In der
FAZ beschreibt Sara Taimouri wie die iranischen Regierung
Frauen mit Kameras und SMS unter den Hijab zwingen will: "Arezou fühlt sich permanent beobachtet. 'Diese Augen sind überall', sagt die junge Iranerin. In Teheran ist sie auf Schritt und Tritt umgeben von den Kameras des Regimes. Für gewöhnlich fährt Arezou mit der Metro zur Arbeit. Um möglichst unerkannt zu bleiben, trägt die 30 Jahre alte Lehrerin eine Maske und einen bunten Schal. So schildert sie es in einem Videotelefonat. Wenn Arezou sich besonders bedroht fühlt, setzt sie den Hijab auf, und sei es nur für zehn Minuten. 'Ich
kann die Gefahr spüren', sagt Arezou, die eigentlich anders heißt. Sie möchte anonym bleiben. Zu groß ist
ihre Angst vor dem Regime der Islamischen Republik. Für Gespräche mit ausländischen Medien könnte sie festgenommen werden, doch sie will unbedingt über die Situation in ihrem Heimatland sprechen."
In einem langen FR-
Interview zum 75. Jahrestag der Gründung des Staates Israel spricht
Daniel Cohn-
Bendit über den Antisemitismus in Europa ("Cohn-Bendit nach Dachau!" forderten Gaullisten und Kommunisten 1968 in in schönster Eintracht), sein Verhältnis zu Israel als säkularer Jude, den BdS und warum er nach wie vor auf eine Zweistaatenlösung hofft: "Eine Lösung wird es nur geben, wenn beide Seiten die
legitimen Ansprüche des anderen anerkennen. Das Tragische ist: Je mehr Zeit verstreicht, desto weniger wird eine Lösung möglich sein. Die
arabischen Staaten haben kein Interesse an einem starken Palästina. Die Palästinenser sind die großen Verlierer der Geschichte. Wenn
1948 die arabischen Staaten dem Existenzrecht Israels in den damals von den UN gezogenen Grenzen zugestimmt hätten, gäbe es heute zwei Staaten. Die arabischen Staaten wählten aber den Krieg und das war der Beginn vieler Niederlagen für sie. ... Ich verstehe die
Trauer der Palästinenser über das historische Drama. Für viele Juden aber ist ein demokratisches Israel eine Hoffnung - eine Hoffnung, die ich akzeptiere, auch wenn sie nicht die meine ist. Aber diese Hoffnung darf nicht blind machen für das Leiden der Palästinenser. Eine Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung ist eine Hoffnung, für die es sich
zu kämpfen lohnt. Das Ende dieser Geschichte ist noch nicht geschrieben."
"Wenn die Entwicklung linear verläuft, dann muss man sagen: Ja, in zehn, zwanzig Jahren ist es
vorbei mit Israel", befürchtet
Richard C.
Schneider, langjähriger Israel-Korrespondent der
ARD, im
NZZ-Gespräch mit Andreas Scheiner: "Angenommen, Netanjahu lenkt endgültig ein, die Justizreform würde gekippt, die Protestbewegung hätte gewonnen: Das würde nichts daran ändern, dass in etwa zwei Jahren rund
50 Prozent aller Erstklässler in Israel entweder
Araber oder
ultraorthodoxe Juden sind. Kinder, die zumeist eine von Haus aus schlechtere und für die moderne Welt nicht geeignete Erziehung haben. Natürlich ist das für die Entwicklung eines Landes, das ein Hightech-Land ist, verheerend. Und in etwa zwanzig Jahren ist
jeder Vierte in Israel ultraorthodox. Wirtschaftlich dürfte es den Bach runtergehen."