In der
Berliner Zeitung interviewt Aleksander Polozov den russisch-israelischen Regisseur
Artur Solomonow, dessen Stück "Wie wir Josef Stalin beerdigten" jetzt auch im Berliner
Theater im Palais gezeigt wird. Es geht darin um eine Theatertruppe, die verzweifelt versucht, ihr
Anti-
Stalin-
Stück vor den Eingriffen des Präsidenten zu retten.
In Moskau hatte es zu Kriegsbeginn Premiere, wie Solomonow erzählt: "Alle Beteiligten - die Schauspieler, der Regisseur, die Theaterleitung - waren schockiert, deprimiert, verwirrt. In diesem Moment war nicht klar, ob es moralisch richtig wäre, die Premiere stattfinden zu lassen. Wir entschieden uns, zu spielen. Am Tag der Premiere war der Saal gefüllt mit
dem traurigsten Publikum, das ich je gesehen habe. Als die Aufführung zu Ende war, sprachen Zuschauer die Schauspieler an und sagten, sie seien schockiert gewesen, als sie von der Bühne hörten: '
Der Staat braucht Leichen! Er will die Toten! Der Mensch ist nichts, der Staat ist alles!' - Diese Sätze waren nicht die wichtigsten im Stück, als wir mit den Proben begannen. Aber das Leben selbst hat diese schrecklichen Akzente gesetzt."
Weiteres: Beglückt berichtet Jan Brachmann in der
FAZ, dass ein Berliner Antiquar auf acht bisher unbekannte frühe Arien des Komponisten
Christoph Willibald Gluck gestoßen ist. In der
Nachtkritik erkundet Dorte Lena Eilers, Professorin für Kulturjournalismus, die Lage an den
Münchner Kammerspielen und beantwortet jede Aussage von Intendantin Barbara Mundel zu stadtpolitischen Interventionen, Diversity und Klassismus mit einer Frage. "Dennoch scheint es, als würden sich die Kammerspiele in den Widersprüchen derzeit eher noch verhaken, anstatt sie auf die Bühne zu bringen. In die Konfrontation, sagt Mundel, könne man ja nur gehen, wenn man ganz genau wisse, worin sie besteht. Muss man es so genau wissen? Oder lässt es nicht gerade das Theater zu, Beobachtungen, Haltungen, Diskurse
offen zu lassen?"
Besprochen werden die Bühnenfassung von
Nino Haratischwilis Variation "Phädra, in Flammen" am Berliner Ensemble (die zum Ärger von
FAZ-Kritikerin Irene Bazinger Euripides' Drama zur Geschichte einer privilegierten Frau in der Midlife-Crisis vereinfache), von
Hengameh Yaghoobifarahs Roman "Ministerium der Träume" am Staatstheater Kassel (
FR),
Ewelina Marciniaks "Tove-Projekt am Frankfurter Schauspiel (das
SZ-Kritiker Egbert Tholl zufolge Tove Ditlevsens Autobiografie verheerend glättet),
René Polleschs Bühnensause "Mein Gott, Herr Pfarrer!" an der Berliner Volksbühne (
taz) und Auftritte unter anderem von
Lise Davidsen bei den
Festspielen in Bergen (
FAZ).