Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

795 Presseschau-Absätze - Seite 31 von 80

Magazinrundschau vom 24.02.2015 - New York Times

Das Magazin der New York Times goes global. Zum Beispiel zieht Gary Shteyngart ("ein amerikanisierter Russisch sprechender Romancier") ins New Yorker Four Seasons Hotel und schaut russisches Fernsehen, eine Woche lang. Wird er am Ende Putin mögen? "Wenn du die Putin-Show siehst, dann lebst du in einer Supermacht. Du bist einer der Rebellen in der Ukraine, die den einst so modernen Flughafen von Donezk mit Waffen aus russischer Produktion plattmachen. Du bist die Russisch sprechende Großmutter vor ihrem zerstörten Zuhause in Luhansk, die gegen die faschistischen Nazis wettert, so, wie ihre Mutter vor siebzig Jahren gegen die Deutschen gewettert hat. Du bist der Priester, der den Konvoi russischer humanitärer Hilfe salbt, der Richtung Front fährt. Russischsein, das heißt Leiden und Überleben. Es war einmal und wird immer sein. Das ist die täglich erneuerte Fantasie im russischen Fernsehen, auf Channel 1, Rossiya 1, NTV. Der kommenden Generation werden all diese Nachrichten von 2015 so albern erscheinen wie eine Sowjetdoku über Getreideerträge. Man wird sich fragen, was für einen Blödsinn die Elterngeneration ertragen musste und wie sie trotz allem Menschen bleiben konnten. Ich meinerseits entkomme Russland noch einmal. Ein Druck auf die Fernbedienung genügt."

Außerdem: Matthew Shaer berichtet davon, wie der Amateurjournalismus Hoffnung in Rios Farvelas weckt. Und Susan Dominus schreibt über den Aufwind des Front National in Frankreich nach den Anschlägen von Paris: "Selbst wenn Marine Le Pen nie Präsidentin wird, könnte die Partei doch erfolgreich sein, indem sie rechte Gesinnung zu etablieren hilft und Gewalt gegen alles, was mit ihrem Begriff von Frankreich nicht übereinstimmt, normalisiert."

Magazinrundschau vom 17.02.2015 - New York Times

Im Magazin der New York Times erzählt Jon Ronson die Geschichte der 30-jährigen Justine Sacco, die 2013 infolge ihres Tweets "Bin auf dem Weg nach Afrika. Hoffe, ich bekomme kein AIDS. Nur Spaß. Ich bin weiß!" ihren Job verlor. Ronson analysiert weitere solche Fälle, in denen es vor allem darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen, und zeichnet ein erschreckend unsoziales Bild der sozialen Medien: "In der Twitter-Frühzeit fühlte sich der kollektive Zorn noch richtig an, als würden Hierarchien zu Fall gebracht und die Durchsetzung von Gerechtigkeit demokratisiert. Später nahmen solche Kampagnen zu und zielten nicht mehr nur auf mächtige Institutionen und öffentliche Personen, sondern konnten wirklich jeden treffen, der vermeintlich etwas Anstößiges getan hatte. Auffällig war das Missverhältnis zwischen der Schwere des Vergehens und der hämischen Grausamkeit der Bestrafung, als folgte alles einem festgelegten Ablauf. Mich interessierten die Menschen hinter diesen Bloßstellungen. In den vergangenen Jahren traf ich sie zu Interviews - normale Leute, wie Justine Sacco, die an den Pranger gestellt wurden für einen schlechten Witz in den sozialen Medien … Diese Menschen waren meist ohne Job, gefeuert für ihr Vergehen, und sie machten einen gebrochenen Eindruck, waren tief verwirrt und traumatisiert."

Ronen Bergman skizziert die fünf Mitglieder der Hisbollah, denen in Abwesenheit in Den Haag der Prozess wegen der Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri 2005 gemacht wurde.

Magazinrundschau vom 10.02.2015 - New York Times

Louise Story und Stephanie Saul erzählen in der New York Times, wie New York und andere Städte immer mehr Superreiche, oft aus Russland, den arabischen Ländern oder Mexiko anziehen, die dort Immobilien kaufen: "Sie können sich diese Multimillionen-Appartments kaufen, ohne dass ihnen allzuviele Fragen gestellt werden, denn die Vereinigten Staaten begünstigen den Geldfluss durch Briefkastenfirmen. Riesensummen fließen wie nie zuvor unkntrolliert von Land zu Land. Keiner weiß, ob sie aus Korruption oder Steuervermeidung oder bloß zur Investition angelegt werden. Eine grenzlose Ökonomie sucht immer neue Wege, sein Geld zu verstecken. An Orten wie London, Singapur und anderen Finanzzentren haben sie Ghettos ausländischer Superreicher geschaffen, die mit ihren Glas- und Stahltürmen die Stadtlandschaften neu ordnen und Ressentiments und Streit über Ungleichheit auslösen."

Im Magazin der New York Times erinnert sich Chris Offutt an seinen Vater, den Porno-Schriftsteller Andrew Jefferson Offutt und beschreibt dessen effiziente Arbeitsweise: "Sein Ziel war es, ein Buch pro Monat zu schreiben. Dafür verfeinerte er seine Methoden, arbeitete mit einem vorgefertigten Rohmaterial von Sätzen, Beschreibungen und ganzen Szenen, das er in Notizbüchern verwahrte. 80 Prozent dieser Aufzeichnungen waren sexueller Natur. Meistens ging es um Brüste, dann um Handlungen, eingeteilt in Abteilungen, wie: Mund, Zunge, Gesicht, Beine, Kuss. Die Abteilung "Orgasmus" war unterteilt in: davor, während und danach. Die Abteilung "Schmerz" war unterteilt in: Prügeln, Auspeitschen, Erniedrigung, Folter und so weiter… Wie Henry Ford setzte mein Vater auf Prinzipien der Fließbandarbeit mit vorgefertigten Teilen. Das erwies sich als sehr effizient. Mit Hilfe seiner Notizbücher konnte er schnell die passende Abteilung finden und ganze Sätze direkt ins Manuskript übertragen. Danach strich er sie durch, um Selbstplagiate zu vermeiden… Auf die Weise konnte er ein Buch in drei Tagen schreiben."

Außerdem in der New York Times: Will S. Hylton besucht die Auffanglager für Immigranten in den USA, die wie Gefängnisse funktionieren. Und Amy Wallace porträtiert den Unternehmer Chip Wilson, der mit seiner Marke "Lullulemon" und sexy Yoga-Hosen erst Millionen machte und dann die Kontrolle über seine Firma verlor.

Magazinrundschau vom 27.01.2015 - New York Times

Im Magazin der New York Times trifft Jim Rutenberg die TV-Journalistin Megyn Kelly vom konservativen Nachrichtensender Fox News. Bei Kelly scheiden sich die Geister: Journalismus oder Entertainment? Rutenberg findet heraus, dass der "Megyn Moment" beide Seiten beglückt und der meistgesehenen Nachrichtensendung in den USA ein neues Publikum erschließt: "Für alle, die mit dem Phänomen nicht vertraut sind - ein "Megyn Moment" ist, wenn Sie als Gast bei Fox eine Argumentationslinie verfolgen, die ganz auf Fox-Linie ist, und Kelly schnappt sie sich plötzlich und erklärt ihren Punkt für blanken Unsinn. Man weiß nie, wann und wie und ob überhaupt das geschieht, denn Kellys politisches Gespür und ihre Themenwahl sind im wesentlichen konform mit denen des Senders. Aber man muss stets auf der Hut sein, egal wer man ist. Karl Rove und Dick Cheney wurden von diesem "Megyn Moment" nicht verschont, noch werden die Präsidentschaftskandidaten 2016 davon verschont werden. Der "Megyn Moment" hat die Vorstellung davon auf den Kopf gestellt, wie ein Star von Fox News zu sein hat, und dazu geführt, dass ein Fox-Moderator plötzlich Zuspruch erhält von den Eliten, deren Verachtung Fox immer gut geheißen hat. So hat Kelly nicht nur dem Sender seinen größten Erfolg seit 13 Jahren beschert, sie spricht auch ein jüngeres und ideologisch vielfältigeres Publikum an, das der Sender für seine Expansion auf der Landkarte des politischen Journalismus braucht."

Weitere Artikel: Rukmini Callimachi und Jim Yardley rekapitulieren die Radikalisierung der beiden Attentäter von Paris. Und Daniel Bergner besucht die Sextherapeutin Bat Sheva Marcus, die orthodoxe Jüdinnen talmudkonforme Lust lehrt.

Magazinrundschau vom 20.01.2015 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times begleitet Maggie Jones Adoptivkinder aus Südkorea, die während der Adoptionswelle Mitte der 80er Jahre, als rund 9000 Kinder überwiegend in die USA vermittelt wurden, das Land und ihre Familien verließen. Der Artikel erklärt die Hintergründe der Adoptionen und die Schwierigkeiten der Adoptierten, eine eigene Identität zu finden: "Damals machte man den (überwiegend alleinerziehenden) Müttern weis, es wäre egoistisch, ihre Kinder zu behalten, da sie doch die Chance auf eine intakte Familie in den USA hätten. In den 1980ern war Adoption ein großes Geschäft, das koreanischen Adoptionsagenturen Millionen Dollars bescherte. Zugleich hatte der Staat ein Kind weniger zu ernähren. Bis 1985 hatte Südkorea den Ruf des Cadillac unter den Adoptionsprogrammen, so effizient und konstant war das Angebot an gesunden Babys. Die Zahl der Adoptionen nahm zu, durchschnittlich 24 Kinder verließen Südkorea - täglich. Umso bedrückender, als Südkorea damals prosperierte …"

"Durch die Straßen amerikanischer Städte spuken die Geister von Buch- und Plattenläden, die von den größten Gangstern in der Geschichte der Kulturindustrie zerstört wurden." Der 62-jährige Leon Wieseltier, aus seiner geliebten New Republic vom jungen, im Internet groß gewordenen neuen Eigentümer des Magazins vertrieben, beklagt in der New York Times Book Review laut den Niedergang der Kulturmedien. Das Zeitalter des Posthumanismus dämmert heran, warnt mit lodernder weißer Mähne der Literaturkritiker, gibt am Ende aber Entwarnung: Auch die neue Technologie braucht alte Kulturtechniken.

Außerdem: Ian Urbina Neal Gabler erklärt uns die fabelhafte Welt der Wortsucher - Werbestrategen, die für jedes neue Produkt, jede neue Firma den passenden, erfolgversprechenden Namen finden. Und Irina Aleksander begleitet Karl Lagerfelds Muse Brad Kroenig im Privatjet.

Magazinrundschau vom 13.01.2015 - New York Times

In einer schönen kleinen Reportage beschreibt Rachel Donadio ein Redaktionstreffen von Charlie Hebdo zur jüngsten Ausgabe. "Eins war klar: Sie wollten die Erinnerung an ihre Kollegen wachhalten, indem sie deren letzte Arbeiten veröffentlichen. Das Blatt wird Zeichnung der fünf getöteten Karikaturisten bringen: Stéphane Charbonnier, bekannt als Charb, Jean Cabut, bekannt als Cabu, Bernard Verlhac, bekannt als Tignous, Georges Wolinski und Philippe Honoré. Sie wollen außerdem die anderen Opfer ehren, mit einem Text des Ökonomen Bernard Maris und der Psychiaterin Elsa Cayat, die beide Kolumnen schrieben, und vielleicht eine unredigierte Kolumne ihres Korrekturlesers Mustapha Ourrad. "In dieser Ausgabe haben sie niemanden getötet", sagt Mr. Biard said. Die Redaktionsmitglieder werden "erscheinen wie immer". Auf die Frage, was es sonst noch im Blatt geben wird, antwortet Patrick Pelloux, ein Notarzt, der auch für Charlie Hebdo schreibt, mit einem Lachen: "Ich weiß es nicht, nicht viel passiert in dieser Woche.""

Magazinrundschau vom 06.01.2015 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times gibt uns Christopher Glazek Einblick in die Welt des Kunst-Christophorus Stefan Simchowitz. Der Mann macht viel Geld damit, Künstlern in Not ein Zuhause, trockene Wäsche oder einen Ort zum Arbeiten zu verschaffen. Als Gegenleistung nimmt er die Arbeiten des Künstlers zu Spottpreisen, um sie später an eine gut betuchte Klientel weiterzuverkaufen. Gut oder böse? Glazek nennt ihn den Satan der Kunstmäzene: "Simchowitz selbst sieht sich als eine Art Mark Zuckerberg der Kunstwelt, ein Spieler des 21. Jahrhunderts, der das institutionalisierte Establishment unterläuft. Gegen seinen Ruf als opportunistischer Geschäftsmann besteht er darauf, langfristig zu arbeiten und nach dem ganz großen Fisch zu suchen."

Und Brook Larmer zeigt, wie der standardisierte Aufnahmetest für Chinas Universitäten, genannt "gaokao", zwar beängstigend effiziente Testkandidaten produziert, aber sein eigentliches Ziel verfehlt: "Wie das antike königliche Examen "keju" war das "gaokao" als Mittel gedacht, ein elitäres System durch eine Meritokratie zu ersetzen, indem es Schülern aus ärmlichen Verhältnisse einen Weg nach oben eröffnet … Aber Schüler aus ländlichen Gebieten sind weiterhin schwer benachteiligt. In den Dörfern sind die Schulen schlecht ausgestattet und gut ausgebildete Lehrer sind rar. Wohlhabende Städter dagegen können sich Privatlehrer und Vorbereitungskurse leisten oder sich mit Geld in die besten Schulen "einkaufen"."

Magazinrundschau vom 23.12.2014 - New York Times

Das Magazine bringt einen Vorabdruck aus Nicholas Carlsons Buch "Marissa Mayer and the Fight to Save Yahoo!". Seit 2012 versucht Mayer beim wirtschaftlich stagnierenden Internetdino Yahoo! das Ruder rumzureißen, z. B. mit einer App-Offensive oder neuem Content, wie TV-Serien, bisher ohne Erfolg. Carlson ahnt, wieso: "Erfolgreiche Umstrukturierungen von Technologiekonzernen sind rar. Solche Konzerne entwickeln neue Wege, Dinge zu tun, aber sobald sie wachsen, beschränken sie sich darauf, ihr Geschäftsmodell zu schützen und investieren nicht mehr in neue, das alte über den Haufen werfende Modelle. Also werden sie von neuen Wettbewerbern ausgestochen. Ein Vorgang, der in allen Industriezweigen vorkommt, im Technologiebereich geht nur alles viel schneller - zu schnell, um große Umstrukturierungen zu ermöglichen … In vielerlei Hinsicht ist Yahoos Abstieg von einem 128 Milliarden-Konzern zu einem Niemand vollkommen natürlich."

Außerdem: Wil S. Hylton porträtiert die Schriftstellerin Laura Hillenbrand ("Seabiscuit"). Und Jason Horowitz fragt, ob Hillary Clinton die neue Hoffnung für alle liberalen Zionisten sein könnte.

Magazinrundschau vom 16.12.2014 - New York Times

Eine kleine Geschichte des Filmkusses liefert A. O. Scott in der aktuellen Ausgabe des Magazins. Wann gab es den ersten Kuss mit offenem Mund zu sehen, wen küsste Marlene Dietrich 1930 in "Morocco", welche technischen Probleme bringt der Filmkuss mit sich und wie umgeht Bollywood das Kussverbot? So viel ist klar, meint Scott: "Der Filmkuss ist Ursache endloser Auslegung. Sieht man sich all die berühmten Küsse aus Hollywood-Klassikern an, findet man sich in einem Wald sexueller Zeichen wieder. Es gibt Sehnsucht und Gewalt, Missachtung und Flehen, männliche Dominanz und weibliche Durchsetzungskraft. Es gibt merkwürdige körperliche Verrenkungen, zweideutige Arrangements, mitunter der Zensur geschuldet oder aber gerade dem Wunsch Konventionen zu überwinden. Man findet Überkopfküsse, Seitwärtsküsse und die verschiedensten Versuche, das Problem des Größenunterschieds und der Position der Hände zu lösen. Es gibt jede Menge Haar- und Wangenstreicheln und Händchenhalten zu sehen, Aktivitäten, die, wie das Küssen selbst, andere Dinge suggerieren oder verbergen. Und weil diese anderen Dinge nicht gezeigt werden, fungieren die Küsse sowohl als Vorspiel als auch als Zurückweisung, als Beweis dafür, dass das Paar miteinander schlafen wird oder als symbolischer Ersatz dafür, dass sie es nicht tun werden." Dazu gibt es die schönsten Filmküsse als Slideshow zu sehen. Außerdem zeigt ein Video Feature die besten Schauspieler des Jahres beim Küssen.

Magazinrundschau vom 09.12.2014 - New York Times

Das Ausmaß des Klimawandels muss als panoramatisches Ganzes erfasst werden, meint Rebecca Solnit in einem Essay: "Um den Klimawandel zu verstehen, muss man auf die Arten und ihre Zukunft schauen. Um zu begreifen, was sich alles verändert hat, muss man sich erinnern, wie es einmal war, damals, ohne Vögel, die einfach vom Himmel verschwinden, ohne Hitzewellen, Stürme und Waldbrände. Es gilt, über die einzelne Art hinaus das ganze System zu erfassen, das es den Arten zuallererst ermöglicht hat, sich zu entwickeln: Schwalben, Lachsen, Schildkröten, Mäusen und uns. Das Klima zu betrachten heißt, unsere Energiegewinnung zu überdenken. Aber vielleicht bedeutet es auch, die Geschichten anders zu erzählen. Befürworter fossiler Energien und die Leugner des Klimawandels lieben Geschichten von durch Solar- und Windanlagen getöteten Vögeln, die erneuerbare Energien kontraproduktiv erscheinen lassen. Die viel größeren Gefahren von Kohle, Gas und Kernenergie lassen sich hingegen nicht so gut erzählen."

Weitere Artikel: Von anderen tödlichen Zusammenhängen erzählt Veronique Greenwood, deren Urgroßtante in Marie Curies Laboratorium einst das radioaktive chemische Element Francium entdeckte und daran starb. Und Eliza Griswold stellt den syrischen Radioaktivisten Raed Fares vor, der wegen seiner Kritik am Assad-Regime um sein Leben fürchten muss.