
Das
aktuelle Magazin der
New York Times bringt den ersten Teil eines
wunderbaren Textes von
Karl Ove Knausgaard. Knausgaard reist im Auftrag der
Times zu den
Stätten der Wikinger im Nordosten der USA. Dabei stößt der Autor auf allerhand kulturelle Differenzen, etwa in der Kommunikation oder was die Austauschbarkeit von Orten betrifft, am Beispiel
Detroits: "Ich kenne Armut, unfassbare Armut, wie in den Slums von Mozambique. Aber so etwas hatte ich noch nie gesehen - Haus um Haus aufgegeben, verlassen und verfallen wie nach einer Katastrophe. Wenn das Armut war, dann eine ganz neue Art, etwa so, wie der Reichtum im 20. Jahrhundert hier ein ganz neuer war. Ich habe nie verstanden, wie eine Nation, die
dem Individuum derart huldigt, alle Unterschiede so verwischen kann wie dieses Land. In einem System der Massenproduktion ist der Arbeiter ersetzbar und die Produkte sind identisch. Identische Autos, identische Tankstellen, identische Restaurants, identische Motels und die allgegenwärtigen identischen Fernseher, die identische Unterhaltung und identische Träume senden. Nicht mal der Sowjetunion auf der Höhe ihrer Macht ist es gelungen, so eine einheitliche,
kollektive Identität zu erschaffen wie die der Amerikaner. In schwierigen Zeiten kann es passieren, dass jemand eine Stadt einfach verlässt und in eine andere zieht, und diese neue Stadt repräsentiert dann genau das gleiche. War das für die Amerikaner Zuhause, Heimat? Nicht der Ort, nicht die Nachbarschaft, sondern die Kultur, das Allgemeine?"
Nidaa Badwan, Foto aus der Serie "100 Tage Einsamkeit"Jodi Rudoren
porträtiert die palästinensische
Künstlerin Nidaa Badwan, die seit über einem Jahr in einem etwa
zehn Quadratmeter großen Zimmer im Gazastreifen lebt, den sie in dieser Zeit kaum je verlassen hat. Der Grund: der
Konflikt mit Israel zum einen und
die Hamas zum anderen, die ihr vorschreiben wollte, welche Kleidung sie draußen zu tragen habe. In ihrem Zimmer hat Badwan die Fotoserie "Hundert Tage Einsamkeit" produziert,
14 Selbstporträts, "die ebenso klassisch sind wie innovativ. "Ich warte auf das Licht", sagt Ms. Badwan, die manchmal eine Woche oder sogar einen Monat braucht, um Fotos zu konstruieren, die wie Gemälde aussehen. "Alles ist schön, aber nur in meinem Zimmer, nicht in Gaza. Ich bin bereit in diesem Zimmer zu sterben, wenn ich keinen besseren Ort finde. Man kann sagen, es gibt jetzt
ein anderes Leben für mich", fügt sie hinzu. "Ich fühle, ich lebe nicht hier. Das Projekt hat neue Fenster für mich gemacht.""
Außerdem: David Amsden
stellt uns den Anwalt John Cummings vor, der in Louisiana auf eigene Faust das erste amerikanische
Museum aufbaut, das sich mit der
Sklaverei befasst. Und Julia Ioffe
sieht nach dem Mord an
Boris Nemtsov in Moskau schon wieder die alten Mechanismen am Werk: Herunterspielung und Vertuschung von ganz oben.