Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 10.06.2008 - New York Times

Das Sunday Magazine bringt ein Dossier über die "neue Stadt". Darcy Frey schreibt ein Porträt des verrücktesten der niederländischen Architekturbüros, MVRDV aus Rotterdam und seines Mitbegründers Winy Maas. Sie verfolgen unter anderem die Idee des "vertical gardening": "Sie haben auch festgestellt, dass die holländische Schweineindustrie riesige Flächen verschlingt - Holland hat genausoviele Schweine wie Menschen. Darum schlug Maas eine Befreiung der Landschaften vor: Die Schweine sollen künftig in vierzigstöckigen Hochhäusern untergebracht werden. 'Guck, es ist ein Pork Port', sagt er und zeigt Bilder seiner Entwürfe für PigCity. Hochhäuser mit grasbedeckten Etagen, integrierten Schlachthäusern und Biogaskraftwerken für den Schweinedung, die an der holländischen Küste stehen sollen."

In weiteren Artikeln des Dossiers fragt der Architekturkritiker der New York Times, Nicolai Ouroussof, ob Retortenstädte wie Dubai jemals mit Paris oder New York mithalten können. Und Jon Mooallem klärt über die Kunst des "Guerilla Gardening" auf.

In der Book Review stellt David Gates zu Rushdies neuem Roman "The Enchantress of Florence" (erstes Kapitel) die grausame Frage: "Warum lässt mich dieser ingeniöse und ehrgeizige Roman - immerhin eine Verteidigung der menschlichen Einbidlungskraft - so kalt?"

Magazinrundschau vom 03.06.2008 - New York Times

James Traub widmet sich in einer ausführlichen Reportage für das Magazin Pakistans Anwälten, die in ihren schwarzen Anzügen nun auch die neu gewählte Regierung herausfordern - und deren Protest für Traub der "seit langem folgenreichste Ausbruch liberaler, demokratischer Energie in der islamischen Welt" ist. Galionsfigur ist Aitzaz Ahsan: "Der Mann, der so viel für die Wiederherstellung der demokratischen Regierung in Pakistan getan hat, bedroht nun das neue, gewählte Regime - im Namen der Demokratie. Mehr noch, Ahsan zielte mit seiner populären Bewegung gegen die eigene Partei, der Pakistan Peoples Party, dessen Führer Asif Ali Zardari, Benazir Bhuttos Witwer, seit langem die Wiederherstellung der Justiz verschleppte. Die Anwälte selbst sprechen von einem vorhersehbaren Desaster; das tun auch hochrangige PPP-Mitgleider. Ahsan blieb unerschütterlich: 'Es gibt keine Demokratie ohne unabhängige Justiz', sagte er zu mir in mehreren Gesprächen. 'Und man kann ganz sicher keine Demokratie auf den Trümmern der Justiz aufbauen.' In den folgenden Wochen mache Zardari eine Reihe von Versprechungen und nahm sie wieder zurück. Vor ein paar Wochen beschlossen die Anwälte, wieder zurück auf die Straße zu gehen."

Weiteres: Lynn Hirschberg wirft einen Blick in den Maschinenraum der Tyra-Banks-Produktion, in dem mit Hochdruck an der Marke "Tough but still smiling" gearbeitet wird. Die Book Review hat eine Handvoll Autoren gefragt, welche Bücher sie den Präsidentschaftskandidaten mit auf den Weg geben können. Lorrie Moore etwa empfiehlt Henry James' "Portrait of a Lady" (Barack Obama), Macbeth (Hillary Clinton) und die Märchen der Gebrüder Grimm (John McCain).

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - New York Times

Zehn Seiten und die Titelgeschichte des Magazine bekommt Emily Gould, ihre Geschichte zu erzählen. Emily Gould ist berühmt, zumindest in bestimmten Kreisen des Internets. Sie war Redakteurin beim New Yorker Klatschblog Gawker, sie schreibt ein viel gelesenes eigenes Blog. Und hier beschreibt sie nun, wie es ist und wie es war, diese Blogs zu schreiben. In ihnen ihr Privatleben zu offenbaren. Am Spannendsten ist vielleicht das, was sie über ihr Verhältnis zu den Kommmentatoren zu sagen hat: "Die Kommentatoren meines privaten Blogs Emily Magazine waren wie Freunde gewesen. Zu den Gawker-Lesern hatte ich ein anderes Verhältnis. Nicht ganz Freundschaft. Fast etwas Tiefergehendes. Sie waren sowas wie Mit-Arbeiter, die mir Ideen für Posts gaben, die meine Pointen umschrieben. Sie waren widerliche Typen, die mich an der Bar anmachten. Sie waren Fans, die sich an mich ranschleimten und noch meine dämlichsten Einträge in den Himmel lobten. Sie waren Feinde, die meine schlimmsten Befürchtungen über meine eigene Unfähigkeit aussprachen. Sie waren die Stimmen in meinem Kopf."

Im Internet hat die New York Times die Kommentar-Sektion nach dem 727. Eintrag geschlossen (Tage vor Erscheinen des Artikels im Print). Die Leserschaft ist in großer Mehrheit völlig verständnislos und spuckt Gift und Galle. Sie fordert Emily Gould auf, etwas Vernünftiges aus ihrem Leben zu machen. Sie fordert die New York Times auf, wieder eine seriöse Zeitung zu werden, in der es um ernsthafte Dinge geht. Es gibt auch Unterstützer, aber die posten vor allem in Emily Goulds privatem Blog Emily Magazine. (Im Dezember hatte Carla Blumenkranz die Gawker-Blogger im Magazin n+1 genau unter die Lupe genommen. Passend zum Emily-Blog ein Artikel im New York Magazine, den ebenfalls ein Blogger - allerdings mit etwas mehr Karacho, das heißt beleidigend und Tod wünschend - verfasst hat. Den Hinweis fanden wir natürlich bei Gawker)
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Magazinrundschau vom 20.05.2008 - New York Times

David E. Sanger, der Chef des Washingtoner Hauptstadtbüros der Times, empfiehlt Robert Kagans Essay "The Return of History and the End of Dreams" (sehr langer Auszug), nicht nur weil Kagan einer der wenigen Neocons sei, die sich nicht in der Bush-Administration die Finger schmutzig gemacht haben - sondern weil er auch das Ohr des möglichen nächsten Präsidenten John McCain hat. Die Weltlage beschreibt Kagan nach Sanger so: "Die Welt nach Kagan ist 20 Jahre nach dem Mauerfall von einer neuen Spaltung durchzogen, die allerdings nicht ganz so scharf ist wie zur Zeit des kalten Krieges. Europäische und asiatische Demokratien gehören zu einem fließenden Verband eher proamerikanischer, wenn auch durch Eigeninteressen geprägter Nationen. Ihnen gegenüber stehen die autoritären Regimes in Russland und China, die Verbindungen mit dem Iran aufrechterhalten, Nordkorea aus der Patsche helfen und Diktaturen in Afrika bezirzen, die glücklich sind, ihr Öl an Länder zu verkaufen, die sie nicht mit endlosen Lektionen über Menschenrechte nerven (während wir die Saudis bezirzen und Bush immer den Stummschalter drückt, falls Saudis bei seinen Freiheitsreden zugegen sind)."

Außerdem: David Shaftel schickt eine hübsche Reportage aus Trinidad, wo man nicht recht warm wird mit dem größten Sohn des Landes, V.S. Naipaul. Im Magazin schreibt Matt Bai ausführlich über John McCain und seine Position zum Irak-Krieg. Und John Wray benennt einen neuen Trend im Indie-Pop: Solo bleiben, aber wie eine ganze Band klingen.

Magazinrundschau vom 06.05.2008 - New York Times

In Deutschland ist die Popliteratur ja tot, aber in China geht's erst richtig los. Aventurina King porträtiert einige ihrer Protagonisten, an erster Stelle den für seine androgynen Kleidungssitten berühmten 24-Jährigen Guo Jingming, dessen Romane von traurigen Teenies handeln: "Guo ist keinesfalls überall beliebt. Im letzten Jahr wurde er von den Nutzern des Internetportals Tianya zum dritten Mal hintereinander zur meist gehassten männlichen Celebrity gewählt. Aber drei seiner vier Romane haben mehr als eine Millionen Exemplare verkauft, und im letzten Jahr erzielte er das höchste Einkommen eines chinesischen Autors: 1,4 Millionen Dollar."

China ist das große Thema in der Buchbeilage. Jonathan Spence bespricht Mo Yans neuen Roman "Life and Death Are Wearing Me Out". Besprochen werden außerdem Jiang Rongs Super-Bestseller "Wolf Totem" (hier), Wang Anyis "The Song of Everlasting Sorrow" (hier) und Yan Liankes "Serve the People" (hier). Und im Sunday Magazine porträtiert Ian Buruma den Komponisten Tan Dun.

Außerdem im Sunday Magazine porträtiert den Epidemiologen Gary Slutkin, der mit seiner Organisation "CeaseFire" die Gewalt in den amerikanischen Städten nach dem Modell einer Epidemie bekämpfen.

Magazinrundschau vom 29.04.2008 - New York Times

Pankaj Mishra porträtiert im Sunday Magazine Alaa Al Aswany, den ägyptischen Autor des Romans "Der Jakubijan-Bau" (Leseprobe), der in Gestalt des "Big Man" das System Mubarak und die Korruption in Ägypten anprangert. Der Roman war verfilmt worden, und Al Aswany, der übrigens auch noch praktizierender Zahnarzt ist, erklärt Mishhra, warum er der Premiere des Films in Kairo fern blieb: "In der Filmversion gibt es seltsamerweise keinen Big Man. Als ich Alaa Al Aswany im Herbst in London traf, sagte er mir noch, dass er nicht eingeladen worden sei. Später erzählte er mir den Klatsch aus Kairo, wonach die Filmproduktion Gamal Mubarak, dem Sohn des jetzigen Präsidenten, nahe steht, der seinen Vater beerben soll. Er fürchtet, dass die ägyptischen Staatsstellen diesen Film - die teuerste Kinoproduktion in der Geschichte des Landes - stützten, weil sie seine Darstellung der Korruption als nützlich ansahen, um das Publikum auf den neuen Big Man vorzubereiten."

Außerdem im Sunday Magazine: Benoit Denizet-Lewis erkundet den Stellenwert der Schwulen-Ehe bei jüngeren Homosexuellen. Und Roger Lowenstein erzählt, wie die Ratingagentur Moody's, durch allzu optimistische Bewertung von Kreditpapieren die aktuelle Bankenkrise auslöste.

Scharfzüngiger als Leon Wieseltier, der Literaturkritiker der New Repbulic ist so leicht keiner. Sein neuestes Opfer ist Martin Amis, dessen neues Buch "The Second Plane" (Auszug) mit Schriften gegen den Islamismus er in der Buchbeilage nach allen Regeln der Kunst verreißt. "Amis scheint seine kleinen Bannsprüche als militärische Beiträge in einem Kampf anzusehen. Er schreibt, als wäre er mit seinen zerlesenen Ausgaben von Bernard Lewis und Philip Larkin in der Hand die letzte Bastion, die zwischen uns und der Wiedererrichtung des Kalifats steht. Der 11. September empört ihn nicht nur, er erregt ihn auch. 'Wenn der 11. September schon geschehen musste, dann bin ich froh, dass er zu meinen Lebzeiten geschah.' Kapiert? Es ist nicht mehr so schlimm, dass wir den Spanischen Bürgekrieg verpasst haben. No Pasaran!"

Magazinrundschau vom 08.04.2008 - New York Times

Helene Cooper erzählt die unglaublich faszinierende Geschichte des Landes Liberia, einer Gründung befreiter amerikanischer Sklaven, die von weißen Philanthropen ins Abenteuer der Kolonialisierung getrieben wurden - sie selbst ist Nachfahrin eines der Gründer des Landes und arbeitet heute als diplomatische Korrespondentin der New York Times. Mit ihrer Mutter ist sie 1980 in die USA emigriert. Angefangen hat's mit Liberia um 1820, als die mit dem Schiff Elizabeth nach Afrika entsandte Truppe ehemaliger Sklaven in Westafrika anlandete: "Die Gruppe verbrachte fast zwei Jahre damit, die afrikanischen Könige und Stammeschefs zu überzeugen, ihnen Land zu verkaufen. Die Afrikaner waren nicht leicht zu überzeugen. Sie fürchteten - mit Recht, wie sich herausstellte - dass sich die schwarzen Amerikaner nach ihrer Niederlassung den Stammeschefs nicht fügen würden. Auch wollten die Afrikaner nicht, dass sich die neuen schwarzen Siedler in ihren Sklavenhandel einmischten. Aber die Kolonisierungsbewegung machte weiter. Die American Colonization Society sandte immer neue Schiffe und Siedler." (Hinweis an deutsche Verleger: Coopers Text ist ein Vorabdruck aus Coopers Buch "The House at Sugar Beach". Vielleicht sind die Rechte ja noch zu haben.)

Außerdem im Sonntagsmagazin: Arthur Lubow porträtiert den Pritzker-Preisträger Jean Nouvel. In der Sunday Book Review bespricht Fareed Zakaria Benazir Bhuttos nachgelassenes Buch "Reconciliation" (erstes Kapitel). Besprochen wird auch Jhumpa Lahiris neuer Erzählungsband (Auszug).

Magazinrundschau vom 01.04.2008 - New York Times

"Dream for Darfur" ist eine Kampagne, die die Olympischen Spiele nutzen will, um auf die Schuld Chinas - das das Regime im Sudan mit Ölkäufen massiv unterstützt - am Völkermord in Darfur aufmerksam zu machen. Ausführlich beschreibt das Magazine die Bemühungen von Jill Savitt und Schauspielerin Mia Farrow, der treibenden Kräfte von "Dream for Dafur", die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen. So traf sich Savitt mit einer auf Kampagnen spezialisierten Agentur, die "vorschlug, vorhandene Datenbanken von Aktivisten zu nutzen, in hoher Frequenz Massen-E-Mails zu verschicken und sich auf frei zugängliche social-network-Websites zu konzentrieren. 'Facebook ist der richtige Schauplatz', lautete der Rat... Savitt bat auch um Vorschläge für den Dschihad, den [Ben & Jerry's-Gründer] Ben Cohen gegen die Olympia-Maskottchen plant. 'Sagen Sie ihm, dass er die Botschaft kurz halten soll. Sie ist ja nicht kompliziert: Genozid böse; China trifft Mitschuld."

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - New York Times

Ah, das Internet, immer gut für neue Revolutionen! Thomas Goetz schreibt im Sonntagsmagazin über die Selbsthilfe-Website PatientsLikeMe, in der Betroffene chronischer Krankheiten wie MS, Parkinson oder Aids ihre Erfahrungen austauschen, auf den ersten Blick ein "Myspace" für Patienten, von denen es schon mehrere gibt. Aber Goetz weist auf einen entscheidenden Unterschied hin: bei PatientsLikeMe produzieren die Patienten "harte Daten". "Die Mitglieder von PatientsLikeMe tauschen ihre Erfahrungen nicht nur in anekdotischer Weise aus, sie quantifizieren sie, verwandeln ihre Symptome und Therapien in statistisches Material: Sie notieren, was weh tut, wo es wehtut und wie lange. Sie stellen Listen ihrer Medikamente und Dosierungen zusammen und verzeichnen, wie gut sie ihre Symptome lindern. All dies wird im Lauf der Zeit kompiliert, aggregiert und von der Software der Site in Grafiken und Kurven umgewandelt. Alles ist offen für Vergleiche und Analyse. Durch ihre Informationen schaffen die Mitglieder von PatientsLikeMe eine reichhaltige Datenbank über Therapien und die Erfahrungen von Patienten."

Außerdem: Michael Kimmelman porträtiert im Aufmacher des Sonntagsmagazins die Designerin Miuccia Prada als Kunstsammlerin. In der Book Review bespricht Colm Toibin das umstrittene neue Buch von Nicholson Baker, "Human Smoke" (erstes Kapitel), in dem Baker Kriegsverbrechen der Westalliierten im Zweiten Weltkrieg beklagt und fragt, welche Chancen eine pazifistische Politik hätte haben können. (Toibin sieht das Buch wegen seines dramaturgisch geschickten Aufbaus als "ernst- und gewissenhaften Beitrag zur Debatte über Pazifismus"). Besprochen werden außerdem Martha Nussbaums neues Buch über religiöse Toleranz (mehr hier) und Sarah Boxers Anthologie "The Ultimate Blog".

Magazinrundschau vom 18.03.2008 - New York Times

Noah Feldman, Rechtsprofessor an der Harvard University und außenpolitischer Berater unterstützt in einem längeren Essay für das Sonntagsmagazin der Zeitung die Ansichten gemäßigter Islamisten über die Scharia: "Für viele Muslime, die heute in korrupten Autokratien leben, ist der Ruf nach der Scharia nicht ein Ruf nach Sexismus, Obskurantismus oder drastischen Strafen, sondern nach einer islamischen Version dessen, was der Westen als sein heiligstes Prinzip der Politik betrachtet - nach der Herrschaft des Gesetzes." Feldmans Essay, der einem demnächst erscheinenden Buch entnommen ist, schließt mit dem Satz: "Bei allen Risken und Gefahren ist der Wunsch der Islamisten nach Erneuerung alter Ideen über die Herrschaft des Gesetzes kühn und edel - und könnte den Pfad zu gerechten und legitimen Regierungen in großen Teilen der muslimischen Welt weisen."