Am Dienstag zitierten wir eine Kolumne von von
Götz Aly, der das
Schweigen der Juroren all der vielen Journalistenpreise für
Claas Relotius kritsierte (unser
Resümee). Namen nannte Aly nicht. Auf Facebook zirkuliert die
vollständige Version von Alys Artikel, bevor der folgende Absatz der
kollegialen Rücksichtnahme durch die Chefredaktion der
Berliner Zeitung zum Opfer fiel: "Diejenigen, die Relotius in den verschiedensten Jurys
blindlings hochgejubelt haben, hüllen sich in Schweigen - so, als hätten sie mit dem Fall überhaupt nichts zu tun. Lügen funktionieren aber dann besonders gut, wenn der Lügner - gleich dem Hauptmann von Köpenick - genau das tut, was sein Publikum erwartet. In jenen Jurys, die Lügenwerke von Claas Relotius zigfach auszeichneten, saßen unter anderem, hier in alphabetischer Reihenfolge genannt: Gehard Fürst (Bischof, Diözese Rottenburg-Stuttgart), Tina Hassel (
ARD), Brigitte Huber (Chefredakteurin,
Brigitte), Claus Kleber (
ZDF), Friedrich Küppersbusch (TV-Produzent), Markus Lanz (Moderator), Caren Miosga (
ARD), Ines Pohl (Chefredakteurin,
Deutsche Welle), Evelyn Roll (Journalistin, Autorin); Theo Sommer (vormals Chefredakteur der
Zeit), Jörg Thadeusz (Moderator,
WDR), Ulrich Wickert (Stifter). Die Liste ließe sich
erheblich verlängern, zumal es im Fall des viermal an Relotius verliehenen Deutschen Reporterpreises noch üppig besetzte Kommissionen zur Vorprüfung der eingereichten Texte gab."
Auch das Reporter-Forum, das Relotius mehrfach ausgezeichnet, hat die Texte von seiner Website genommen,
berichtete schon vor ein paar Tagen Kurt Sagaz im
Tagesspiegel. Das gilt auch für "Texte in der
Süddeutschen Zeitung, die an das Reporter-Forum die 'dringende Aufforderung' geschickt hat, die nominierten Beiträge von der Seite zu nehmen." Beim Reporter-Forum
datiert die letzte Meldung vom 20. Dezember, mit dem Versprechen: "Wir halten Sie weiter
auf dem Laufenden."
Dem
Neuen Deutschland geht es nicht so gut. Das Überleben der Zeitung hängt von der
Linkspartei ab. Und dann ist da noch die Frage, wem das höchst wertvolle Grundstück gehört, wo die Zeitung ihren Sitz hat. Anne Fromm
berichtet für die
taz: "Zu DDR-Zeiten, als das
nd noch Propagandaorgan war, arbeiteten dort
mehr als 500 Menschen, eine Million Exemplare wurden täglich verkauft, überregionale Konkurrenz gab es praktisch nicht. Heute sind es bei hundert Mitarbeitern noch gut
22.000 Exemplare, Tendenz sinkend. Alle Tageszeitungen kennen diese Entwicklung. Nur läuft sie beim
nd schneller ab, weil die Leserschaft älter ist und stirbt. Der Großteil der
nd-Leser sind alte Ostdeutsche. Manche in der Linkspartei sagen, dass die Zeitung vor allem in
Ostberliner Altenheimen stark sei."
Der russische Propagandasender
Russia Today hat ein Problem: Er sucht eine europäische Sendelizenz. Trotz des Engagements eines ehemaligen
MDR-Chefredakteurs (unser
Resümee) dürft
RT deutsch wegen seiner staatlichen Finanzierung allerdings keine Chance auf eine
Sendelizenz in Deutschland haben,
schreibt Timo Niemeier bei
dwdl.de: "Übrigens hat auch die
Deutsche Welle, die aus dem Bundeshaushalt finanziert wird, keine deutsche Rundfunklizenz. Die braucht sie aber auch nicht, weil sie ja ein
Auslandssender ist.
RT muss sich bald aber wohl ganz zwangsläufig um eine Lizenz in einem europäischen Land kümmern, will man auch
nach dem Brexit europaweit empfangbar bleiben. Derzeit ist der Sender bei der britischen Ofcom lizenziert."
Außerdem:
Meedia berichtet, dass die einst mit großem Trara gestartete deutsche Ausgabe der
Huffington Post eingestellt wird. "Die Maßnahme kommt auch deshalb überraschend, weil Burda erst im vergangenen Oktober den Umzug der
HuffPo in die Haupstadt angekündigt und zum Jahreswechsel auch weitgehend vollzogen hatte." Noch immer ist die Reichweite herkömmlicher Medien stärker als jene von
alternativen Kanälen,
schreibt Rainer Stadler in der
NZZ.