
In einem
Brief aus Israel porträtiert Ruth Margalit den 47-jährigen israelischen Politiker
Mansour Abbas, Mitglied der neuen Regierung Bennett-Lapid und Vorsitzender der arabischen Ra`am-Partei (Vereinigte Arabische Liste), die wegen ihrer Verbindungen zu den Muslimbrüdern von jüdischen Israelis mit Misstrauen beäugt wird. Einige Abgeordnete haben ihn deshalb beschuldigt, den Terror zu unterstützen. Auf der anderen Seite bezeichnet die
palästinensische Presse Abbas regelmäßig als Verräter: "Ein altgedienter Verhandlungsführer meinte, sein Aufstieg in der Knesset habe eine 'Vichy-Regierung' hervorgebracht. Ihm wird vorgeworfen, sich zu wenig im langen Kampf für die palästinensische Eigenstaatlichkeit zu engagieren. Im Westjordanland leben 2,3 Millionen Menschen unter israelischer Besatzung, weitere zwei Millionen sind im Gazastreifen blockiert. Doch Abbas konzentriert sich stattdessen auf die Verbesserung der Bedingungen für die
palästinensischen Bürger Israels, eine Bevölkerung von fast zwei Millionen, die jahrzehntelang diskriminiert und vernachlässigt wurde. (Die traditionelle Bezeichnung für diese Gruppe, arabische Israelis, ist zunehmend umstritten, wird aber von Abbas bevorzugt.) Als Abbas im März an einer
Demonstration gegen die israelische Polizei in der arabischen Stadt Umm al-Fahm teilnahm, schlugen ihm zwei seiner Mitdemonstranten auf den Kopf. Obwohl er sehr gläubig ist, hat er aus Angst um seine Sicherheit aufgehört, die Predigten in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem zu besuchen. 'Für ihn ist das so, als würde er nicht nach Hause gehen', sagte mir sein Bruder." Dass die Reportage am Ende mit einem
Hoffnungsschimmer endet, hat Abbas nur sich selbst zu verdanken.
Elizabeth Kolbert
berichtet über das
Insektensterben und was es für uns bedeutet. Der Insektenforscher
David Goulson hat mit
"Silent Earth: Averting the Insect Apocalypse" das Buch zum Thema geschrieben: "Goulson beklagt, dass viele Menschen Insekten für
Schädlinge halten. Er möchte, dass die Leser erkennen, wie erstaunlich sie wirklich sind, und beginnt seine Kapitel mit Profilen sechsbeiniger Wesen. Die männlichen Vertreter vieler Arten von Ohrwürmern haben
zwei Penisse. Werden sie während der Paarung gestört, knicken sie den in Verwendung einfach ab und flüchten. Weibliche Juwelenwespen stechen ihre Beute - große Kakerlaken -, um eine zombieartige Trance hervorzurufen. Dann
kauen sie die Antennenspitzen der Kakerlaken ab, führen die verblüfften Kreaturen an den Stümpfen zurück in ihre Höhlen und legen ihre Eier darin ab. Ältere Termiten der Art Neocapritermes taracua entwickeln an ihrem Hinterleib Taschen, die mit kupferreichen Proteinen gefüllt sind. Gewinnt ein Eindringling im Kampf die Oberhand,
sprengen sich die Termiten in die Luft, um die Kolonie zu schützen, eine Praxis, die als selbstmörderischer Altruismus bekannt ist. Die Proteine reagieren mit Chemikalien, die in ihren Speicheldrüsen gespeichert sind, und werden zu hochtoxischen Verbindungen … Aber Insekten sind auch lebenswichtig … Sie unterstützen einen überwiegenden Teil der terrestrischen Nahrungsketten, sind die
fleißigsten Bestäuber des Planeten und wichtige Zersetzer."
Und in einem anderen
Artikel untersucht Parul Sehgal, wie
Amazon und
Kindle Direct Publishing (K.D.P.)
den Roman zur Instant-Ware degradieren: "Die Plattform bezahlt den Autor nach der Anzahl der gelesenen Seiten, was einen starken Anreiz für dauernde Cliffhanger schafft und dafür, möglichst schnell möglichst viele Seiten vollzuschreiben. Der Autor wird dazu gedrängt, nicht nur ein Buch oder eine Serie zu produzieren, sondern etwas, das
einem Feed gleicht - was Mark McGurl (in seinem Buch
'Everything and Less: The Novel in the Age of Amazon', d. Red.) eine 'Serienserie' nennt. Um die
Werbealgorithmen von K.D.P. vollständig nutzen zu können, muss ein Autor laut McGurl alle drei Monate einen neuen Roman veröffentlichen. Um bei dieser Aufgabe zu behilflich zu sein, gibt es schon Regalmeter von Lehrbüchern, darunter
Rachel Aarons '2K to 10K: Writing Faster, Writing Better, and Writing More of What You Love', das dazu anleitet, einen oder zwei Romane pro Woche auszuspucken. Obwohl sich K.D.P. vor allem um Quantität sorgt, stellt es auch gewisse idiosynkratische Standards auf. Amazons
'Guide to Kindle Content Quality' warnt den Autor vor Tippfehlern, 'Formatierungsproblemen', 'fehlenden oder enttäuschenden Inhalten' und nicht zuletzt vor 'Inhalten, die
kein angenehmes Leseerlebnis bieten'. Literarische Enttäuschung hat zweifellos immer gegen den vermeintlichen Vertrag mit dem Leser verstoßen, doch in Bezos' Welt ist das buchstäblich gemeint. Der Autor ist tot, es lebe der Dienstleister."
Weitere Artikel: Olufemi O. Taiwo
macht Kolonialismus und Kapitalismus für den
Klimawandel verantwortlich und fragt, warum die Politik so wenig dagegen tut. Peter Schjeldahl
schwärmt von der
Surrealismus-Ausstellung im Metropolitan Museum in New York. Anthony Lane
sah im Kino
Wes Andersons "The French Dispatch". Alex Ross
hörte Jonas Kaufmann in der Carnegie Hall.