Zwölf Jahre nach seinem Freitod würdigt eine große Retrospektive das Werk des amerikanischen Künstlers Mike Kelley. Derzeit zu sehen in der Pariser Pinault Collection, danach in Düsseldorf, London und Stockholm gibt die Ausstellung die Möglichkeit, das Grenzsprengende in Kelleys Kunst zu entdecken, die stets Verdrängtes ans Tageslicht holte, versichert Martina Meister in der Welt: "Kelley, als fünftes Kind einer streng katholischen Unterschichtsfamilie erzogen, wird sich in den vierzig Jahren seines Schaffens an Amerika abarbeiten, am amerikanischen Traum vom Eigenheim, an der weitläufigen Spießigkeit der US-Gesellschaft, am Katholizismus, an der Erziehung zum guten Katholiken und guten Kapitalisten, an den verdrängten Traumata des Kollektivs, an den von der Gesellschaft vorgegebenen Geschlechterrollen. Jahre später widmete er sich den damals typisch weiblichen Tätigkeiten, dem Stricken, Nähen und Häkeln. Aus selbstgemachten, im Sperrmüll oder in Secondhandläden gefundenen Plüschtieren schuf er Altäre oder Flickenteppiche falsch verstandener Zärtlichkeit wie das Mammutwerk 'More love hours than can ever be repaid'. Es kann als eine Anspielung auf Jackson Pollocks 'drip paintings' gelesen werden, deren chaotische Dichte Kelley in Wolle und Plüsch übersetze, um die weiblichen Transferleistungen innerhalb der Familie infrage zu stellen."
Camille Pissarro: "Rue Saint-Honoré, dans l'après-midi. Effet de pluie" Mehr als zwanzig Jahre zog sich der Restitutionsprozess um Camille Pissarros Gemälde "Rue Saint-Honoré Après-midi, Effet de Pluie" mit einem Schätzwert von 20 Millionen Euro hin, verkauft hatte es Lilly Cassirer, um dem Konzentrationslager zu entgehen, Eigentümer bleibt nach dem jüngsten Urteil eines Bundesberufungsgerichts in Kalifornien der spanische Staat, berichtet Hans-Christian Rössler in der FAZ: "Das Thyssen-Museum feierte den Gerichtsbeschluss als 'gute Nachricht', die zu mehr Rechtssicherheit beitrage. Doch Pissarros 'Regennachmittag' ist nicht irgendein Gemälde, es hat eine traumatische Geschichte. Der Streit zeigt, wie unsensibel Spanien, wo seit 2018 die Linke regiert, mit Kunstwerken umgeht, die Holocaust-Überlebenden gehörten - Lilly Cassirer musste das Bild auf ihrer Flucht für 900 Reichsmark verkaufen." Aber: "Weder die Erben noch die Madrider Kanzlei wollen die Entscheidung der Kammer in Pasadena allerdings tatenlos hinnehmen. … Die Cassirers wollen damit auch 'Spaniens anhaltendes Beharren auf der Beherbergung von Nazi-Raubkunst anfechten'."
Der deutsche Pavillon der kommenden Kunstbiennale in Venedig wird von der israelischen Künstlerin Yael Bartana und dem deutschen Regisseur Ersan Mondtag bespielt. Das dürfte interessant werden, mutmaßen Swantje Karich und Jan Küveler in der Welt. Vor allem Bartana, die sich oft mit erinnerungspolitischen Themen auseinandersetzt, hatte mit vergangenen Projekten für Aufregung gesorgt, wie etwa auf der Biennale 2011 im polnischen Pavillon: "Damals setzte sie eine Utopie in Szene, das 'Jewish Renaissance Movement in Polen', für das 3,3 Millionen Juden aus Israel nach Polen zurückkehren sollten. Ein Kongress fand ein Jahr später dazu im Berliner Hebbel-Theater statt. Für die einen damals eine unerträgliche Umsiedlungsphantasie, für die anderen eines der beeindruckendsten Kunstprojekte der letzten Jahre. (...) Yael Bartana könnte also auf ihre sehr eigene Weise zur Herausforderung werden für die deutsche Staatsräson, das Existenzrecht Israels vollumfänglich und treu zu verteidigen. Aber im Gelingen der Zusammenarbeit mit Ersan Mondtag und den anderen Künstlern steckt eine große Chance, deren Kraft man in der aktuellen Lage nicht zu großeinschätzen kann. Mondtag hingegen will nämlich 'dem monumentalen Charakter des Pavillons eine fragmentarische, scheinbar kleine Erzählung entgegensetzen'." Elke Buhr kommentiert auf Monopol: "Klingt verheißungsvoll".
Weitere Artikel: Die Wiener Albertina erhält im Gebäude des einstigen Essl-Museums einen neuen Standort, berichtet Michael Wurmitzer im Standard. Endlich verhandeln Vertreter von Bund und Ländern mit Repräsentanten Kameruns über eine "Roadmap" bezüglich der Rückgabe von Raubkunst aus der Kolonialzeit, freut sich Nicola Kuhn im Tagesspiegel. Der ehemalige Generalvikar des Bistums Chur, Martin Grichting, macht sich in der NZZ angesichts eines Bildes des Renaissance-Malers Joachim Beuckelaer Gedanken über das Verhältnis von Moderne und Christentum.
Ausstellungsansicht Ben Shahn. On Nonconformity, Museo Reina Sofía, 2023. Foto: Museo Reina Sofía. Ein "nie erlahmendes Gerechtigkeitsgefühl" spricht für FAZ-Kritiker Bernhard Schulz aus den Werken des jüdischen Sozialrealisten Ben Shahn, dem das Museo Nacional Reina Sofía in Madrid eine Retrospektive widmet. Im New York der Zwanziger Jahre machte er sich rasch einen Namen, so Schulz: "Er trat mit einem Paukenschlag auf die Kunstszene: mit seiner Bilderreihe 'Die Passion von Sacco und Vanzetti', die den Leidensweg der beiden 1927 als Anarchisten hingerichteten italienischen Einwanderer darstellt. Weithin als Justizmord kritisiert, hatte das Urteil weltweite Massenproteste zur Folge. Fünf Jahre nach der Hinrichtung zeigte Shahn seine Bilder, nicht in plattem Naturalismus, sondern eher stilisiert und auf das Wesentliche der Figuren konzentriert. Das Adjektiv 'plakativ' kommt einem in den Sinn, und tatsächlich hat Shahn zahlreiche Plakate entworfen. Sosehr die Gemälde, die Shahn zumeist in Gouache oder Tempera ausführt, zum Plakativen neigen, so sehr reichen umgekehrt die Plakate ins Malerische. Es gibt zwischen beiden Medien bei Shahn nur graduelle Unterschiede. Beide sollen den Betrachter wortwörtlich ansprechen."
In der Weltfragt sich Manuel Brug, warum Kunstausstellungen immer noch so schambehaftet sind, wenn es um die Thematisierung von Bi- und Homosexualität geht. Gerade, wenn die Alten Meister ausgestellt werden, so Brug, traut man sich wenig: "Soll es groß und publikumstauglich werden, halten sich die (nicht selten selbst schwulen) Kuratoren auffällig zurück. Schwelgten die Rezensionen über die fantastische Donatello-Retrospektive in der Berliner Gemäldegalerie noch so sehr über den schamlos in antiken Chaps vorne wie hinten blank dargebotenen Bronzeunterleib von dessen gefährlich jungem David (einer gay icon seit alters her), als schwul wurde sein Schöpfer in der ganzen Ausstellung nie angesprochen, nicht mal mutmaßlich. Der neue Mensch der Renaissance, der freie Blick auf den unverhüllten, erstmals seit der Antike wieder nackten Körper, es ist kein nur rationaler, sondern auch ein atmend durchpulster emotionaler Vorgang."
Weiteres: Philipp Meier teilt in der NZZ die neuesten Entwicklungen im Skandal um das angebliche Leonardo-da-Vinci Gemälde "Salvator Mundi": Der russische Oligarch Dmitri Rybolowlew verklagt das Auktionshaus Sotheby's, ihm das Bild zu teuer verkauft zu haben - und das, obwohl er es seinerseits zum stolzen Preis von 450 Millionen Dollar an die Kulturbehörde Abu Dhabi veräußern konnte.
Besprochen wird die Ausstellung "Modigliani. Moderne Blicke" in der Staatsgalerie Stuttgart (SZ).
Besprochen werden die Ausstellungen "Begegnung in der Bewegung" im Kunstturm Wolfratshausen mit Werken von Temel Nal und Enzo Arduini (SZ), "Esthetic Places. Idyllen in Franken" im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (FAZ), "Henri Matisse, André Derain und ihre Freunde" im Kunstmuseum Basel (tsp) und eine Ausstellung von Werken der für den Gottfried-Brockmann-Preis nominierten Künstler und Künstlerinnen in der Stadtgalerie Kiel (taz).
Bild: Persische Landschaft, Paesaggio persiano, 1966, Foto: Antonio Idini Wie ein Wiedergänger von William Turner erscheint dem FAZ-Kritiker Stefan Trinks der deutsche Maler Max Peiffer Watenphul, dem die Casa di Goethe in Rom derzeit eine exzellente Schau widmet. Dabei war der Maler vor allem von seinen Bauhaus-Lehrern Paul Klee, Lionel Feininger, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky beeinflusst: "Sein Gemälde 'Auf dem Kapitol' (…) ist beredter Ausdruck dafür: Der kapitolinische Rossebändiger blickt vom linken Rand in die Stadt, der Marmor leuchtet in der gewittrigen Stimmung unnatürlich auf, der Himmel birst fast vor rotierenden Sonnen, Sternen und kleehaften Ritzungen der Oberfläche. Und trotzdem möchte man genau in dieser energetisch-knisterndenLuft auf Michelangelos Kapitol stehen, man kriecht geradezu in das Bild hinein, um dabei zu sein. Die persischen Landschaften von Goethes West-Östlichem Divan wiederum versetzt er 1966 an den Vesuv, flutet den Golf von Neapel mit Purpur und die Berge und weißen Kubushäuschen mit Konturen in Rosétönen."
Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ unterhält sich Astrid Kaminski mit Kerstin Ehmer, die eine Biografie über die britische Bildhauerin Kathleen Scott verfasst hat.
Besprochen wird die Ausstellung "Frida Kahlo. Ihre Fotografien" in den Opelvillen Rüsselsheim (FAZ).
Michelangelo Buonarotti: Männlicher Rückenakt, um 1504. Bild: Albertina Wien. Gleich drei Ausstellungen besucht Manuel Brug für die Welt, um der Frage auf den Grund zu gehen, warum die homo- und bisexuellen Prägungen von Künstlern so oft verschwiegen werden: "Michelangelo und die Folgen" in der Wiener Albertina "verliert kein Wort" über dessen männliche Geliebte, "Alte Meister que(e)r gelesen" in der Kasseler Wilhelmshöhe widmet sich dem Thema immerhin, wenn auch etwas in die "Spezialistenecke" geschoben, in "Max Oppenheimer. Expressionist der ersten Stunde" im Wiener Leopoldmuseum finden sich nur Andeutungen auf die "homosexuelle Disposition" des Künstlers. Für Brug ist offensichtlich, dass Lustempfinden hier eine große Rolle spielt: "Denn natürlich ist dieser künstlerisch überhöhte Blick auf den Mann auch und ganz besonders einer des Begehrens. Von oftmals schwulen Künstlern auf ihre Modelle. Nur wirklich explizit ausgesprochen wird das nicht. Weil man Teile der Besucher nicht verschrecken, möglichst neutral an dieser durchaus appetitlichen, virilen Fleischlichkeit vorbeigeleiten will? Als ob nicht jeder mal an Nacktheit sich ergötzen möchte… und sei es nur zum berühmten Schwanzvergleich." Die Gemälde rufen praktisch dazu auf, kein Grund für prüde Scham, findet der Kritiker: "Der neue Mensch der Renaissance, der freie Blick auf den unverhüllten, erstmals seit der Antike wieder nackten Körper, es ist kein nur rationaler, sondern auch ein atmend durchpulster emotionaler Vorgang."
Katarina Janeckova Walshe, Givers, 2022. Courtesy Dittrich & Schlechtriem, Berlin
Von ganz verschiedenen Gefühlen lässt sich Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung beim Betrachten der Schau "The Bad Mother" im Berliner Haus am Lützowplatz mitreißen. Es geht "nicht um die Apotheose der Mutter im Sinne der sakrosankten Maria, ums ewige Klischee des Beherrschens des alltäglichen Chaos, des Herzzentrums und der Hüterin des Familienglücks. Hier setzt Kunst sich philosophisch und auch herbpoetisch auseinander mit Erwartungshaltungen und dem alltäglichen Balance-Akt zwischen Selbstaufgabe und Selbstbehauptung." Stattdessen lernt sie mit Werken von Louise Bourgeois und Carina Linge "alle schönen und widersprüchlichen Facetten des Mutter-Seins, des Mutter-Jobs kennen, die Freude und der Stress, der Stolz und die Erschöpfung, das Freisein-Wollen und das schlechte Gewissen, der Wunsch, alles perfekt zu schaffen, aber zugleich auch die Unmöglichkeit."
Weitere Artikel: Für monopol führt Laura Ewert ein Interview mit der Schweizer Galeristin Francesca Pia über ihr Leben mit der Kunst.
Besprochen werden die Ausstellungen "Lotte Laserstein. A Divided Life" im Stockholmer Moderna Museet (FAZ), "John Akomfrah. A Space of Empathy" in der Kunsthalle Schirn (SZ) und eine Ausstellung der Fotomontagen von George Grosz im Kleinen Grosz Museum in Berlin (Tsp).
Bild: Marcel Duchamp: "Fountain". Foto: Alfred Stieglitz. Quelle: Wikipedia Dafür, dass Marcel Duchamps berühmtes Pissoir, die längst verschollene Fountain, nicht von ihm stammt, wie es unter anderem Julian Spaldings und Glyn Thompsons Buch "Art Exposed" nahelegt, kann Hanno Rauterberg in der Zeit nur wenige Indizien finden. Interessant ist aber dennoch, wer es angeblich geschaffen haben soll. Es verdanke sich "einer deutschen Avantgardistin, Tochter eines Maurermeisters aus Swinemünde, geboren 1874. Als Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven machte sie sich in New York einen Namen, mit Vogelkäfig auf dem Kopf und Warnleuchten auf der Hüfte trat sie an, sämtliche Kunstideen der Bourgeoisie zu veralbern. Sie liebte den derben Wortwitz (nannte Duchamp Dushit), drehte mit Man Ray den Film 'The Baroness Shaves Her Pubic Hair', war generell für banale und billige Dinge zu haben, selbst ein altes Abflussrohr aus Eisen kam ihr gerade recht, gemeinsam mit Morton Schamberg ließ sie es auf eine Holzschiene schrauben und nannte es Gott. Spätestens damit hatte sie jenen Furor an den Tag gelegt - blasphemisch und schamgrenzenbefreit -, den es braucht, um mit einem Pinkelbecken eine große Kunstschau zu erobern. Doch anders als Duchamp wurde Elsa von Freytag-Loringhoven von der Kunstgeschichte vergessen. Sie starb 1927 in Paris an einer Gasvergiftung, hoffnungslos verarmt."
Im Oktober 2023 eröffnete in Barcelona das Museu de l'Art Prohibit, das Kunst zeigt, die aus verschiedenen Gründen verboten wurde. Überzeugt ist Isabella Caldart im Monopol Magazin allerdings nicht, fehlt es ihr doch an Konzept, Sorgfalt und der Einordnung, wie man "verboten" überhaupt definieren will. "Was also macht 'verbotene' Kunst aus? Politische Werke, die sich gegen unterdrückerische Obrigkeiten wenden und deswegen zensiert oder verboten werden, sind kaum vergleichbar mit jenen von Künstlerinnen und Künstlern, die aufgrund der von ihnen ausgeübten Gewalt, Antisemitismus oder einfach, weil ein in Auftrag gegebenes Plakat nicht den Ansprüchen der Auftraggebenden entsprach, 'gecancelt' werden. Eine Gleichstellung der Bedeutung, die das Museu de l'Art Prohibit mit dieser Ausstellung zumindest vorzuschlagen scheint, kann man mehr als kritisieren.
Weitere Artikel: Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder schlägt eine Verjährung für Restitutionsansprüche vor, meldet der Standard mit APA. Caroline Schluge blickt im Standard auf die kommenden Ausstellungs-Highlights in österreichischen Museen.
Besprochen wird eine Ausstellung mit Arbeiten der amerikanischen Malerin Karen Kilimnik in der Berliner Galerie Sprüth Magers (FR).
In Mumbai stellt das ambitionierte Museumsprojekt Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sangrahalaya (CSMVS) antike Kunst aus Indien und Europa gemeinsam aus. Die unter anderem vom Getty Museum und den Staatlichen Museen Berlins organisierte Schau zeigt, wie Gina Thomas in der FAZ ausführt, unter anderem Arbeiten, die dem Artemis-Tempel in Ephesos entstammen, gemeinsam mit hinduistischen Götterfiguren. Auch die Präsentation wurde von indischen und westlichen Kuratoren gemeinsam erarbeitet. Dabei stoßen sie unter anderem auf konfligierende kulturelle Prägungen, zum Beispiel in Bezug auf Sexualität: "Eine Kultur, die Nacktheit in ihren geschmückten Götterstatuen symbolisch auffasst, tut sich auch mit der expliziten Sexualität der idealschönen griechisch-römischen Plastik schwer, wie sie der Dionysos aus dem Britischen Museum mit dem sein Geschlecht anzüglich streifenden Gewand, die Venus pudica und der muskelprotzende Torso des Apollon aus Berlin in Mumbai vertreten. Auf dem Friesfragment aus Halikarnassos ringen nackte Krieger mit bekleideten Amazonen. Dem indischen Publikum beizubringen, dass körperliche Ertüchtigung bei den zum Kampf ausgebildeten Männern mit moralischer Tugend einherging, sehen die Kuratorinnen als die wohl größte Herausforderung an." Ilakaka Gem Fields, Madagascar. Foto: Toby Smith Zwischen Dokumentation und Kunst angesiedelt ist die Ausstellung "Man & Mining" im Hamburger Museum der Arbeit, die Petra Schellen für die taz bespricht. Die Schau "will Asymmetrien im weltweiten Rohstoffabbau aufzeigen und dessen Auswirkungen auf Land und Menschen des globalen Südens mit dem Konsumverhalten im globalen Nordens kontrastieren" und präsentiert eine Reihe beeindruckender Arbeiten. Irritiert ist die Rezensentin allerdings durch die lückenhafte Kontextualisierung einiger Werke. Zum Beispiel betrifft das die Arbeit eines chinesischen Fotografen, der die Umweltschäden im Zuge des Kohleabbaus in den Hulunbuir/Baorixile im Bild festhält: "Was man nicht erfährt: Lu Guang, wegen des Anprangerns gesundheitlicher und ökologischer Folgen der chinesischen Industrialisierung im Visier des Regimes, wurde 2018 in Xinjiang verhaftet. Nach internationalen Protesten soll er seit 2019 wieder zu Hause sein, wohl unter Arrest: Verlässliche Nachrichten gibt es nicht."
Weitere Artikel: Pauline Herrmann unterhält sich für Monopol mit den Londoner Galeristen Angelina Volk und Leopold Thun. Im Guardianstellt Veronica Esposito kommende Höhepunkte des Ausstellungsjahrs 2024 in den USA vor.
Besprochen werden die Ausstellung "Rose, Rose, Rose à mes yeux! James Ensor und das Stillleben in Belgien" im Mu.Zee Ostende (FAZ), Stefan Marx' Schau "16 Hintergleisflächen", die (gratis) im U-Bahnhof Hansaplatz zu sehen ist (Tagesspiegel), die (ebenfalls kostenlose) Pop-Up-Ausstellung "Romanisches Café" im Europa Center (Tagesspiegel), "Die Basler Künstlergruppe Kreis 48" und insbesondere Max Kämpfs Bild "Die Hölle" im Kunstmuseum Basel (NZZ) und Kiki Smiths Ausstellung "From My Heart" in der Münchner Pinakothek der Moderne (Tagesspiegel).
Mirna Funk unterhält sich in der Welt mit den Künstlerinnen Zoya Cherkassky und Noa Ironic. Der 7. Oktober hat den beiden noch einmal deutlich gezeigt, wie sehr die Kunstwelt von antiisraelischer Propaganda geprägt ist, lesen wir, schlimmer als zu Zeiten der Sowjetunion, meint Ironic. Auch hätten die Menschen Angst mit israelischen Künstlerin zu arbeiten, sagt Ironic: "Mir ist neulich auch etwas passiert mit einer Kuratorin. Sie hatte einen sehr israelischen Namen. Nach einem Künstlergespräch sagte ich zu ihr auf Hebräisch: 'Hey, wie geht es dir?', und sie guckte mich mit dem bösesten Blick an, den ich jemals erlebt habe. Sie sah mich nur an, sagte 'Ja, ja …' und ging weiter. Sie war so sauer, dass ich sie geoutet habe."
Besprochen wird die Ausstellung "Sarah Morris: All Systems Fail" im Kunstmuseen Krefeld (FAZ).
Ausstellungbild "Margrit Linck: Pionierin der Keramik". Foto: Museum für Gestaltung Zürich. Philipp Meier bewundert in der NZZ das Werk der Schweizer Keramikkünstlerin Margrit Linck, der das Museum für Gestaltung in Zürich eine große Retrospektive widmet. Linck "dachte Keramik anders und schuf sie von Grund auf neu", staunt der Kritiker. Als erste Frau der Schweiz eröffnete sie in den dreißiger Jahren ein Töpferatelier in Bern, erzählt Meier, da waren ihre Gefäße noch ganz herkömmlich: "Bald aber brach Linck aus dem traditionellen Kanon aus und begann, surrealistisch anmutende Tier- und Menschenfiguren zu entwickeln, die sie gekonnt mit der zweckmäßigen Gefässform zu verbinden verstand. Die sogenannten Metamorphosen wurden zu einem Leitmotiv in ihrem Schaffen. Margrit Linck balancierte virtuos zwischen angewandter und freier Kunst. Wobei die funktionsbefreite Auseinandersetzung mit Ton ihre Kreationen im Bereich der Gebrauchskeramik beflügelte. Dieser schöpferische Elan, gepaart mit viel Innovationskraft, machte sie in einem damals von Männern dominierten Feld zu einer Pionierin der Schweizer Keramik."
Weitere Artikel: Harry Nutt präsentiert in der Berliner Zeitung einen spannenden Netzfund: Rob Stoner, ein Begleitmusiker von Bob Dylan, hat per Facebook auf das Werk seines Vaters verwiesen, des amerikanischen Fotografen Arthur Rothstein: Dessen Fotos aus dem New York, der dreißiger und vierziger Jahre findet Nutt höchst faszinierend. Bernhard Schulz empfiehlt im Tagesspiegel, sich die Bodenreliefs des Bildhauers Ulrich Rückriem in der Neuen Nationalgalerie anzusehen, die anlässlich seines 85. Geburtstags vorübergehend neu installiert wurden.
Besprochen werden die Ausstellung "Zoom auf Van Eyck. Meisterwerke im Detail" in der Gemäldegalerie am Berliner Kulturforum (FAZ), die Gruppenausstellung "Hope" im Museion Bozen in Südtirol (taz) und die Ausstellung "16 Hintergleisflächen", mit Werken von Stefan Marx, die unter anderem hinter den Gleisen im U-Bahnhof Hansaplatz stattfindet (BlZ).
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