Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 18 von 21

Magazinrundschau vom 01.03.2005 - Al Ahram Weekly

Welches Geschlecht hat der Islam? Margot Badran war in Indien unterwegs und hat die heterogene Bewegung progressiver Muslime in den Blick genommen, vor allem, was ihre Ideen zur Verbesserung der Lage der Frau angeht: "Linderung von Armut, Bekämpfung von Analphabetismus, die Installation eines muslimischen Zivilrechts und die Schaffung eines standardmäßigen muslimischen Ehevertrages, Interpretationen religiöser Quellen, besonders des Korans, sowie inter-kommunale Beziehungen - all das fordert die Aufmerksamkeit progressiver Muslime. Und für all diese Themen ist die Problematik des Geschlechts relevant." In Gesprächen mit Aktivisten in religiösen und akademischen Institutionen hat Badran festgestellt, dass die Lösung übereinstimmend nicht außerhalb, sondern innerhalb der Quellen des islamischen Glaubens gesucht wird: "Für islamische FeministInnen und andere progressive Muslime ist der Koran der zentrale Text und Referenzpunkt für Rechte, Freiheiten, Gerechtigkeit und Harmonie". Sie argumentieren, mit anderen Worten: Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist im Koran verankert, er wurde nur falsch - machtbewusst nämlich - interpretiert.

Zweimal Kultur: Moina Fauchier Delavigne empfiehlt die Ausstellungen zweier deutscher Künstler in Kairo - sie ist entzückt von von der "kindlichen Schlitzohrigkeit" in den abstrakten Bildern von Carola Remper und schwärmt vom visuellen Potential der Graffiti-Art von Casto (mehr). Lubna Abdel-Aziz schreibt den Nachruf auf Arthur Miller.

Und - mal ein anderes Thema - zweimal Fußball. Amr Shalakany ist zwar Professor, aber von besagtem Sport hat er keine Ahnung. Deshalb versteht er nie, worum es geht, wenn sich seine Kollegen über das letzte Spiel unterhalten (3-4-3, hä?). Oder doch: Bei Rivalitäten zwischen Fangemeinden muss es sich, meint er, um den zeitgemäßen Ausdruck politischer Gesinnungen handeln. Wie dem auch sei: Einen sehr lustigen Text hat er geschrieben. Inas Mazhar stellt Ahmed "Mido" Hossam vor, Ägyptens besten und reichsten Fußballer, der seit Jahren in europäischen Ligen spielt, obwohl er gerademal 22 ist.

Magazinrundschau vom 22.02.2005 - Al Ahram Weekly

Alaa El-Aswanis "Imarat Ya'qoubian" ("The Yacoubian Building") ist der populärste Roman, der in dem vergangenen fünf Jahren in arabischer Sprache erschienen ist, schreibt Salonaz Sami. Kairo ist darin der Schauplatz eines "Panoramas der sozialen Archetypen: der Enteigneten, der Verwestlichten, der Ungebildeten". Doch ist das Buch auch umstritten, weil Homosexuelle darin vorkommen. Sami hat mit Wahid Hamed, dem Produzenten der gerade abgedrehten und hochkarätig besetzten Filmversion, darüber gesprochen. Hamed schildert, wie schwierig die Zeichnung von "Hatem Rashed war, einem homosexuellen Schriftsteller und Mitglied der vom Westen geprägten Elite der Stadt. 'Abgesehen von seinem Beruf hat er eine Persönlichkeit, die in der ägyptischen Gesellschaft unsympathisch erscheint', erklärt er. 'Ich musste extrem vorsichtig sein, um zu vermeiden, dass das Publikum ihn hasst, vor allem, weil er in professioneller Hinsicht bewundernswert ist. Aber viele Ägypter lehnen Homosexuelle ab, aufgrund unserer Kultur und Religion. Letztlich jedoch', fällt Hamed noch ein, 'können wir nicht leugnen, dass Menschen wie Hatem Rashed existieren...'"

Rania Khallaf nimmt den neuen Band von Omar Taher zum Anlass, ihn als Vertreter einer jungen Dichtergeneration vorzustellen, die sich des Erbes der Ammiya-Poesie, der Dichtung im umgangssprachlichen Arabisch annimmt. Ammiya-Dichtung, schreibt Khallaf, "war immer ein Vehikel des kollektiven Bewusstseins, das Medium, in dem der Meister der vorletzten Jahrhundertwende, Bairam El-Tonsi, und solche überragenden Persönlichkeiten wie Fouad Haddad und Salah Jahin in den 1960er Jahren nationalen und historischen Anliegen Themen verliehen - zumeist in feststehenden, aural wirksamen Formen, in denen das individuelle Selbst eine untergeordnete Rolle spielte." Genau um den Ausdruck des letzteren geht es aber Taher - das Talent als Rebell der Innerlichkeit.

Außerdem fragt Zahi Hawass: Wird die Ägyptologie von einer Mafia beherrscht? Aziza Sami porträtiert den Ex-Diplomaten und renommierten Politologen Gamil Matar. Und Mohalhel Fakih berichtet aus Libanon von einer Nation in Trauer und Schock über die Ermordung des früheren Regierungschefs Rafiq Al-Hariri.
Stichwörter: Ägyptologie, Libanon, Mafia, Zeichnung

Magazinrundschau vom 15.02.2005 - Al Ahram Weekly

Injy El-Kashef hat sich vom französischen Post-"Orientalismus"-Orientalisten Henry Laurens über la chose franco-arabe aufklären lassen: "'Die Araber sind einfach ein Teil von uns', meint Laurens, und fügt hinzu, dass gleichzeitig die französische beziehungsweise europäische Zivilisation einen wichtigen Teil der kulturellen Identität wenigstens einiger arabischen Länder darstellt. 'Anstatt das Exogene, das nicht Authentische, das was von Außen kommt - im Arabischen das min al-wafed - zu kritisieren, glaube ich, dass unsere heutige Authentizität darin besteht, alle sich in uns befindenden 'Teile' anzuerkennen und davon zu profitieren, egal, woher sie kommen. Unsere Gemeinsamkeiten zu attackieren, wäre gleichbedeutend mit einer Selbstverstümmelung."

Am Rande der Kairoer Buchmesse: Lina Mahmoud senkt ihren Daumen über ein Seminar mit Nadine Gordimer und einigen ägyptischen Autoren: banal und langweilig, besonders die Fragen an die Nobelpreisträgerin. Und Rania Khallag stellt den jordanischen Autor, Übersetzer und Verleger Elias Farkouh vor und spricht mit ihm über die Kunst des Romans und den arabischen Literaturbetrieb: "'Die Hauptprobleme für jeden arabischen Verleger liegen im Vertrieb und im Marketing', sagt er und betont den dringenden Bedarf nach einem Grossisten, der 'in der Lage ist, arabische Bücher in der gesamten Region zu vertreiben und den Zugang der Leser zu den Bücher zu sichern' - unabhängig von jährlichen Buchmessen."

Nach den jüngsten israelisch-palästinensischen Verhandlungen herrschen geteilte Meinungen: Dina Ezzat reagiert mit zögerlichem Optimismus ("Die verschiedenen Parteien nehmen das bahnbrechende Treffen wahrscheinlich als einen ersten Schritt wahr, doch es ist alles andere als klar, ob sie dabei dieselbe Straße im Sinn haben."), Ibrahim Nafie mit einigem Enthusiasmus ("In Sharm El-Sheikh wurde zweifellos ein neuer Friedens-Shuttle erfolgreich gestartet, und das Bodenpersonal hat allen Grund, sich zu beglückwünschen.") und Hassan Nafaa, Politologe in Kairo, mit Zweckpessimismus ("Etwas in mir hat mich vor Wunschdenken bewahrt und mich dazu gebracht, auf alles gefasst zu sein - auch auf die Möglichkeit, dass hinter dem derzeitigen Drängen auf Ruhe Pläne für die Entfachung neuer Stürme stecken.")

Magazinrundschau vom 08.02.2005 - Al Ahram Weekly

Treffen sich zwei Nobelpreisträger zum ersten Mal. Sagt sie: "Das Schreiben fällt mir unheimlich schwer. Ich habe gerade einen Roman beendet, aber jedes Mal denke ich, es wird mein letzter sein. (...) Mit meinen 81 Jahren habe ich das Gefühl, genug produziert zu haben." Und er: "Ich bin 93 und schreibe immer noch. Es ist eine Frage des Verlangens und der Motivation, die man als Schriftsteller in einer Phase hat, in einer anderen nicht - unabhängig vom Alter." Nadine Gordimer und Nagib Machfus hatten in der vergangenen Woche eine "von viel Sympathie geprägte Konversation", schreibt Mohamed Salmawy, der dabei saß. Sie beschenkten sich mit Büchern und tauschten sich über ihre Anfänge als Autoren aus: "Die zwei Schriftsteller schwelgten in Erinnerungen und lachten wie zwei Jugendliche, die gerade den Prüfungsraum verlassen haben und sich gegenseitig befragen, wie es gelaufen ist."

Rania Khallaf hat ein hochkarätig besetztes Seminar zur arabisch-deutschen kulturellen Zusammenarbeit besucht, das im Rahmen der Kairoer Buchmesse stattfand, und ist mehr als nur ein bisschen enttäuscht: Es war viel von der "Frankfurter Erfahrung" und ihren Impulsen die Rede, es wurden jede Menge "Komplimente ausgetauscht und die Absicht der kulturellen Interaktion bekräftigt". Das war's dann aber auch. "Was das Thema der Zensur betrifft und die Frage, wie genau die Frankfurter Erfahrung die Kairoer Buchmesse verändern wird - vielleicht werden diese Dinge ja in einem anderen Seminar debattiert." Auch Injy El-Kashef findet auf der Buchmesse eher Grund zur Klage: Der vermeintliche Erfolg der Veranstaltung ist das eine - aber wie viele Besucher kaufen tatsächlich ein Buch? Wie viele sind eigentlich mehr am Schnäpppchenmarkt interessiert, der unter dem gleichen Dach stattfindet?

Tarek Atia hat das größte Einkaufszentrum der Welt besucht: Dubai, Standort des einzigen Sieben-Sterne-Hotels der Welt und Gastgeber des Dubai Shopping Festival, eines extravaganten und exzessiven Spektakels, das von nichts handelt als von sich selbst. Und währenddessen schießen ringsum neue Immobilien aus dem Boden. Dubai mag einer der eigenartigsten Orte der Welt, doch im Moment, so Atia, ist er "am weitesten vorne".

Magazinrundschau vom 01.02.2005 - Al Ahram Weekly

25 Prozent der Hochschulabgänger an arabischen Universitäten verlassen ihre Länder gen Westen. 37 Prozent aller weltweit auswandernden Experten kommen aus afrikanischen oder arabischen Ländern. Rückkehrer werden wie nationale Helden gefeiert, während die Mehrzahl derer, die sich auf Grund der schlechten Arbeitsbedingungen in ihren Heimatländern für einen permanenten Wohnsitz im Ausland entscheiden, von der Öffentlichkeit verurteilt werden. Oft zu Unrecht, wie Laila Saada schreibt - sie hat in den USA recherchiert und festgestellt, dass viele Migranten von dort aus solide Brücken in die alte Heimat schlagen und bewusst als ihre Repräsentanten in der Welt auftreten.

Weitere Artikel: Die 37. Kairoer Buchmesse vom 26. Januar bis zum 8. Februar ist eine runderneuerte, berichtet Nevine El-Aref: Die Organisatoren haben sich von der großen Schwesterveranstaltung in Frankfurt beeinflussen lassen und eine verschlankte, logistisch optimierte und besucherfreundliche Messe auf die Beine gestellt. Auch eine Idee aus Frankfurt: die Präsentation eines Gastlandes - in diesem Jahr ist es, wie könnte es anders sein, Deutschland. Rania Khallaf stellt die junge Autorin Mansoura Ezzedin und ihren kürzlich erschienenen ersten Roman vor, "einen ganz und gar heutigen Text, der das Motiv des Doppelgängers in einem experimentellen Kontext neu fruchtbar zu machen sucht". Und Samir Sobhi porträtiert Magda Wasif, Autorin des Buches " One Hundred Years of Egyptian Cinema", die seit dreißig Jahren als Kritikerin und Kuratorin für das ägyptische Kino in Paris aktiv ist.

Magazinrundschau vom 25.01.2005 - Al Ahram Weekly

Im normalen Leben ist Zein Philosophieprofessor, doch nach Feierabend verwandelt er sich in den Letzten Pharao, einen muskulösen Superhelden. Er ist einer von vier Comic-Figuren - zwei Männer, zwei Frauen -, mit denen der Verlag AK Comics die Welt der Superhelden national ausstattet: global verträgliche Erscheinung und Kostümierung, aber ägyptische und arabische Themen. Zum Beispiel bekommt es Jalila nicht nur mit der "Zios Armee" zu tun, sondern auch mit deren Gegnern von der "Vereinigten Befreiungsfront". Moina Fauchier Delavigne hat die Hefte durchgeblättert. und stellt fest: "Jalila and Aya sind nicht nur sexy, kurvige Frauen, sie haben auch eine gute Ausbildung und sind intelligent: eine Wissenschaftlerin und eine Jurastudentin. Im Kampf benutzen sie ihre beeindruckende physische Kraft genauso wie ihre Intelligenz." Allerdings werden die Comis nur "in der Theorie" von "kreativen arabischen Gehirnen" produziert. "In der Praxis sind 'Gehirne' aus Brasilien und den USA beteiligt."

Rasha Salti porträtiert den Herausgeber der pan-arabischen und dezidiert anti-nationalistischen Kulturzeitschrift Zawaya, die von Beirut aus an die intellektuelle Tradition anknüpft, die genau dort einmal Zuhause war. Der Regisseur Saad Hendawy war zu Gast beim Internationalen Filmfestival in Dubai und ist voll des Lobes: interessante und aktuelle Schwerpunkte, gute Filme, ausgezeichnete Organisation und angeregte Besucher. Cherine Badrawi ist bitter enttäuscht von dem fehlenden globalen Verständnis und der geringen Anteilnahme der Menschen in der arabischen Welt am Schicksal der Tsunami-Opfer: 60 Millionen Dollar Spendengelder aus Ländern wie Saudi-Arabien, den Emiration und Kuweit? "Wenn uns eine Katastrophe von solch gewaltigen Ausmaßen unberührt lässt, ist es unwahrscheinlich, dass wir den Armen und Bedürftigen in unseren eigenen Reihen helfen können."

Magazinrundschau vom 18.01.2005 - Al Ahram Weekly

Kairo erlebt in dieser Woche die Premiere von Yousry Nasrallahs "Bab Al- Shams" - "Das Tor zur Sonne", der Verfilmung von Elias Khourys preisgekröntem Roman gleichen Namens. In einer langen Betrachtung entblättern Amina Elbendary und Mohamed El- Assyouti die Schichten der komplexen Erzählung und begründen, warum sie "Bab Al-Shams" schon jetzt für einen "Klassiker des arabischen und internationalen Kinos" halten: Er erzähle die palästinensische Geschichte von 1943 bis zum Osloer Abkommen episch, aber anhand des Schicksals von Individuen, die nicht als Platzhalter für Ideen einstehen müssen. Der Fim wird sich jedoch nicht nur Freunde machen, vermuten die Autoren, denn er handele auch vom Konflikt zwischen den Generationen: die der Kämpfer, die "ihre" Geschichte für die einzige halten, und die der Jüngeren, die im libanesischen Exil groß geworden sind und Palästina nur aus den Erzählungen der Älteren kennen, jetzt aber auf ihr eigenes Recht zu erzählen pochen - eine Generation, der auch der Regisseur angehört.

Weitere Artikel: Serene Assir wundert sich, dass die internationalen Beobachter den palästinensischen Wahlen einen einwandfreien Verlauf bescheinigt haben. Und Dena Rashed berichtet von den Debatten der Stadtplaner, die die Lebensqualität im Moloch Kairo verbessern wollen.

Magazinrundschau vom 11.01.2005 - Al Ahram Weekly

Zwei Beiträge zur literarischen Szene Ägyptens: Amira El-Noshokaty stellt eine Institution vor, die seit April 2004 im El-Sawy Cultural Center frischen Wind in selbige bringt, ein Forum für Autoren, Kritiker und Leser nämlich, das wöchentlich an die arabische Tradition des literarischen Salons anknüpft - und zwar ohne ideologischen Rahmen oder Zensur. Ziel ist die Widerbelebung einer alten Gewohnheit: "des Lesens und Schreibens." Die Heterogenität der Stimmen, lobt ein Literaturkritiker und regelmäßiger Teilnehmer des Forums, ist eine wichtige Alternative zur sonst üblichen Cliquenwirtschaft. "Und das letzte Wort wird immer das sein, welches noch nicht gesagt wurde."

Rania Khallaf hat sich bei Mohamed Hashem, dem Chef des wichtigsten unabhängigen ägyptischen Verlages Miret, über das Verlagsprogramm 2005 informiert: politische Schriften, junge und experimentelle Prosa und Poesie, und - Hashems Mitbringsel aus Frankfurt - eine Übersetzung von Elfriede Jelineks "Die Klavierspielerin". Generell, sagt Hashem, verfolgen wir keine bestimmte Politik, aber obwohl wir eines der wenigen liberalen, linksorientierten Foren in der arabischen Welt sind, bestehen wir darauf, unsere Identität zu bewahren, die definiert ist durch den Hass auf Israel und den Kolonialismus ..." (Da hat er mit Jelinek aber kräftig daneben gegriffen!)

Magazinrundschau vom 04.01.2005 - Al Ahram Weekly

Ein kleiner Musik-Schwerpunkt! Serene Assir beschreibt, wie sich die Mechanismen der globalen Musikindustrie auf die arabische Popmusik auswirken: die Hörer stellen, seit sie dank Internet und Satellitenfernsehen einheimische Musik mit der aus dem Westen vergleichen können, immer höhere Ansprüche an perfekte Produktion. Dies hat zur Folge, dass es praktisch nur noch zwei oder drei große Musikproduzenten gibt - und sich langsam alles gleich anhört. "Was kann man ändern außer der Produktionstechnik? 'Als westliche Hörer von den traditionellen Themen nichts mehr hören wollten, fingen die Künstler beispielsweise an, Drogen, soziale Ungleichheit und Politik in ihrer Musik zu debattieren. Hier, in der arabischen Welt, dürfen wir das nicht. So kleben wir an den alten Themen, Liebe und Trennung von Liebenden. Alles andere ist kommerziell nicht überlebensfähig'", erklärt Said Imam, Produktionsmanager des saudischen Musikgiganten Rotana.

Außerdem: Yasmine Fathi hat sich mit Ammar Dajani, dem Betreiber des Cairo Jazz Club, über die Nischen jenseits des Popmarktes unterhalten; Pierre Loza führt durch die Hall of Fame des ägyptischen Hip-Hop. Youssef Rakha blickt auf das Kulturjahr zurück, Mohamed El-Assyouti begutachtet das nationale Filmschaffen, Amina Elbendary und Mahmoud El- Wardany stellen die Bücher des Jahres vor.

In einem politischen Kommentar ruft Redakteur Hani Shukrallah das Jahr 2004 zum "Jahr der Bestie" aus. Für ihn stellt die Idee vom "Clash of Civilizations" eine selbsterfüllende Prophezeiung dar, die vor allem eins gezeigt habe: "Es gibt nicht den Kampf einer zivilisierten westlichen Welt gegen einen barbarischen Osten. In diesem Konflikt stehen sich ein barbarischer und immens mächtiger Westen und ein ebenso barbarischer, ausgesprochen machtloser und letztlich selbstmörderischer Osten gegenüber."

Magazinrundschau vom 28.12.2004 - Al Ahram Weekly

Vor einhundert Jahren starb eine der bemerkenswertesten Figuren der neuzeitlichen ägyptischen Literatur und Politik: Mahmoud Sami El-Baroudi (1839-1904), der nicht nur als Pate der modernen ägyptischen Dichtkunst - die nach einer Periode der Dominanz des Türkischen an ihre arabischen Wurzeln anknüpfte - gilt, sondern auch eine zentrale Figur der nationalen Renaissance in den Jahrzehnten nach dem Tod von Mohamed Ali und bis zur britischen Besatzung 1882 war. Für Youssef Rakha ist das weder Widerspruch noch Zufall: Als Dichter wie als Staatsmann und Offizier war El-Baroudi Aktivist einer neuen nationalen Identität. "Beides macht Sinn: der Dichter als eloquenter Ritter in Rüstung und der Dichter als säkulärer Prophet." (Mehr über den Dichter hier, über den Politiker hier)

Weitere Artikel: Der arabisch-amerikanische Journalist Ramzy Baroud analysiert die kulturelle Identitätskrise der arabischen Jugend in Zeiten der Globalisierung, sucht aber die Schuld nicht allein bei äußeren Einflüssen, sondern innerhalb der arabischen Gesellschaften. Immanuel Wallerstein betrachtet das seit Nixons Regentschaft andauernde "eigenartige bilaterale Arrangement" von China und den USA - eine "semi- freundschaftliche" Beziehung zum Vorteil beider Seiten, die allerdings gegenwärtig aus ihrer prekären Balance zu fallen droht, weil die Mächte in entgegengesetzte geopolitische Richtungen ziehen. Und Samir Sobhi hat den international renommierten, aber zurückgezogen lebenden Schriftsteller Magueed Tobia besucht.