Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

851 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 86

Magazinrundschau vom 17.08.2021 - New Yorker

In einem Interview zeigt sich der langjährige Reporter Steve Coll vor allem verärgert über Joe Biden, der die Afghanen (und ihre 300.000 Mann starke Armee) aufgerufen hatte, den Taliban auch selbst ein bisschen Widerstand zu leisten. Zwar habe Biden von Donald Trump den Beschluss zum Abzug geerbt, nicht jedoch Art und Weise: "Die Eile und die Gleichgültigkeit, die Schuldzuweisung an die Afghanen, die Verbindung der Entscheidung mit engen amerikanischen Interessen und dem Jahrestag des 11. Septembers, all das zeugt von der - Verachtung wäre wohl kein zu starkes Wort - für die Folgen, die dies in Afghanistan haben würde. Die Entscheidungen der Obama- und der Trump-Regierung in den ersten Jahren spiegelten einen seltenen politischen Konsens in den Vereinigten Staaten wider, dass man nämlich bereit war, ein relativ kleines Truppenkontingent und relativ geringe Ausgaben in Afghanistan aufrechtzuerhalten, um einen Ausweg zu finden, der nicht zu dem führt, was wir jetzt beobachten. Aber der Präsident selbst scheint persönlich entschieden zu haben, dass dies ein Irrweg war."

Robin Wright sieht das Gewicht der USA in der Welt für lange Zeit, wenn nicht gar für immer verspielt: "Amerikas Großer Rückzug ist mindestens so demütigend wie jener der Sowjetunion 1989, ein Ereignis der zum Ende des kommunistischen Reiches beitrug."

Magazinrundschau vom 03.08.2021 - New Yorker

Konservative Millionäre versuchen mit allen Geldmitteln, das amerikanische Wahlsystem zu torpedieren, berichtet Jane Mayer in einer niederschmetternden Reportage aus den USA. Sie unterstützen Trump-Anhänger, die die Präsidentschaftswahl anfechten und versuchen in der Folge, möglichst viele unerwünschte Wähler (der Demokraten) von den Urnen fernzuhalten. In Arizonas Maricopa County wurde die Wahl vier Mal überprüft, immer mit dem Ergebnis, dass alles korrekt gelaufen war. Trotzdem konnten republikanische Politiker durchsetzen, dass die Wahl noch ein fünftes Mal untersucht wird: "Im Juni stand ich auf der Tribüne des Veterans Memorial Coliseum in Phoenix, wo die Wahlprüfung stattfand, und wurde Zeuge, wie Leute einen Karton nach dem anderen mit Stimmzetteln untersuchten, die die Bürger von Arizon im letzten Herbst abgegeben hatten. Einige Inspektoren untersuchten mit Mikroskopen surreale Behauptungen: dass einige Stimmzettel von Maschinen ausgefüllt worden waren oder asiatische Fälschungen mit verräterischen Bambusfasern waren. Andere Inspektoren suchten nach Falten in den Briefwahlunterlagen, um festzustellen, ob sie rechtmäßig in Umschlägen verschickt oder - wie Trump behauptet hat - als Massenware verschickt worden waren. ... Wie aber erklärt sich die sich verfestigende Überzeugung unter den Republikanern, dass das Rennen 2020 gestohlen wurde? Michael Podhorzer vom Gewerkschaftsverband A.F.L.-C.I.O., der viel in die Erhöhung der Wahlbeteiligung der Demokraten im Jahr 2020 investiert hat, vermutet, dass die beiden Parteien jetzt unversöhnliche Ansichten darüber haben, wessen Stimmen legitim sind. 'Was die Leute aus den blauen Staaten nicht verstehen, ist, dass die große Lüge funktioniert', sagte er, und dass sie keinen Beweis für Betrug erfordert. 'Was sie so überzeugend macht, ist der Glaube, dass Biden gewonnen hat, weil einige Menschen in diesem Land ihre Stimme abgegeben haben, von denen andere glauben, dass sie keine 'echten' Amerikaner sind.' Diese antidemokratische Überzeugung wurde von einer Konstellation etablierter Institutionen der Rechten unterstützt: 'weiße evangelikale Kirchen, Gesetzgeber, Medienunternehmen, gemeinnützige Organisationen und jetzt sogar paramilitärische Gruppen.' Podhorzer stellte fest: 'Trump gewann das weiße Amerika um acht Punkte. In nicht-urbanen Gebieten gewann er mit über zwanzig Punkten. Er ist der demokratisch gewählte Präsident des weißen Amerikas. Es ist fast so, als würde er eine Nation innerhalb einer Nation repräsentieren.'"
Stichwörter: Memorial, Evangelikale

Magazinrundschau vom 27.07.2021 - New Yorker

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe fragt Jill Lepore, wie aus einem Unternehmen, das angetreten ist, die Welt zusammenzubringen, eines werden konnte, das vor allem trennt. Antworten findet sie u.a. in Sheera Frenkels und Cecilia Kangs Buch "An Ugly Truth: Inside Facebook's Battle for Domination": "Datensammeln und Anzeigenverkaufen schafft keine Gemeinschaft, und was das Zusammenbringen von Menschen angeht, wie Facebook es macht, so ist längst klar geworden, dass es ihnen dadurch vor allem leichter fällt, einander wehzutun. Facebook wäre nicht so erfolgreich, wenn die Menschen es nicht lieben würden, Fotos zu teilen, Gruppen oder kleine Firmen zu gründen und kuratierte News zu lesen. Aber Studien zeigen, dass Zeit auf Facebook der mentalen Gesundheit schadet, das Sitzen und den Verlust echter sozialer Kontakte befördert. Alle Versuche, das Unternehmen diesbezüglich zu verändern, sind bisher gescheitert."

In einem anderen Beitrag stellt Louisa Thomas die Schachgroßmeisterin Hou Yifan vor und macht sich Gedanken über Frauen und Schach: "Schach ist nicht wie Baseball oder Fußball. Männer und Frauen stehen sich gleichberechtigt gegenüber, und niemand kann das Geschlecht eines Spielers anhand der Züge auf dem Brett bestimmen. Dennoch sind von den 1732 Großmeistern der Welt nur 38 weiblich. Der größte Anteil an dieser Lücke rührt von der Tatsache, dass so wenige Frauen im Wettbewerb stehen. Etwa 16 Prozent aller Turnierspieler sind weiblich, die meisten Kinder. Aus rein statistischen Gründen wird man nur sehr wenige Frauen oben auf der Rangliste erwarten. Dennoch ist das eine unzureichende Erklärung für die Ungleichheit an der Spitze, über die Hou offen sagt: 'Man kann es nicht abstreiten oder so tun, als passiere es nicht.' Jahrelang war sie die Einzige mit einer reellen Chance."

Magazinrundschau vom 20.07.2021 - New Yorker

Rachel Aviv erzählt im New Yorker die Geschichte von Marco, der noch 1988 im Alter von fünf Jahren zu einem pädophilen Pflegevater, dem Ingenieur Fritz Henkel, gegeben wurde. Das Konzept, verwahrloste Jugendliche bei Pädophilen unterzubringen, war von dem renommierten Sexualpädagogen Helmut Kentler in den Siebzigern entwickelt und vom Berliner Senat gebilligt worden (mehr dazu auch in der FAZ). Marco lebte bis weit in seine Zwanziger mit seinem Pflegevater und anderen Jungen, die ebenfalls sexuell missbraucht wurden, zusammen. Die Geschichte, die Aviv ganz nüchtern und ohne moralisierenden Unterton erzählt, ist wirklich unglaublich. Heute wohnt Marco bei seiner Freundin, mit der er ein Kind hat, und versucht, ein ganzer Mensch zu werden. Dabei geholfen hat ihm auch eine Fotografin, die ihn für einige Zeit als Fotomodell fotografiert hat: "Die Arbeit als Model inspirierte ihn dazu, sich die Haare kürzen zu lassen. Im Friseursalon schnitt ihm eine glamouröse Frau mit einer fröhlichen Ausstrahlung, die ich Emma nenne, die Haare. Marco neigt dazu, sein Aussehen für die entscheidenden Ereignisse in seinem Leben verantwortlich zu machen: Er glaubt, dass es der Grund dafür war, dass Henkel ihn auswählte - viele von Henkels Söhnen hatten dunkle Haare und Augen - und, zwanzig Jahre später, die Erklärung für seine erste ernsthafte Beziehung ist. 'Ich war hübsch, und sie hat mich nicht verlassen', erzählte er mir von Emma. Er fügte hinzu, nur teilweise scherzhaft: 'Manche Frauen stehen einfach auf Arschloch-Typen, und ich war einer dieser Arschloch-Typen.' Zuerst war er gegen eine Beziehung, aber allmählich fand er Emmas Hingabe überzeugend. Mehr als einmal schlief sie vor seiner Wohnungstür. 'Ich habe gemerkt, dass sie mich wirklich liebt, und dass es im Leben wahrscheinlich nur einen Menschen gibt, der wirklich für dich kämpft', sagte er. Er versuchte, seine antisozialen Impulse abzustumpfen, indem er sich daran erinnerte, dass sie nicht angeboren waren, sondern durch seine Erziehung konditioniert worden waren. 'Ich habe mich sozusagen umprogrammiert', sagte er. 'Ich habe versucht, mich selbst neu zu erziehen.'"

Außerdem: Masha Gessen porträtiert die unglaublich mutige Juristin, Politikerin und Nawalny-Mitarbeiterin Lyubow Sobol.

Magazinrundschau vom 29.06.2021 - New Yorker

Der australische Gelbhaubenkakadu. Ausschnitt aus Mantegnas "Madonna della Vittoria" von 1495.  

Wie kommt ein Gelbhaubenkakadu auf ein Gemälde Mantegnas (hier das ganze Bild)? Der Vogel hat sein Hauptvorkommen in Australien und einigen Inseln Indonesiens und belegt, dass es Handelsbeziehungen zwischen Europa und Gegenden gab, deren Namen man damals noch nicht mal kannte. Der Vogel thront über einer Madonna Mantegnas, die heute im Louvre hängt, und soll wohl auch den Reichtum seines Auftraggebers, des Herzogs von Gonzaga zeigen. Entdeckt hat den Vogel die Historikerin Heather Dalton, die in Melbourne lebt, und Rebecca Mead erzählt die Geschichte dieser Entdeckung. Dalton "hielt es für plausibel, dass der Papagei über das neunzig Meilen östlich gelegene Venedig nach Mantua gelangt war, wo Kaufleute Glas und Keramik exportierten und Luxusartikel einführten. In ihrem Aufsatz für die Zeitschrift Renaissance Studies bemerkte sie: 'Wohlhabende Bürger italienischer Stadtstaaten, die solche Waren kauften, wussten vielleicht ihre Seltenheit zu schätzen, verstanden aber wenig von ihrer geografischen Herkunft.' Waren, die auf venezianischen Märkten ankamen, hatten auf ihrer Reise viele Male den Besitzer gewechselt: 'Ein Papagei kann wie ein Kunstwerk eine ganze Reihe von Besitzern gehabt haben, während er nach Westen in Richtung Europa transportiert wurde.' Eine Handvoll italienischer Händler soll sich laut Dalton im 15. Jahrhundert bis nach Java und zu den Molukken vorgewagt haben, wo sie möglicherweise auf chinesische Kaufleute trafen, die auf bestehenden Handelsrouten noch weiter östlich unterwegs waren - und unterwegs einen prestigeträchtigen Papagei erbeuteten." Übrigens gab es schon im berühmten Falkenbuch des Stauferkönigs Friedrich II. aus dem 13. Jahrhundert einen solchen Kakadu.

Magazinrundschau vom 08.06.2021 - New Yorker

Anlässlich einer Schau im British Museum fragt Rebecca Mead in einem Beitrag des Magazins, wie degeneriert der römische Kaiser Nero wirklich war. Sein Hang zu Exzessen: "Laut neuesten Erkenntnissen nichts als Übertreibung beziehungsweise ein Narrativ vorurteilsreicher, auf fragwürdigen Quellen basierender Geschichtsschreibung, verfasst Jahrzehnte nach Neros Tod. Nero war der letzte der julisch-claudischen Kaiser, und die posthumen Berichte wurden teilweise dazu benutzt, diese dynastische Linie zu verunglimpfen und den Ruf ihrer Nachfolger aufzupolieren. Darstellungen von Nero als berüchtigt 'basieren auf einer parteiischen Quellenerzählung', erklärt Thorsten Opper, Kurator der griechisch-römischen Sektion des British Museum, das eine Ausstellung zeigt, die zwar nicht darauf zielt, Nero zu rehabilitieren, aber seinen grotesken Ruf hinterfragt. 'Alles, was wir über Nero zu wissen glauben, gründet auf Manipulation und 2000 Jahre alten Lügen', meint Opper. Tatsächlich sind einige Geschichten über Nero, etwa die, er habe auf der Geige geübt, während Rom brannte, offensichtlich absurd: Geigen wurden erst im 16. Jahrhundert erfunden … Die Forschung hat festgestellt, dass viele zur Charakterisierung Neros verwendete Tropen Ähnlichkeit mit literarischen Berichten über mythische Ereignisse aufweisen. 'Das Ganze basiert auf literarischen Techniken, die in römischen Rhetorikschulen gelehrt wurden', so Opper."

Vielleicht schreckte die Leute aber auch seine Visage ab?

Marmorbüste von Nero. Italy, um 55 n.u.Z.. Foto von Francesco Piras / Ministero della Cultura - Museo Archeologico Nazionale di Cagliari


Außerdem: Adam Kirsch erinnert an den Gräzisten Milman Parry, der in den 1930ern feststellte, dass die Homerischen Epen einer oralen Erzähltradition folgen. Amanda Petrusich porträtiert die schwarze Country-Sängerin Mickey Guyton.

Magazinrundschau vom 01.06.2021 - New Yorker

Das Magazin bringt eine Reportage von Nicolas Niarchos, der die Liefer- und Geldströme im Zusammenhang mit dem für die Mobilfunk- und die E-Auto-Branche wichtigen Kobaltabbau im Kongo offenlegt und die abenteuerlichen Abbauwege: "Südkongo sitzt auf schätzungsweise 3,4 Millionen Tonnen Kobalt, fast die Hälfte des weltweiten Vorrats. In den letzten Jahrzehnten sind Hunderttausende Kongolesen in die vormals abgelegene Gegend gezogen. Kolwezi hat jetzt mehr als eine halbe Million Einwohner. Viele Kongolesen arbeiten in den Industrieminen der Region. Andere sind zu Kobaltgräbern geworden. Einige arbeiten offiziell in den lizensierten Minen, andere schleichen sich nachts hinein oder graben ihre eigenen Löcher und Tunnel und riskieren Erdrutsche, Einstürze und andere Gefahren bei der Jagd nach dem vergrabenen Schatz … Schätzungen nach arbeiten allein in Kolwezi tausende Kinder in den Minen … Im Juni 2019 wurden mehr als 40 illegale Gräber bei einem Erdrutsch getötet, nachdem sie in eine Mine der Schweizerischen Glencore in Kolwezi eingebrochen waren … In der Nacht nach dem Erdrutsch haben sich die Leute wieder eingeschlichen und weiter gegraben."

Außerdem: Kelefa Sanneh fragt, wie Bürgerrechte mithilfe der Justiz plötzlich die Politik bestimmen konnten. Andrew Marantz überlegt, was nach der "neoliberalen" Ära kommt und sieht nur zwei Optionen: Die "faschistische" Rechte oder die "progressive" Linke. Dan Chiasson stellt die Bolinas Poeten aus Kalifornien vor.

Magazinrundschau vom 18.05.2021 - New Yorker

In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe erkennt Jill Lepore im Anstieg der Burnout-Erkrankungen aufschlussreiche Hinweise auf unser Arbeitsleben: "Burnout zu hinterfragen, heißt nicht, das Ausmaß des Leidens oder die Verwüstungen im Zuge der Pandemie zu leugnen: Verzweiflung, Bitterkeit, Müdigkeit, Langeweile, Einsamkeit, Entfremdung und Trauer - vor allem Trauer. Burnout zu hinterfragen, bedeutet sich zu fragen, welche Bedeutung sich hinter dieser Vorstellung verbirgt und ob sie tatsächlich jemandem von Nutzen sein kann, der darunter leidet. Burnout ist eine als Diagnose getarnte Metapher. Sie leidet unter zwei Verwechslungen: des Besonderen mit dem Allgemeinen und des Klinischen mit dem Umgangssprachlichen. Wenn Burnout universell und ewig ist, ist es bedeutungslos. Wenn jeder ausgebrannt ist und es schon immer war, ist Burnout einfach die ganz normale Hölle des Daseins. Doch wenn Burnout ein relativ junges Problem ist, wenn es aus den frühen 1970ern stammt, als es seinen Namen erhielt, so wirft es eine historische Frage auf: Was ist die Ursache? … Burnout mag unserem heutigen Zustand entsprechen, es hat aber ganz besondere historische Wurzeln. In den siebziger Jahren, als Herbert J.  Freudenberger zum ersten Mal Burnout in verschiedenen Berufen untersuchte, stagnierten die Reallöhne, die Gewerkschaften litten unter Mitgliederschwund, und immer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung wurden durch Service-Jobs ersetzt. Einige dieser Trends kehren sich neuerdings um, doch das Gerede über Burnout in den letzten Jahrzehnten hat nichts dazu beigetragen, die ursächlichen Probleme zu lösen. Stattdessen wurde die Verantwortung für enorme wirtschaftliche und soziale Umwälzungen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt auf den einzelnen Arbeiter übertragen."

Außerdem: Rebecca Mead überlegt, zu welchem Zweck das Scharrbild des Riesen von Cerne Abbas in Dorset mit seinem sieben Meter langen Penis wohl angelegt wurde. William Finnegan sorgt sich um das Fortbestehen des Pferderennsports. Und Joan Acocella befasst sich mit neuer Literatur über den Maler Francis Bacon.

Magazinrundschau vom 11.05.2021 - New Yorker

In einem Beitrag erkundet Thomas Meaney anhand eines Buches von Tim Harper ("Underground Asia") das Schicksal einiger Aktivisten im asiatischen Raum, die sich nach der Russischen Revolution gegen den Imperialismus aus Europa stemmten. Dazu gehörten beispielsweise Manabendra Nath Roy, ein bengalischer Brahmane, der die Kommunistische Partei Indiens mitbegründet hatte und später während des chinesischen Bürgerkriegs als führender sowjetischer Gesandter in China war. Oder der Indonesier Tan Malaka, der in Holland studiert hatte und fest davon überzeugt war, dass die kommunistische Revolution mehr Chancen in Asien hätte als in Europa - und dabei auch auf das revolutionäre Potential des Islam setzte: "Die Geschichte asiatischer Untergrundbewegungen ist wenig bekannt, weil es für kaum jemand Anreiz gibt, sie zu erzählen. Siegreiche antikolonialistische Nationalisten in Indonesien und Indien mochten ihre Erfolge nicht mit ein paar geisterhaften Gestalten teilen, von denen nicht wenige zu ihren Feinden gehörten. In der Ära der Globalisierung bevorzugen viele Historiker ein Narrativ, in dem der Kolonialismus selbst durch Handel und Weltoffenheit, die er in Asiens Hafenstädte brachte, die Bedingungen für antiimperialistisches Bewusstsein schuf. Andere scheuten die Infragestellung nationaler Revolutionsbewegungen". Aber woher sie auch kamen, "die Mitglieder des asiatischen Undergrounds waren trotzig modern. Sie hingen in Cafés und Kinos herum. Frauen trugen ihre Haare in Dutts und versteckten Bomben in ihren Handtaschen. Schreibmaschinen waren ebenso begehrt wie Pistolen. Harper schreibt, dass die Revolutionäre 'Asien als eine Reihe kleinerer Regionen erlebten, jede mit ihren eigenen Bräuchen, ihrer eigenen Lingua franca und ihrem Geheimwissen'. Aber sie teilten die Überzeugung, dass es kein Zurück zu einem vorkolonialen goldenen Zeitalter gab."

Außerdem: Douglas Preston ist auf den Spuren eines alten Geheimnisses über eine verschollene Gruppe von Skifahrern im Ural. Sheelah Kolhatkar überlegt, ob Apps den Aktienhandel demokratisieren oder nur riskantes Verhalten befördern. Und Jiayang Fan besucht das Disgusting Food Museum in Schweden.

Magazinrundschau vom 04.05.2021 - New Yorker

In einem Beitrag für das neue Heft erkundet Sam Knight die auf die Unabhängigkeit Schottlands zielende Politik von Nicola Sturgeon als Kopf der Scottish National Party. Sturgeon ist eine ungewöhnliche Politikerin: eine linke Nationalistin, die den Brexit, ein nationalistisches Projekt, das Sturgeon verabscheut, benutzt um ihr eigenes Projekt durchzubringen: die Unabhängigkeit Schottlands. Aber die S.N.P. hat die Debatte über Schottlands Unabhängigkeit von der Geschichte weg und hin zu der Frage gewendet, in welcher Gesellschaft die Wähler leben wollen, in Boris Johnsons Brexit Britannien oder Nicola Sturgeons sozialdemokratischem Schottland. Und viele Schotten haben weder vergessen noch verziehen, wie sie jahrzehntelang von den Engländern, besonders Margaret Thatcher, behandelt wurden. Dass Sturgeon außerdem die Pandemie besser gemeistert hat als Boris Johnson, könnte mithelfen, den größten Haken in der Unabhängigkeitsbewegung zu ignorieren: "Der Brexit hat die Unterstützung für ein schottisches Unabhängigkeitsreferendum gefestigt, aber er ist auch ein Faktor, der die Dinge kompliziert. Großbritannien hat nun sowohl den Binnenmarkt als auch die Zollunion der EU verlassen. Infolgedessen werden für die meisten Waren, die mit Europa gehandelt werden, neue Zoll- und Grenzkontrollen durchgeführt. Wenn Schottland unabhängig wird, muss es sich entscheiden zwischen dem grenzenlosen Handel mit dem Rest Britanniens, in das es jährlich Waren im Wert von etwa sechzig Milliarden Pfund exportiert, und dem Beitritt zum EU-Binnenmarkt, in den es ein Viertel dieser Menge exportiert. Im Februar berechnete die London School of Economics, dass ein Austritt aus dem Vereinigten Königreich für die schottische Wirtschaft handelstechnisch zwei- bis dreimal so schädlich wäre wie der Brexit. ... Als ich Andrew Wilson, einen ehemaligen S.N.P.-Funktionär, der an einem kürzlich veröffentlichten Wirtschaftsplan für ein unabhängiges Schottland mitgeschrieben hat, fragte, ob das Land zwischen dem EU-Binnenmarkt und dem des Vereinigten Königreichs wählen müsste, antwortete er: 'Ja, ganz klar.'"

Außerdem: Matthew Hutson macht sich Gedanken über die Regenerationsfähigkeit unseres Körpers. Adam Gopnik verliert sich in Proust. Außerdem gibt es einen Auszug aus den Erinnerungen des afroamerikanischen Künstlers Winfred Rembert, der in den Siebzigern während einer Gefängnisstrafe in einer Chain Gang (also mit anderen an eine Kette gefesselt) arbeiten musste.