogen die Redaktionen Personal aus dem Bereich Text ab, um mehr Videos zu produzieren. Ende 2016 kam heraus: Facebooks Video-Zahlen waren
aufgeblasen. Anfang 2018 veränderte das Netzwerk dann
seinen Algorithmus und platzierte die Statusmeldungen von Freunden höher als die der Nachrichtenredaktionen. Die Besuchszahlen bei
Vice und
Buzzfeed brachen radikal ein."