Die
Sunday Book Review hat eine große Sonderausgabe mit Rezensionen und Essays zum Thema
Islam.
Darin
beklagt die
Autorin Lorraine Adams, dass der allergrößte Teil der Literatur islamischer Autorinnen und Autoren hinter einer Art
Literaturbetriebs-Burka verborgen bleibt: "Viele Amerikaner begreifen nicht, dass Muslime Araber, Afrikaner oder Asiaten sein können, von Europäern oder Amerikanern ganz zu verschweigen... Nichts wissen wir über das
ganze Spektrum des Islam in den Leben von Autoren und ihren Figuren. Es gibt säkulare Muslime, die von der Kultur beeinflusst sind, aber die Religion nicht praktizieren; moderate Muslime, die sie praktizieren, aber tolerant sind; und radikale Fundamentalisten, anti-westlich und mörderisch. Eine Verallgemeinerung freilich trifft zu: Ein großer Teil der zeitgenössischen muslimischen Literatur wird nie
ins Englisch übersetzt."
Der reformorientierte Islam-
Prediger Tariq Ramadan erklärt, was es heißt, den Koran zu lesen, und betont dabei die
Pluralität möglicher Lektüren und Interpretationen: "Genauso wie wir das Werk eines menschlichen Autors, vom Marx bis Keynes, auf engstirnige und rigide Weise lesen können, können wir uns auch der göttlichen Offenbarung auf diese Weise nähern. Stattdessen sollten wir aber kritisch,
offen und genau sein."
Die
Publizistin, Ex-Politikerin und Politikberaterin
Ayaan Hirsi Ali
bespricht Lee Harris' beinahe apokalyptische
Zukunftsprognose "Der Selbstmord der Vernunft". Harris argumentiert darin, dass der Westen mit seinem Glauben an die Vernunft den
expansiven Fanatismus, der den Islam fundamental ausmacht, nicht begreifen kann und ihm deshalb unterliegen wird. Hirsi Ali sieht sich selbst als Beispiel dafür, dass, anders als Harris meint, auch die zum Islam Erzogenen nicht zum Fanatismus verdammt sind: "Ich bin nicht im Westen geboren. Ich bin nach den Lehren des Islam erzogen und bekam von Geburt an die geistigen Vorstellungen eines Stammes indoktriniert. Aber ich habe mich verändert, ich habe die
Werte der Aufklärung übernommen... Warum habe ich das getan? Weil das Leben in einer Stammesgesellschaft brutal und entsetzlich ist." (Um Ayaan Hirsi Ali, Tariq Ramadan und ihre Positionen zum Islam kreiste auch die große Debatte bei
Perlentaucher und
signandsight.com - die Beiträge sind inzwischen auch im Band
"Islam in Europa" nachzulesen.)
Besprochen wird außerdem
Matthias Küntzels Buch "Jihad and Jew-Hatred" über die frühen Beziehungen zwischen Islamismus und
Nationalsozialismus (mehr auch
hier).
Weitere Artikel: Fouad Ajami,
Professor für Nahost-Studien,
gesteht, dass er Samuel Huntingtons von ihm einst bekämpfte Positionen zum "K
ampf der Kulturen" heute für beängstigend plausibel hält. Besprochen werden außerdem John Kelseys
Studie über den "
gerechten Krieg" im Islam und das
Buch "Amerikanischer Halbmond" des in den USA lebenden schiitischen Predigers
Hassan Qazwini. Auch im
Magazine findet sich ein zum Thema passender Artikel. Nicholas Schmidle
informiert über den wachsenden Einfluss der Taliban vor allem auf die jüngere Generation von
Islamisten in Pakistan.