Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ich mag Macht!

21.07.2010. In der FAZ predigt Roland Reuß zu geisteswissenschaftlichen Autoren: Totale Selbstaufgabe ist ein Akt der Souveränität. Der Tagesspiegel zitiert aus dem Gutachten des ehemaligen Verfassungsrichters Hans-Jürgen Papier, der das Internet als "Gebiet des Rundfunks" sieht. Die taz ist böse: Alice Schwarzer haut die Burka und meint die Linke. Die NZZ verzeichnet Fortschritte in den Bratislava-Wiener Beziehungen. Die FR liest Uwe Johnsons Interviews mit Fluchthelfern der DDR.

Die Metapher vom langen Weg

20.07.2010. In der FR erklärt Martha Nussbaum, warum es unnötig ist, für Passfotos die Burka abzunehmen. In der FAZ fragt Alice Schwarzer: Warum verteidigt ausgerechnet die Linke die Burka? Laut Welt suchen die Stadt Weimar und der Iran einen interkulturellen Kompromiss in der Holocaust-Frage. Im Kölner Stadt-Anzeiger erklärt der Politologe Samuel Salzborn, warum er glaubt, dass die Linkspartei auf dem Weg zur antisemitischen Partei ist. Im European gibt Götz Aly der Linken sowieso keine Chance. Die SZ stöhnt ganz allgemein über den Arbeitnehmer-Seelenverschleiß im rundum beschleunigten 21. Jahrhundert.

Schon wahnsinnige Dithyramben

19.07.2010. Die NZZ findet: Eine offene Gesellschaft soll vermummten Frauen mit einer Portion Gleichgültigkeit begegnen. Laut Welt ist Sri Lanka den Russen für ihr Engagement gegen Menschenrechte sehr dankbar. Die FAZ schildert bei einem Glas Wein, wie bei Wolfgang Rihm die musikalische Ebene ungehindert herbeifließt. Die taz besingt die Renaissance des Harris Tweeds.

Das Glück ist ja so eine Nanosekunde

17.07.2010. Die Welt sucht die Herrscher der Literaturkritik. In der FR blickt Jens Reich in die Zukunft der menschlichen Natur. Christoph Schlingensief wünscht sich in der NZZ die seminarhaften Neunziger zurück. Die FAZ trifft den britischen Filmregisseur Terence Davies. Die SZ besucht Ray Kurzweils kalifornische Singularity University und bekommt es mit der Angst zu tun: Ist die Computer Cloud in Wahrheit ein Atompilz?

Spiel mit meinem Bongo, Baby

16.07.2010. Die taz erklärt den feinen Unterschied zwischen gewöhnlicher Diffamierung und gewöhnlichem Antisemitismus. Die FR gibt einen letzten Rat von Fritz Teufel weiter. FAZ kolportiert Klatsch über Suhrkamp. Die SZ meint: wissenschaftliche Arbeit fördert Eigensinn und Renitenz.

Wenn keine Opulenz mehr ablenkt

15.07.2010. FRTagesspiegel und Blogs berichten über die für heute anstehende Verhandlung vor dem BGH im Rechtsstreit FAZ und SZ gegen den Perlentaucher. In der Welt klären die Theaterintendanten Nikolaus Bachler (Jahresetat: 86 Millionen Euro) und Sewan Latchinian (4,5 Millionen) die Frage, ob Armut den poetischen Reichtum fördert. Die SZ feiert das Wunder von Duisburg-Marxloh. In der NZZ graut es Mykola Rjabtschuk vor einem ukrainischen Präsidenten, der nicht einmal die Interessen der Oligarchen bedient. Und die Zeit entdeckt den Komponisten Mieczyslaw Weinberg wieder. 

Gestatten, Josef, auch genannt der schöne Josef

14.07.2010. Das Christentum ist die Aufklärung, behauptet Bischof Marx in der FR. Martha Nussbaum erklärt in der New York Times, warum sie gegen das Burkaverbot ist. Die NZZ macht sich auf die Suche nach Widerstand gegen die Globalisierung in Wien und wird in einer Weinhandlung fündig. Die Welt ärgert sich über die Todesanzeige für Gerold Becker. Alle Zeitungen bringen ausführliche Nachrufe auf Günter Behnisch.

Sie zerren an der Schlangenhaut

13.07.2010. ARD, ZDF (und Sie!) haben eine hochrangige Delegation des iranischen Staatsfernsehens eingeladen. Die Blogs und die SZ wundern sich. Die Urteile gegen die russischen Kuratoren Andrej Jerofejew und Jurij Samodurow, die Geldstrafen für eine Ausstellung mit religionskritischer Kunst zahlen müssen, sind nur scheinbar milde, meinen die Zeitungen. 

Tae (Fuß), Kwon (Faust) und Do (Geist)

12.07.2010. Die NZZ besucht Müllsammler von Dharavi und ist optimistisch und ein Konzert von Eminem und ist pessimistisch. Die Welt erzählt, wie die Schauspielerin Jana Schulz zu ihrer körperlichen Präsenz gelangte. Die FAZ rät ab von Hirndoping. Die FR sucht weiterhin nach freiem Willen

Das sind insgesamt Kleinigkeiten

10.07.2010. In der FAZ erklärt Jürgen Brokoff: auch der poetische Peter Handke ist ein Ideologe. In der FR erzählt Klaus Wagenbach, wann die Herzklausel in Kraft tritt. Die Welt würdigt die Fiesiognomien des designierten Büchner-Preisträgers Reinhard Jirgl. In der SZ verbeugt sich Martin Walser vor dem knieenden Bastian Schweinsteiger. Die Emma bringt Necla Keleks Porträt der Jugendrichterin Kirsten Heisig.