Magazinrundschau - Archiv

Le point

157 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 16

Magazinrundschau vom 14.04.2009 - Point

In seinen Bloc-notes singt Bernard-Henri Levy ein Loblied auf die Nato und watscht deren Gegner beziehungsweise die "Krawallmacher" von Straßburg ab - und dies gründlich. Nichts hätten diese begriffen. "Bizarrerweise hat man von ihnen noch nie ein Wort der Auflehnung oder des Mitgefühls zum Martyrium von Ruanda oder Darfur gehört. Sie sind Ideologen. Solange ihre fixen Ideen triumphieren sind ihnen all die namenlosen Opfer der vergessene Kriege, wie einst die Bosnier und Kosovaren, herzlich egal. Sie passen nicht ins Schema."

Magazinrundschau vom 10.03.2009 - Point

In seinen Bloc-notes macht Bernard-Henri Levy gegen die für April angekündigte Durban Review Conference in Genf mobil, die Folgeveranstaltung jener skandalösen "UN-Weltkonferenz gegen Rassismus" 2001 im südafrikanischen Durban, die sich zu einer Plattform hasserfüllter Agitation gegen Israel und die Juden entwickelt hatte. "Alles, was man über die Organisation dieser neuen Konferenz weiß, alles, was an Absichten aus dem Büro des von Libyen geleiteten 'Vorbereitungskomitees' durchsickert, besonders im Vorentwurf der bereits jetzt schon vor allem mit Hilfe der pakistanischen, kubanischen und iranischen – ah, die großen Demokraten! – Vizepräsidenten verfassten 'Abschlusserklärung', lässt das Schlimmste befürchten. (...) Im Interesse des Kampfs für die schöne und noble Sache, die der Antirassismus darstellt, aus Respekt vor all jenen, von Fanon bis Mandela, die seinen Geist bestimmt haben, muss man – sehr schnell, sehr entschieden und ohne Appell – die Farce von Durban II ablehnen."

(Am kommenden Donnerstag findet um 11 Uhr im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung übrigens eine Pressekonferenz der Initiative "Boykottiert Durban 2!" mit diversen Referenten statt. Moderieren wird Perlentaucher Thierry Chervel.)

Magazinrundschau vom 17.02.2009 - Point

Bernard-Henri Levy erinnert in seinen Bloc-notes an den 20. Jahrestag der gegen Salman Rushdie wegen seiner "Satanischen Verse" verhängten Fatwa. "Die Ayatollahs waren nicht die ersten, die Bücher verbrannt und Schriftsteller umgebracht haben? Gewiss. Und diese Verletzung der Sicherheit des Geistes ist jedes Mal eines der Warnsignale für einen Einzug ins Reich des Bösen. Die Affäre Rushdie war ein solcher Indikator. Sie hatte die Funktion, der alten Welt die Totenglocke zu läuten. Sie sollte eines dieser Ereignisse, wenn nicht das Ereignis gewesen sein, welches das Auftauchen einer neuen Variante des Faschismus, des Islamofaschismus markiert. Es gab den 11. September mit seinen drei Anschlägen... Den Tod von Massoud als Vorspiel... Das Martyrium von Daniel Pearl etwas später... Doch am Beginn dieser Reihe, so scheint mir rückblickend, steht plötzlich ganz eindeutig dieses Todesurteil für einen Schriftsteller wegen literarischer Beleidigung des Koran."

Magazinrundschau vom 03.02.2009 - Point

Bernard-Henri Levy schreibt über den Film "Operation Walküre", der auch in Frankreich angelaufen ist. Er findet es durchaus problematisch, dass einer der wichtigsten Anhänger einer totalitären Sekte einen einen Heden des Widerstands gegen die Nazis spielt. Mehr noch aber stört ihn etwas anderes: Der Wald des deutschen Widerstands werde hinter dem einzigen Baum Stauffenberg versteckt. Stauffenberg habe zumindest anfänglich noch die Ideale des Totalitarismus geteilt - anders als zivile Widerständler wie Georg Elser, Sophie Scholl oder Willy Brandt: "Diese Unterscheidungen zu verwischen, darin liegt die Gefahr. Es kommt aber darauf an, sie zu akzentuieren und immer wieder die Kriegskultur der Nazis und einiger ihrer Gegner auf der einen Seite und den radikalen Antinazismus der Erben von Willy Brandt auf der anderen Seite zu sehen: Darin besteht die Aufgabe, die in diesem Film selbst eher verunklart wird. Eine Aufgabe für Deutschland. Eine Pflicht für Europa."

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - Point

"Zweifelhaft" und "ekelerregend" findet Bernard-Henri Levy die neuen "Freunde" des palästinensischen Volkes, die in Europa aus ganz unterschiedlichen Gründen Partei gegen Israel ergriffen. Besonders unheilig war dabei eine Allianz aus dem linksradikalen Spektrum angehörigen Politikern wie Olivier Besancenot und Vertretern des rechten Spektrums wie dem antisemitischen Komiker Dieudonne und Jean-Marie Le Pen, die den Gaza-Streifen mit einem "Konzentrationslager" verglichen haben. Levy, der sich derzeit in Ramallah und Sderot aufhält, schreibt: "Was für eine Erleichterung, echte statt diese imaginären Palästinenser zu erleben, die den Angriff auf Synagogen in Frankreich für einen Akt des Widerstands halten! Erstere zwingen sich zu Mäßigung und versuchen mit bewundernswert kühlem Kopf die Chancen für ein zukünftiges Zusammenleben zu erhalten; letztere sind besessen, viel radikaler als die Radikalsten und bereit, auf dem Pflaster europäischer Städte bis zum letzten Blutstropfen des letzten Palästinensers zu kämpfen. (...) Aus Ramallah und Sderot diese Mobilisierung gegen einen 'Holocaust' verfolgend, der bis zum Zeitpunkt, in dem ich dies schreibe, 888 Tote gekostet hat, stelle ich eine einfache Frage: Wo waren sie denn, diese Demonstranten, als es darum ging nicht 888, sondern 300.000 Todesopfer der Massaker in Darfur zu retten?"

Magazinrundschau vom 13.01.2009 - Point

Man müsse die Palästinenser vom "düsteren Einfluss" der Hamas befreien, meint Bernard-Henri Levy in seinen Bloc-notes. Angesichts des von jeher ausdrücklich gegen die israelische Zivilbevölkerung gerichteten Raketenbeschusses durch die Hamas erstaunt ihn weniger die "Brutalität" Israels als dessen lange Zurückhaltung. "Hoffen wir, dass die Kämpfe schnell enden und die Kommentatoren wieder zu Verstand kommen. Sie werden feststellen, dass Israel viele Fehler gemacht hat (verpasste Gelegenheiten, lange Verweigerung der nationalen Forderungen der Palästinenser, Unilateralismus), dass aber die schlimmsten Feinde der Palästinenser diese extremistischen Führer sind, die niemals den Frieden oder einen Staat wollten und für ihr Volk niemals einen anderen Status vorgesehen haben als den eines Instruments und einer Geisel."
Stichwörter: Hamas, Levy, Bernard-Henri

Magazinrundschau vom 30.12.2008 - Point

In Frankreich ist gerade das jüngste Buch von Peter Sloterdijk "Theorie der Nachkriegszeiten: Bemerkungen zu den deutsch-französischen Beziehungen seit 1945" erschienen und wird dort vermutlich für einiges Aufsehen sorgen. Denn Sloterdijk argumentiert darin, dass entgegen der vielbeschworenen deutsch-französischen Freundschaft beide Länder voneinander abgerückt seien und Frankreich sich keiner Gewissensprüfung unterzogen und stattdessen seine Niederlage in einen Sieg umfrisiert habe. In einem Gespräch erläutert Sloterdijk seine Thesen und sein Motiv, im Vorfeld der geplanten Feierlichkeiten zur Aussöhnung am 8. Juli 2012 für einen Bruch zu plädieren: "Die berühmte deutsch-französische Freundschaft ist ein Phantom, das die Profis der offiziellen Begegnung erfunden haben. Es schien mir zweckdienlich und sogar notwendig, diese Selbstbeglückwünschungsroutinen zu stören. Denn worin bestehen denn die tatsächlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern jenseits dieser Augenwischerei von Ehrengästen in den Kulturzentren? Es gibt wirtschaftlichen Austausch, ein bisschen Tourismus und ein großes gegenseitiges Desinteresse, und das ist auch gut so."

Magazinrundschau vom 09.12.2008 - Point

Für Bernard-Henri Levy steht fest, dass die Attentäter von Bombay aus Gruppen stammen, die Beziehungen zum pakistanischen Geheimdienst haben. So schreibt er in seinen "Bloc-notes": "Lashkar-e-Toiba steht seit ihrer Gründung der ISI ("Inter Services Intelligence") nahe, jenem Geheimdienst, der in Pakistan einen Staat im Staate darstellt und dessen Machenschaften sich der politischen Kontrolle entziehen: Diese Verbindung ist natürlich verdeckt; man kann, wie nach dem 11. September, Lashkar sogar verbieten. Die Gruppe hat sich dann unter anderem Namen neu gebildet hat und nennt sich heute Jama'at-ud-Dawa ; doch von der Entführung Daniel Pearls und dem Anschlag im Juli 2005 auf den Hindutempel von Ayodhya in Uttar Pradesh bis zu kleineren Operationen in Pakistan häufen sich die Beweise sowohl der Finanzierung als auch der technischen Ausstattung der Gruppe durch die Fraktion der islamistischen Sympathisanten in der ISI."

Magazinrundschau vom 02.12.2008 - Point

In Frankreich liegt ein Gesetz zur Verabschiedung vor, das den Umgang mit der Leugnung des armenischen Völkermords regeln soll. Eine breite Front vor allem aus Geschichtswissenschaftlern. angeführt von Pierre Nora, Vorsitzender der Initiative Liberte pour l'Histoire, verwahrt sich im so genannten Appel de Blois gegen diesen gesetzlich verordneten Umgang mit Geschichte und fordert den Senat auf, der Ratifizierung nicht zuzustimmen. Sein Hauptargument: Dieses Gesetz "terrorisiere" die Historiker und spanne sie in ein "politisch korrektes Joch", das "ihre Arbeit behindere". Eine der interessantesten Gegenpositionen dazu nimmt Bernard-Henri Levi ein, der seinerseits argumentiert, die Leugnung eines Verbrechens wiederhole es. In seinen Bloc-notes schreibt er: "Nicht die Gesetze, sondern die Leugner des Verbrechens terrorisieren die Historiker. Diese Gesetze sind nicht dazu da, die Forscher zu behindern, sondern sie von dieser Wunde, dieser Pest von Verfälschern zu befreien. Nehmen wir nur das einzige dieser Gesetze, das derzeit funktioniert: das so genannte Gesetz Gayssot, das die Leugnung des Holocaust unter Strafe stellt. Das ist ein Anti-Le-Pen-Gesetz, ein Gesetz gegen antisemitische Verunglimpfung. Die Unterzeichner des Appells von Blois sollen mir einen einzigen Wissenschaftler nennen, der dadurch in seiner Forschungs- und Meinungsfreiheit beeinträchtigt worden wäre."

Magazinrundschau vom 28.10.2008 - Point

Nach seiner Vorhersage des Zusammenbruchs der Sowjetunion 1976 und seinem Nachruf auf die Weltmacht USA analysiert der Historiker, Anthropologe und ehemalige Literaturkritiker Emmanuel Todd in seinem neuen Buch "Apres la democratie" (Gallimard) die politische Krise Frankreichs und der Demokratie. In einem Interview erläutert der erklärte Kritiker des Neoliberalismus seine Thesen und repetiert noch einmal mehr sein Lieblingsrezept - den Proektionismus. Sonst blüht den Franzosen Finsteres: "Das grundlegende Problem der Demokratie besteht darin, dass die politische Klasse sich weigert, den Freihandel in Frage zu stellen, der zur Absenkung der Einkommen und zur Zunahme der Ungleichheiten, kurz zu einem sinkenden Lebensstandard der Mehrheit führt. (...) Man muss sich jetzt entscheiden: Eine Ethnisierung der französischen Demokratie scheint mir zwar ziemlich unwahrscheinlich. Dagegen klingt die Abfolge 'Verarmung der jungen Akademiker - Klassenkämpfe - Autoritarismus und schließlich Verfall der Demokratie' schon wahrscheinlicher. Die Kommunistische Partei ist tot, aber Marx kehrt zurück. Bonaparte leider auch."