Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
16.08.2013. Harper's berichtet, dass einige der Gerüchte, die zur Schließung von US-Botschaften vor einigen Tagen kursierten, offenbar fabriziert waren. Die Washington Post bringt neue Papiere zu Regelverstößen der NSA. Die SZ wirft der Frankfurter Richterin, die jüngst gegen Suhrkamp entschied, Voreingenommenheit vor. In der FAZ erklärt der Sachwalter des Suhrkampschen Insolvenzverfahrens, warum er trotz des Frankfurter Urteils an seinem Verfahren festhält. Die NZZ zeichnet ukrainische Debatten zu einer Gedenkstätte in Babi Jar nach.
15.08.2013. In der Welt meint Joseph Nye: Wir sollen dankbar sein für die Überwachung, sonst könnten wir nicht drüber diskutieren. Im Freitag meint Medienprofessor Hasan Elahi: Kultur ist die beste Verschlüsselung. FAZ und Tagesspiegel sind vom Salzburger "Don Carlo" überwältigt, aber nicht begeistert. Die NZZ versenkt sich in Heiligenlegenden in Geschichte und Gegenwart. Die taz verzweifelt über die Causa Suhrkamp. Wir bringen aktuelle Bilder und Links zu Bildern aus Kairo.
14.08.2013. Die Zeitungen stöhnen."Der Suhrkamp-Irrsinn geht weiter", diesmal mit einem Etappensieg für Hans Barlach. In der FAZ fordert FDP-Politiker Christian Lindner mehr Staat - um die Entstehung eines staatlich-digitalen Komplexes zu verhindern. In der Zeit stellt Helene Hegemann fest: Bayreuth ist so anders als Berliner Nachtclubs. Die Welt ächzt über den Berliner Denkmalschutz, der die suizidale Kulisse des Alexanderplatzes so und nicht anders stehen lassen möchte. In der taz erläutert der Choreograf Faustin Linyekula seinen ganz eigenen Monotheismus. Das Blog Rhizome stellt den Mille-Plateaux-Zeichner Marc Ngui vor.
13.08.2013. Die SZ hat das Ungeheuer von Loch Grass gesichtet. Es wirft Oskar Lafontaine schmierigen Verrat vor. Das trifft den aber nicht. Arg ab kriegen es die Grünen und die taz und viele viele andere in einem wütenden Blogposting Alice Schwarzers zur Pädophilie-Debatte. Die Welt lässt sich von mexikanischer Kunst zu Träumen über Bademode verführen. Der "Feuchtgebiete"-Trailer wird auf Facebook zensiert, meldet der Tagesspiegel. Die NZZ findet Jonathan Meese auch jenseits des Hitlergrußes jenseitig. Island bringt eine Erzählung von Teju Cole über nigerianische Mädchen. Die FAZ erschauert vorm Panorama der Völkerschlacht. Und endlich gibt es eine Kamera, die auf Großdemos jedes einzelne Gesicht identifiziert.
12.08.2013. In der NZZ singt der türkische Schriftsteller Mario Levi ein Preislied auf die Gezi-Park-Generation und ihren Humor. In Pressthink erklärt Jay Rosen, warum Edward Snowden gewonnen hat. Zwei Politologen haben für die FAZ herausgefunden, dass die Grünen schon in ihrem Grundsatzprogramm von 1980 Pädophilie legalisieren wollten. In der SZ erklärt Burkhard Müller ein Naturgesetz des Medienwandels: "Ein Medium ist bei Kräften, solange es als Schund gilt."
10.08.2013. In der FAZ finden es Constanze Kurz und Frank Rieger ganz richtig, dass sich der Mailanbieter Lavabit nicht auf ein Spiel mit den Geheimdiensten einlässt, in dem er keine Chance hat. In der taz erklärt die Programmiererin Yvonne Hofstetter, was Big Data wirklich bedeutet. Die FR beklagt die allgemeine Kapitulation vor dem Überwachungsstaat. In der NZZ graut es Marko Martin vor linker Liebe zur Symmetrie. In der Welt spricht die libanesische Autorin Zeina Abirached über Comic-Traditionen in der arabischen und persischen Welt.
09.08.2013. Nun ist es offiziell: Aus Datenschutz wird Datenpflicht. Der Anbieter Lavabit, mit dem Edward Snowden seine E-Mails sandte, musste schließen - die amerikanische Regierung akzeptiert keine verschlüsselten E-Mail-Dienste. Andere Anbieter haben schon nachgezogen, berichten Wired.com, viele Blogs und Spiegel Online. Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor wird vom FBI bedrängt, empört sich Constanze Kurz in der FAZ. Die NZZ tröstet uns mit alternativer House-Musik. Die Welt mit einer nachdunkelnden Anna Netrebko. In der taz mahnt die Ökologin Ulrike Gonder: Wer sich vegetarisch ernährt, sollte nicht Bio essen. Und Suhrkamp siegt.
08.08.2013. Jay Rosen beschreibt in seinem Blog, wie sich die Demokratie mit Prism selbst untergraben hat. Sascha Lobo analysiert auf Spiegel Online, wie das im Regierungssprech aussieht. Großes Thema in den Feuilletons: Mit dem Insolvenzverfahren bei Suhrkamp könnte sich der Knoten im Königsdrama lösen. Laut Welt ist dtv an den Anteilen von Hans Barlach interessiert. Die NZZ stellt junge Filmemacher in Tel Aviv vor. Die taz erinnert an das nigerianische Idol Fela Kuti. Die Zeit berichtet: Wie's mit der Washington Post weitergehen könnte, haben Ehemalige der Post bereits gezeigt - mit Politico.
07.08.2013. Der Verkauf der Washington Post an Jeff Bezos sorgt erwartungsgemaß auch im Blätterwald für Rauschen. Die New York Times hofft auf Impulse. Die SZ meint: Milliardäre halten sich Zeitungen inzwischen wie Rennpferde. Die FAZ ist empört, dass ein Verschleuderer geistigen Eigentums nun etwas so Vornehmes wie eine Zeitung besitzt. Laut Guardian ist allerdings eher die Verlegerfamilie schuld an der Verschleuderung. Die innovative Welt konstatiert das Versagen der Grahams vor dem Neuen. Bei Springer muss man jetzt aber erstmal auseinanderfieseln, wer zur Berliner Morgenpost gehört und aussortiert wird und wer Welt ist, weiß Spiegel Online. Grund sind die vielen Innovationen.
06.08.2013. Kunden, die die Washington Post gekauft haben, interessieren sich auch für... Im Ernst: Jeff Bezos hat sich die Zeitung für 250 Millionen Dollar in die Privatschatulle gesteckt. Wir bringen erste Reaktionen von Spiegel Online, Gigaom, dem New Yorker und aus Blogs. Auf telepolis erzählt der junge Philosoph Markus Gabriel, warum er glaubt, dass Toleranz aus Religion kommt. In der New Republic erzählt Orhan Pamuk, wie er für seine Romane recherchiert. In der FAZ gratuliert Ursula Krechel dem Literarischen Colloquium Berlin zum Fünfzigsten.