Auch im
Vielvölkerstaat China werden Minderheiten mit wachsendem Wohlstand selbstbewusster und mehr Rechte fordern. Das wusste schon der Gründer der Republik China,
Sun Yat-
sen, der 1912 die "Drei Prinzipien des Volkes" formulierte,
erklärt in der
NZZ der Tübinger Sinologe Helwig Schmidt-Glintzer: Volksgemeinschaft, Volksrechte und Volkswohlstand. China als
melting pot? "Für das Vielvölkerreich China kaum vorstellbar", meint Schmidt-Glintzer. "Chinesisch als Standardsprache mag noch durchsetzbar sein, doch der Ruf der Völkerschaften nach Respektierung und Bewahrung eigener Kultur- und Glaubensformen wird kaum verstummen. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass auch die
Mehrheitsgesellschaft der Han-
Chinesen in sich selbst alles andere als einheitlich ist und vielfältige Migrationshintergründe mit sich trägt. Sun Yat-sens 'Drei Prinzipien des Volkes' müssen also heute überdacht und neu justiert werden, und China wird im Inneren noch einen
langen Weg zu gehen haben."
Wie lang dieser Weg ist, verdeutlicht ein dreiteiliger Essay von Jürgen Kremb, ehemaliger China-Korrespondent der
taz und des
Spiegels: Er
beschreibt bei
Achgut die Politik der Gleichschaltung im
China Xi Jinpings, die zugleich auch eine Politik
sprachlicher Säuberung ist. Dass aus dem chinesischen Internet Namen wie
Dalai Lama,
Wei Jingsheng oder
Liu Xiaobo verschwunden sind, wusste man schon. "Dann aber waren im fortschreitenden Verfolgungswahn des Xi-Regimes in chinesischen Suchmaschinen Firmen wie Google, Facebook, Twitter auch nicht mehr aufzufinden. Danach kamen Begriffe wie der Nobelpreis, die 1911 gegründete Chinesische Republik, das Wort Festland auf den Index. Denn mit Letzterem umschreibt man im demokratischen Taiwan das kommunistische Herrschaftsgebiet. Schließlich verschwand in Baidu Baike (Chinas Wikipedia)
das gesamte Jahr 1989, das Jahr der Studentenproteste."
Der chinesische, aber in den USA lebende Militärexperte
Zhao Tong erklärt im Gespräch mit Fabian Kretschmer in der
taz die chinesische Militärstrategie. In
Taiwan werde Xi Jinping nicht agieren, so lange man Angst vor den USA hat: "Hat China jedoch eine offensichtliche
militärische Überlegenheit erlangt, werden die USA wissen, dass sie diesen Konflikt nicht gewinnen können. Dann kann China sein Ziel erreichen,
ohne einen Schuss abzufeuern.Die jüngsten Entwicklungen haben Chinas Denken bestätigt: Da es bereits eine gewisse militärische Macht gesichert hat, brauchte es sich auch keine Sorgen vor einem gewaltsamen Eingriff aus dem Ausland zu machen, als es Maßnahmen zur Bewältigung
der Situation in Hongkong ergriff."
Lydia Namubiru, Khatondi Soita Wepukhulu und Rael Ombuor haben mit Hilfe einer Reihe lokaler Journalisten sechs Monate für
Open Democracy in Gesundheitseinrichtungen
in Kenia,
Tansania und Uganda recherchiert, die "
Therapien"
gegen Homosexualität anbieten. "Unseren Reportern wurde gesagt: Schwulsein sei 'böse', etwas 'für Weiße' und ein psychisches Problem; man solle eine 'Expositionstherapie'
mit '
einem Hausmädchen [zu dem man sich] hingezogen fühlt' versuchen; und man solle einem schwulen Teenager eine Schlaftablette geben, um ihn am Masturbieren zu hindern. 'Wer mit der Homosexualität aufhören will, den verbinden wir [mit externen Beratern]', sagte eine Empfangsdame in einer HIV-Klinik in Kampala, Uganda. Zu den früheren Beratern gehörte Solomon Male, ein evangelikaler Pastor, der sich gegen Homosexualität aussprach. In Kenia sagte ein Berater in einer HIV-Klinik in Nairobi, dass
Schwulsein '
ein Trend' sei und dass einige schwule Männer von anderen in die Homosexualität 'hineingezogen' würden. Sie behauptete, dass es mindestens fünf Beratungssitzungen braucht, um gleichgeschlechtliche Anziehung zu 'ändern'."