9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2021 - Medien

Alfred Biolek, der Großmeister der gepflegten Fernsehplauderei, ist tot. In etlichen Nachrufen, etwa auf SpOn, würdigen die Fernsehkritiker den Menschenversteher, Musikliebhaber und Kochkünstler. Und die deutschen Folgen von "Monty Pythons Flying Circus" haben wir ihm auch zu verdanken:

Stichwörter: Biolek, Alfred, Monty Python

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.07.2021 - Medien

FAZ-Herausgeber Carsten Knop attackiert den Hessischen Rundfunk, der im Netz und mit seiner App seine digitalen Kapazitäten ausbaut und so ins Geschäftsfeld der digitalen Privatmedien (ist die FAZ ein digitales Medium?) eindringe. Der HR hat digital inzwischen eine Reichweite von immerhin 600.000 Besuchern täglich erreicht: "Diese Zahlen erreicht der HR mit einem Konkurrenzprodukt zu den Online-Angeboten der Tageszeitungen in Hessen. Es unterminiert die Geschäftsgrundlage privater Medienhäuser, denn es wird auf ewig 'kostenlos' und - auch nett - werbefrei bleiben, da es von allen finanziert wird. Wer dachte, es gehe beim Rundfunkbeitrag um einen solchen, der irrt längst: Es geht um Reichweite im Netz." 

Aus Anlass des Todes von Kurt Westergaard (unser Resümee) erinnert Michael Hanfeld in der FAZ daran, dass der "Karikaturenstreit" nicht von den Karikaturen ausgelöst wurde, sondern von Islamisten, die sie für ihre Propaganda nutzten: "Den Aufruhr aber gab es erst, nachdem eine Delegation dänischer Islamisten nach Beirut und Kairo gereist war, um dort eine Mappe mit 43 Bildern vorzustellen, deren überwiegender Teil mit den Zeichnungen der Jyllands-Posten gar nichts zu tun hatte. Besonders prägnant war das Agenturbild eines Mannes mit einer Schweinemaske, der auf einer Landwirtschaftsmesse in Südfrankreich an einem 'Schweinequiek-Wettbewerb' teilgenommen hatte. Als der Großscheich Mohammed Sajid Tantawi, oberster Gelehrter der Al-Azhar-Universität, das Konvolut und die darin enthaltenen Karikaturen der Jyllands-Posten als Verhöhnung des Islams bezeichnete, bekamen die Islamisten, was sie wollten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.07.2021 - Medien

Kurt Westergaard, Zeichner der berühmten Karikatur mit der Bombe im Turban, ist im Alter von 86 Jahren gestorben, meldet unter anderem Spiegel online. Die sogenannten Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten waren 2006 von Islamisten zum Anlass für gewalttätige Proteste genommen worden. Hier der Nachruf in Jyllands-Posten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2021 - Medien

Der WDR ist wegen mangelhafter Berichterstattung in der Hochwasserkatastrophe scharf kritisiert worden (viel zitiert ein Kommentar von Thomas Lückenrat bei dem Branchendienst DWDL.de). Am Donnerstag hat sich der Sender die Kritik zu Herzen genommen und seine Berichterstattung erheblich ausgeweitet. Stefan Laurin kommentiert bei cicero.de: "Die aktuelle Kritik ist für den WDR besonders unangenehm, weil sie nicht ideologisch begründet ist. Anders als bei dem Streit um das 'Umweltsau-Video' Anfang vorigen Jahres, in dem Senioren wegen ihres Verhaltens angeblich ironisch aufs Korn genommen wurden, oder der den Grünen zugeneigten Berichterstattung des Senders, geht es nun um den Kern der Arbeit: die Berichterstattung in Krisenzeiten."
Stichwörter: WDR, Laurin, Stefan, Senioren

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.07.2021 - Medien

Nick Cohen erzählte neulich bei thecritic.co.uk , warum er Catherine Beltons Buch "Putin's People" nicht bespricht - weil russische Oligarchen das britische Rechtssystem für "SLAPP-Klagen" ausnutzen und Medien mit kostspieligen Prozessen überziehen, um sie einzuschüchtern (unser Resümee). Für die Länder der EU hat Christian Rath in der taz jetzt gute Nachrichten: "Die EU will rechtsmissbräuchliche Klagen gegen Journalist:innen und NGOs verhindern. Die Justiz soll nicht zur Einschüchterung von Medien und Zivilgesellschaft missbraucht werden. Die EU-Kommission hat entsprechende Vorschläge angekündigt. Das Europäische Parlament drängt. Es geht gegen sogenannte Slapp-Klagen. 'Slapp' steht für Strategic Lawsuits Against Public Participation (Strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung). Und natürlich soll die Abkürzung an das englische Wort 'slap' für Ohrfeige erinnern."

Frankreich hat Google zu einer Strafe von 500 Millionen  Euro verdonnert, weil der Konzern sich nicht so in die europäische Urheberrechtsreform fügt, wie die französische Regierung und die Medien wünschen, berichtet Reuters. Interessengruppen, zu denen etwa Le Monde und der Figaro zählen und Medien wie AFP "beschuldigen den Technologiekonzern, es versäumt zu haben, in gutem Glauben Gespräche mit ihnen zu führen, um eine gemeinsame Basis für die Vergütung von Nachrichteninhalten im Internet zu finden, gemäß einer kürzlich erlassenen Richtlinie der Europäischen Union, die sogenannte 'Leistungsschutzrechte' schafft. Der Fall selbst konzentrierte sich darauf, ob Google gegen eine einstweilige Verfügung der Kartellbehörde verstoßen hat, die verlangt, dass solche Gespräche innerhalb von drei Monaten mit allen Nachrichtenverlagen, die darum bitten, stattfinden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.07.2021 - Medien

Der marokkanische Journalist Soulaiman Raissouni wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt und befindet sich wegen eines Hungerstreiks am 92. Tag in einem extrem geschwächten Zustand, berichtet Lea Fauth in der taz. In Marokko scheint man oppositionelle Journalisten gern wegen angeblicher Vergehen zu verurteilen, die nichts mit ihrer journalistischen Tätigkeit zu tun haben. Raissouni "soll einen LGBTI-Aktivisten vergewaltigt haben. Er selbst bestreitet das. Seine Frau, die an einem Dokumentarfilm über LGBTI-Rechte in Marokko arbeitete, hatte den Aktivisten zu sich nach Hause eingeladen. Wie frei dieser sich äußert, ist fraglich, da er in Marokko als Homosexueller selbst als Straftäter gilt und heftiger Repression ausgesetzt ist. Auszuschließen ist eine Vergewaltigung trotzdem nicht. Eine rechtsstaatliche Aufklärung der Tat hat es allerdings nicht gegeben." Ebenfalls für die taz berichtet Barbara Oertel aus Georgien, wo der Kamermann Alexander Laschkarawa bei Ausschreitungen gegen eine Gay-Pride-Parade so brutal angegriffen wurde, dass er seinen Verletzungen erlag.

Ungewöhnlicher Aufruhr in der ARD, wo Redakteure gegen Entscheidungen ihrer Chefinnen protestieren, berichtet Claudia Tieschky in der SZ. Der "Weltspiegel" soll vom frühen Sonntagabend in die Montagnacht verlegt werden. Politikmagazine werden gerupft. Programmchefin Christine Strobl verteidigt sich damit, dass die Inhalte in die Mediatheken und sozialen Medien diffundieren sollen, damit auch jüngeres Publikum sie zur Kenntnis nehmen: "Ein neues Gesetz, das noch dieses Jahr beschlossen werden soll, sieht vor, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio selbst entscheiden können, welche Programme sie überhaupt noch als klassisches TV und welche sie online zur Verfügung stellen - ausgenommen ist ein kleiner Pflichtkanon, der weiter linear gesendet werden muss. Es ist kein Geheimnis, dass die neuen Programmwelten Geld kosten werden, das anderswo eingespart werden muss."

Außerdem: Bei den Uebermedien schildert der Journalist Klaus Ungerer sein Überleben im sterbenden Zeitungsgewerbe: von der noch von Schirrmacher dargereichten 3000-Mark-Pauschale bei der FAZ bis zum geschassten Textchef beim Freitag.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2021 - Medien

In der SZ würdigt Willy Winkler die verstorbene Reporterin Janet Malcolm, indem er an ihre Reportage "Forty-One False Starts" über den Maler David Salle erinnert. 41 Versuche macht sie für ihr Porträt, aber nie schien der Ansatz der richtige zu sein. "Der Maler liegt schätzungsweise eineinhalb Preisklassen über der ihren, ist aber angewiesen darauf, dass er von solchen ärmeren Bewunderern für die reiche Kundschaft hochgeschrieben wird. Malcolms Reportage muss daher wie das Dokument eines monumentalen Scheiterns vor Künstler und Werk wirken und ist doch eine Apotheose, wie sie sich kein Künstler schöner wünschen kann. Nicht zufällig diskutiert die Journalistin mit ihrem Berichtsgegenstand über den 'Untergeher' und die Frage, ob sein Autor, Thomas Bernhard, langweilig sei oder nicht. Ihre Geschichte ist es jedenfalls nicht, obwohl sie annähernd vierzig Schreibmaschinenseiten umfasst, was nur eine Zeitschrift wie der New Yorker verkraftet".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2021 - Medien

Die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl will das Auslandsmagazin "Weltspiegel" von Sonntags kurz vor acht auf Montags 23 Uhr verschieben. Im kontext-Magazin protestiert der ehemalige "Weltspiegel"-Moderator Jörg Armbruster, der nicht alles an der geplanten Reform falsch findet, aber dies schon: "Mehrmals im Jahr auf dem Platz der Politmagazine dienstags und donnerstags statt moderierter Einzelbeiträge ein investigatives Politfeature zu senden, darüber kann man zumindest diskutieren. Und nur 'Hände weg von den Magazinen'' zu fordern, ist zu wenig. Für den 'Weltspiegel' droht dieser Umbruch aber zum Abbruch zu werden, sollte er tatsächlich von Sonntagabend auf montags 22:50 Uhr verbannt werden. Das wäre ohne jeden Zweifel der schleichende Tod dieses Magazins."

In der Medienkorrespondenz ist ein offener Brief der betroffenen Redaktionen zum Thema veröffentlicht: "Die Verschiebung des seit 58 Jahren eingeübten 'Weltspiegel'-Sendeplatzes am Sonntagabend auf den Montag um 22.50 Uhr aber ist eine drastische Schwächung der Auslandsberichterstattung im Ersten."
Stichwörter: ARD

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2021 - Medien

Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, hält dem frischgekürten Intendanten des ZDF, Norbert Himmler, eine Gardinenpredigt. Was haben die Sender auf Plattformen wie TikTok oder Youtube zu suchen, fragt er: Und "wenn sie schon da sind, sollten sie wenigstens für das Recht an geistigem Eigentum, für das Urheberrecht (in der Debatte darüber geben ARD und ZDF seit Jahren eine erbärmliche Figur ab) eintreten. Und sie sollten das mit dem Urheberrecht verbundene, frisch eingeführte Leistungsschutzrecht in Anspruch nehmen, das nicht nur Presseverlagen zusteht, sondern selbstverständlich auch ihnen und - das nur nebenbei - ihren Autorinnen und Autoren. Wer sich permanent als Demokratiebewahrer aufführt, sollte hier nicht kneifen."

Und nicht erschrecken, wenn Sie in Tokyo spazieren gehen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.07.2021 - Medien

Um die Pressefreiheit in Polen ist es nicht allzugut bestellt, wie man inzwischen weiß. Aber abgeschafft ist sie nicht, erzählt Daniel Imwinkelried in der NZZ und beruft sich dabei auf mehrere polnische Journalisten, darunter auch Boguslaw Chrabota, Chefredakteur von Rzeczpospolita. "'Die Regierung mag davon träumen, den unabhängigen Journalismus zu zerstören', sagt er. 'Die Verhältnisse sind aber komplizierter.' Mit einer Justizreform übt die Regierung zwar großen Druck auf die Richter aus, aber längst nicht alle von ihnen haben die Unabhängigkeit verloren. Das hilft den Medien in Konflikten mit dem Staat, etwa bei Verleumdungsklagen."