Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Il senso del silenzio

09.07.2010. In der FR trauert der Palästina-Aktivist Amanullah Jiffarey Kariapper um die 42 Toten bei einem islamistischen Anschlag auf einen Sufi-Schrein in Pakistan. Schuld sind nach seinen Erkenntnissen die Amerikaner, Inder und "israelische Denkfabriken". Die FR hat auch herausgefunden, warum Israel Angst vorm Frieden hat. "Selten war Theater so irritierend, phantastisch, subversiv und schön", jubelt die NZZ über Christoph Marthalers Spektakel "Papperlapapp" in Avignon, das aber keineswegs alle Kritiker überzeugte. In den italienischen Medien wird gestreikt. Repubblicca erklärt, warum. Die SZ fragt: Greift die Kirche nach der Kontrolle über das kulturelle Leben in Russland?

Der Voyeur kann gar nicht anders

08.07.2010. In der Zeit erklärt der Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins, Roger Willemsen, warum er gern mit den Taliban zusammenarbeitet. In der FAZ plädiert David Grossman für ein Waffenstillstandsgebot Israels an Hamas. Alle Feuilletons dienen der Wahrheitsfindung über Fritz Teufel. Wie explosiv müssen Witze gewesen sein, die Zehntausende in den Gulag brachten? fragt Gerd Koenen in Spiegel Online.

Die es unter dem Flügel treiben

07.07.2010. Kent Nagano will seinen Vertrag als GMD der Bayerischen Staatsoper nicht verlängern. Grund ist eine chemische Reaktion gegen den intrigengestählten österreichischen Intendanten Nikolaus Bachler, meint die Welt. Die SZ kommt nach aufwändigen Recherchen zu einem ähnlichen Ergebnis. Die FAZ nahm in Berlin Züge der Vergeistigung an Prince wahr. Die FR lernt am Beispiel der Sängern MIA, dass es keine Politik gibt, "die frei von Ästhetik sein kann". 

Feuilleton-Themen als Quotenkiller

06.07.2010. In der Welt rettet der Germanist Karl-Heinz Göttert  das Deutsche vor seinen Rettern. Die NZZ stellt eine Studie zur Zukunft des Kulturjournalismus vor. In der SZ erzählt der Turkologe Klaus Kreiser, wie die Türken in Jerusalem vor dem Koch der englischen Offiziersmesse kapitulierten. Martyn Daniels  schimpft in seinem Blog auf die Verwerterindustrien, die das Chaos mit den "verwaisten Werken" selbst geschaffen haben. Und Prince teilt mit: "The internet is over."

Denn das Licht ist die Luft der Zeit

05.07.2010. Die These, dass das Internet das Hirn zermansche, verdreht dem Neurowissenschaflter Steven Pinker in der SZ die Augen. Eweeks meldet, dass die unabhängigen Buchhändler in den USA Google Editions nutzen werden, um elektronische Bücher zu verkaufen. Die Paywall von Rupert Murdochs Londoner Times wird zu einem brain drain in der Zeitung führen, meint Steve Outing in seinem Blog. In der taz singt Gabriele Goettle eine Hymne auf Susanne Neumann in Gelsenkirchen.

Traum unserer Gene

03.07.2010. In der Welt gibt Annabella Weisl, Chefin von Google Books Deutschland, Entwarnung: Es wird immer Bücher im Regal geben. Die SZ erlebt in Pakistan, wie ratlos die dortigen Intellektuellen den religiösen Fanatikern gegenüber stehen. Die taz erinnert an den Deluxe-Dandy Sebastian Horsley. Die NZZ porträtiert mit Milena Michiko Flasar ein prekäres, aber zweifellos auch großes literarisches Talent. Die FAZ entdeckt Lücken im Demokratie-Export für Afghanistan.

Sechs Tage soll er schuften

02.07.2010. Die SZ ist sauer über die offenbar beschlossene Absetzung Kent Naganos als Münchner Staatsopern-Generalmusikdirektor. In der taz macht sich Micha Brumlik Gedanken über das deutsch-israelische Verhältnis. In der Welt konstatiert Richard Herzinger, dass der Westen von Israel abrückt. Die NZZ macht uns Hoffnung: Noch 500 Jahre, dann ist auch der Islam zivilisiert. In der FAZ entdeckt Peter Demetz den Schriftsteller H.G. Adler wieder. In der FR betet der argentinische Autor Ariel Magnus zum Gott Gottes.

Der Unterarm war jetzt fast gar

01.07.2010. Die Zeit hat eine schlimme Meldung: Die rund 250 Jahre währende Epoche, als Deutsch die Sprache der besten Köpfe war, nähert sich dem Ende. Außerdem bringt sie eine Doppelseite zu 150 Jahren Gustav Mahler. Die SZ beklagt den Zustand des Deutschen Museums in München. Die FAZ zeichnet ein trauriges Bild Spaniens in der Schuldenkrise. Die FR porträtiert den neuen Chefredakteur der SZ. In der NZZ erklärt der Voodoo-Priester Max Beauvoir, dass es im Voodoo manchmal auch ziemlich schlechte Vibrations gibt.

Die Unbändigkeit eines afrikanischen Morgens

30.06.2010. Der Tagesspiegel geht zielstrebige Umwege mit Max und Marcel Ophüls. Die SZ spricht mit der Künstlerin Shirin Neshat über ihren ersten Spielfilm "Women Without Men" und die Vorzüge von Raubkopien. Die FAZ kommentert Googles kompliziertes Spiel mit dem chinesischen Regime. Google wird in China wahrscheinlich abgestellt, meldet Gizmodo.Viele Zeitungen erinnern an die Unabhängigkeit des Kongo vor fünfzig Jahren und die traurige Rolle Belgiens in der finsteren Geschichte des Landes.

Geschützt und abgabenpflichtig

29.06.2010. Alma Guillermoprieto wundert sich im Blog der New York Review of Books über die Grazie einer halben Tonne Mortadella. Im Las Vegas Weekly erklärt der Komiker Penn Jillette die Grenzen heutigen Komischseins. Die FR schildert die Misere des italienischen Kulturlebens. Carta fragt: Was kostet 1 "Ätschivederci, Italien"? Im Spiegel annonciert Richard David Precht den Untergang des Abendlandes aus Anlass der Bundespräsidentenwahl. Die FAZ ist entsetzt: Precht ist Wulffs Voltaire.