Uganda ist berüchtigt für eine gnadenlose Verfolgung von Homosexuellen. Das Thema hat in den letzten Jahren an Mobilisierungskraft verloren, weil sich ohnehin niemand zu Homosexualität bekennt,
schreibt Joachim Buwembo in der
taz. Nun bringt ausgerechnet ein Oppositioneller, "der einzige Vertreter seiner muslimischen Partei", einen neuen Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Homosexualität ins Parlament ein, das sich eigentlich mit einigen
Korruptionsskandalen befassen müsste: "Man würde in dieser Situation nicht die Jagd auf mutmaßliche Schwule zur Priorität erklären. Aber die Parlamentspräsidentin will das durchziehen: Die Abstimmung über das neue Antihomosexualitätsgesetz soll öffentlich stattfinden,
per Handzeichen, und religiöse Führer sollen zuschauen. Jeder soll wissen, wer für Homosexualität ist und wer dagegen. Man kann dies als Einschränkung der Gewissensfreiheit der Abgeordneten werten. In einem so
ultrareligiösen konservativen Land setzt jeder Abgeordnete, der hier mit Nein stimmt, seiner Karriere ein Ende. Homosexualität ist in der Gesellschaft zwar kein Thema, aber das ist kein Widerspruch: Sie gilt als fürchterliche Sünde, die sehr selten ist."
Die rechtsextreme Wahnidee vom "
großen Austausch" hat auch in
Tunesien Anhänger - bis nach ganz oben. Präsident Kais Saied hatte mit fremdenfeindlichen Äußerungen Gewalt gegen Migranten ausgelöst. Sarah Mersch berichtet im
Tagesspiegel: "Es gebe orchestrierte kriminelle Bestrebungen nicht näher genannter Gruppierungen, die Geld dafür erhalten würden 'die
demografische Zusammensetzung Tunesiens zu verändern', sagte der Staatschef. Durch eine Welle irregulärer Migranten solle das Land rein afrikanisch werden und seine
muslimisch-arabische Identität ausgelöscht werden. Diesem Phänomen müsse ein Ende bereitet werden. Bereits in den Wochen und Monaten zuvor hatten rechtsnationalistische Gruppierungen auf sozialen Netzwerken einen ähnlichen Diskurs propagiert."
Meron Mendel ist ein gern gesehener Gast im Feuilleton der
FAZ, zusammen mit seiner Frau Saba-Nur Cheema auch Autor einer Multikulti-Kolumne in dieser Zeitung. Heute wollen die Feuilletonchefs Jürgen Kaube und Sandra Kegel von ihm Auskunft, wie sich die Deutschen angesichts der neuen, teils
rechtsextremen Regierung Israels gegenüber dem Land verhalten sollen. Dabei stellen sie die seltsame Frage: "Es stellte auch niemand das Existenzrecht Amerikas in Frage, weil es einen Präsidenten Trump gab? Bei Israel ist man geneigt zu sagen, die Anerkennung halten wir
aufrecht angesichts der Holocaust-Erfahrung, oder nicht?" Mednel antwortet darauf: "Wenn Israel keine liberale Demokratie bleibt, bleibt es zwar der einzige sichere Hafen für Juden, aber vor allem auf dem Papier: Es ist für die Bürger dort nicht mehr lebenswert und auch nicht für Juden weltweit. Es geht also ums Ganze, und sollten die Proteste nicht erfolgreich sein, werden
die nächsten Wahlen nicht mehr frei sein." Nochmal die Frage von Kaube und Kegel: "Haben Sie eine Idee
für uns Deutsche?" Und Mendel: "Ich würde den Begriff der Staatsräson gern durch Freundschaft ersetzen."
In den virtuellen "Bildern und Zeiten" erklärt der israelische Germanist
Jakob Hessing außerdem geduldig alle politischen Kräfte, mit denen sich Netanjahu zusammengetan hat, um mit mit seiner "Justizreform" den Schritt zu gehen, "der aus der Demokratie
in die Diktatur führt". Netanjahu, erklärt Hessing, ist "
nicht religiös und war es nie, er weiß sehr wohl, dass dieser Fundamentalismus dem Land nichts Gutes bringen wird. Und mehr als das - er weiß, dass Israel auch von den
Ultraorthodoxen keinen Nutzen zu erwarten hat. Ihre Söhne schicken sie nicht zum Militär und ihre Frauen nicht zur Arbeit… Netanjahus Politik hat weder ein ideologisches noch ein pragmatisches Ziel, das sich über die Jahrzehnte hinweg erkennen ließe. Es ging ihm immer nur darum,
an der Macht zu sein, und das ist ihm gelungen."
In der
SZ fordert der Völkerrechtler
Yuval Shany die europäischen Demokratien auf, darauf zu bestehen, "dass die bestehenden freundschaftlichen, solidarischen Beziehungen auf dem gemeinsamen
Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien aufbauen".