Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.10.2009. Die Kritiker sind sich einig: Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" ist kein Skandal, jedenfalls nicht in der Inszenierung Roberto Ciullis. Für den Guardian muss der Gedenkjournalismus enden, wenn der Journalismus nicht enden soll. In der Berliner Zeitung erklärt Herfried Münkler den Niedergang der SPD mit dem Mangel an Aufsteigern. Die Welt trauert um den intelligenten Graupapagei Alex.
02.10.2009. Die taz lässt sich von Heinrich August Winkler über die Ideale des Westens informieren. Der Tagesspiegel legt die wiedervereinigte Nation auf die Couch der Psychoanalytikerin Vera Kattermann. Die NZZ erklärt, warum es keine geschichtspolitische Wende ist, wenn die Russen den "Archipel Gulag" zur Pflichtlektüre in Schulen machen. Die SZ polemisiert gegen die China-Verteidiger Martin Roth und Wiebke Becker. Golem bringt ein Riesengespräch mit dem DRM-Papst Bill Rosenblatt, der erklärt, wie Microsoft das Google Book Settlement erfolgreich torpedierte.
01.10.2009. Die Lettre International bringt die Berliner Stadtpolitik in Wallung: Thilo Sarrazin äußert sich hier unzufrieden mit den Berliner Türken, Arabern und Zigarettendrehern. Die FAZ hat Angst um Suhrkamp Die NZZ zeichnet rumänische Debatten um die Korruption im Land nach. In der Zeit fragt Ai Weiwei alle, die sich Sorgen um die Gesichtswahrung chinesischer Machthaber machen, warum er eigentlich auf Demokratie warten soll. Und Hans Ulrich Gumbrecht hat viel Spaß mit Axel Honneth und Peter Sloterdijk.
30.09.2009. In iRights.info erklärt Till Kreutzer, warum Leistungschutzrechte den Verlagen nichts nützen und der Öffentlichkeit schaden würden. Die Frage, ob Roman Polanski ausgeliefert werden soll, spaltet die Feuilletons. In meisten Ländern wäre die Tat längst verjährt, meinen die einen. Polanski hat sich noch nicht verantwortet, die anderen. In der Welt erklärt Dietmar Dath, warum Pop für ihn tot ist.
29.09.2009. Nun arbeiten sich auch die Feuilletons an den Wahlen ab und versuchen vor allem, den Aufstieg Guido Westerwelles zu verkraften. Viele finden ihn schon gar nicht mehr so unsympathisch. Und der schwule und konservative amerikanische Alphablogger Andrew Sullivan begrüßt ihn mit den Worten: "Westerwelle is now the world's leading non-leftist gay leader." Die Welt und die NZZ berichten mit Grausen über das offizielle Kulturprogramm Chinas zu sechzig Jahren Volkrepublik. In Slate hält Christopher Hitchens ein Plädoyer für das Schwein, zumal in Kairo.
28.09.2009. Von der allmählichen Verfertigung der Verse: "Der zerbrochene Krug" unter Andrea Breth ist klar die Inszenierung der Woche, nur die FR findet Kriegenburgs Homburg-Inszenierung noch besser. Danach kommt schon die Bundestagswahl. Der Niedergang der SPD ist auch durchs Internet zu erklären, meint Richard Wagner in der Achse des Guten. Und weiteres: In Deutschland ist man zu schnell mit dem Antisemitismusvorwurf bei der Hand, meint Alfred Grosser in der taz.
26.09.2009. In einem Brief an die Redakteure der Zeit, den er diesen per Veröffentlichung in der FAZ zustellt, erklärt Peter Sloterdiejk, warum er nicht auf Axel Honneth antwortet und tut es natürlich doch. Die Welt kritisiert Buchmessenchef Jürgen Boos, die sich nicht zusichern ließ, dass chinesische Autoren nach Frankfurt reisen dürfen. In der taz macht Popsänger Jochen Distelmeyer Frieden mit sich. Die NZZ ist mehrfach mit dem Ende der Postmoderne beschäftigt. In der SZ fragt Navid Kermani, ob der Westen die iranische Demokratiebewegung ein zweites Mal fallen lässt.
25.09.2009. Die taz bringt ein Interview mit Liao Yiwu, der nicht zur Buchmesse kommen darf, und findet seine Reporagen "aufregender als das meiste, das man in letzter Zeit aus China zu lesen bekommen hat". In der SZ klagt der chinesische Autor Yang Lian: "Die Intellektuellen sind zu Teilhabern der Macht geworden." In der Berliner Zeitung erklärt Peter Glaser, warum die eines Leistungsschutzrechtes absurd ist. Mit Faruk Hosni mag die Unesco eine Schande vermieden haben, aber auch Irina Bokowa ist eine Skandal, meint Ilija Trojanow in der FAZ.
24.09.2009. Die Welt porträtiert die bulgarische Dplomatin und designierte Unesco-Chefin Irina Bokova, die aus dem Hochadel der bulgarischen KP kommt. Der Papst wusste schon vor der Aufhebung der Exkommunikation, dass der Piusbruder Richard Williamson ein Holocaustleugner ist, berichtet Spiegel Online. Die SZ feiert einen mutigen Film des kurdisch-deutschen Regisseurs Miraz Beza, aber auch die neue Offenheit der Türkei, die den Film auf einem Filmfest in Antalya zulässt. Außerdem bringt sie ein Interview mit dem chinesischen Autor Liao Yiwu, der nicht nach Frankfurt kommen darf.
23.09.2009. In der Berliner Zeitung erklärt der chinesische Autor Yan Lianke, wie in seinem Land die Zensur funktioniert. "Thielemann muss bleiben", ruft Joachim Kaiser in der SZ. Angst regiert diesen Wahlkampf, meint Spiegel Online. In der Welt hat Margarethe von Trotta Visionen von Kapitalismuskritik bei Hildegard von Bingen. In der taz bekennt Ilija Trojanow: Er wird die Piraten wählen. Die NZZ bewundert den fast schon hotelartigen Standard in neueren Alpenhütten.