Bis jetzt hatte man ja noch gehofft, dass in den USA
die Gerichte Donald Trump am Ende stoppen würden. Jetzt hat das FBI eine
Richterin verhaftet, die angeblich die Festnahme eines Migranten behindert haben soll,
meldet Zeit online. Und im Interview mit der
FAZ erklärt der amerikanische Verfassungsrechtler
Bruce Ackerman, dass die Gerichte
keineswegs die Macht haben, das Recht gegen den Präsidenten durchzusetzen. Das, erklärt er, können erst die Wähler bei den
Midterms: "Das wird eine entscheidende Wahl, die unter dem Eindruck von Arbeitslosigkeit und Inflation durch Trumps Zollpolitik stehen wird. Verlieren die Republikaner das Repräsentantenhaus, droht Trump ein
Amtsenthebungsverfahren. Dann werden die Republikaner ein Motiv haben, eher gemäßigte Kandidaten für die Wahlen 2028 zu nominieren, und die Demokraten auch. Das könnte die Spaltung des Landes mindern."
In einem sehr langen Interview mit der
SZ stellt der Historiker
Timothy Snyder klar, dass er keineswegs vor Trump nach Kanada "geflohen", sondern immer noch auch in den USA aktiv sei. Auch er geht davon aus, dass nur die Midterms Trumps Anmaßung einschränken können. Gefährlicher als den Präsidenten findet er dessen "digitale Oligarchie-Kameraden": "Trump ist das, was Francis Fukuyama in seinem Essay 'Der letzte Mensch' beschrieben hat. Das ist das Hegelianische Prinzip nach Kojève. In einem perversen Sinn ist
Trump der letzte Mensch. Seine Interessen sind schrecklich, aber sie sind schrecklich menschlich. Was er aber unter Umständen ganz unbewusst einleitet, ist die Möglichkeit einer uneingeschränkten Regierung, die auch digital funktioniert, in der
Menschen wie er obsolet würden. ... Musk und Peter Thiel versuchen, eine alternative Form der Regierung zu schaffen, in der die Daten nicht jedem selbst, sondern ihnen gehören. Darum geht es bei Musks Amt für Regierungseffizienz (Doge), nicht um Effizienz. Sondern darum, in staatliche Einrichtungen einzudringen und Lücken zu schaffen, damit
Daten abgesaugt werden können. Und dann werden diese Daten von privaten Unternehmen genutzt, die anfangs theoretisch im Auftrag der Bundesregierung arbeiten, aber am Ende
selbst zu den Machthabern werden."
In der
NZZ hat Roman Bucheli nur
wenig Sympathie für klagende amerikanische Professoren. Das Interview in der
FAZ mit dem Harvard-Historiker
Michael Bronski, der sich für ihn anhörte, als "als sei die Hochschule ein
Ausbildungscamp für politische Aktivisten und der Professor ein Fachmann in urbaner Guerilla-Taktik", hat ihn nur bestätigt.
Im
Iran verteidigen immer öfter auch Männer die Rechte von Frauen, die gegen das Kopftuch kämpfen, schreibt in der
NZZ Katajun Amirpur und verweist auf die Aktion "Men in Hijabs": "Es gibt heute in der iranischen Gesellschaft einen
stärkeren Konnex zwischen der Demokratiefrage und der Frauenfrage. Das war lange anders. Nach der Revolution galt das Problem der rechtlichen Ungleichheit von Mann und Frau als reines Frauenproblem, als etwas, das Männer nicht nur nicht betraf, sondern auch aus ihrem Reformbestreben, ihrem Kampf für Demokratie,
ausgeblendet wurde. Es war schlicht untergeordnet."